Samstag, 5. Februar 2022

The Power of the Dog


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie. Jane Campion

Die Ranch in Montana....

Die neuseeländische Filmemacherin Jane Campion, die 1994 für ihren Film "Das Piano" mit dem Oscar und mit dem Cesar ausgezeichnet wurde, meldet sich nach vielen Jahren eindrucksvoll zurück.
Ihr Neowestern "Power of the Dog" ist ein brillanter Film mit wunderschönen Bildern. Die australische Kamerafrau Ari Wenger ist für diese hohe Qualität verantwortlich. Optisch wird der Zuschauer an die hervorragende Bebilderung von Terrence Malicks "In der Glut des Südens" erinnert, dessen Kameramann Nestor Almendros mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.
Vor allem ist "The Power of the Dog" aber ein ausgezeichneter Schauspielerfilm. Wie in Malicks Film lernt der Zuschauer ein Quartett von interessanten Figuren kennen, die mit Benedict Cumberbatch, Jesse Plemons, Kirsten Dunst und Kodi Smit-McPhee besetzt wurden. Für alle vier Akteure ein echter Glücksfall, denn sie werden sicher bei der kommenden Oscarverleihung unter den Nominierten zu finden sein.
Der Film basiert auf dem Roman "Die Gewalt der Hunde" von Thomas Savage, der von 1915 bis 2003 lebte und diesen Roman im Jahr 1967 schrieb. Die Figur des Peters, den der talentierte Nachwuchsdarsteller Kodi Smit-McPhee verkörpert, ist eine Art Alter Ego von Savage selbst. Savage war verheiratet, obwohl er homosexuell war. Der Roman selbst befasst sich mit Homophobie und mit unterdrückter Homosexualität.
Die Geschichte spielt im Jahr 1925 im ländlichen Montana, Jane Campion drehte jedoch im heimischen Neuseeland.
Erzählt wird von den beiden wohlhabenden Brüder Phil (Benedict Cumberbatch) und George Burbank (Jesse Plemons), die beide eine große Ranch in Montana besitzen. Die Eltern der Brüder (Frances Conroy, Peter Carroll) leben in der Stadt. Die beiden Männer sind ein eingeschworenes Team, obwohl sie beide sehr verschieden sind. George ist ein sehr gutmütiger, empathischer Mann - sein Bruder Phil sehr intelligent, aber völlig unberechenbar. Phils Verhalten wurde sehr beeinflusst von seinem schon lange verstorbenen Mentor "Bronco" Henry, der aus ihm einen richtigen Mann machte.
Während eines Viehtriebs kehren die beiden Brüder und ihre Männer im Gasthaus der alleinstehenden attraktiven Witwe Rose Gordon (Kirsten Dunst). Roses Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) zieht die Aufmerksamkeit der Cowboys wegen seiner sehr femininen Art auf sich. Phil kann es nicht lassen den Jungen vor der ganzen Mannschaft deswegen zu verspotten. Was er zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht ahnt: Sein Bruder George hat sich in Rose verguckt und besucht sie ein paar Tage später. Aus diesem Besuch erfolgt eine Hochzeit, die Phil nicht nur überrascht. Er ist regelrecht geschockt, dass plötzlich eine Frau ins Leben der beiden Brüder getreten ist. Sofort gibt er Rose zu verstehen, dass er sie nicht wilkommen heißt und er sich sicher ist, dass es die Frau nur auf das Vermögen des Bruders abgesehen hat. Ein paar Wochen später kommt auch der ledige Sohn von Rose auf die Ranch, weil Schulferien sind. Phil verspottet den Jungen weiterhin. Peter will später Arzt werden und seziert dafür kleinere Tiere. Eine Eigenschaft, die so gar nicht in das verweichlichte Bild passt, dass er beid en anderen Männern hat. Rose fängt durch die Feindseligkeit von Phil zu trinken an und wird zur starken Alkoholikerin. Interessanterweise ändert Phil irgendwann seine Beziehung zu Peter und will den Jungen unter seinen Fittichen zum Mann machen. Er will ihm sogar ein Lasso aus Rohhaut flechten...





Dieses Lasso wird zu einem wichtigen McGuffin des Films. Der Film ist sehr subtil gedreht und viele Emotionen, die auf dieser Ranch in Montana der Luft herumschwirren, werden angedeutet - nie offen ausgesprochen. Dies verleiht dem starken Film von Jane Campion eine seltsame Aura, die sich auf den Zuschauer überträgt. Kristen Dunst spielt Rose sehr zerbrechlich und Benedict Cumberbatch ist sowieso die perfekte Besetzung für einen Macho, hinter dessen Fassade auch sehr sanfte Züge versteckt sind, die nur im Geheimen ausgelebt werden. Kodi Smit McPhee erhielt für seine Rolle sogar den Golden Globe und zwar mehr als verdient. Schlüsselszene des Films ist ein gemeinsames nächtliches Treffen von Phil und Peter in der Scheune, die voller Erotik steckt. Ein Treffen, das aber auch das Schicksal besiegelt. Am Ende steht der Psalm "„Entreiße mein Leben dem Schwert, mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!"






Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Meek´s Cutoff


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Kelly Reichardt

Die ungewisse Reise nach Oregon...

Der wilde Westen aus der Sicht einer Frau. Regisseurin des Films "Meek´s Cutoff" ist Kelly Reichardt, ihr Film besticht weniger durch Spannung, sondern viel mehr durch eine starke Atmosphäre.
Der Film erinnert interessanterweise etwas an den Oscarsieger "Nomadland" von Chloe Zaho. Auch dort suchen Menschen nach einer neuen Heimat im Weiten Land.
Die Geschichte von "Meek´s Cutoff" basiert lose auf einem historischen Vorfall auf dem Oregon Trail im Jahr 1845, bei dem der Führer Stephen Meek (er hat von 1807 bis 1989 gelebt) einen Waggonzug auf eine unglückselige Reise durch die Wüste von Oregon führte. Meek wird von Bruce Greenwood gespielt. Er war Pelzjäger und verdiente sich sein Geld auch als Führer der Trecks von Neubürgern, die auf eine Reise in eine neue Heimat aufbrachen.
"Meek´s Cutoff" ist in Deutschland auch bekannt unter dem Titel "Auf dem Weg nach Oregon", entstand 2010 und kam ein Jahr später auch in die deutschen Kinos, allerdings im Original mit deutschen Untertiteln versehen.
Der Zuschauer wird Zeuge einer Reise, die im Jahr 1845 stattfand. Drei Auswandererfamilien sind mit ihren Planwägen, die von Rindern gezogen werden und einigen Reit- und Lastpferden auf dem Weg ins unbekannte Oregon. Es sind das jung verheiratete Paar Millie (Zoe Kazan) und Thomas Gately (Paul Dano), das Ehepaar Emily (Michelle Williams) und Solomon Tetherow (Will Patton) sowie Glory (Shirley Henderson) und William White (Neal Huff) mit ihrem Sohn Jimmy (Tommy Nelson). Der Zuschauer erfährt am Anfang der Geschichte davon, dass der Führer Meek statt der üblichen bekannten Route einen alternativen Weg, eine Abkürzung eingeschlagen hat. Die Reisenden sind irritiert und hoffen darauf, dass sich Meek nach wie vor gut auskennt, denn sie haben nur eine begrenzte Anzahl von Vorräten und Wasserbehältern zur Verfügung. Die Männer vermuten sogar, dass Meek die Orientierung verloren hat und sie mit seinen optimistischen Reden weiter in die Irre führt. Das Vertrauen schwindet. Die Gegend ist menschenleer, bis sie eines Tages einen Indianer (Rod Rondeaux) entdecken. Durch Meeks Erzählungen wissen sie, dass die Indianer brutal und aggressiv sein können und vor Mord nicht zurückschrecken. Doch der Eingeborene flieht beim ersten Zusammentreffen. Er taucht allerdings erneut auf und wird von Meek gefangengenommen. Meek will die Rothaut sofort töten, doch er wird überstimmt. Vor allem die eigenwillige Emily Tetherow setzt sich mehr und mehr für den Fremden ein und bald müssen sich die Reisenden entscheiden wem sie mehr Vertrauen schenken. Dem versierten Führer Meek oder diesem Fremden, der die Gegend vermutlich gut kennt und weiß mit welchem Weg man das lebensnotwendige Wasser finden kann...






Die landschaft karg, aber schön - und genauso verhält es sich mit diesem besonderen Western. Kelly Reichardt hat einen der besten Spätwestern der letzten Jahre geschaffen. Besonders beeindruckend ist Michelle Williams, die einmal mehr beweist, dass sie zu den besten Hollywoodschauspielerinnen gehört. Bereits viermal wurde sie für einen Oscar nominiert: 2006 für "Brokeback Mountain, 2011 für "Blue Valentine", 2012 für "My week with Marilyn" und last but not least 2017 für "Manchester by the sea". Leider hat sie die Trophäe bisher nicht gewonnen, aber immerhin wurde sie Golden Globe Preisträgerin.








Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Blaze of Glory - Flammender Ruhm (Young Guns 2)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Geoff Murphy

Das Schicksal der Regulatoren...

Geoff Murphy wurde mit dem Science Fiction Thriller "Quiet Earth" aus dem Jahre 1985 international bekannt. Bereits vorher hatte er in seiner Heimat Neuseeland den Durchbruch mit dem Road Movie "Machs gut, Porkie Pie" geschafft, der Film schaffte dort Kultstatus. Er konnte später Filme drehen, die etwas höher budgetiert waren, wie beispielsweise "Blind Side" oder "The Last Outlaw". Murphy führte auch im zweiten Teil des Westerns "Young Guns" Regie. Teil Eins entstand 1988 unter der Regie von Christopher Cain. Der Film, der den Western durch die Brat Pack Besetzung deutlich verjüngen sollte, kostete 20 Millionen Dollar und spielte gute 56 Millionen Dollar ein. Murphys Fortstetzung aus dem Jahr 1990 schlug sich ähnlich wacker. Bei etwa gleich hoher Budetierung wurde ein Umsatz von 59 Millionen Dollar erzielt. In Deutschland lief der Western unter dem Titel "Blaze of Glory - Flammender Ruhm".
Die erste Szene spielt 1950, wo der Rechtsanwalt Charles Phalen (Bradley Whitford) einen alten Mann mit seinem Pferd trifft, der sich "Brushy Bill" Roberts (Emilio Estevez) nennt. Das Treffen findet auf einem einsamen Highway mitten in der Wüste statt. Der alte Mann möchte nach 70 Jahren endlich eine Begnadigung, er behauptet, dass er der berüchtigte Bandit "Billy the Kid" wäre. Unglaublich, zumal die Geschichtsbücher doch alle erzählen, dass dieser berüchtigtste aller Outlaws von seinem ehemaligen Freund Pat Garrett (William Petersen) verfolgt und 1881 erschossen wurde. Der Anwalt glaubt dem Alten kein Wort, er will Beweise für diese tollkühne Behauptung. Und damit beginnt die Rückblende. Nach dem Ende des Lincoln Krieges, bei dem Billys Bande als sogenannte "Regulatoren" den Tod an ihrem Gönner Tunstall rächten, gehen die jungen Freunde getrennte Wege. Doc Scurlock (Kiefer Sutherland) beispielsweise arbeitet unerkannt als Lehrer. Seine frühere Identität wird jedoch aufgedeckt und er wird genauso wie der Indianer Jose Chavez y Chavez (Lou Diamond Philipps) gefangengenommen. Billy hat eine neue Bande, zu der auch Pat Garrett,  "Arkansas" Dave Rudabaugh (Christian Slater) und später der 14jährige Tom O´Folliard (Balthazar Getty) und der Farmer Hendry William French (Alan Ruck) gehören.
Der neue Gouverneur Lew Wallace (Scott Wilson) überredet Billy sich zu stellen. Er will ihn begnadigen, wenn er gegen die Dolan-Murphy Killer aussagt. Doch aus der Begnadigung wird nichts, da der Staatsanwalt Billy an den Galgen bringen will. Zum Glück kann er fliehen und kann seine beiden Freunde auch aus dem Gefängnis befreien. Währenddessen bekommt Garrett vom Gouverneur Wallace und vom Viehbaron Chisum (James Coburn) ein lukratives Angebot, dem er nicht widerstehen kann. Er soll Billy jagen und gefangen nehmen. Tot oder Lebendig...





Die Kritiken waren eher verhalten bei "Young Guns 2" - aber man muss dem Film zugute halten, dass er spannend inszeniert wurde. Auch die Jungdarsteller geben alle ihr Bestes, auch wenn Peckinpahs "Pat Garrett jagt Billy the Kid" eindeutig der bessere Film ist, kommt Emilio Estevez dem echten Billy the Kid schon mal altersmäßig viel näher kommt als Kris Kristofferson, der 1973 beim Dreh bereits 37 Jahre alt war.





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

100 Gewehre


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Tom Gries

Es war einmal eine Revolution in Mexiko...

Kurz nach seinem Meisterwerk "Der Verwegene" mit Charlton Heston drehte Regisseur Tom Gries einen weiteren Western. "100 Gewehre" orientierte sich etwas an der ItaloWestern Welle, die Geschichte spielt in Mexiko. Leider erreicht der Film nicht die bestechend gute Qualität seines Vorgängers, obwohl mit Jim Brown, Burt Reynolds und der schönen Raquel Welch ein Kulttrio für die Hauptrollen engagiert werden konnte.
Der Film spielte lediglich 3,5 Millionen Dollar in den USA ein. Bedingt durch das hohe Budget von beinahe 4 Millionen Dollar ein Verlust für die Produzenten.
Die Geschichte spielt im Jahr 1912 in Sonora, Mexiko. Der Hilfssheriff Lyedecker (Jim Brown) aus Arizona jagt den steckbrieflich gesuchten Bankräuber und Halbblut Yaqui Joe (Burt Reynolds), der 6.000 Dollar gestohlen hat. Yaqui Joe hat sich der mexikanischen Revolution angeschlossen und will mit diesem Geld den dort ansässigen Yaqui Indianern 100 Gewehre kaufen, damit sich diese Minderheit in einem erbarmungslosen Vernichtungskampf zur Wehr setzen kann, den der ehrgeizige General Verdugo (Fernando Lamas) entfacht hat. Unterstützt wird der brutale Despot dabei von dem deutschen Abgesandten Leutnant Franz von Klemme (Eric Breden, vormals Hans Gudegast) und von dem Vertreter der mächtigen Eisenbahngesellschaft Steven Grimes (Dan O´Herlihy), deren geplante Strecke exakt durch das Gebiet der verfolgten Indianer gehen soll. Die attraktive Sarita (Raquel Welch) ist eine zu allem entschlossene Revolutionärin, sie musste mitansehen, wie man ihren Vater erhängt hat. Das Drehbuch will es so, dass der Deputy, der Halbindianer und die attraktive Frau zusammenkommen und gemeinsam gegen die verhasste Militärregierung den Kampf einnimmt...


Höhepunkt des temporeichen Spektakels ist der gekaperte Zug, der mit den Revolutionären besetzt, direkt nach Nolega fährt, dem Sitz des Bösen. Am Ende des Films kommt die Action nicht zu kurz. Was etwas vernachlässigt wurde, ist das Drehbuch. Der Film wirkt insgesamt etwas chaotisch und manchmal etwas verworren. Die Musik stammt von Jerry Goldsmith.




Bewertung: 6 von 10 Punkten.