Montag, 13. April 2020

Giant Little Ones

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Keith Behrman 
 
Auf der Suche nach der sexuellen Identität...
 
Seit einigen Jahren sind die LGBT Movies deutlich auf dem Vormarsch. Neben originellen und interessanten Geheimtipps wie "Closet Monster" (Stephen Dunn, 2016), "Gods own Country" (Francis Lee, 2017), "120 Bpm" (Robin Campillo, 2017) oder "Boy Erased" (Joel Edgerton, 2018) schafften einige Genrevertreter auch den Erfolg an der Kasse und bei der Vergabe der Oscars wurden sie sehr gewürdigt. "Carol" von Todd Haynes wurde für sechs Oscars nominiert, "Call me by your name" von Luca Guadagnino wurde vierfach nominiert und gewann am Ende den Drehbuchoscar (James Ivory). "Moonlight" von Barry Jenkins war noch erfolgreicher. Von seinen 8 Oscarnominierungen wurden drei in Siege umgewandelt. Auch "The Favourite" - ein Historiendrama von Giorgos Lanthimos wurde 10fach nominiert und am Ende konnte die Hauptdarstellerin Olivia Colman als lesbische Queen Anne überraschend den Preis als beste Hauptdarstellerin entgegennehmen. Anschließend gab es für Lanthimos Film noch 8 Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis. Mit "Love, Simon" wagten die Studios im Jahr 2018 sogar den ersten echten Mainstream Gay Film - die beiden jungen Hauptdarsteller Nick Robinson und Keiynan Lonsdale bekamen sogar einen MTV Movie Award für den besten Filmkuss des Jahres und auch die Kinokassen klingelten und die Macher erfreuten sich am Box Office Ergebnis von 66 Millionen.
Genauso smart wie Nick Robinson als Simon Spier, der ein eher unproblematisches Coming Out erlebt, ist auch der Hauptdarsteller Josh Wiggins als Franky Winter im kanadischen LGBT Beitrag "Giant little ones" des Regisseurs Keith Behrman. Der Junge hat es aber viel schwerer mit seinen sexuellen Gefühlen und seiner sexuellen Identität umzugehen. Denn Franky hat es immer noch nicht richtig verkraftet, dass sein Vater Ray (Kyle McLachlan) die Familie verlassen hat, um mit seinem Freund zusammenzuleben. Alle Versuche des Vaters mit seinem Jungen wieder ins Gespräch zu kommen, scheitern irgendwie. Frankys Mutter Carly (Maria Bello) sucht wieder nach einer neuen Beziehung und Frankys Schwester Deane (Olivia Scriven) hat ihrem Vater längst schon wieder verziehen. Seit Kinheitstagen ist Franky mit dem gleichaltrigen Ballas (Darren Mann) befreundet. Er geht bei dessen Familie Vater Nic (Peter Outerbridge), Mutter Angie (Stephanie Moore) und Ballas Schwester Natasha (Taylor Hickson) ein und aus. Beide sind Mitglied im Schwimmteam der Schule. An seinem 17. Geburtstag passiert aber etwas unvorhergesehenes. Eigentlich wollte Franky mit Freundin Priscilla (Hailey Kittle) zum ersten Mal Sex haben. Doch das Rendevouz platzt und er hängt gemeinsam mit Ballas ab, die beiden Jungs trinken und dadurch kommt es zum Sex. Das sorgt nicht nur für reichlich Verwirrung in der Gefühlswelt. Ballas behauptet plötzlich in der Schule, dass er von Franky verführt worden wäre und damit zerbricht fürs erste diese wichtige Freundschaft. Und Franky gilt nun als Schwuler. Zum Glück hält Ballas Schwester zu ihm und auch Frankys Transgender Freundin Mouse (Niamh Wilson) hat keine Probleme damit....



Regisseur Keith Behrman hat seinen Film sehr subtil gestaltet und dadurch wirkt die Geschichte sehr echt und überhaupt nicht konstruiert. Es zeigt auch dem reiferen Zuschauer, dass sich die Jugend in ihrer Gefühlswelt kaum verändert hat - Sexualität, Mobbing und das Erwachsenwerden machen wahrscheinlich alle - mehr oder weniger - durch. Bei der Sexualität ist immer noch ein gewisser Druck dabei, sich so zu verhalten, dass man zur Norm gehört. Man will kein Aussenseiter sein, dennoch ist man mit der Identitätsfindung irgendwann allein. Auch das Ende des Films ist sehr gut durchdacht, zeigt sie uns einem Jungen, der sich entschieden hat sich selbst zu sein und allen Erwartungen eine gewisse Absage zu geben. So gesehen ein offenes Ende, auch die weitere Entwicklung der Filmfigur, die von dem Youngster Josh Wiggins sehr authentisch dargestellt wird.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

C.R.A.Z.Y. - Total verrückt

























Regie: Jean-Marc Vallee

Zacharys Coming out...

Der bekannteste Film des kanadischen Filmregisseurs Jean-Marc Vallee ist der Aids-Film "Dallas Buyers Club", der den beiden Darstellern Matthew McConaughey und Jared Leto den Schauspiel-Oscar bescherte. Sein erster Filmerfolg lag da aber bereits 8 Jahre zurück. Im Jahr 2005 konnte er mit "C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben" einen echten Kinohit in Kanada landen, der in dort sogar besser lief als Harry Potter.
"C.R.A.Z.Y. steht natürlich für verrückt, aber es sind auch die Anfangsbuchstaben der fünf Söhne der Familie Beaulieu aus Quebeck. C steht für Cristian (gespielt von Maxime Tremblay und Jean-Alexandre Letourneau) , R für Raymond (gespielt von Pierre Luc Brillant und Antoine Cote Potvin), A für Antoine (gespielt Alex Gravel und Sebastien Blouin), Z für Zachary (Marc-Andre Grondin und Emile Vallee) und Y für den Nachzügler Yvan (Felix Antoine Despatie und Gabriel Lalancette). Alle fünf total unterschiedlich - der Vater Gervais (Michel Cote) ist musikbegeistert und schwärmt für Patsy Cline (Crazy Nr. 3, denn ihr gleichnamiger Hit begleitet die Story, die sich über 20 Jahre hinzieht) und den großen französischen Chansonier Charles Aznavour - er kann alle Lieder von ihm nachsingen und gibt sein Gesangstalent auch bei jeder Familienfeier zum Besten. Der viertälteste Sohn Zachary wird an Weihnachten geboren und spielt die Hauptrolle in dem Film. Seine Mutter Laurianne (Danielle Proulx) glaubt aufgrund dieses Geburtstages und seines Muttermals am Hinterkopf, dass der Junge mit übersinnlichen und göttlichen Eigenschaften gesegnet ist und geht davon aus, dass der Junge diese Kräfte einsetzen könnte um Kranke zu heilen. Beide Elternteile sind sehr liebevoll zu ihren Kindern, doch der Vater hat Angst, dass die Mutter Zachary zu sehr verweichlicht erzieht. Er will, dass der Junge entweder Musiker oder Sportler wird. Dies macht sich auch in den Weihnachtsgeschenken deutlich. Der Junge bekommt nie, was er sich wirklich wünscht. Eines Tages entdeckt der Vater ihn, wie er in den Kleidern der Mutter das kleine Brüderchen umsorgt und vom Weinen beruhigt. Cristian ist der Intelektuelle der Jungs, Antoine eine Sportskanone und Raymond ist der Checker - er hat sehr früh Freundinnen und kränkt den jüngeren Zack immer wieder mit homophoben Sprüchen, die Zack besonders kränkend verarbeitet, denn der Bruder sieht in ihm einen Schwulen. Und tatsächlich ist da auch viel Wahrheit dabei, aber der Junge kann nicht damit umgehen "anders zu sein" als seine Brüder. So geht er im Laufe der Jahre auch eine Beziehung mit einem Mädchen ein und er unterdrückt lange Zeit den Wunsch seine Homosexualiät auszuleben. Dies gelingt erst reichlich spät. Zachary muss zuerst auf eine Reise nach Europa und macht anschließend noch eine Stippvisite nach Israel, weil seine Mutter immer schon vom heiligen Land geschwärmt hat. Als er nach Hause kommt, liegt Raymond mit einer Überdosis Drogen im Krankenhaus...




"C.R.A.Z.Y. ist nicht nur ein sehr gelungener Coming of Age/Coming out Film, sondern erweist sich auch als sehr intensive Familienchronik mit echten Charakteren. Zeitgleich wird die Epoche, in der die Geschichte spielt, wieder sehr lebendig und man kann sich vielleicht in irgendeiner Weise mit der einen oder anderen Filmfigur gut identifizieren. Dabei ist die Liebe zum Detail erkennbar und dies sorgt für Tiefgang, für eine schöne melancholische Stimmung und auch für einen leisen Humor. "C.R.A.Z.Y. ging als kanadischen Beitrag für den besten ausländischen Film ins Oscarrennen, konnte sich aber leider nicht unter die letzten fünf Nominierungen platzieren. Aber er wurde als bester ausländischer Film für den europäischen Filmpreis nominiert und bekam von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden das hohe Prädikat "Besonders wertvoll" verliehen. Bei den 26. Genie Awards (kanadischer Filmpreis) gewann der Film von Jean-Marc Vallee sagenhafte 11 Auszeichnungen, zwei davon gingen an die famosen Elterndarsteller Michel Cote und Danielle Proulx.





Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Freitag, 3. April 2020

Kill Bill Volume 1

























Regie: Quentin Tarantino

Das  Hatori Hanso Schwert...

Für mich gehört "Kill Bill Volume 1" trotz der heftigen Blutspur, die die Geschichte mit sich zieht, zu den besten Tarantino Filmen überhaupt. Tarantino konzipierte den Kampfkunstfilm als Hommage an das Grindhouse-Kino - Kung Fu B-Pictures, die Samurai Kampffilme, Spaghetti Western oder Blaxploitation lassen grüßen. Herzstück des Films ist sicherlich die ausufernde und bluttriefende Anime Sequenz, die von Production I.G. gemacht wurde. "Kill Bill" besteht aus zwei Teilen. Ursprünglich war es vorgesehen den Film nicht zu teilen, aber mit einer Laufzeit von mehr als 4 Stunden war dies den Produzenten nicht recht. Da Tarantino auf keinen Fall seinen Film kürzen wollte, entschied man sich als Kompromiss für die zwei Teile. Volume 1 kam 2003 in die Kinos, Teil 2 ein Jahr später. Fans warten natürlich immer noch sehnsüchtig auf den von Tarantino angekündigten Directors Cut in einem Stück und in voller Länge. Doch bisher wurde die Veröffentlichung immer wieder verschoben.
"Kill Bill Vol. 1" wurde trotz höherer Altersfreigabe in den Kinos ein riesiger Kassenhit. Er spielte 180 Millionen Dollar ein, Teil 2 brachte es auf 152 Millionen Dollar Einspielergebnis.
"Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird" - ein altes klingonisches Sprichwort fungiert als Einleitung für den ersten Teil und zeigt in der ersten Szene (schwarz-weiß) eine schwer verletzte Frau am Boden liegen. Ihren Peiniger sieht man nicht, aber man hört seine Stimme. Es täte ihm zwar leid, aber es muss sein und er straft sich selbst am meisten damit, dass er der Frau, die er liebt, sowas antun muss. Aber was sein muss, dass muss sein. Bill (David Carradine) ist der sadistische Todesfolterer und er rächt den Verrat von der Braut (Uma Thurman), die seine "Black Mamba" ist. Für diese Rache hat er vier seiner besten Killer beauftragt - es sind dies Elle Driver (Daryl Hannah), Copperhead (Vivica A. Fox), Sidewinder (Michael Madsen) und O-Ren Ishii (Lucy Liu). Das Attentat vollzog sich während einer Hochzeitsfeier. Doch wie durch ein Wunder überlebt die Fau als einzige das Massaker, bei dem 9 Menschen ihr Leben lassen. Doch sie bleibt im Koma und wacht erst 4 Jahre danach im Krankenhaus wieder auf. Dann erinnert sich die Kämpferin wieder an ihre Geschichte und beginnt mit ihrem Rachefeldzug, der sie zuerst zu Copperhead führt, die inzwischen als Vernita Green ein bürgerliches Leben führt und Mutter einer kleinen Tochter ist. Vor dem Kind wird der Kampf um Leben und Tod ausgetragen. Vorher - so erzählt eine ausufernde Rückblende - hat sich Black Mamba in Japan an der geheimnisvollen O-Ren Ishii gerächt...
Und die Figur der O-Ren Ishii drückt dem ersten Kill Bill auch total den Stempel auf. Lucy Liu spielt diese Figur einfach göttlich und ich finde, dass sie den Oscar als beste Nebendarstellerin verdient hat, doch leider mochte die Academy den Genremix von Tarantino nicht. Tarantino erzählt in einem Anime die Geschichte dieser großen Schwertkämpferin, die als Kind mit ansehen musste, wie ihre Eltern von einem Triadenboss ermordet wurde. Natürlich rächt sich das kleine Mächen irgendwann und wird irgendwann zur großen Chefin der Yakuza. ihre Mannschaft besteht aus Sofie Fatale (Julie Dreyfuß), Gogo Yubari (Chiaki Kuriyama), Johnny Mo (Gordon Liu) und vielen weiteren Kämpfern, die ihre Armee bilden.
Auch ihre Geschichte ist der der Black Mamba ähnlich und am Ende besiegt diese mit einem Schwert des Schmiedemeisters Hattori Hanzo (Sonny Chiba) ihre Konkurrentin, die ihr vor ihrem Tod noch den größten Respekt zollt...







 Tarantino hat sein Spektakel mit einem grandiosen Soundtrack unterlegt - Nancy Sinatras Version von "Bang Bang" ist zu hören, viele Musikstücke erinnern an Ennio Morricone und wenn die Handlung etwas melancholisch wird, dann hört der Zuschauer das einschmeichelnde "The lonely Shepard" von James Last und Gheorghe Zamfir. Verantwortlich für den Soundtrack war der Rapper RZA, Hauptproduzent des bekannten Wu Tang Clans. Tarantino hat seine beiden Kill Bill Movies dem Schauspieler Charles Bronson gewidmet, der 2003 im Alter von 82 Jahren verstarb.







Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Kill Bill Volume 2


























Regie: Quentin Tarantino

Die "Fünf Punkte Pressur Herzexplosionstechnik"...

"Kill Bill Volume 2" kam ein Jahr später als Teil 1 in die Kinos. Tarantino konzipierte seine beiden Teile als Hommage an das Grindhouse Kino. Da die Laufzeit insgesamt ca. 4 Stunden war, wurde der Film in zwei Teile geteilt. Mit 152 Millionen Dollar wurde "Kill Bill Vol 2" ebenso ein Kassenhit, wobei das Einspielergebnis des ersten Teiles höher lag. Dafür wurde Teil 2 immerhin für einige Filmpreise nominiert - so gab es für Uma Thurman eine Golden Globe Nominierung, ebenso für ihren Partner David Carradine, der den fiesen Bill verkörperte.
Der Soundtrack blieb in der Verantwortung von RZA, fällt aber etwas anders wie der Vorgänger aus. Auch die Handlung wechselte vom Schwerpunkt des Kampfkunstfilms und Martial Arts hin zu einer gewissen Western-Atmosphäre. So ist auch Tarantinos Hingabe für den Italo Western hier wesentlich präsenter und spürbarer als in Teil 1. In beiden Filmen ist ein asiatischer Kampfkunstmeister die Schlüsselfigur der Geschichte. Während im ersten Teil der Schwertkämpfer Hattori Hanso vorgestellt wurde, der die besten Samurai Schwerter der ganzen Welt macht, kommt in Teil 2 dem Kung Fu Meister Pai Mei (Gordon Liu) eine besondere Rolle zu. Sowohl Beatrix Kiddo (Uma Thurman) als auch Bill (David Carradine) gehörten zu den Schülern des Meisters, der als Einziger die todbringende "Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik" beherrscht. 
Im ersten Teil hat die Braut Black Mamba bereits an zwei ihrer Peiniger Rache erfolgreich Rache geübt. Auf ihrer Kill Liste konnte sie die Namen von Copperhead (Vivica A. Fox) und O-Ren Ishii (Lucy Liu) streichen. Nun gilt es noch den alkoholkranken Budd (Michael Madsen), Bruder von Bill und die durchgeknallte Elle Driver (Daryl Hannah) zu töten, denn sie gehörten zu dem Quartett der Mörder, die für das Massaker von Two Pines im Auftrag von Bill verantwortlich waren. Dieses Massaker ist auch die erste Sequenz des Films, die Tarantino in Schwarz Weiß gedreht hat, ganz im Stil eines Neo Noir und wenn man genau hinschaut, dann sieht man auch, dass diese Szene eine enge Verwandtschaft mit dem Hochzeitsmassaker aus "Spiel mir das Lied vom Tod" aufweist. Bill spielt zwar keine Mundharmonika, aber eine Flöte und vor dem Eintreffen des Todeskommandos führt er einen unheimlichen Dialog mit der Frau, die bei ihm in Ungnade gefallen ist und die von ihm schwanger ist. Wie wir natürlich schon wissen, überlebt die Frau das Massaker und ist nun auf Rachekurs. Tatsächlich gelingt es dem versoffenen Budd den Kampf für sich zu entscheiden. Er begräbt Beatrix lebendig in der Wüste und kehrt mit deren Hattori Hanso Schwert zurück in seinen Wohnwagen. Da Elle Driver verrückt auf das Schwert ist, besucht sie ihn mit einem Geldkoffer, in dem sich Scheine im Wert von 1 Millon Dollar befindet. Die böse Frau hat aber darunter eine Schwarze Mamba versteckt, die Budd ins Gesicht beißt. Währenddessen hat sich Beatrix aber aus ihrem Grab befreit - dem alten Meister sei Dank - und kann ihr Duell mit Elle absolvieren. Nun steht nur noch Bill auf ihrer Liste, doch Beatrix ahnt nicht, dass ihre kleine Tochter (Perla Haney-Jardine) noch lebt...





Die Rachegeschichte einer Frau, die sich an der vierköpfigen Deadly Viper Assassination Squad rächt und an ihrem früheren Geliebten Bill ist von Tarantino mit akribischer Hingabe inszeniert hat, steckt voller kurioser Einfälle. In Teil 2 hat er dem Dialog wieder mehr Raum gegeben, dafür ist der Actionpart weniger ausufernd ausgefallen. Natürlich ist die Westernatmosphäre sehr lakonisch gestaltet und Robert Richardson, der oscarprämierte Kameramann (JFK, Aviator) liefert einmal mehr eine hervorragende Arbeit ab.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Du kannst anfangen zu beten

























Regie:  Jean Herman

Safeknacker...

Der Film "Du kannst anfangen zu beten" ist auch unter dem Alternativtitel "Bei Bullen singen Freunde nicht" bekannt. Regisseur Jean Herman inszenierte den Film im Jahr 1968 mit Alain Delon und Charles Bronson, der in dieser Zeit immer mehr zum Super Kinostar aufstieg.
Jean Herman wollte zuerst die Popsängerin und ESC-Gewinnerin France Gall für die Rolle der "Waterloo" verpflichten. Die junge Sängerin lehnte aber ab, weil ihre Rolle vorsah, dass sie Alain Delon innig küssen sollte - sie wollte dies ihrem Freund nicht antun und sich selbst nicht der Gefahr aussetzen einem der schönsten Filmstars so nahe zu sein und innig zu werden. Dafür bekam Brigitte Fossey die Rolle.
Der Regisseur wurde in Pagny-sur-Moselle im Department Meurthe-et-Moselle als Jean Vautrin geboren und war 1957 Regieassistent bei Roberto Rossellini. Herman schrieb auch Drehbücher und diesem Metier war er erfolgreicher wie als Regisseur. Für das Drehbuch von "Garde a vue" wurde er 1982 gemeinsam mit Claude Miller und Michel Audiard mit dem Cesar ausgezeichnet.
"Du kannst anfangen zu beten" braucht etwas Zeit um in die Gänge zu kommen, aber die Spannungskurve mit im Laufe der Geschichte deutlich zu. Nach dem Algerienkrieg kehren viele Soldaten der französischen Armee nach Frankreich zurück. Unter ihnen befindet sich auch der Arzt Dino Barran (Alain Delon) und der Fremdenlegionär Franz Propp (Charles Bronson). Propp wirkt auf Barran sehr aufdringlich und gibt diesem zu verstehen, dass er an einer Kameradschaft überhaupt nicht interessiert ist. So nimmt Propp, der wenig Skrupel hat, zuerst mal einen Job als Zuhälter an und Barras wird von einer fremden Frau (Olga Georges Picot) bedrängt, die ihn unbedingt für einen Gefälligkeitsjob braucht. Er soll während einer Zeitarbeit bei einer großen Firma die Kombination des Safes erhausfinden und wieder etwas hineinzulegen. Erst später erfärht Barran, dass im Safe auch 2 Millionen Francs liegen. Während der Weihnachtstage will er diesen Job erledigen, obwohl er von nur 3 Ziffern des siebenstelligen Codes kennt. Und dann taucht auch noch Propp im Firmengebäude auf, der sich nicht abwimmeln lässt. Am Ende sind die beiden Männer eingeschlossen und versuchen gemeinsam den Coup zu landen. Doch die Ereignisse überschlagen sich und bald wird Barran klar, dass er von der attraktiven Lade in eine Falle gelockt wurden...



Der Film ist von ruhiger Hand inszeniert und zeigt wie zwei unterschiedliche Männer, die gar nicht so zusammenpassen wollen, plötzlich zum gemeinsamen Handeln herausgefordert sind. Aus einer gewissen Konkurrenz unter den Männern, entsteht so etwas wie Kumpanei, Kameradschaft - ja sogar so etwas wie Freundschaft. Denn um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, müssen die beiden zusammenarbeiten und dürfen keinen Fehler machen, denn Inspektor Meloutis - gespielt von Bernard Fresson - ist ein harter Hund.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.