Montag, 10. September 2018

Caligula


























Regie: Tinto Brass

Stiefelchen...

 "Caligula" heißt der Skandalfilm des italienischen Regisseurs Tinto Brass und avancierte 1980 zum großen Kinoerfolg. In Deutschland wollten 2,3 Millionen Kinogänger den Skandalfilm sehen und bei einem Budget von 17,5 Millionen Dollar spielte "Caligula" damals weltweit 23,4 Millionen Dollar ein. Der Film kennzeichnet auch das langsam sich entwickelte Ende der 70er Jahre Skandalfilm-Ära mit Welterfolgen wie "Der letzte Tango in Paris", "Das große Fressen", "Die 120 Tage von Sodom" oder "Trio Infernal" - der Porno-Historienfilm von Tinto Brass wurde damals von vielen Filmkritikern als Katastrophe bezeichnet. Die Dreharbeiten begannen bereits 1976 und weist eine illustre Besetzungsliste mit schauspielerischen Hochkarätern wie John Gielgud, Peter O´Toole oder Helen Mirren auf.  Als Kaiser Caligula wurde der Brite Malcolm McDowell verpflichtet, der sich mit den Filmen "If" und "Uhrwerk Orange" bereits auf den Typus des fiesen Rebellen festgelegt hatte und daher einen perfekten Tyrannen abgibt. "Caligula" ist ein Kuriosum von Film. Einerseits zeigt er das Treiben in Rom mit allen Formen der Ausscheifungen sowie perverse und obszöne sexuelle Inhalte, andererseits ist alles als Art Kammerspiel angelegt. Die Handlung spielt fast ausschließlich in einem Studio - es gibt nur ganz selten Außenaufnahmen. Für einen historischen Sandalenfilm eh ein Novum, aber dafür gibts halt pornographische Einlagen und das Treiben wirkt fast wie ein porographischen und choreographisches Ballett. Dennoch oder gerade deswegen wirken die Kulissen nie unspektakulär und der Film wirkt irgendwie authentisch. Der Zuschauer kann hier hautnah das exzessive und barbarische Leben im heidnischen Rom spürbar miterleben und lernt dabei drei römische Kaiser kennen.
An der Macht ist der von der Syphillis gekennzeichnete Tiberius (Peter O´Toole), der versucht seinen Nachfolger zu bestimmen. Dabei kommt sein Neffe Caligula (Malcolm McDowell) ebenso in Frage wie der dämliche Onkel Claudius (Giancarlo Badessi) und Caligulas jüngerer Stiefbruder Gemellus (Bruno Brive). Caligula wird nicht nur von seinem inzwischen verrückt gewordenen Onkel "Stiefelchen" genannt, er befielt ihm auch nach Capri zu kommen, wo er zeitweise lebt und von seinem engsten Berater Nerva (John Gielgud) beeinflusst wird. Nerva macht keinen Hehl daraus, dass er von dem jungen Caligula nichts hält. Doch der hat mit Macro (Guido Mannari), den Chef der Prätorianergarde einen verlässlichen Freund, der ihn bei seinem Ambitionen Kaiser zu werden, total unterstützt. Caligula ist zügellos und hat sogar mit seiner Schwester Drusilla (Teresa Ann Savoy) ein sexuelles Verhältnis. Ebenso mit Ennia (Adriana Asti), der Frau von Freund Macro. Dieser ist es auch, der den Meuchelmord an Tiberius begeht - nun ist der Weg frei für Caligula. Er nimmt sich den Siegelring des Caesar und damit auch auch die Herrschaft an sich. Caligula wird zum Kaiser ausgerufen. Damit steigt ein noch viel größerer Tyrann als Tiberius auf den Thron...






Die schrecklichste Szene ist sicherlich die Hinrichtung von Macro mittels einer riesigen Sensenmaschine, mit der im Boden des Circus Maximus die eingegrabenen Todeskandidaten geköpft werden. Er opfert den Freund, weil dieser ihm den Rang ablaufen könnte. Sehr gut herausgearbeitet ist die Abhängigkeit zu seiner Schwester Drusilla. Daran ändert auch die Hochzeit mit der Priesterin Caesonia, gespielt von der damals noch unbekannten Helen Mirren, nichts. Am Ende bekommt auch Caligula seine Strafe und der dämliche Onkel Claudius wird sein Nachfolger. Denn Caligula stirbt durch die Hand von Cassius Chaerea, gespielt von Paolo Bonacelli, der in Pasolinis "Die 120 Tage von Sodom" den Fürsten Blangis verkörpert. Denkwürdig ist die darstellerische Leistung von Peter O´Toole, der hier als Tiberius Mut zur Hässlichkeit beweist und eine perfekte Vorstellung gibt. Die Schauspieler sind es auch, die den Film von Tinto Brass aus der Schmuddelecke ziehen. Der Film wurde oft verboten, verkürzt und verstümmelt. Die korrekte Laufzeit ist 156 Minuten und in dieser Fassung schimmert auch immer wieder das üppige Sittengemälde durch - trotz der Dominanz von Sex, Gewalt und Sadismus. Für den amerikanischen Kritikerpapst war "Caligula" ein echtes Ärgernis, er bezeichnete das Skandalwerk von Tinto Brass als einen seiner meistgehassten Filme ever.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

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