Regie: Barry Shear
Jenseits der 110ten Straße....
"Across 110th Street" heißt in der deutschen Version "Straße zum Jenseits und entstand im Jahr 1972 unter der Regie von Barry Shear. Der Film wird dem Blaxploitation Genre zugerechnet, das eine Blütezeit in den frühen 70ern hatte. Dies war auch ein Verdienst des Films "Shaft", der ein Welterfolg war und andere Genregranaten wie "Mandingo", "Foxy Brown" oder Blacula" nachfolgen ließ. Der Name "Blaxploitation" ist ein Kofferwort aus "Black" und "Exploitation" - also Filme von und mit Afroamerikanern, versehen mit expliziten Darstellungen und vor allem billgen Herstellungskosten.
Für "Across 110th Street" konnte aber ein großer Altstar des klassischen Hollywoods für die Hauptrolle gewonnen werden: Anthony Quinn. Und wie der gleichnamige Titelsong von Bobby Womack und J. J. Johnson bereits eindrücklich vermittelt spielt die Geschichte in Harlem...und zwar jenseits der 110ten Straße. Dort in den dunklen Gassen und dreckigen Wohngegenden haben die Menschen ohne Hoffnung auf Besserung ihrem ärmlichen Alltag nach...viele dort sind bereit für ein bisschen Kohle alles zu tun. In dieser Gegend ist der Rassismus noch allgegenwärtig und auch Captain Matelli (Anthony Quinn) ist da keine Ausnahme.
Die 110te Straße teilt die Territorien der italienischen Mafia unter der Führung des Paten Don Genarro (Frank Macetta) und des schwarzen Mobs in New York, wo der Gangsterboss Doc Johnson (Richard Ward) das Sagen hat. Bei einem Deal zwischen den beiden Parteien in Harlem kommt es zu einem Überfall durch ein unbekanntes Trio. Die als Polizisten verkleideten Männer wollen nur das Geld und dann verschwinden. Es kommt leider zu einem regelrechten Blutbad. Nun sind die drei schwarzen Nobodys Jim Harris (Paul Benjamin), Joe Logart (Ed Bernard) und Henry J. Jackson (Antonio Fargas) zwar 300.000 Dollar reicher, aber auch die Mörder von Mitgliedern der Mafia und des Mobs. Zu allem Unglück wurden auch noch zwei Polizeibeamten niedergeschossen, was natürlich deren Kollegen vom Revier besonders engagiert in der Suche nach den Mördern macht. Don Genarro schickt seinen Bluthund Nick D´Salvio (Anthony Franciosa) ins Geschehen. Der Auftrag: Ganz schnell die Schuldigen und das Geld zu finden. Auf der Seite des Gesetzes agiert der alteingesessene, für brutale Methoden berüchtigte Mattelli - der hat auch schon Schmiergelder von Doc Johnson angenommen. Er wird jedoch etwas ausgebremst, weil der idealistische dunkelhäutige Lieutenant Pope (Yaphet Kotto) mit dem Fall betraut wird. Beide versuchen einigermassen miteinander auszukommen, doch es schimmert von Seiten Mattelli immer wieder seine rassistischen Ressentiments durch...
Der Regisseur Barry Shear hat großen Wert auf die Charakterzeichnungen gelegt. So werden auch die Gründe der drei Männer offenbart, die den Überfall machten und der dann so derart aus dem Ruder lief. Es sind Männer, die einfach den Wunsch hatten soviel Geld aus einem Coup zu machen, um damit endlich ohne Sorgen leben zu können. Doch sie sind auch sehr naiv und dumm. Besonders die Figur, die von Antonio Fargas verkörpert wird, der mit seiner Kohle gleich den großen Macker in den Bars spielt, Frauen und Drogen kauft und schnell auf sich aufmerksam macht. Es wird sichtbar, dass sie auch gute Seiten haben. Überhaupt verschwimmen in "Across 110th Street" die Grenzen von Gut und Böse, wie auch der von Anthony Quinn gespielte korrupte Rassist Mattelli zeigt. Ein verdammt guter Polizist, aber auch zu ganz fiesen Methoden bereit....es ist schwer für den korrekten Pope sich zu arrangieren, doch irgendwie funktioniert ihre Zusammenarbeit immer besser. Das Ende beweist die dramatischen Qualitäten des Films.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
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