Freitag, 2. Dezember 2016
Studo 54
Regie: Mark Christopher
Urknall Shane...
Inzwischen sind mehr als 30 Jahre vergangen, seit der berühmteste Nachtclub der Welt, der Discotempel "Studio 54", entgültig schließen musste. Und immer noch ist er weltweit ein Begriff für ein grell leuchtendes Symbol der späten 70er Jahre, für den Höhepunkt des Discosounds, für Stars und Bands wie Sister Sledge, Chic, Sylvester, Pointer Sisters, Gloria Gaynor, Thelma Houston, Amii Stewart, Karen Young, Donna Summer oder Odyssey - aber auch für die ultimative Party, für die wildesten Drogenexzesse und hemmungslose Erotik und Sex. Gründer des "Studio 54" waren Steve Rubell und Ian Schrader, die den Tanztempel am 26. April 1977 eröffneten. Den Namen "Studi0 54" erhielt er aufgrund seines Standorts in der 54. Straße in New York. Vor allem Steve Rubell verstand es auch die Reichen und Schönen und große Stars anzulocken. Liza Minelly, Andy Warhol, Truman Capote, Liz Taylor, Mick Jagger, Diana Ross, Dr. Christian Barnard, John Travolta, Arnold Schwarzenegger, Gracia Patricia oder Sylvester Stallone kamen öfters, manche sogar waren treue Stammgäste. Das normale Fußvolk musste draußen in Schlangen warten - Rubell entschied wer seine gestrenge Gesichtskontrolle erfolgreich bestehen konnte: Natürlich vor allem sehr attraktive junge Boys und Girls. Den ersten Dämpfer erlebte das "Studio 54" in der Silvesternacht 1979, in der Nacht des ersten neuen Jahrzehnts wurde Steve Rubell verhaftet und der Laden machte am 4. Februar 1980 erstmalig dicht. Nachdem Rubell und Schrager wieder aus dem Knast entlassen wurden, wagten sie noch einmal ein Comeback im September 1981, fünf Jahre später schloß der New Yorker Club endgültig. Seine größte Zeit hatte er in den schillernden Endsiebzigern und für manche markiert das neue Jahrzehnt auch das eigentliche Ende dieser wilden, exzentrischen Party ohne Grenzen.
Der Regisseur Mark Christopher drehte 1998 mit dem gleichnamigen Film eine Hommage an diese kurze, aber große Zeit. Im Mittelpunkt der Handlung steht dabei der junge Shane O´Shea (Ryan Philippe) aus dem Arbeitermilieu in New Jersey. Er träumt von einem besseren und freieren Leben in der Metropole New York, er träumt vom "Studio 54", wo sich die schönsten Frauen der Welt wie Jacqueline Bisset oder Olivia Newton John aufhalten. Im Grunde trennt auch nur der Hudson River diese beiden unterschiedlichen Welten. Eines Abends wagt er mit zwei Kumpels den Schritt und tatsächlich wird der schwule Steve Rubell (Mike Myers) auf den attraktiven Jungen aufmerksam. Er darf ins Studio 54, allerdings mit nacktem Oberkörper und seine Kumpels haben das Nachsehen. Sie sehen zu durchschnittlich für die Nobeldisco aus. Ab diesem Abend hat es Shane gepackt. Er hat ja auch die Schauspielerin Julie Black (Neve Campbell) unter den Gästen entdeckt, für die er schon lange schwärmt. Durch sein tolles Aussehen wird er auch gleich von Rubell als Aushilfskellner engagiert und lernt dabei den den Kellner Bred Randazzo (Breckin Meyer) und dessen attraktive Frau Anita (Salma Hayek) kennen, die ebenfalls an der Garderobe des Studio 54 arbeitet. Sein Vater ist nicht gerade vom neuen Wirkungskreis seines Sohnes erfreut - er sieht in dem Club ein modernes und verkommenes Gomorrah. Shanes Schwester (Heather Matarazzo) ist traurig als er sich entscheidet das Elternhaus zu verlassen, um mit Bred und Anita in einer Wohngemeinschaft zu dritt zu wohnen. Und er hat riesigen Erfolg im Studio 54 - er wird begehrt von Frauen und von Männern. Und Shane ist überwältigt von diesem Rausch. Steve sieht auch in seinen Kellnern, die mit nacktem Oberkörper und Jeans oder kurzen Sporthosen ihre Gäste bedienen als die wahren Könige seines Clubs an. Tatsächlich sorgen die Jungs mit ihrem Aussehen für eine ständig prickelnde Erotikstimmung und vor allem Shane genießt seine zahlreichen Affären und pfeift sich bedenkenlos Drogen rein. Die Silvesternacht markiert aber gleichzeitig auch den schleichenden Untergang und auch einen katastrophalen Dämpfer für die ultimative Party. Die Steuerbehörde verhaftet die Besitzer und mit Disco Dottie (Ellen Albertini Dow) stirbt der älteste Stammgast auf der Tanzfläche...
Die ursprüngliche Fassung des Films wurde aufgrund negativer Testvorführungen völlig verändert. Für die Kinofassung fanden dann noch Nachdreharbeiten statt und die homosexuellen Anteile der Hauptfigur Shane wurden auf ein sehr schwaches Maß reduziert. Das war auch der Grund warum ich immer empfand, dass der Film durchgehend eine schwule Stimmung erzeugt, obwohl die Handlung dazu weitestgehend fehlt. Bei der Berlinale 2015 hatte Regisseur Mark Christopher die Möglichkeit den Directors Cut seines Films vorzustellen. Im Grund fast ein neuer, ganz anderer Film - 25 Minuten des Nachdrehs wurden entfernt und die 36 Minuten des Originals wieder in die Handlung integriert. So ist der Film auch viel atmosphärischer, stimmiger und vor allem nicht so belanglos und zu brav. Eine Augenweide ist natürlich der junge Ryan Phillippe - eine der Frauen meint einmal "Shane ist wie der Urknall" - dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur war sein Part in der Kinofassung etwas blass angelegt, mit den neuen bisexuellen Facetten ist das einfach glaubwürdiger und macht aus "Studio 54" sogar einer der Kult-Gay-Classics der 90s.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen