Sonntag, 27. September 2026

Cromwell












Regie: Ken Hughes

Bürgerkrieg in England...

In den späteren 60er und frühen 70er Jahren entstanden in Großbritannien einige opulente und hervorragende Historienfilme - alle angesiedelt in der englischen Geschichte. Fred Zinnemanns "Ein Mann zu jeder Jahreszeit" wurde mit zahlreichen Oscars ausgezeichnet. Es folgten "Der Löwe im Winter" von Anthony Harvey, "Königin für 1000 Tage" und "Maria Stuart, Königin von Schottland" von Charles Jarrot und "Cromwell" von Ken Hughes, der auch Klassiker wie "Tschitti Tschitti Bang Bang" und Genrefilme wie "Terror Eyes" inszenierte. Von diesen genannten Ausflügen in die Geschichte ist sein "Cromwell" der schwächste Beitrag. Hughes schrieb auch das Drehbuch.  Der Film basiert auf dem Leben von Oliver Cromwell, der in der Spätphase des Englischen Bürgerkriegs zum Anführer der parlamentarischen Streitkräfte aufstieg und in den 1650er Jahren als Lordprotektor über Großbritannien und Irland herrschte. Zur Besetzung gehören unter anderem Richard Harris als Cromwell, Alec Guinness als König Karl I., Robert Morley als Edward Montagu, 2. Earl of Manchester, sowie Timothy Dalton als Prinz Ruprecht von der Pfalz. Der Film erhielt bei der Oscar-Verleihung 1971 zwei Nominierungen und gewann den Preis für das beste Kostümdesign (Vittorio Nino Novarese); zudem war er für die beste Filmmusik (Frank Cordell) nominiert. Darüber hinaus gab es Nominierungen für einen BAFTA Award (bestes Kostümdesign) und einen Golden Globe Award (beste Filmmusik). Auf dem Internationalen Filmfestival Moskau 1971 wurde Richard Harris als bester Darsteller ausgezeichnet, und der Film war für den Goldenen Preis als bester Film (Ken Hughes) nominiert. Aufgrund diverser historischer Ungenauigkeiten fielen die Kritiken damals nicht besonders gut aus. Die größte Stärke ist die Darstellung von Alec Guinness als König Karl I., während Richard Harris sehr oft bedeutungsschwangere Monologe von sich geben muss, die eher etwas künstlich wirken. Trotz allem ist der Film sehr authentisch - Kostüme, Drehorte, Erscheinungsbild der Figuren geben das zeitgefühl korrekt wieder.  Oliver Cromwell (Richard Harris) ist ein tiefgläubiger Puritaner, Landedelmann, Friedensrichter und ehemaliges Parlamentsmitglied. Die Politik von König Karl I. (Alec Guinness) – darunter die Einzäunung von Gemeindeland zugunsten wohlhabender Grundbesitzer und die Einführung "römisch-katholischer“ Rituale in die Church of England – stößt bei vielen, auch bei Cromwell, auf zunehmenden Unmut. Karl selbst betrachtet sich als gläubigen Anglikaner; er gestattet seiner französischen Königin (Dorothy Tutin) zwar die private Ausübung des katholischen Glaubens, untersagt ihr jedoch, den jungen Prince of Wales in diesem Glauben zu erziehen. Cromwell plant, mit seiner Familie in die Neue Welt auszuwandern, lässt sich jedoch kurz vor der Abreise dazu überreden, zu bleiben und wieder politisch tätig zu werden.Nur widerwillig hat Karl nach zwölf Jahren erstmals wieder das Parlament einberufen, da er Gelder für Kriege gegen die Schotten und die Iren benötigt. Um das Unterhaus zu beschwichtigen, willigt er zwar in die Hinrichtung seines kriegerischen Beraters, des Earl of Strafford (Patrick Wymark), ein, doch das Parlament verweigert ihm die geforderten Mittel, solange er nicht Reformen zustimmt, die auf eine konstitutionelle Monarchie hinauslaufen könnten. Da er fest an das Gottesgnadentum der Könige glaubt und seine Königin ihn drängt, standhaft zu bleiben, lehnt Karl dies ab. Als er mit einer bewaffneten Leibwache im Parlamentssaal erscheint und versucht, fünf Abgeordnete verhaften zu lassen, bricht in England Krieg aus: Die Anhänger des Parlaments rüsten sich zum Kampf gegen die Gefolgsleute des Königs, wobei beide Seiten davon überzeugt sind, dass Gott auf ihrer Seite steht.Nachdem sich die Parlamentsstreitkräfte – in denen Cromwell als Kavallerieoffizier dient – ​​in der Schlacht bei Edgehill als ineffektiv erwiesen haben, stellt er gemeinsam mit Thomas Fairfax (Douglas Wilmer) die „New Model Army“ auf, die schließlich die Wende im Kampf gegen die königlichen Truppen herbeiführt. Disziplin und Ausbildung der Armee sichern den Sieg in der Schlacht bei Naseby trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit; Cromwells Kavallerie erweist sich dabei als entscheidender Faktor, wenngleich einer seiner Söhne in der Schlacht fällt. Schließlich wird der König in seinem Hauptquartier in Oxford eingekesselt; seinen treuen Anhänger und Neffen, Prinz Ruprecht von der Pfalz (Timothy Dalton), verbannt er, nachdem dieser den Hafen von Bristol nicht halten konnte. Endgültig besiegt wird Karl in einem zweiten Konflikt, nachdem er – unterstützt durch die Königin und seinen ältesten Sohn, die zu diesem Zweck ins Ausland entsandt wurden – versucht hatte, Hilfe von katholischen Nationen zu erwirken. Später erfährt Cromwell von Sir Edward Hyde (Nigel Stock), dem einst treuen Berater des Königs, von Charles’ geheimen Plänen, eine rein katholische Armee zu seiner Unterstützung aufzustellen; dabei weigert sich Charles hartnäckig, den Forderungen Cromwells und seiner Mitstreiter nach einem Regierungssystem nachzugeben, in dem das Parlament ebenso viel Mitspracherecht bei der Führung des Landes hat wie der König. Cromwell veranlasst daraufhin ein Hochverratsverfahren gegen Charles vor dem Parlament. Während des Prozesses weigert sich der König, eine über seiner eigenen stehende Autorität anzuerkennen; er wird jedoch schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Nach dem Abschied von seinen jüngeren Kindern tritt er mutig den Gang zur Hinrichtung an. Sein Tod löst kaum Jubel oder Genugtuung aus – selbst bei Cromwell nicht.Tatsächlich hat sich Cromwell missmutig auf die Forderung vieler Parlamentarier, selbst König zu werden. Doch das Parlament erweist sich bei der Regierungsführung bald als eigennützig. Cromwells Truppen entfernen die Abgeordneten aus dem Unterhaus, sodass Cromwell symbolisch als faktischer Diktator allein im Sitzungssaal zurückbleibt und dem Zuschauer seine Vision für das Protektorat darlegt. Der Film endet mit einem Kommentar aus dem Off, der besagt, dass Cromwell fünf Jahre lang sehr erfolgreich als Lordprotektor amtierte, bevor der Sohn von Charles I. als König eines Englands zurückkehrte, das "nie wieder dasselbe sein würde“....







Der Film wartet mit beeindruckenden Massenszenen auf, auch wenn die Sequenzen der Schlachten fast schon etwas zu lange dauern. Als eine Gemeinsamkeit dieser britischen Historienfilme aus dieser Zeit darf auch die dramatisch gestaltete Hinrichtungszene am Ende nicht fehlen. Hier darf Alec Guinness noch einmal alle Register seines schauspielerischen Könnens zeigen wie vor ihm Paul Scofield als Thomas Moore, Genevieve Bujold als Anna Boleyn und Vanessa Redgrave als Maria Stuart. 










Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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