Regie: Keith Behrman
Auf der Suche nach der sexuellen Identität...
Seit einigen
Jahren sind die LGBT Movies deutlich auf dem Vormarsch. Neben
originellen und interessanten Geheimtipps wie "Closet Monster" (Stephen
Dunn, 2016), "Gods own Country" (Francis Lee, 2017), "120 Bpm" (Robin
Campillo, 2017) oder "Boy Erased" (Joel Edgerton, 2018) schafften einige
Genrevertreter auch den Erfolg an der Kasse und bei der Vergabe der
Oscars wurden sie sehr gewürdigt. "Carol" von Todd Haynes wurde für
sechs Oscars nominiert, "Call me by your name" von Luca Guadagnino wurde
vierfach nominiert und gewann am Ende den Drehbuchoscar (James Ivory).
"Moonlight" von Barry Jenkins war noch erfolgreicher. Von seinen 8
Oscarnominierungen wurden drei in Siege umgewandelt. Auch "The
Favourite" - ein Historiendrama von Giorgos Lanthimos wurde 10fach
nominiert und am Ende konnte die Hauptdarstellerin Olivia Colman als
lesbische Queen Anne überraschend den Preis als beste Hauptdarstellerin
entgegennehmen. Anschließend gab es für Lanthimos Film noch 8
Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis. Mit "Love, Simon" wagten die
Studios im Jahr 2018 sogar den ersten echten Mainstream Gay Film - die
beiden jungen Hauptdarsteller Nick Robinson und Keiynan Lonsdale bekamen
sogar einen MTV Movie Award für den besten Filmkuss des Jahres und auch
die Kinokassen klingelten und die Macher erfreuten sich am Box Office
Ergebnis von 66 Millionen.
Genauso smart wie
Nick Robinson als Simon Spier, der ein eher unproblematisches Coming Out
erlebt, ist auch der Hauptdarsteller Josh Wiggins als Franky Winter im
kanadischen LGBT Beitrag "Giant little ones" des Regisseurs Keith
Behrman. Der Junge hat es aber viel schwerer mit seinen sexuellen
Gefühlen und seiner sexuellen Identität umzugehen. Denn Franky hat es
immer noch nicht richtig verkraftet, dass sein Vater Ray (Kyle
McLachlan) die Familie verlassen hat, um mit seinem Freund
zusammenzuleben. Alle Versuche des Vaters mit seinem Jungen wieder ins
Gespräch zu kommen, scheitern irgendwie. Frankys Mutter Carly (Maria
Bello) sucht wieder nach einer neuen Beziehung und Frankys Schwester
Deane (Olivia Scriven) hat ihrem Vater längst schon wieder verziehen.
Seit Kinheitstagen ist Franky mit dem gleichaltrigen Ballas (Darren
Mann) befreundet. Er geht bei dessen Familie Vater Nic (Peter
Outerbridge), Mutter Angie (Stephanie Moore) und Ballas Schwester
Natasha (Taylor Hickson) ein und aus. Beide sind Mitglied im Schwimmteam
der Schule. An seinem 17. Geburtstag passiert aber etwas
unvorhergesehenes. Eigentlich wollte Franky mit Freundin Priscilla
(Hailey Kittle) zum ersten Mal Sex haben. Doch das Rendevouz platzt und
er hängt gemeinsam mit Ballas ab, die beiden Jungs trinken und dadurch
kommt es zum Sex. Das sorgt nicht nur für reichlich Verwirrung in der
Gefühlswelt. Ballas behauptet plötzlich in der Schule, dass er von
Franky verführt worden wäre und damit zerbricht fürs erste diese
wichtige Freundschaft. Und Franky gilt nun als Schwuler. Zum Glück hält
Ballas Schwester zu ihm und auch Frankys Transgender Freundin Mouse
(Niamh Wilson) hat keine Probleme damit....
Regisseur Keith
Behrman hat seinen Film sehr subtil gestaltet und dadurch wirkt die
Geschichte sehr echt und überhaupt nicht konstruiert. Es zeigt auch dem
reiferen Zuschauer, dass sich die Jugend in ihrer Gefühlswelt kaum
verändert hat - Sexualität, Mobbing und das Erwachsenwerden machen
wahrscheinlich alle - mehr oder weniger - durch. Bei der Sexualität ist
immer noch ein gewisser Druck dabei, sich so zu verhalten, dass man zur
Norm gehört. Man will kein Aussenseiter sein, dennoch ist man mit der
Identitätsfindung irgendwann allein. Auch das Ende des Films ist sehr
gut durchdacht, zeigt sie uns einem Jungen, der sich entschieden hat
sich selbst zu sein und allen Erwartungen eine gewisse Absage zu geben.
So gesehen ein offenes Ende, auch die weitere Entwicklung der Filmfigur,
die von dem Youngster Josh Wiggins sehr authentisch dargestellt wird.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen