Samstag, 3. Oktober 2026

Claires Knie















Regie. Eric Rohmer

Liebe und Begierde am See...

Eric Rohmers Film "Claires Knie"(Originaltitel: Le Genou de Claire) aus dem Jahr 1970  war der fünfte Teil seiner Moralischen Geschichte und auch ein Kassenschlager. Er erhielt zudem breite Anerkennung von französischen Kritikern. Sie waren begeistert von der außergewöhnlichen Studie des Begehrens, des beinahe literarischen Sprachvergnügens, das jede Neigung begleitet. Zudem hat der Kameramann Nestor Almendros den See von Annecy, seine Berge, seine Wälder, seine Gärten, seine Rosensträuße wie ein Maler behandelt. Die Landschaften und die Jahreszeiten spielen bei Eric Rohmers Filmen eine große Rolle. Der elegante und zurückhaltende Inszenierungsstil präsentiert die Figuren mit all ihren Wünschen, ihren zögernden Tagträumen, ihren kurzen Gefühlsausbrüchen und ihren Bekenntnissen und Erkenntnissen. "Claires Knie" ist sicherlich der visuell sinnlichste und der leuchtendste dieser insgesamt "Sechs Moralischen Erzählungen". In Talloires am Ufer des Sees von Annecy trifft Jérôme (Jean Claude Brialy), ein 35-jähriger Kulturattaché, während seines letzten Junggesellenurlaubs vor seiner bevorstehenden Hochzeit zufällig seine Freundin Aurora (Aurora Cornu), eine rumänische Schriftstellerin, die sentimentale Romane schreibt, die von realen Geschichten inspiriert sind, darunter auch solchen, die Jérôme ihr erzählt. Aurora mietet den Sommer über ein Haus bei Madame Walter (Michelle Montell) der Mutter von Laura (Beatrice Romand), einer aufgeweckten und schlagfertigen Sechzehnjährigen. In der Hoffnung, Material für eine romantische Nebenhandlung in einem zukünftigen Roman zu finden, drängt Aurora Jérôme in die Arme des Teenagers. Da Laura eine Vaterfigur vermisst, fühlt sie sich zu Jérôme hingezogen. Daraus entwickelt sich zunächst eine zärtliche, intellektuelle und freundschaftliche Beziehung, die beinahe romantisch wird. Als sie jedoch von Jérômes bevorstehender Hochzeit erfährt, distanziert sich Laura und beginnt eine Beziehung mit Vincent (Fabrice Luchini), einem Freund in ihrem Alter. Mit Vincent führt Jérôme tiefgründige und nachdenkliche Gespräche, ähnlich wie ein älterer Bruder mit einem jüngeren. Eines Tages erblickt Jérôme Claire (Laurence de Monaghan), Lauras atemberaubende Halbschwester, etwa 18 Jahre alt, eine schlanke Blondine mit einem zurückhaltenden Wesen, das Jérôme zutiefst verstört. Während sie auf einer Leiter sitzt und Früchte pflückt, verspürt er den unwiderstehlichen Drang, ihr Knie zu berühren, wozu ihn Aurora, der er sein Leid anvertraut, nachdrücklich ermutigt. Claire hingegen, die Jérôme gleichgültig gegenübersteht, ist in Gilles  (Gerard Falconetti) verliebt, einen sportlichen und etwas prahlerischen jungen Mann. Zufällig entdeckt Jérôme Gilles mit einem anderen Mädchen, obwohl Gilles Claire erzählt hatte, er würde den Tag in Grenoble bei seiner Mutter verbringen. Empört darüber, dass jemand eine junge Frau, die er für so tugendhaft hält, belügen konnte, vertraut er sich Claire an und beichtet ihr sein Unglück. Bestürzt erlaubt sie ihm schließlich, seine Hand – die sie als brüderliche Geste der Zuneigung deutet – auf ihr Knie zu legen. So gelingt es Jérôme, den Bann zu brechen, der ihn gefangen gehalten hatte. Jerome erzählt Aurora, was passiert ist, und liefert ihr damit Material für ihre Romane. Dann gehen alle ihrer Wege, außer Gilles und Claire, die sich wieder versöhnen, nachdem Gilles aufgeklärt hat, was in Wirklichkeit nur ein Missverständnis war...








In seiner Biographie schildert Jean Claude Brialy die Dreharbeiten am See von Annecy. Laut Brialy brachte Rohmer damals die gesamte Filmcrew in einem alten Haus mit nur einem Badezimmer unter, während er selbst in einem Schuppen schlief. Die Zusammenarbeit mit der talentierten Jungdarstellerin Beatrice Romand blieb ihm besonders in Erinnerung, da die Beziehung der beiden sich äusserst schwierig gestaltete. Sie störte mit ihren Eskapaden die Dreharbeiten und biss ihn sogar in einer Szene. Am Ende konnte man allerdings auf ein hervorragendes Ergebnis blicken - es ist einer von Rohmers besten Filmen und er wurde mit dem Louis Delluc Preis, dem National Board of Review Award und dem Melies Preis ausgezeichnet. Ebenso gab es 1972 eine Nominierung für den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film.












Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

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