Sonntag, 19. Juli 2015

Selma


























Regie: Ava DuVernay

Die Märsche, von Selma nach Montgomery....

Es gibt einige sehr gute Filme über die großen, vor allem im Süden der USA stattfindenden Rassenunruhen der 60er Jahre. Unvergessen bleibt dabei Roger Cormans bereits 1962 (also mitten des Zeitgeschehens) inszenierter "Weißer Terrror", wo gerade die Aufhebung der Rassentrennung zu schwerwiegenden Konflikten in dem Moment führt, als die schwarzen Kids in Richtung Highschool marschieren. Nicht zu vergessen den großen oscarprämierten "Mississippi Burning" von Alan Parker, der sich mit der Aufklärung des Mordes an drei Bürgerrechltern durch zwei sehr unterschiedliche FBI Männer (gespielt von Willem Dafoe und Gene Hackman) beschäftigt. Die Ermittlungen werden vom offen zur Schau getragenen Rassismus und dem mächtigen Ku-Klux-Klan behindert. Nun kann man auch das Geschichtsdrama von Ava DuVernay aus dem Jahr 2014 zu diesen wichtigen Filmen über Rassenhass zählen. Das Thema erscheint auch aktueller denn je zu sein. Der Film ist somit auch einer der wenigen Filme, die sich anhand von tatsächlich stattfindenden Eregnissen eindrücklich mit dem Rassismus im eigenen Land auseinandersetzt - man mochte es kaum glauben: Die freiheitliche Nation, die nicht mal 20 Jahre vorher Europa vom Rassenwahn der Nazis befreite, ist Mitte der 60er Jahre diese demokratisch orientierte Nation mitten in ihrem eigenen Rassenthema und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung erinnert an unser eigenes dunkles Kapitel. Dabei wurden zwar im liberaleren Washington durchaus schon durch Gesetze formuliert und verabschiedet, die gleiche Rechte für alle forderten - doch deren Verwirklichung scheiterte vor Ort.
"Selma" ist kein Biopic über den großen Bürgerrechtler Martin Luther King Jr., sondern die Handlung steigt ein mit dem grausamen Attentat auf die 16th Street Baptist Street, bei dem vier kleine dunkelhäutige Mädchen ums Leben kommen. Dann Szenenwechsel nach Stockholm, wo Martin Luther King kurze Zeit später für sein Engagement als Bürgerrechtler den Friedensnobelpreis in den Händen hält. Nächste Szene zeigt die engagierte Annie Lee Cooper (Oprah Winfrey), die sich beherzt und mutig in das Wählerregister von Alabama entragen lassen will, doch vom lokalen Beamten in demütigender Weise abgelehnt wird. Dieses Recht hatte so ein Behördenmitarbeiter, die kurzentschlosssen die Lesefähigkeit und Staatsbürgerkunde mit absurd schweren Fragen überprüfen konnten - alles darauf abgezielt, den Anwärter durchfallen zu lassen.
Mit dem Anführer Martin Luther King Jr. (David Oyelowo), dessen Frau (Carmen Ejogo) immer mehr Angst hat um ihren prominenten Mann, versuchen im Frühling 1965 mutige Demonstranten einen friedlichen Marsch im Bundesstaat Alambama von Selma nach Montgomery zu laufen. Dieser Marsch soll dazu dienen, dass ein uneingeschränktes Wahlrecht für alle vorhanden sein soll. Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) schwankt - einerseits sieht er die Notwendigkeit solcher Gleichstellungen, andererseits schielt er auf das Beibehalten seiner Macht, denn die konservativen politischen Kräfte im Lande arbeiten mit sehr großem Druck. Auch George Wallace (Tim Roth), demokratischer Gouverneur von Alambama, torpediert die Bestrebungen der schwarzen Bevölkerung. Diese Märsche von Selma nach Montgomery werden blutig durch örtliche Sicherheitskräfte und State Trooper niedergeschlagen - der erste Marsch endet bereits gleich nach Verlassen der Stadt an der Edmund Pettus Bridge. Am 7. März 1965 wird das amerikanische Fernsehen unterbrochen - es läuft gerade Stanley Kramers "Judgement of Nuremberg" - und der geschockte Zuschauer bekommt live plötzlich die Bilder der Gewalt als aktuelle Nachrichten serviert. Durch diese Publicity entsteht aber eine Wendepunkt in der öffentlichen Meinung...



 "Selma" ist ein sehr gut inszenierter Film, der die Fakten präzise schildert und zum wichtigen Zeitdokument wird. Dabei brilliert auch Hauptdarsteller David Oyelowo, der sich sehr zurückhält und so zum Glück nicht dieser überlebensgroße Held zeigt, sondern einen engagierten Menschen, der Stärken und Schwächen zeigt.
Bei der Oscarwahl 2015 gabs nur zwei Nominierungen, einmal für den besten Film. Als bester Filmsong konnte "Glory" von Common, John Legend sogar den Sieg davontragen.
Angesichts der erstaunlichen Tatsache, dass sich bislang kein großes Filmstudio mit irgendeinem Aspekt des Lebens von Dr. King oder der Bürgerrechtsbewegung beschäftigt hat, fühlte die junge Filmemacherin Ava DuVernay, dass es schon lange einen dringenden Bedarf daran gab, dieses wichtige Kapitel in der US-Geschichte zu erzählen. Keine Frage, es ist ihr hier ein sehr wichtiger Film gelungen.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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