Regie: Damiano Damiani
Der Kommissar und der Staatsanwalt...
Noch vor "Tag der Eule" und "Das Verfahren ist eingestellt. Vergessen
Sie´s" ist "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" wohl Damiano
Damianis bester Film überhaupt. Das geniale Zusammenspiel der beiden
Hauptdarsteller Martin Balsam und Franco Nero macht dies möglich und der
Film, der 1971 in die Kinos kam, wurde dadurch ein unverzichtbares
Meisterwerk im Genre der Mafiafilme. Überhaupt handeln die Filme des
italienischen Regisseurs sehr oft von der Verflechtung von Politik und
Mafia. In einer späteren Phase drehte er auch fürs Fernsehen und landete
mit seiner Serie "Allein gegen die Mafia" mit Michele Placido einen
weiteren internationalen Erfolg. Seine Filme sind etwas vergleichbar mit den Filmen seiner Kollegen
Elio Petri und Francesco Rosi, doch Damiani war vielleicht der
emotionalste der drei Regisseure. Er versuchte die Strukturen dieser
Verbrecherorganisation anhand der Mittäter und Opfer aufzuzeigen, alle
Handlungen und Verwicklungen setzen nach und nach diese kriminellen
Verzweigungen frei. Dabei legte er großen Wert auf Bildkompositionen und
Kameraführung. Die Story von "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" spielt
im italienischen Palermo wo Kommissar Bonavia (Martin Balsam) die
Irrenanstalt besucht. Dort ist der Gangster Michele Li Puma (Adolfo
Lastretti) seit einigen Jahren untergebracht. Die Prognose für den
psychisch kranken Straftäter sind nicht gut, trotzdem erwirkt der
Kommissar durch seine Macht die sofortige Freilassung des Mannes.
Tatsächlich hat Kommissar Bonavia einen teuflischen Plan, denn er weiß,
dass der freigelassene Li Puma sich sofort an seinem Feind, dem
wohlhabenden und einflussreichen Baulöwen Lomunno (Luciano Catenacci)
rächen wird. Genau dies tut er auch. Mit Waffengewalt stürmt er das Büro
seines Feindes. Doch der wurde gewarnt und den Killer erwartet ein Trio
von Scharfschützen, die nur darauf warten ihn zu erledigen. Alles endet
in einem Blutbad und nun muss der stellvertretende Staatsanwalt Dr.
Traini (Franco Nero) in diesem Fall ermitteln. Lommuno selbst tarnt sich
als guter Bürger, dabei ist der Mann ein skrupelloser Verbrecher des
Syndikats. Nach dem Blutbad verschwindet auch Li Pumas Schwester Serena
(Marilu Tolo), die vor Jahren ein Verhältnis mit Lomunno hatte.
Womöglich ist sie untergetaucht, weil sie um ihr Leben fürchtet. In der
gemeinsam Ermittlung tasten sich der Staatsanwalt und der Kommissar
langsam an den Anderen heran, jeder ist mit einem gewissen Mißtrauen
gegenüber dem Anderen behaftet, denn sowohl Traini oder Bonavia könnten
Mitglied der Mafia sein. Und genauso könnte es auch sein, dass noch viel
höhere Personen in das organisierte Verbrechen involviert sind.
Vielleicht auch der oberste Richter (Claudio Gora)....




Der Film beschränkt sich auf das Wesentliche und setzt darauf, dass
die beiden Hauptfiguren die gesamte Geschichte tragen können. Und dies
gelingt auch eindrucksvoll. Dabei wird auch am Ende klar, dass es
persönliche Gründe gab, die ein drastisches Handeln bestimmte und am
Ende steht nicht die große Aufklärung, sondern die nüchterne
Bestandsaufnahme und das große Fragezeichen wie die Geschichte
weitergehen könnte. Welchen Weg geht der Staatsanwalt Traini dann ? Es
bleibt offen in diesem exzellenten Thriller aus dem Jahr 1971, der auch
einige internationale Preise gewinnen konnte.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.