Regie: Jim Jarmush
Psychedlischer Wilder Westen....
Neil Young begleitet Jim Jarmushs Antiwestern "Dead
Man" mit seiner legendären Gitarre "Old Black" - das Instrument gibt
sozusagen den Akkord an, sie treibt die Handlung durch ihre knarzenden,
dreckig angezerrten und bewusst verlotterten Sounds des Films voran. Jim
Jarmush ist ein Fan des Musikers Neil Young und der weltbekannte
holländische Kameramann Robby Müller liefert die schönen und irrealen
Bildkompositionen dazu. Müller wurde in seinem Metier bekannt durch die
frühen Filme von Wim Wenders. Der eigenwillige Western beschreibt die letzten Tage
des jungen William Blake (Johnny Depp) und beginnt mit dessen langer
Zugfahrt zur neuen Arbeitsstelle in einem Westernstädtchen namens
Machine, gleichzeitig die Endstation des Zuges. Willam Blake ist
Buchhalter und stammt aus Cleveland. Er hat per Post die Zusage des
Fabrikbesitzers John Dickinson (Robert Mitchum) bekommen, dass er die
Stelle bekommt. Während der Fahrt hört er jedoch vom Zugfeuerwehrmann
(Crispin Clover) nicht gerade Gutes vom Unternehmen und als er in
Machine ankommt, scheint sich vieles zu bestätigen, was dieser so
berichtet hat. Die Stadtbewohner sind betont feindselig und als er die
Büroräume von Dickinsons Metallfabrik betritt, wird er von dem
Bürovorsteher (John Hurt) unfreundlich abgewiesen. Der teilt ihm lapidar
mit, dass die Stelle schon längst besetzt ist. Blake will daraufhin den
Chef sprechen, doch der Fabrikant ist noch unflätiger und bedroht ihn
mit der Waffe, wenn er nicht sofort das Firmengelände verlässt. In einer
Bar begegnet er der Prostituierten Thel (Mili Avital), die ihn mit nach
Hause nimmt. Nur dumm, dass deren Exlover Charlie (Gabriel Byrne)
nachts vorbeikommt und seine Liebste mit William im Bett erwischt.
Charlie erschießt Thel und legt die Knarre auch auf den schockierten
William an, der in letzter Sekunde - aus reiner Notwehr - den Angreifer
erschießt. Leider war Charlie der Sohn von Mr. Dickinson, der sofort
drei üble Halunken - die Auftragskiller Cole Wilson (Lance Henrikson),
Conway Twill (Michael Wincott) und Johnny "The Kid" Pickett (Eugene
Byrd) - anheuert, damit sie den flüchtigen William Blake ergreifen und
töten. Bei der Schießerei mit Charlie wurde William verletzt. Zum Glück
trifft er in den Wäldern auf den Indianer Nobody (Gary Farmer), der die
Verletzung behandelt und in dem jungen Buchhalter die
Reinkarnation des visionären englischen Dichters William Blake sieht.
Der rätselhafte Ureinwohner kann dem Flüchtigen tatsächlich helfen viele
Feinde auszuschalten. Während dieser Reise ohne Ziel wird aus dem
biederen Buchhalter ein versierter Revolverheld....
Jarmush nannte "Dead Man" einen psychedelischen Western. Dem ist eigentlich nicht hinzuzufügen und es dürfte klar sein, dass der klassische Westernfan sich auf eine völlig neue Ausrichtung des Genres einstellen muss. Jarmushs Film ist ein schrilles, aber dennoch eher meditatives Panoptikum eines Schicksals als der Westen noch wild war. Der Regisseur spart auch nicht mit skurrilen und absurden Momenten. In Nebenrollen sind Iggy Pop, Alfred Molina und Billy Bob Thornton zu sehen. Seinen lakonischen Stil hat der Regisseur natürlich beibehalten und spielt mit Metaphern. 1996 wurde "Dead Man" als bester nicht europäischer Film mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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