Donnerstag, 19. Januar 2017
Straight outta Compton
Regie: F. Gary Gray
Die Sounds von Compton....
Das Biopic ist eines der ältesten Filmgenres und in Hollywood nach wie vor beliebt, denn die Wahrscheinlichkeit auf der Liste der Oscar-Nominierten zu stehen ist nicht klein. . Meistens wird im Biopic vorausgesetzt, dass die dargestellte Person gesellschaftliche Relevanz besitzt. "Straight outta Compton" ist aber auch ein Film des Black Cinema und diese Vertreter haben es bei der Vergabe der Academy Awards immer etwas schwerer. So sprang für den Film über die HipHopGruppe N.W.A. nur eine Würdigung für das Drehbuch von Jonathan Herman, Andrea Berloff, S. Leigh Savidge und alan Wenkus heraus. Der Regisseur F. Gary Gray ging leider genauso leer aus, wie die bemerkenswerte Darstellerriege O´Shea Jackson jr, Corey Hawkins oder Paul Giamatti.
Compton ist dieser berüchtigte Vorort der Metropole Los Angeles. Mit rund 95.000 Einwohner hat der Ort immer noch eine der höchsten Kriminalitätsraten der Staaten. Compton liegt ungefähr 20 km südlich vom Zentrum L.A. entfernt und gehört zu den Ursprungsorten des Gangsta-Rap. Durch die HipHop Band N.W.A. wurde die Stadt weltweit bekannt.
Mitglieder der legendären Crew waren Arabian Prince (Brandon Lafourche), der die Band gleich nach dem ersten Album "Straight outta Compton" verließ, Dr. Dre (Corey Hawkins), Eazy-E (Jason Mitchell) und Ice Cube (O´Shea Jackson jr.). Später kamen noch DJ Yella (Neil Brown Jr.) und McRen (Aldis Hodge) dazu. In der ersten Szene zeigt der Regisseur drastisches aus dem Alltag in Compton. Im Jahr 1986 ist Eazy-E ein Drogendealer, Dr. Dre hat Ambitionen ein berühmter DJ zu werden und Ice Cube ist ein junger Rapper, der realistische Lyrics aus dem Ghetto verfasst. Eazy-E kann gerade noch flüchten, denn das Drogenhaus, in dem er sich aufhielt, wird gerade von der hiesigen Polizei mit massivsten Geschützen gestürmt. Im Grunde haben die Jungs im Viertel das Leben hier satt, aber nur wenigen gelingt der Ausbruch aus dieser alltäglichen Hölle - Schwarze erschießen Schwarze, Schwarze dealen mit Drogen, die Methoden der Polizei haben sich wunderbar an die Umgebung angepasst. Es herrscht täglich Krieg und auch Rassismus. Die Jungs beschließen Musik zu machen und damit Kohle zu verdienen....HipHop und Rap kommt direkt aus diesen sozialen Brennpunkten und der Sound ist ein Ventil den Frust und die Wut loszuwerden. Aufbauend auf Funk und Soul kommt der Sprechgesang dazu, das Samplen und das Scratchen sind weitere Merkmale. Musikalisch gabs natürlich Wegbereiter und Vorbilder für die Jungs von N.W.A. - zu nennen wären Grandmaster Flash und auch Public Enemy. Aber was die Einzigartigkeit von N.W. A ausmacht sind die politisch brisanten Lyrics....auf dem ersten Album schildern sie teilnahmslos und ohne moralische Positionierung Kriminalität und Gewalt. Die Polizei kommt in den Texten alles andere als gut weg. Der Musikproduzent Jerry Heller (Paul Giamati) erkennt sofort das Potential dieser Musik und mit Drogengeld wird das Label "Ruthless Records" gegründet. Jerrys Devise heißt aber "Zuerst ich und dann lange nichts und dann erst die anderen" und so ist der Streit in der Crew schon vorgezeichnet. Ausserdem müssen sich N.W.A. mit dem FBI herumschlagen und es gibt Schicksalsschläge, die man meistern muss. So stirbt Dr. Dres Halbbruder Tyree (Keith Powers) bei einer Schlägerei und bald verlässt Ice Cube enttäuscht die Band. Als Solokünstler übertumpft er den Erfolg von N.W.A. Auch Dr. Dre versucht es Solo und produziert Talente wie Snoop Dog (Keith Stanfield) oder Tupac (Marc Rose). Nur Eazy bleibt bei seinem Mentor Jerry. Er strebt eine Wiedervereinigung an, doch sein Aids-Tod 1995 macht diesen Wunsch unmöglich...
Natürlich lag es auch am Thema, aber F. Gary Grays Films ist natürlich auch politisch relevant. Es ist sehr interessant diesen Werdegang von Ghettoboys zu Superstars des HipHops zu begleiten. Man gewinnt schnell einen Einblick bzw. Durchblick warum die Identifizierung mit dieser Musik so schnell gelingen konnte, trotz oder gerade wegen dieser "Expilcit Lyrics". Nicht nur die Afroamerikaner fühlten sich angesprochen... auch junge weiße Amerikaner waren von diesem Gangsta Rap der N.W.A. fasziniert - sicherlich lag es daran, dass das Leben auf den Straßen des Viertels nicht mehr kritisch kommentiert wurde, sondern entweder nihilistisch bis hedonistisch preisend dargeboten wurde. Kritiker werfen dieser Musikrichtung natürlich bis heute vor, die Gewalt zu verherrlichen, anstatt konstruktiv dagegen anzugehen. Die Angegriffenen wehrten sich meist mit dem Argument, dass sie die Zustände in den Ghettos abbildeten, und wem diese nicht gefielen, der müsse die Zustände verändern.
Der Film spielte in den USA über 60 Millionen Dollar ein. Durch die politische Relevanz und durch ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble ist "Straight outta compton" ein wichtiger Vertreter des Black Cinema.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
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