Montag, 10. September 2018

15:17 to Paris




















Regie: Clint Eastwood

Neue Helden braucht das Land...

Wie bereits im Vorgänger "Sully" hat sich Clint Eastwood erneut einer Tatsachengeschichte angenommen, die für kurze Zeit riesige Schlagzeilen in den Medien machte und Helden von Heute präsentiert. In "Sully" machte Eastwood aus der spektakulären Landung des US-Airway Fluges 1549 auf dem Hudson River einen abendfüllenden Spielfilm, indem er sich auch den Konsequenzen dieses Ereignisses annimmt. Pilot Chesley Sullenberger und CoPilot Jeff Skiles müssen sich im Hinterher einem Untersuchungskomitee stellen, weil sie diese Notwasserung durchführten. Doch der heldenhafte Pilot, der als Letzter die Maschine verließ und allen Passagieren mit seinem Husarenstück das Leben rettete, wurde in den Medien als großer Held der Neuzeit gefeiert. Auch die drei Jungs Spencer Stone, Anthony Sadler und Alek Skarlatos waren für einige Tage in den Schlagzeilen. Denn es waren diese drei US-Boys, die den großen Anschlag auf den Thalys-Zug am Abend des 21. August 2015 im belgisch-französischen Grenzgebiet verhinderten, indem sie den Amoklauf des Attentäters Ayoub El Kahzani stoppten, bevor es wirklich viele Dutzende Todesopfer gegeben hätte. Wie im Vorgänger dauerte das Ereignis selbst nicht sehr lange, so dass man den Film mit der Vorgeschichte dazu aufpeppen muss - so nimmt diese auch den größten Teil der Filmlaufzeit von 94 Minuten ein. Eastwood hat sich entschieden als Hauptdarsteller die drei Helden selbst zu engagieren. Und der Zuschauer lernt die drei Jungs kennen, als sie noch zur Schule gingen. Denn seit dieser Zeit sind die drei befreundet. Paul-Mikel Williams, Max Ivutin, Bryce Gheisar, Cole Eichenberger und William Jennings porträtieren die Helden Stone, Sadler und Skarlatos als kleine Jungs. In der Schule werden sie wegen Ungehorsams immer mal wieder zum Rektor zitiert und auch in der Teeangerzeit läuft nicht alles rosig. Immer wieder greift Eastwood zu seinem beliebten dramaturgischen Mittel in die Rückblenden kurze Szenen des baldig stattfindenden Ereignisses im 15:17 Zug von Amsterdam nach Paris einzuflechten. Dann wieder Schwenk in die Vergangenheit. Adam Sadler ist Student und Skarlatos und Stone, die bereits in Kinderjahren gerne Kriegsspiele machten, sind zum Militär gegangen und dienen in der US-Armee. Manche Träume mussten sie begraben und irgendwann landet Eastwood auch in der Gegenwart. Die drei Jungs planen einen ausgedehnten Europatrip. Alex Skarlatos reist erst mal nach Deutschland, weil er dort ein Mädchen hat. Die beiden Anderen sind Touristen in Rom und Venedig und Spencer Stone kommt dabei ins Philosophieren, er denkt, dass alles vorbestimmt ist und irgendwie das Gefühl nicht loswird, dass sich bald sein Schicksal erfüllt. Doch zu sehr grüblersich solls auch nicht werden. Man fragt ein Mädel, ob sie ein Selfie machen kann und schon sitzt man mit der attraktiven jungen Frau im Restaurant. Irgendwann treffen sich die drei in Deutschland und bekommen von einem Reiseführer auf einem Fahrrad eine wichtige Geschichtslektion "nicht die Amis befreiten Berlin, sondern die Russen" - dann ab nach Amsterdam und hinein ins wilde Partygeschehen. Als nächstes steht Paris auf dem Programm. Zu dritt - Alex Skarlatos, wie es sich gehört im Bayern Fantrikot - steigen sie in den Zug, wo sie bald auf den Attentäter treffen, der vorhat viele Menschen zu durchlöchern...



Am Ende steht die zeremonie in Paris, wo sie von Präsident Hollande mit der Tapferkeitsmedaille der Ehrenlegion ausgezeichnet werden. Diese bekommt auch Chris Norman, ebenso Reisender im Zug und der auch dazu beitrug, dass der Schwerverletzte Mark Moogalian mit dem Leben davonkam und der Attentäter überwältigt wurde. Eastwood hat sich auf seine alten Tage wohl festgelegt den Helden der heutigen Medienwelt ein Denkmal zu setzen. Dies realisiert er mit leichter Hand als Fingerübung und schafft tatsächlich daraus einen unterhaltsamen Film zu machen. Bei einem Budget von 30 Millionen Dollar wars ein Gewinn, denn 56 Millionen Dollar wurden weltweit eingespielt. Die Kritik war nicht berauschend und verglichen mit seinen früheren Meisterwerken ist "15:17 to Paris" eher enttäuschend und alles andere als ein Meisterwerk. Dennoch hat Eastwood keine Flop gemacht, man fragt sich nur welchem neuen Helden sich Eastwood in seinem nächsten Filmprojekt widmet.



Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

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