Regie: Alain Corneau
Ein Cop unter Verdacht...
Filmkennern könnte Alain Corneaus Neo Noir "Police Python 357" aus dem Jahr 1976 bekannt vorkommen, denn die Handlung ist an den US-Filmklassiker "Spiel mit dem Tode" von John Farrow aus dem Jahr 1948 angelehnt. In den 80er Jahren wurde der Stoff unter dem Titel "No Way out" von Roger Donaldson ebenfalls erfolgreich verfilmt. Der französische Thriller wurde nach der Waffe Cold Python benannt, denn die Hauptfigur Inspektor Ferrot ist der beste Schütze der Division. Er wird von Yves Montand perfekt gespielt. Corneau inszenierte diesen außergewöhnlichen Thriller, der ein bisschen braucht um richtig in die Gänge zu kommen, dann aber die Spannungsschraube kontinuierlich hochhält. Erzählt wird die Geschichte des wortkargen, aber ehrbaren Mannes, der durch eine Verkettung unglücklicher Ereignisse immer tiefer in einen Strudel von Mord und Erpressung gezogen wird. "Police Python 357" ist einer der beeindruckendsten Filme des Regisseurs, die gesamte Handlung ist perfekt inszeniert und auch seine Co-Stars spielen sensationell gut. Dazu gibt es wunderbare Bilder der Loireregion und Schlösser rund um Orleans. Corneau gelingt eine stilistische Neuerung im Genre und beschwört aber gleichzeitig die Traditionen. Es ist ein melancholischer Rückblick auf die mythischen Helden, von denen man weiß, dass ihre Zeit vergangen ist. Alles spielt sich im Jahr 1975 in Orleans ab. Die städtische Polizei wird von Divisionskommissar Ganay (Francois Perier) geleitet. Sein wichtigster Kollege ist Inspektor Marc Ferrot (Yves Montand), ein wortkarger Junggeselle. Ferrot ist ein exzellenter Schütze und stets mit der Colt Python bewaffnet, den er in einem Holster am Gürtel trägt. Vor allem aber ist er ein Einzelgänger, was seinem Vorgesetzten missfällt, insbesondere wenn dieser ihn nachts allein auf die Jagd nach bewaffneten Gangstern schickt. Auch die jungen Inspektoren Ménard (Mathieu Carriere) und Acadie (Vadim Glowna) gehören zur gleichen Abteilung. Kommissar Ganay ist mit einer behinderten Frau im Rollstuhl (Simone Signoret) verheiratet, der Erbin einer angesehenen bürgerlichen Familie der Region (den Clérys). Das Paar führt ein luxuriöses Leben mit einem Stadthaus, einem Landgut, Luxusautos und einem Chauffeur. Zu Beginn des Films unternimmt Inspektor Ferrot, wie üblich auf eigene Faust, eine nächtliche Expedition, um zwei gefährliche, bewaffnete Kirchenräuber zu überraschen und festzunehmen. Der Polizeipräsident missbilligt später dieses riskante Unterfangen. Doch Ferrot übersieht die junge italienische Künstlerin Sylvia Leopardi (Stefania Sandrelli), die die Kirche fotografiert und ihn dabei erwischt hat, wie er mit seinem Colt-Revolver auf die Verbrecher zielt. Kurz darauf entdeckt Ferrot in seinem Peugeout 404 sein eigenes Spiegelbild in einem Schaufenster : ein vergrößertes Foto von sich selbst, ausgestellt wie ein Symbol der Männlichkeit. Er bemerkt eine junge Frau im Laden. Fasziniert von der nachtaktiven Dekorateurin, spricht er sie an und lernt Sylvia kennen. Der einsame Polizist und die junge Künstlerin beginnen eine Beziehung. Die junge Frau ist fasziniert von der Pistole ihres neuen Liebhabers. Während einer Autofahrt über Land spielt sie mit dem Colt, während Ferrot auf einem Feld ein Nickerchen macht. Doch Sylvia, wie Ferrot schnell vermutet, verbirgt ein Geheimnis : Obwohl sie behauptet, fast täglich zwischen Paris und Orléans zu pendeln, um abends als Schaufensterdekorateurin zu arbeiten, deutet alles darauf hin, dass sie sich auch anderswo in der Stadt aufhält. Ferrot folgt ihr heimlich und findet heraus, dass sie in eine Sozialwohnung geht. Er schlussfolgert, dass sie mit einem anderen Mann zusammenlebt. Tatsächlich wird Sylvia von Kommissar Ganay selbst, mit dem vollen Wissen und Einverständnis seiner behinderten Frau, wie ein Vogel im Käfig in einer Wohnung gehalten. Das prominente Paar ist sehr darauf bedacht, diese Situation geheim zu halten. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Ferrot Sylvia eines Abends bis zum Fuße ihres Hauses verfolgt. Es kommt zu einem heftigen Streit zwischen den Liebenden, in dessen Verlauf der Inspektor die junge Frau ohrfeigt und sich anschließend zu einem ausgiebigen Trinkgelage in die Stadt aufmacht. Ganay beobachtet die Szene von einem Fenster der Wohnung aus, in der er auf Sylvia wartet, erkennt seinen Kollegen aber nicht. Er ahnt jedoch, dass es einen anderen Mann im Leben der jungen Frau gibt und dass sie ihn verlassen will. Nach einem Abend voller Vortäuschung und zunehmender Spannung eskaliert die Situation, und Ganay erschlägt Sylvia im Badezimmer mit einem Marmoraschenbecher. Als er wieder zu sich kommt, verwischt der Kommissar seine Fingerabdrücke und alle Spuren seiner Anwesenheit und flieht aus der Wohnung. Die Tür lässt er offen, da das Schloss kaputt ist. Unterdessen kehrt Ferrot betrunken zurück, klingelt und torkelt in die Wohnung. Da er niemanden vorfindet, hinterlässt er allerlei Spuren seines Besuchs, verliert sogar einen Handschuh und geht wieder. Vom Fuße des Gebäudes aus sah Ganay das Licht; er wusste, dass der andere Unbekannte gekommen war, konnte ihn aber nicht identifizieren. Zurück zu Hause erzählte er seiner Frau alles und erwähnte kurz, dass er sich am nächsten Tag stellen wolle, doch sie riet ihm davon ab und sagte, er solle abwarten und sehen, was passieren würde....
Und tatsächlich wird Marc Ferrot mit seinen beiden Assistenten mit dem Mordfall betraut und ab jetzt zieht sich die Schlinge immer weiter zu. Die Polizei geht davon aus, dass Leopardis Liebhaber auch ihr Mörder ist. Ferrot ist darum bemüht, die Liebesaffäre zwischen ihm und Leopardi geheim zu halten und den wahren Mörder zu finden. Aber wird ihm dies gelingen ? Für den Besten Filmschnitt erhielt Marie-Josephe Yoyotte 1977 den Cesar Award. Ausserdem war Georges Delerues Filmmusik für einen Cesar nominiert. Mit der guten Besucherzahl von mehr als 1,4 Millionen gelang den Film der Sprung in die Top20 der erfolgreichsten Kinofilme in Frankreich.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.


.jpg)













Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen