Freitag, 14. April 2017

Das kalte Herz

























Regie: Johannes Naber

Die tragische Geschichte des Köhlerjungen Peter Munk...

Die Schwarzwaldsage "Das Kalte Herz" des deutschen Märchenerzählers Wilhelm Hauff (1802-1827) wurde schon mehrfach verfilmt. Im Jahr 1924 von Fred Sauer, dann 1933 durch Karl Ulrich Schnabel. Die DEFA-Produktion von 1950 war sehr erfolgreich und löste eine echte Kinderfilm- und Märchenfilmwelle in der DDR aus. 1978 versuchte sich das ZDF an einer sechsteigligen Serie. Es folgte eine Variante aus der Sowjetunion. Die Augsburger Puppenkiste nahm sich ebenfalls dem interessanten Stoff an. Auch Animationsfilmer Hannes Rall mit seiner 29minütigen Version darf dabei nicht vergessen werden. 2014 fand "Das kalte Herz" wieder Platz im ZDF Programm, als eine der Folgen der Reihe "Märchenperlen im ZDF".
Vielleicht ist die 2016er Kinoversion von Regisseur Johannes Naber (Deutscher Filmpreis in Bronze für "Zeit der Kannibalen" die bislang ambitionierteste und aufwendigste von allen, denn schon alleine in der Besetzung sind große Namen deutscher Schauspieler wie Moritz Bleibtreu oder Frederic Lau dabei.
Im Grunde ist "Das kalte Herz" aber eher eine Sage als ein Märchen - die Geschichte des jungen Köhlers Peter Munk erschien 1827 in Hauffs "Märchenalamach aus dem Jahre 1828" in zwei Teilen eingebettet in die Erzählung "Das Wirtshaus im Spessart". Tatsächlich hat Johannes Nabel stellenweise einen fasznierenden deutschen Film gemacht, der allerdings auch einige Schwächen aufweist und vielleicht hätte man ihn noch besser machen können, wenn man sich mehr an die Vorlage gehalten hätte, der Liebesgeschichte nicht ganz so viel Raum gegeben hätte. An Sebastian Lau als Peter Munk muss man sich ein bisschen gewöhnen, es liegt aber vielleicht auch daran, dass man anfangs beim Gesicht von Lau zu dick Ruß aufgetragen hat und er bewusst etwas zu tölpelhaft agiert, weil man die Verwandlung des Charakters deutlich herausstellen wollte - wäre aber nicht nötig gewesen in dieser etwas übertriebenen Art.
Die Schwarzwaldsage, die erzählt wird, handelt von zwei Arten von Geistern: Das im Wald beheimatete Glasmännchen (Milan Peschel) ist ein guter Geister, der mit seinen Artgenossen in den Bäumen lebt und jedem drei Wünsche gewähren, die darum bittet - vorausgesetzt sie sind an einem Sonntag zwischen 11 und 2 Uhr geboren. Die Menschen im Schwarzwald, in der Nähe von Wolfach, glauben aber nicht mehr so stark an diese Waldgeister. Denn der Mensch stellt sich gegen die Natur und will die Welt erobern. Ganz in der Nähe gibts aber auch noch einen bösen Geist, der mit dem Teufel im Bunde steht. Es ist der Holländer-Michel (Moritz Bleibtreu), der fordert aber von jedem der ihn um Hilfe bittet das Herz und tauscht das menschliche Herz gegen ein Herz aus Stein aus. Peter Munk (Frederic Lau) ist verliebt in die hübsche Lisbeth (Henriette Confurius), Tochter des Glasbläsers Löbl (Sebastian Blomberg). Doch die ist unerreichbar für einen armen Köhlerssohn wie ihn. In der Geselllschaftlichen Rangordnung stehen die Köhler ganz weit unten. Weit mehr angesehen sind die Glasbläser und die Holzfäller. Daher hat Bastian (David Schütter), der Sohn von Holzhändler Etzel (Roeland Wiesnekker) viel mehr Chancen bei der Brautwerbung, obwohl Lisbeth schon auch etwas für den gutmütigen Peter empfindet. Der Vater verbietet aber den Umgang. Eines Tages trifft Peter tatsächlich auf das Glasmännchen und er wünscht sich drei eher dumme Wünsche: 1. Bester Tänzer zu sein 2. Immer soviel Geld in den Taschen zu haben wie der reiche Etzel und 3. Eine Glashütte zu besitzen. Bald merkt er aber, dass er noch mehr Hilfe braucht und das Schicksal will es, dass er beim Geist des Holländer-Michels vorbeischaut. Dieser will ihn zum reichen und angesehenen Mann machen, der sich alles leisten kann. Der Preis ist aber das Herz. Mit kaltem Herz aus Stein geht er auf Wanderschaft und kommt irgendwann in seine Heimatstadt Gutach zurück....



Johannes Naber ist es gelungen eine schöne märchenhafte Atmosphäre zu schaffen, sein Schwarzwald ist ein Ort voller alter Geheimnisse und die Bebilderung des Films ist gut gelungen. Kameramann Pascal Schmit hat das Szenario in authentische Bilder verpackt. Durch die Liebesgeschichte ist die Geschichte aber manchmal etwas zu überfrachtet. Dennoch fesselt der Film. Auch Moritz Bleibtreu, den ich zuerst nicht erkannte, überzeugt als fieser Holländer Michel, da er seine Rolle nicht übertreibt, sondern insgesamt doch eher verhalten agiert. Die Botschaft ist natürlich wie oft in Märchen und Sagen sehr lehrreich.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind





Regie: David Yates

Die Zauberwelt vor Harry Potter....

"Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" ist ein Film von David Yates aus dem Jahr 2016 und wurde von der weltberühmten Autorin Joanne K. Rowling als eine Art Begleitwerk zu ihren extrem populären Harry Potter Bücher geschrieben. Somit tritt sie auch langsam aber sicher vom Umfang ihrer Werke in die Fußstapfen des "Herr der Ringe" Schöpfers J. R. Tolkien, dessen früher Roman "Der kleine Hobbit" auch schon in der phantastischen Welt des Autors spielt und im späteren Hauptwerk darauf Bezug genommen wird. Somit sind auch die phantastischen Tierwesen eine Art Vorgeschichte zu Harry Potter.  Und natürlich ließ auch die Verfilmung nicht lange auf sich warten, Rowling schrieb sogar das Drehbuch für den Kinofilm und beteiligte sich auch an den Produktionskosten von 180 Millionen Dollar. Natürlich spielte der Film die Kosten auch rasch wieder ein, weltweit wurde ein Kassenergebnis von 813 Millionen Dollar eingefahren. Ein Riesenerfolg, allerdings konnte nur das Ergebnis des am wenigsten erfolgreichsten Harry Potter Films "Harry Potter und der Gefangene von Azkaban" (796 Millionen Dollar) getoppt werden. Aber die Macher dürfen dennoch extrem zufrieden sein, so ist auch mindestens eine Trilogie der Geschichte geplant, wenn nicht gar fünf Filme.
Bei der Oscarverleihung 2016 wurden bereits die Stärken des Films aufgezeigt. Szenenbildner (Stuart Craig und Anna Pinnoc), Köstumdesignerin (Colleen Atwood) und Kameramann (Philippe Rousselot) sind Meister ihres Fachs und sorgen für eine perfekte Optik. Kein Wunder, dass Colleen Atwood für ihre Leistung auch tatsächlich dern Oscar mit nach Hause nehmen durfte.
Die Geschichte spielt in New York im Jahr 1926. Hauptfigur ist der exzentrische britische Magizoologe Newt Scamander (Eddie Redmayne), der mit einem Koffer in die Metropole einreist. Trotz des Checks bei der Enreise durch aufmerksame Zollbeamte, bleibt der wahre Inhalt des kleinen Koffers noch verborgen. Aber der hat es tatsächlich in sich: Dort befinden sich ein Niffler, ein dachsähnliches Tier, dass alles sammelt was glitzert, aber auch kleine Bowtruckles  - kleine zweigähnliche Pflanzen, die als Haustiere gehalten werden können. Auch der Donnervogel Frank lebt im Koffer, der soll wieder in seine Heimat Arizona zurück, nachdem er von Tierfängern verschleppt wurde. Scamander betrachtet diese magische Tierwesen als Lebensaufgabe, er schreibt auch an einem Buch über den wichtigen Schutz dieser Tierwesen, die den wenigsten bekannt sind. In New York lebt auch eine große Gemeinde der amerikanischen Zauberergesellschaft, die sich vom Rest der Menschen verstecken, weil die Magie in den Vereinigten Staaten noch mehr verpöhnt ist als im Vereinigten Königreich. Sehr schnell macht der Wissenschaftler Bekanntschaft mit Porpetia Goldstein (Katherine Waterston), eine junge nette Zauberin, die ihn beobachtet. Auch ein Muggler Jacob Kowalski (Dan Fogler) wird in die Zauberwelt involviert, da sein Koffer mit dem Koffer von Scamander vertauscht wird und er die Tierwesen mit sich trägt. Porpetias blonde Schwester Queenie (Alison Sudol) komplettiert das Quartett der Guten. Aber auch finstere Mächte begleiten deren Abenteuer. Ein gewisser Gellert Grindelwald ist der böseste Zauberer in dieser Welt. Die Präsidentin der Zauberwelt Seraphina Picquery (Carmen Ejogo) ist auf der Jagd nach ihm. Ihre rechte Hand Percival Graves (Collin Farrell) hat Kontakt mit dem jungen Credence Barebone (Ezra Miller) aufgenommen, von ihm hofft er Informationen über eine sehr mächtige Hexe, die allerdings noch ein Kind (Faith Wood Blackgrove) sein soll. Ja, und da wäre auch noch die Rabenmutter von Credence (Samantha Morton) und weitere Tierwesen wie Graphorns, ein Nundu und eine Herde Mondkälber...




Klingt phantastisch - und ist es auch. Der Kinohit erweist sich auch als optimaler Familienfilm für einen verregneten Sonntagnachmittag. Regisseur David Yates hatte ja schon viel Erfahrung vorher mit dem Harry Potter Kosmos. Er drehte "Harry Potter und der Orden des Phönix", "Harry Potter und der Halbblutprinz" sowie die beiden Teile "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Auch die neue Tarzan-Version "Legend of Tarzan" geht auf sein Konto. So perfekt wie das Filmspektakel ist, so oberflächlich ist es aber auch. Eine echte Tiefe will sich nicht einstellen, dazu ist der Film zu sehr mit CGI Effekten übersät. Auch die Special Effects sind mir zu konventionell gemacht, da steckt zwar Professionaliät dahinter, aber es kommt wenig Herzblut zum Vorschein. Ein sehr durchkalkulierter und durchchoreographierter Blockbuster, die Story bleibt ein bissel auf der Strecke. Allerdings machen die Schauspieler ihre Sache gut. Eddie Redmayne ist ein perfekter Newt Scamander und auch Katherine Waterston macht ne gute Figur.





Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Eis am Stiel






















Regie: Boaz Davidson

Tel Aviv, Ende der 50er Jahre...

In den 70er Jahren hat die Filmindustrie den jugendlichen Zuschauer entdeckt und dadurch logischerweise auch Filme für dieses Publikum gemacht. Ein erster Höhepunkt war George Lucas mit "American Graffiti" aber auch Europa sprang auf den Trend auf und so war der französische Film "Her mit den kleinen Engländerinnen" von Mchel Lang mit fast 2 1/2 Millionen Zuschauer ein riesiger Erfolg des Kinojahres 1975. Es folgten Filme wie "Die kleinen Französinnen" von Claude Berri oder "Pocorn und Himbeereis" von Franz Josef Gottlieb.
Der israelische Film "Eskimo Limon" - in Deutschland bekannt unter dem Titel "Eis am Stiel" wurde 1978 auch mit deutschem Geld realisiert und ist sicherlich einer der besseren Vertreter des Genres "Teenie Klamotte" - vor allem deshalb, weil er genauso wie "American Graffiti" oder "Her mit den kleinen Engländerinnen" nostalgisch verklärt und irgendwann auch melancholisch daherkommt. Die erste Liebe und logischerweise auch der erste richtige Schmerz, der dabei empfunden wird. "Eis am Stiel" war also seriös genug, um für den Golden Globe als bester Auslandsfilm nominiert zu werden und wurde auch auf der Berlinale gezeigt. Er rangierte auf Platz 11 der Kino Jahrescharts 1978, ingesamt 2.7 Millionen Zuschauer wollten den Film sehen. Er zog dann in deutsch-israelischer Coproduktion mehrere Fortsetzungen nach sich. "Feste Freundin" aus dem Jahr 1979 war mit 1,5 Millionen Zuschauer ebenfalls ein Erfolg und einer der Hauptdarsteller Zachi Noi (der Dicke) wurde in Deutschland richtig bekannt. Die Nachfolger wie "Liebeleien", "Hasenjagd", "Die große Liebe", "Ferienleibe", "Verliebte Jungs" und "Summertime Blues" sind aber vernachlässigbar.
1982 kam es gar zu einer Neuverfilmung "Die letzte amerikanische Jungfrau". Dennoch wurde nie wieder der naive Charme und die melancholische Note von Teil 1 erreicht.
Zu der Musikk von Bill Haley, Frankie Avalon, Domenico Modugno, Cubby Checker, Little Richard, Chuck Berry, Ritchie Valens, Duane Eddy begleiten wir dir die drei Freunde Benny (Yftach  Katzur), Momo (Jonathan Sagall) und Johnny (Zachi Noy) auf ihren Erwachsenwerden in Tel Aviv Ende der 50er Jahre. Die Erlebnisse sind bis heute typisch für Coming of Age Streifen und kommen in ähnlicher Form auch in "American Pie" vor. Der Besuch bei einer Prostituierten, das gegenseitige Erkunden wer den längsten hat, Mädchen beobachten in den Umkleideräumen, ein unvergessliches Erlebnis mit einer Nymphomanin, kleine kriminelle Eskapaden, Streit unter Freunden).
Alles ändert sich aber für Benny, als er die hübsche Nili (Anat Atzmon) sieht. Er verliebt sich über beide Ohren und arrangiert im List ein Kennenlernen. Doch es funkt bei Nili nicht...die verguckt sich aber in den Schönling Momo - bester Freund von Benny. Momo ist aber kein besonders tiefer Mensch, er ist oberflächlich und flatterhaft, genießt den Augenblick. Ganz anders als der ernste Benny. Mit dieser Dreierkonstellation verändert sich der Film von der Komödie zu einem kleinen Jugenddrama. Nili wird schwanger, Momo handelt verantwortungslos und macht Schluß, Benny erweist sich in dieser Notlage als wirklich guter Freund - denn er liebt Nili ja noch immer. 


Am Ende ist er aber der "Mr. Lonely" - wie ihn Bobby Vinton besingt. Traurig läuft er durch die nächtlichen Straßen von Tel Aviv. Irgendwie ein schöner Klassiker des Gernes, vor allem weil auch die beiden Hauptdarsteller Jonathan Sagall und Yftach Katzur ihre Sache so gut machen, sie wirken sehr glaubwürdig, weil sie Teenager mit Stärken und Schwächen verkörpern.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Bonnie und Clyde

























Regie: Arthur Penn

Ein legendäres Gangsterpaar....

Von seinen 10 Oscar-Nominierungen (Bester Film, Regisseur Arthur Penn, die Darsteller Warren Beatty, Faye Dunaway, Gene Hackman, Michael J. Pollard, Estelle Parsons, Bestes Originaldrehbuch, Bestes Kostümdesign, Kamera) konnte "Bonnie und Clyde" zwei Siege erringen. Estelle Parsons gewann die Auszeichnung als Beste Nebendarstellerin und Kameramann Burnett Guffey durfte nach seinem Sieg 1954 für "Verdammt in alle Ewigkeit" ein zweites Mal als bester Cinematgraph triumphieren. Tatsächlich ist diese moderne Robin Hood Geschichte aus der Depressionszeit Amerikas vor allem ein echter Bilderfilm und katapultiert den Zuschauer direkt in die frühen 30er Jahre, die Kostüme von Theadora van Runkle sind perfekt, ebenso das gesamte Szenenbild des Films über das Verbrecherpaar Bonnie Parker (Faye Dunaway) und Clyde Barrow (Warren Beatty). Dem Pärchen gelang es in den 30er Jahren innerhalb von kurzer Zeit zu lebenden Legenden zu werden, die das Erbe der Westernhelden Jesse und Frank James oder Butch Cassidy und Sundance Kid antraten.
Von der armen Landbevölkerung wurden sie nicht als Gangster gesehen, wie man in einigen eindrücklichen Szenen des Films sehen kann. Beispielsweise halten sie sich während ihrer vielen Fluchten einmal in einem leerstehenden Farmhaus auf, dann fährt ein kleiner Lastwagen vor. Es stellt sich heraus, dass die Passagiere des Gefährts nur noch einmal ihr altes Zuhause anschauen wollten, dass ihnen die Bank wegnahm, weil die Raten nicht mehr bezahlt werden konnten. Während Bonnie Parker und Clyde Barrow durch die Gegend mit gestohlenen Augen fahren und Banken ausrauben, wird der Zuschauer immer wieder Zeuge von der Völkerwanderung damals, die Menschen verließen ihre Heimat und suchten das gelobte Land...meistens in Kalifornien. Auf den Straßen fuhren viele solche klapprigen Lastwagen, beladen mit der ganzen Familie und dem wichtigsten an Hab und Gut. Die beiden Gangster stammen aus Texas und beim ersten Treffen (Clyde will das Auto der Parkers klauen) funkt es zwischen Bonnie und dem gutaussehenden und smarten Dieb. Spontan hauen sie ab und übernachten in wechselden Unterkünften. Sie entschließen sich von Raubüberfällen zu leben und bald erhöht sich die Anzahl der Bandenmitglieder auf Drei. C.W Moss (Michael J. Pollard), der etwas von Autos versteht, hat sich dem Paar angeschlossen. Bei einem der ersten Banküberfälle erschießt Clyde einen Bankangestellten, der sie verfolgte. Damit ist eine Umkehr aus dem kriminellen Leben so gut wie ausgeschlossen. Dies muss auch Blanche (Estelle Parsons) schmerzhaft feststellen, die mit Clydes älterem Bruder Buck (Gene Hackman) verheiratet ist. Der will mit Clyde ein Ding drehen und als die Polizei den Unterschlupf umstellt und scharf schießt, sterben auch Polizisten. Mitgehangen - mitgefangen. Zu fünft werden sie immer mehr vom Gesetz gejagt. Auch ein Texasranger (Denver Pyle) hat sich entschlossen die Belohnung für die Bande zu kassieren...Tot oder lebendig...





In einer Nebenrolle gibts ein Wiedersehen mit Gene Wilder. Dem Hollywood Regisseur Arthur Penn gelang mit "Bonnie und Clyde" einer der wichtigsten und populärsten US-Filme der 60er Jahre. Dabei gelang es den Drehbuchautoren Robert Benton, Robert Towne und David Newman die beiden Gangster niemals zu verurteilen und auch nie zu heroisieren. Von den armen Leuten werden sie als Helden angesehen, vom Gesetz her sind sie Verbrecher. Der Zuschauer sieht die Menschen, die in diesem kriminellen Korsett stecken und das Beste daraus machen, auch wenn am Ende der frühe Tod steht. Warren Beatty, der den Film produzierte, missfiel aber Clyde Barrows bisexuelle Ausrichtung, dies wurde in "Impotenz" umgeändert. Dennoch schimmert die sexuelle Ausrichtung auf beide Geschlechter irgendwie durch. Ort der Handlung sind die weiten Landschaften und blühende Felder. Anfänglich kann man die Freiheitsliebe und der Drang der Armut zu entfliehen als eine Art amerikanischer Traum der verbotenen Art betrachten, denn der Traum war durchaus romantisch geprägt. Dann aber merkt man immer mehr, wie sich dieser Traum als Illusion herausstellt und wie sich die Schlinge immer enger zieht. Dennoch bleiben die Verbrecher seltsamerweise immer ein bisschen in ihrer Unschuld gefangen. "Bonnie und Clyde" ist der anerkannteste Film von Arthur Penn, der auch weitere Klassiker wie "Little Big Man", "Licht im Dunkel" oder "Duell am Missouri" gedreht hat. Sehr gut eingefangen wurde die trügerische Idylle in diesen wunderbaren Landschaftsaufnahmen, explosive Ausbrüche sind zwar bei diesem Lebenswandel logisch, kommen aber extrem überraschend.






Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 2. April 2017

Tschick

























Regie: Fatih Akin

Ein Auto klauen, um einfach abzuhauen...

"Ich träume oft davon ein Segelboot zu klaun und einfach abzuhaun", diesen Song sang Udo Lindenberg in Hark Bohms hervorragenden Coming of Age Film "Nordsee ist Mordsee". Der Film handelt von zwei jugendlichen Ausreißern, die gemeinsam abhauen. "Jetzt wollen wir doch mal sehen, wie weit die Reise geht und wohin der Wind mich weht. Es muss doch irgendwo ne Gegend geben, für so n´richtig verschärftes Leben und da will ich hin". Es ist kein Zufall, dass Fatih Akins Verfilmung des Jugend- und Abenteuerromans "Tschick" von Wolfgang Herrndorf an den Klassiker von Hark Bohm aus den 70ern erinnert. Denn Fatih Akin und Hark Bohm sind befreundet und Bohm fungierte als künstlerischer Berater in diesem Film. Auch Uwe Bohm, der in "Nordsee ist Mordsee" eine der beiden Jugendlichen spielte, ist in "Tschick" mit dabei. Er verkörpert Maik Klingenbergs Vater. "Tschick" war als Buch mit 2, 4 Millionen verkauften Exemplaren ein sehr erfolgreiches Buch. Auch der Film war erfolgreich, in Deutschland wollten beinahe 800.000 Zuschauer die Abenteuer der beiden jugendlichen Aussenseiter Maik Klingenberg (Tristan Göbel) und seines Klassenkameraden Andrej Tschichatschow, genannt Tschick (Anand Batbilek) sehen. Letzterer klaut einen himmelblauen Lada und nimmt seinen wohlstandsverwahrlosten Klassenkameraden Maik mit. Die Reise soll in die Walachai gehen, aber die beiden Ausreißer bleiben auf den Straßen in der ostdeutschen Provinz hängen. Aber wie fing das alles an: Maik ist der krasse Aussenseiter seiner Klasse. Seine Mutter (Anja Schneider) ist leidenschaftliche Tennisspielerin und noch leidenschaftlichere Alkoholikerin. Der Vater, ein erfolgreicher Immobilienmakler, hat ein Verhältnis mit seiner jungen Angestellten. Die Mutter macht oft Entziehungskuren, der Vater ist meistens auswärts. Maik hockt viel am PC rum und wird von den Mitschülern als "Psycho" oder "Freak" angesehen. Maik trifft es besonders hart, als er von seinem Schwarm und Mitschülerin Tatjana Cosic (Aniya Wendel) nicht zu deren Geburtstagsparty eingeladen wird. Scheinbar wurden alle anderen eingeladen...ausser ihm bekam aber der neue Mitschüler Andrej, der jetzt neben ihm sitzt, auch keine Einladung. Der Russlanddeutsche Junge ist hoch intelligent, aber schwer verwahrlost und wird von den Mitschülern auch gemieden. Aber Tschick (so wird Andrej genannt) bemüht sich immerhin Maik besser kennenzulernen. Der ist zunächst mal abweisend, aber als Tschick eines Tages mit diesem geklauten Auto vor der Türe steht, enschließt man sich spontan wegzufahren. Die Gelegenheit ist günstig: Mutter ist auf Enziehung und Vater auf 14tägigem Geschäftstermin. Unterweges haben die beiden jede Menge skrurriler Erlebnisse und als sie auf einer Mülldemponie die obdachlose Isa (Mercedes Müller) aufgabeln, ist es nicht mehr weit zum ersten Kuß für den unerfahrenen Maik...



Fatih Akins Film hat mich sehr begeistert, da er sehr leicht inszeniert wurde...dennoch hat man nicht vergessen das Roadmovie mit einem sehr schönen Anteil Melancholie aufzuwerten und die beiden Jungdarsteller Tristan Göbel und Anand Batbileg sind einfach perfekt ausgesucht worden, sie sind in jeder Szene total glaubwürdig und es macht eine Freunde sie auf dem schrägen Weg auf der Suche zu sich selbst zu begleiten. Musikalisch hat Maik eine alte Cassette mit Richard Claydermans "Ballade pour Adeline" beigesteuert und alles wirkt cool, witzig und real. Was Fatih Akin klasse gelingt ist dieser Blick auf die Jugend, auf diese unbeschwerte bis sooo schwere Zeit. Alles aufwühlende Gefühle im Spannungsfeld zwischen Leichtsinn, Waghalsigkeit, Verwirrtheit und größter Emotion. "Tschick" ist gesamthaft ein sehr poetischer, zärtlicher Film in der Verpackung einer Mischung aus Road-Movie und Coming of Age Geschichte. Ein dickes Lob auch an den Kameramann Rainer Klausmann, der klasse Bilder geschaffen hat. Ein wunderbarer deutscher Film mit magischer Wirkung auch für Erwachsene.




Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.