Regie: Ava DuVernay
Die Märsche, von Selma nach Montgomery....
Es gibt einige sehr gute Filme über die großen, vor allem im Süden
der USA stattfindenden Rassenunruhen der 60er Jahre. Unvergessen bleibt
dabei Roger Cormans bereits 1962 (also mitten des Zeitgeschehens)
inszenierter "Weißer Terrror", wo gerade die Aufhebung der
Rassentrennung zu schwerwiegenden Konflikten in dem Moment führt, als
die schwarzen Kids in Richtung Highschool marschieren. Nicht zu
vergessen den großen oscarprämierten "Mississippi Burning" von Alan
Parker, der sich mit der Aufklärung des Mordes an drei Bürgerrechltern
durch zwei sehr unterschiedliche FBI Männer (gespielt von Willem Dafoe
und Gene Hackman) beschäftigt. Die Ermittlungen werden vom offen zur
Schau getragenen Rassismus und dem mächtigen Ku-Klux-Klan behindert. Nun
kann man auch das Geschichtsdrama von Ava DuVernay aus dem Jahr 2014 zu
diesen wichtigen Filmen über Rassenhass zählen. Das Thema erscheint
auch aktueller denn je zu sein. Der Film ist somit auch einer der
wenigen Filme, die sich anhand von tatsächlich stattfindenden Eregnissen
eindrücklich mit dem Rassismus im eigenen Land auseinandersetzt - man
mochte es kaum glauben: Die freiheitliche Nation, die nicht mal 20 Jahre
vorher Europa vom Rassenwahn der Nazis befreite, ist Mitte der 60er
Jahre diese demokratisch orientierte Nation mitten in ihrem eigenen
Rassenthema und die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung erinnert
an unser eigenes dunkles Kapitel. Dabei wurden zwar im liberaleren
Washington durchaus schon durch Gesetze formuliert und verabschiedet,
die gleiche Rechte für alle forderten - doch deren Verwirklichung
scheiterte vor Ort.
"Selma" ist kein Biopic über den
großen Bürgerrechtler Martin Luther King Jr., sondern die Handlung
steigt ein mit dem grausamen Attentat auf die 16th Street Baptist
Street, bei dem vier kleine dunkelhäutige Mädchen ums Leben kommen. Dann
Szenenwechsel nach Stockholm, wo Martin Luther King kurze Zeit später
für sein Engagement als Bürgerrechtler den Friedensnobelpreis in den
Händen hält. Nächste Szene zeigt die engagierte Annie Lee Cooper (Oprah
Winfrey), die sich beherzt und mutig in das Wählerregister von Alabama
entragen lassen will, doch vom lokalen Beamten in demütigender Weise
abgelehnt wird. Dieses Recht hatte so ein Behördenmitarbeiter, die
kurzentschlosssen die Lesefähigkeit und Staatsbürgerkunde mit absurd
schweren Fragen überprüfen konnten - alles darauf abgezielt, den
Anwärter durchfallen zu lassen.
Mit dem Anführer Martin Luther
King Jr. (David Oyelowo), dessen Frau (Carmen Ejogo) immer mehr Angst
hat um ihren prominenten Mann, versuchen im Frühling 1965 mutige
Demonstranten einen friedlichen Marsch im Bundesstaat Alambama von Selma
nach Montgomery zu laufen. Dieser Marsch soll dazu dienen, dass ein
uneingeschränktes Wahlrecht für alle vorhanden sein soll. Präsident
Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) schwankt - einerseits sieht er die
Notwendigkeit solcher Gleichstellungen, andererseits schielt er auf das
Beibehalten seiner Macht, denn die konservativen politischen Kräfte im
Lande arbeiten mit sehr großem Druck. Auch George Wallace (Tim Roth),
demokratischer Gouverneur von Alambama, torpediert die Bestrebungen der
schwarzen Bevölkerung. Diese Märsche von Selma nach Montgomery werden
blutig durch örtliche Sicherheitskräfte und State Trooper
niedergeschlagen - der erste Marsch endet bereits gleich nach Verlassen
der Stadt an der Edmund Pettus Bridge. Am 7. März 1965 wird das
amerikanische Fernsehen unterbrochen - es läuft gerade Stanley Kramers
"Judgement of Nuremberg" - und der geschockte Zuschauer bekommt live
plötzlich die Bilder der Gewalt als aktuelle Nachrichten serviert. Durch
diese Publicity entsteht aber eine Wendepunkt in der öffentlichen
Meinung...
"Selma" ist ein sehr gut inszenierter Film, der die
Fakten präzise schildert und zum wichtigen Zeitdokument wird. Dabei
brilliert auch Hauptdarsteller David Oyelowo, der sich sehr zurückhält
und so zum Glück nicht dieser überlebensgroße Held zeigt, sondern einen
engagierten Menschen, der Stärken und Schwächen zeigt.
Bei der
Oscarwahl 2015 gabs nur zwei Nominierungen, einmal für den besten Film.
Als bester Filmsong konnte "Glory" von Common, John Legend sogar den
Sieg davontragen.
Angesichts der erstaunlichen Tatsache, dass
sich bislang kein großes Filmstudio mit irgendeinem Aspekt des Lebens
von Dr. King oder der Bürgerrechtsbewegung beschäftigt hat, fühlte die
junge Filmemacherin Ava DuVernay, dass es schon lange einen dringenden
Bedarf daran gab, dieses wichtige Kapitel in der US-Geschichte zu
erzählen. Keine Frage, es ist ihr hier ein sehr wichtiger Film gelungen.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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