Samstag, 14. November 2015

A most violent year

























Regie: J. C. Chandor

Heizöl-Krieg...

Mit dem Thriller "A most violent Year" hat Regisseur J. C. Chandor (Der große Crash, All is lost) seine bisher beste Arbeit vorgelegt. Tatsächlich beschreibt der Filmemacher, wie der Titel bereits besagt, eine extrem gewalttätige Phase - die findet im New York des Jahres 1981 statt und bringt den ehrgeizigen und aufstrebenden Unternehmen Abel Morales (Oscar Isaac) in eine immer auswegslosere Situation. Der Einwanderer hat es mit seinem Heizölhandel weit gebracht und er will unbedingt expandieren. Mit seiner Frau Anna (Jessica Chastain) und den beiden Kindern hat er erst vor kurzem ein luxuriöses neues Haus bezogen. Mit den Mendelssohns (Jerry Adler/Quinn Meyers) hat er gerade einen folgenschweren und risikoreichen Vertrag geschlossen. Er hat den orthodoxen jüdischen Geschäftsmännern eine Anzahlung für deren Ölterminal am Fluß in bar erbracht, nun bleiben ihm 30 Tage um die restliche Summe von 1,5 Millionen Dollar an die Verkäufer zu zahlen. Die Bank hat den Deal zwar schon zugesichert, doch es tauchen unerwartet Probleme auf. Seit einiger Zeit überfallen Unbekannte seine Tankwagen und kapern sie. Die leeren Tanks werden alle später wieder aufgefunden, doch die Fahrer fürchten sich langsam. Auch Julian (Elyes Gabel) ist einer dieser Fahrer, die sich gerne zukünftig mit einer Knarre verteidigen würde. Doch Boss Abel lehnt ab. Er lehnt strikt alles ab, was ihm Ärger mit dem Gesetz einbringen könnte. Doch der steht auch noch bevor, als Staatsanwalt Lawrence (David Oyelowo) ihm mitteilt, dass in 16 Punkten gegen die Firma ermittelt werden soll. Abels Anwalt Andrew Walsh (Albert Brooks) ist genauso ratlos. Anna, zuständig für die Buchhaltung, macht sich daran die Akten der letzten Jahre auf Ungereimtheiten zu prüfen. Doch es kommt noch dicker: Ein Aussendienstmitarbeiter wird brutal zusammengeschlagen, ein Einbrecher versucht ins Haus zu steigen. Als Fahrer Julian wieder überfallen wird, hat der tatsächlich zur Verteidigung eine Waffe dabei. Es folgt eine üble Schießerei auf den Straßen. Die Bank sieht sich nun durch das miese Image von Abels Firma den Kredit zurückzuziehen. Abel versucht das Geld anderweitig zu beschaffen. Beim jüngeren Bruder (Pico Alexander) oder bei seinem Geschäftsfreund Peter (Alessandro Nivola). Allerdings drängt die Zeit, die Mendelssohns geben ihm einen letzten Aufschub von 3 Tagen das Geld zu besorgen....


Die Metropole New York 1981 als Handlungsschauplatz ist sehr gut getroffen. Tolle Bilder, an manchen dieser gewalttätigen Tage schneit es auch noch und die Stadt sieht matschig und atmosphärisch super aus. Der Held ist eine Art Michael Corleone - aber mit umgekehrten Vorzeichen. Ganz und gar Machtmensch und aufstrebender Wirtschafts-Tycoon ist es Abel Morales aber sehr wichtig der Kriminalität völlig zu entsagen und alles auf legalem Weg zu erreichen. Er agiert konsequent, knallhart und ist audh äusserlich der vollendete Geschätsmann. Er wird bald in der Zwickmühle sitzen und der Film zeigt die Ambitionen dieses Machtmenschen und Kapitalisten, wie er im Höchtmaß um seinen weiteren Aufstieg kämpft. Er will mehr Geld und mehr Einfluß. Regisseur Chandor hat sowohl dass Szenario als auch die Figuren äusserst spannend gestaltet. Dabei macht Oscar Isaac, der mir schon in "Ex_Machina" extrem imponierte, wieder eine äusserst gute Figur.
Als Zuschauer fühlt man sich gelegentlich an Brian de Palmas "Scarface" erinnert. Bemerkenswert auch die finale Szene. Ein Schuß fällt, sie schlägt auch ein Leck in ein Heizöl-Silo. Das Bild bleibt haften, ebenso das Schicksal des Menschen, der da auf dem Boden liegt. Wieder ist ein Mensch in New York gestorben, eines von ganz vielen Einzelschicksalen und eines der täglichen Opfer dieser Stadt, die Metropole pulsiert aber weiter.


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

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