Regie: Jean Jacques Annaud
Es war einmal im Jahr 1327...
Mit 5.896.891 Zuschauern ist "Der Name der Rose" von Jean Jacques
Annaud einer der erfolgreichsten Kassenhits Made in Germany. Die Bernd
Eichinger Produktion entstand in 1986 in Zusammenarbeit mit Frankreich
und Italien. Nicht nur das Publikum liebte den Film - auch die
zeitgenösssischen Kritiker waren positiv gestimmt und so gewann der
verschachtelte Mittelalterkrimi nach dem großartigen Roman des
Italieners Umberto Eco auch das Filmband in Silber. Siegreich bei der
Vergabe des deutschen Filmpreises auch der weltberühmte Ausstatter Dante
Feretti und Sean Connery gewann Gold für seine Darstellung als
Franziskanermönch William von Baskerville, der mit dem Gespür eines
Sherlock Holmes im Jahr 1327 merkwürdige Todesfälle in einer kleinen
Abteil in den Apenninen aufklären möchte.
Der Erfolg
setzte sich auch international durch. "Der Name der Rose" brachte seinem
Regisseur Jean Jacques Annaud den Cesar als bester Auslandsfilm ein.
Ausserdem gabs insgesamt vier David Di Donatello Awards in Italien.
In
den USA kam der Film nicht ganz so gut weg. Namhafte Kritiker äusserten
sich eher negativ und empfanden das Drehuch als viel zu chaotisch und
die Figuren überzeichnet und klischeehaft, beinahe wie aus Parodien
entstiegen.
In der Tat mussten einige der Darsteller schon
einen starken Mut zur Hässlichkeit aufbringen, aber für mich sehen die
Figuren, die wir in dieser unheimlichen Abtei kennenlernen, schon sehr
authentisch aus. Jedenfalls sind die Gesichter dieser Mönche sehr
markant und gezeichnet. Egal ob sie nun Jorge von Burgos (Fjodor
Schaljapin) Malachias von Hildesheim (Volker Prechtel), Remigo da
Varagine (Helmut Qualtinger), Salvatore (Ron Perlman) oder Severinus von
St. Emmeran (Elya Baskin) heißen.
Großartig wird in diesem
sehr publikumswirksamen Historienfilm der Geist einer längst vergangenen
Eopche beschworen, die als düsteres Zeitalter sehr stark von der großen
Gottesfurcht geprägt war. Der franziskanische Mönch William von
Baskerville (Sean Connery) hat Ambitionen einen Mord aufzuklären, den die Mitbrüder als Zeichen der Apocalpyse deuten . In Laufe der Geschichte erfahren wir von
seiner Vergangenheit als Inqusitor, der der Ketzerei beschuldigt wurde.
Baskerville ist ein Liebhaber von Büchern, er ist bekannt für seinen
scharfen Verstand und er es steckt in ihm heimlich ein moderner
anachronistischer Charakter. Begleitet wird er von seinem Adlatus, dem
jungen Benediktiner Novizze Adson von Melk (Christian Slater in seiner
ersten Filmrolle), dem jüngsten Sohn eines adligen Grafen, der zugleich
wie im Roman auch die Rolle des Ich-Erzählers einnimmt...lange Zeit nach
diesen Eregnissen in der Abtei - als greiser Mönch, an der Schwelle
seines Todes, schreibt er diese entsetzlichen und denkwürdigen
Erlebnisse von damals auf, deren Zeuge er wurde.
In der Abtei
der Benediktiner soll William von Baskerville an einem theologischen
Disput teilnehmen. Der Sprituale Führer der Franziskaner (William
Hickey) weilt bereits vor Ort, weitere Glaubensbrüder sollen folgen.
Es
ist die Zeit des Avignonesischen Papsttums, die Franziskaner sollen mit
einer ebenfalls erwartenden Gesandtschaft des Papstes Johannes XXII, zu
der auch der berüchtigte Inquisitor Berarndo Gui (F. Murray Abraham)
gehören soll, über die brisante theologische Frage, der Armut der
Kirche, diskutieren und vielleicht zu einer Einigung kommen.
Doch
das Leben der Mönche in der Abtei wird von dem seltsamen Todesfall des
jungen, hübschen Mönchs Adelmo von Otranto (Lars Bodin-Jorgensen)
überschattet. Die Mönche glauben, dass der Teufel die Hände im Spiel
hatte und erwarten die beginnende Apokalypse. Der Abt (Michael Lonsdale)
bittet Willam von Baskerville um Rat. Dieser findet auch schnell
heraus, dass nicht Teufelswerk die Ursache am Ableben des Mönchs,
sondern ein Selbstmord. Alles scheint sich wieder zu beruhigen, als der
griechische Übersetzer Venatus von Salvernec (Urs Athaus) in der
Metzgerei des Klosters ermordet aufgefunden wird. Alles deutet auf
Vergiftung hin und William findet heraus, dass er gut befreundet mit
Adelmo war. Der Tote hatte geschwärzte Finger und eine geschwärzte
Zunge. Er glaubt, dass der Suizid und der Mord auch etwas mit der
Bibliothek des Klosters zu tun hat, in die sie keinen Zutritt bekommen.
Auch der Gehilfe des Bibliothekars, der dicke, feminine Berengar von
Arundel (Michael Habeck) beninnt sich reichlich sonderbar. Während der
kriminalistischen Ermittlungen lernt Adson bei einer nächtlichen
Verfolgung ein Bauernmädchen (VAlentina Vargas) kennen, die ihn
liebevoll verführt. Willam selbst hat den Fall schon fast gelöst als er
die Klosterbibliothek findet, die sich als nahezu unzugängliches
Labyrinth herausstellt. Dann trifft auch schon die päpstliche Delegation
ein. Bernardo Gui nimmt sich des Falles an..
und damit wird
der Zuschauer Zeuge der grässlichen Verbrechen, die im Namen der
heiligen Inquisition begangen wurden. Schnell sind Verdächtige gefunden,
die mit dem Teufel im Bunde stehen müssen und genauso schnell sollen
sie am Scheiterhaufen den gerechten Tod empfangen. Dabei ist nicht der
Teufel die Ursache für die Morde, sondern ein verscholles Buch: Das
zweite Buch der Poetik von Aristoteles. in dem der Philosoph der Antike
nach der Tragödie in seinem ersten Teil die Komödie und somit auch das
Lachen behandelt. Und dies scheint in den düsteren Zeiten der
Gottesfurcht ein sehr gefährliches Thema zu sein. Denn die in diesem
verschollen geglaubten Werk vertretene positive Einstellung zur Freude
und zum Humor scheinen unvereinbar mit der Ehrfurcht vor dem Schöpfer.
Es
ist klar, dass der Film niemals diese Vielschichtigkeit des grandiosen
Romans erreichen kann. Der mehrschichte Roman ist zum einen Epochenwerk,
aber auch philosophisches Essay. Aber als breit angelegte historische
Kriminalgeschichte funktioniert der Film genauso perfekt wie der Roman.
Die düsteren und stimmigen Bilder entwerfen in ihrer Substanz ein
lebendiges Bilder vom Klosterleben des späten Mittelalters und den
religiösen, politischen und sozialen Strömungen. Tolle Darsteller
verstärken das positive Bild. Sean Connery glänzt, aber es ist auch vor
allem der junge Christian Slater, der als Adson von Melk in Erinnerung
bleibt. Er ist ein junger Mensch, der von diesen Strömungen seiner zeit
hin- und hergerissen wird und sich noch einen Platz in seinem Leben und
in der Zukunft erarbeiten muss. Keine Frage, dass diese elementaren
Eregnisse um Leben und Tod fürs ganze leben prägend sein werden. "Der
Name der Rose" - ein Kommerzfilm durch und durch, aber auch ein
spannendes Meisterwerk des europäischen Kinos.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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