Regie: David Yates
Peter Pan im Dschungel...
Jede Kinogeneration bekommt ihren eigenen "Tarzan". Der Roman "Tarzan of the Apes" von Edgar Rice Burroghs aus dem Jahr 1912 wurde schon in den Kindertagen des Kinos verfilmt. Damals hieß der Darsteller Elmo Lincoln, dessen Tarzan Film aus dem Jahr 1918 existiert nur noch in einer 45 Minuten Version. Sehr populäre TarzanDarsteller waren Lex Barker und Gordon Scott in den 50er Jahren, die gleich in mehreren Tarzan Abenteuern zu sehen waren. Ron Ely war ein TV-Tarzan, der in den 70s ebenfalls sehr beliebt war. Der populärste Tarzan Darsteller ist bis heute allerdings Johnny Weissmüller - der von 1932 bis 1948 dieser Rolle treu blieb. 1984 drehte der Brite Hugh Hudson (Chariots of Fire) mit Christopher Lambert die bislang authentischste Verfilmung des Stoffes, der sich sehr nahe an Burroghs Novelle hielt und damals in den 80er Jahren sehr gute Kritiken erhielt. Nach der Disney Zeichentrick Adaption aus dem Jahr 1999 darf nun wieder in einer Realverfilmung mit dem Held des Dschungels mitgefiebert werden. Der schwedische Schauspieler Alexander Skarsgard macht als Tarzan eine gute Figur - sehr attraktiv der Mann, der die Liane schwingt.
Mit jeder Neuverfilmung hat man ja die Möglichkeit den Dschungel noch dramatischer zu gestalten. Dank CGI - dies macht die Neuverfilmung des David Yates zwar unterhaltsam. Trotzdem ist "Legend of Tarzan" nicht nur ein Rückschritt im Vergleich zu der sehr stimmigen Hudson Verfilmung aus den 80ern, sondern auch gesamthaft für mich leider gescheitert.
Die Handlung beginnt diesmal 8 Jahre nach Tarzans Abenteuer im afrikanischen Busch. In diversen Rückblenden wird noch einmal Bezug auf das frühere Leben als Dschungelkönig genommen (Eltern sterben, Affenweibchen nimmt den Jungen und zieht ihn wie das eigene Kind auf, glückliche Jahre als Dschungelheld, er lernt die Tiere verstehen, sieht dann erstmalig eine junge Frau - Jane - die Tochter eines Wissenschaftlers, Liebe, Heirat und Rückkehr nach England - Yates Version nimmt noch die Feindschaft zu Häuptling Mbonga, gespielt von Djimon Hounsou mit in die Geschichte auf. Dessen junger Sohn erlegt die Affenmutter von Tarzan im Dschungel - im Hass tötet Tarzan den jungen Krieger).
Nun lebt John C. Clayton, der Earl von Greystoke (Alexander Skarsgard) mit Jane (Margot Robbie) auf seinem riesigen Anwesen in England, hat nichts zu tun als die Geschichten aus dem Dschungel zu erzählen. Aber es gibt zwei Männer, die Tarzan wieder im Kongo brauchen. Der eine ist George Washington Williams (Samuel L. Jackson), der über die Sklaverei in dem afrikanischen Land aufmerksam machen möchte - der andere ist der Belgische Captain Leon Rom (Christoph Waltz), ein Abgesandter des belgischen Königs Leopold. Der will Tarzan an Mbonga ausliefern, damit dieser die Edelsteinvorkommen im Gebiet des Stammes ungehindert plündern kann. Jane wird entführt und nun kann Tarzan beweisen, dass er immer noch Herr des Dschungels ist...
Dies führt zu sehr gut gemachten Szenen, aber auch zu viel Humbug in der Dramaturgie. Für meine Begriffe ist Christoph Waltz zu übertrieben in seiner Bösewichtsrolle - aber dies ist eher eine kleine Kritik, Viel schlechter sind die vielen unnötigen CGI Tricks, die völlig realitätsfremd wirken. Da schwingt sich Tarzan einfach wie ein Peter Pan durch diverse Lianen, ist dann mit dieser noch schneller unterwegs als die Eisenbahn. Man lässt sich einfach in die Abgründe fallen - man ist ja Eingeborener oder Tarzan und überschadet den Sprung in die Bäume ohne Verletzung. Dieses Szenario wird dann am Ende noch übertroffen, der Showdown gestaltet sich als Gemeinschaftssieg von Tarzan, seinen Eingeborenen, den Affen, den Gnus, den krokodilen und sämtlichen Bewohnern des Dschungels. Gemeinsam sind wir stark...das ist doch zuviel des Guten, auch wenn das für effektive Szenen sorgt. Leider völllig übertrieben, obwohl ich ja Geschichten sehr liebe, in denen sich Mensch und Tier nahekommen. Vielleicht sogar zu Verbündeten gegen das Böse werden. Aber "Legend of Tarzan" ist dann doch zuviel des Guten. Die Kinokasse klingelt trotzdem - der Film spielte weltweit 356 Millionen Dollar ein. Ein Beweis, dass die Geschichte von Tarzan, der bei den Affen aufwuchs, immer noch faszinierend ist. Selbst wenn sie filmtechnisch auf dem neuesten Stand, aber doch recht unsensibel verfilmt wurde.
Bewertung: 5 von 10 Punkten.
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