Freitag, 2. Dezember 2016

Trio Infernal

























Regie: Francis Girod

Das verbrecherische Leben des Anwalt Sarret...

1974 war die französisch-italienisch-deutsche Coproduktion "Trio Infernal" ein echter Kinohit. In Deutschland kam der Skandalfilm auf 1,25 Millionen Zuschauer und belegte in den Kinojahrescharts einen formidablen 15. Platz. Es war die große Zeit der Skandalfilme. Die Kinozuschauer in den 70ern wollten progressive Geschichten sehen, sie wollten Antihelden und sie wollten krasse und perverse Schocker. Und wenn ein Film mit diesem Prädikat angekündigt wurde, dann war der Kassenerfolg schon vorprogrammiert. Es war die Zeit als "Der Exorzist" als der härteste Horrorschocker aller Zeiten angepriesen wurde - in den Zeitungen las man von einigen Toten in den Kinos - Herzinfarkt durch die Filmhandlung. Auch das Thema "Sex" war Bestandteil der Kinolandschaft. So wurde Bertoluccis "Der letzte Tango von Paris" oder "Das große Fressen" von Marco Ferreri Publikumshits - Steigerungen sollten folgen, wenn man an Pasolinis Skandal mit "Die 120 Tage von Sodom" aus dem Jahr 1976 denkt. Es soll viele Zuschauer gegeben haben, die bevor sie vorzeitig den Kinosaal verlassen haben, herzhaft gekotzt haben.
Und in diese Kategorie fällt "Trio Infernal", den der Franzose Francis Girod ins Kinorennen schickte. Er gehörte damit zu einer Reihe von französischen Sexcomedys, u.a. auch Bertrand Bliers "Die Ausgebufften",die Frankreichs Filmszene des Jahres 1974 beherrschte. Auf den Kinoplakaten wurde schon gewarnt: Empfindliche Zuschauer werden gewarnt, dass dieses Werk gewisse Szenen enthält, die eine provozierende und verletztende Wirkung haben können. Gemeint war vor allem die Szene, die mit einer abstoßenden Ausführlichkeit zeigt, wie das Trio Infernal zwei Mordopfer beseitigen. Dieses Verbrechen war dann gekoppelt an die sexuelle Lust, denn auf dem Plakat steht der Mörder Michel Piccoli vor einer knieenden Romy Schneider, die den frischgebackenen Meuchelmörder mit geilem Oralsex verwöhnt. Für die Menschen 1974 eine echte Ekelsituation, wie kann man nur ?
Die Handlung von "Trio Infernal" ist inspiriert von dem tatsächlichen Fall des Mörders Georges Alexandre Sarriani, dessen Leben am 10. April 1934 unter der Guillotine endete.
Der Film beginnt irgendwann in den 20er Jahren und zeigt wie der Marseiller Rechtsanwalt Sarret (Michel Piccoli) der deutschen Philomene Schmidt (Romy Schneider) zu dem begehrten französischen Pass verhilft. Dies gelingt ihm durch seine Intervention, dass deren betagter älterer Liebhaber Villette (Jean Rigaux) die schöne junge Frau ehelicht. Dies hält den skrupellosen Anwalt aber nicht davon ab, eine heiße Affäre mit der Deutschen zu beginnen. Wenig später taucht Philomenes jüngere Schwester Catherine (Mascha Gonska - ursprünglich wollte man Uschi Glas für diese Rolle, doch die lehnt entrüstet ab) auf, auch sie landet im Bett von Sarret. Philomenes alter Ehegatte stirbt und Sarret bereut es sehr, dass er dem Alten keine Lebensversicherung angedreht hat. Dies soll bei der zweiten Heirat besser gemacht werden, denn auch Catherine braucht den französischen Pass. Für ihn sucht der gerissene Anwalt einen noch älteren Mann, der nur noch wenige Wochen zu leben hat. Die Versicherung trickst er mit dem Komplizen Chambon Philippe Brizard) aus. Doch den muss er nun aus dem Weg räumen. Da trifft es sich gut, dass Chambon mit der reichen Pfandleiherin Noemi (Andrea Ferreol) verheiratet ist. Am Weihnachsabend werden die beiden eingeladen. Was sie nicht wissen: Sie sollen noch heute ermordet werden. Zu diesem Zweck stehen im 1. Stockwerk schon zwei Badewannen bereit. Dort sollen sich die Getöteten dann alsbald in Schwefelsäure auslösen. Und kaltblütig knallt Sarret die beiden Gäste ab. Mit Schürzen und Tücher schleifen die drei die Leichen nach oben zu den Badewannen bevor das Mördertrio gesanglich ein herzhaftes "Oh Tannenbaum" anstimmt...



Nach diesem Höhepunkt folgt ein weiterer unapettitlicher Part. Denn mit Eimern muss die glibbrige Brühe mit Blut und Fäkalien in den Garten gebracht werden, wo sie als letzte existierende Beweise, dass das mal menschliche Körper waren, einfach verscharrt werden. Soviel zu den skandalträchtigen Szenen. Leider hat sich "Trio Infernal" abgesehen von seinem kalkulierten Ekelfaktor nicht sehr gut gehalten. Aus heutiger Sicht ist der Inszenierungsstil eher mittelmässig - trotz einer wunderschönen und verdorbenen Romy Schneider, die in jedem Film eine tolle Figur machte. Auch Michel Piccoli ist eine sichere Bank. Dennoch ist "Trio Infernal" zu gewollt skandalträchtig und eben nur schwach satirisch und Parodistisch. Obwohl der Soundtrack von Ennio Morricone genau diese parodistische Einlage vermitteln will. Nein, gut gealtert ist der Skandal von einst leider nicht.



Bewertung: 6 von 10 Punkten.

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