Regie: J. C. Chandor
Heizöl-Krieg...
Mit dem Thriller "A most violent Year" hat Regisseur J. C. Chandor
(Der große Crash, All is lost) seine bisher beste Arbeit vorgelegt.
Tatsächlich beschreibt der Filmemacher, wie der Titel bereits besagt,
eine extrem gewalttätige Phase - die findet im New York des Jahres 1981
statt und bringt den ehrgeizigen und aufstrebenden Unternehmen Abel
Morales (Oscar Isaac) in eine immer auswegslosere Situation. Der
Einwanderer hat es mit seinem Heizölhandel weit gebracht und er will
unbedingt expandieren. Mit seiner Frau Anna (Jessica Chastain) und den
beiden Kindern hat er erst vor kurzem ein luxuriöses neues Haus bezogen.
Mit den Mendelssohns (Jerry Adler/Quinn Meyers) hat er gerade einen
folgenschweren und risikoreichen Vertrag geschlossen. Er hat den
orthodoxen jüdischen Geschäftsmännern eine Anzahlung für deren
Ölterminal am Fluß in bar erbracht, nun bleiben ihm 30 Tage um die
restliche Summe von 1,5 Millionen Dollar an die Verkäufer zu zahlen. Die
Bank hat den Deal zwar schon zugesichert, doch es tauchen unerwartet
Probleme auf. Seit einiger Zeit überfallen Unbekannte seine Tankwagen
und kapern sie. Die leeren Tanks werden alle später wieder aufgefunden,
doch die Fahrer fürchten sich langsam. Auch Julian (Elyes Gabel) ist
einer dieser Fahrer, die sich gerne zukünftig mit einer Knarre
verteidigen würde. Doch Boss Abel lehnt ab. Er lehnt strikt alles ab,
was ihm Ärger mit dem Gesetz einbringen könnte. Doch der steht auch noch
bevor, als Staatsanwalt Lawrence (David Oyelowo) ihm mitteilt, dass in
16 Punkten gegen die Firma ermittelt werden soll. Abels Anwalt Andrew
Walsh (Albert Brooks) ist genauso ratlos. Anna, zuständig für die
Buchhaltung, macht sich daran die Akten der letzten Jahre auf
Ungereimtheiten zu prüfen. Doch es kommt noch dicker: Ein
Aussendienstmitarbeiter wird brutal zusammengeschlagen, ein Einbrecher
versucht ins Haus zu steigen. Als Fahrer Julian wieder überfallen wird,
hat der tatsächlich zur Verteidigung eine Waffe dabei. Es folgt eine
üble Schießerei auf den Straßen. Die Bank sieht sich nun durch das miese
Image von Abels Firma den Kredit zurückzuziehen. Abel versucht das Geld
anderweitig zu beschaffen. Beim jüngeren Bruder (Pico Alexander) oder
bei seinem Geschäftsfreund Peter (Alessandro Nivola). Allerdings drängt
die Zeit, die Mendelssohns geben ihm einen letzten Aufschub von 3 Tagen
das Geld zu besorgen....
Die Metropole New York 1981 als
Handlungsschauplatz ist sehr gut getroffen. Tolle Bilder, an manchen
dieser gewalttätigen Tage schneit es auch noch und die Stadt sieht
matschig und atmosphärisch super aus. Der Held ist eine Art Michael
Corleone - aber mit umgekehrten Vorzeichen. Ganz und gar Machtmensch und
aufstrebender Wirtschafts-Tycoon ist es Abel Morales aber sehr wichtig
der Kriminalität völlig zu entsagen und alles auf legalem Weg zu
erreichen. Er agiert konsequent, knallhart und ist audh äusserlich der
vollendete Geschätsmann. Er wird bald in der Zwickmühle sitzen und der
Film zeigt die Ambitionen dieses Machtmenschen und Kapitalisten, wie er
im Höchtmaß um seinen weiteren Aufstieg kämpft. Er will mehr Geld und
mehr Einfluß. Regisseur Chandor hat sowohl dass Szenario als auch die
Figuren äusserst spannend gestaltet. Dabei macht Oscar Isaac, der mir
schon in "Ex_Machina" extrem imponierte, wieder eine äusserst gute
Figur.
Als Zuschauer fühlt man sich gelegentlich an Brian de
Palmas "Scarface" erinnert. Bemerkenswert auch die finale Szene. Ein
Schuß fällt, sie schlägt auch ein Leck in ein Heizöl-Silo. Das Bild
bleibt haften, ebenso das Schicksal des Menschen, der da auf dem Boden
liegt. Wieder ist ein Mensch in New York gestorben, eines von ganz
vielen Einzelschicksalen und eines der täglichen Opfer dieser Stadt, die
Metropole pulsiert aber weiter.
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.
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