Montag, 2. November 2026

Der Bulle von Paris















Regie: Maurice Pialat 

Ein Cop verliebt sich..

Für seine Rolle als Polizist Mangin in Maurice Pialats Gangsterfilm "Der Bulle von Paris" aus dem Jahr 1985 erhielt Hauptdarsteller Gerard Depardieu den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig. Der Film ist sehr eigenständig und erzählt die Geschichte einer Gangsterbraut und einem Polizisten, in der die Gesetzeshüter mit Ganoven in einer trostlosen Atmosphäre agieren und eine korrupte Gesellschaft offenlegt. "Der Bulle von Paris" fungiert dabei als menschliches wie soziales Dokument, er beschreibt den Ermittlungsalltag, die mitunter brutalen und gewalttätigen Verhöre, den verkommenen Drogenhandel und Pialat zögert nicht, beide Seiten der Medaille schonungslos darzustellen. Louis-Vincent Mangin (Gerard Depardieu), ein junger, aber bereits zynischer Inspektor mit fragwürdigen Methoden, jagt Kleindealer. Bei einer Polizeirazzia lernt er Noria (Sophie Marceau), die Freundin eines Dealers, kennen und verliebt sich in sie. Indem sie einwilligt, seine Geliebte zu werden, gerät sie in Lebensgefahr.  Im Pariser Stadtviertel Belleville arbeitet der verwitwete Mangin als zynischer und knallharter Polizeikommissar. Er versucht, einen Drogenring zu zerschlagen, der von einer Gruppe tunesischer Brüder betrieben wird. Mangin nimmt Noria fest – die Freundin von Simon (Jonathan Leina) eines der Bandenmitglieder, das bereits im Gefängnis sitzt – und unterzieht sie einem brutalen Verhör. Obwohl sie ihm keine brauchbaren Informationen liefert, berühren ihre Schönheit und ihre Tränen ihn zutiefst. Sie willigt schließlich ein, ihn zu begleiten – zusammen mit seinem Freund, dem Rechtsanwalt Lambert (Richard Anconina) und einer weiteren Bekannten besuchen sie eine Diskothek. Als ein weiteres Bandenmitglied mit Stichverletzungen im Krankenhaus liegt, stiehlt sie diesem den Schlüssel zu dem Versteck des Geldes. Dort findet sie eine Tasche mit Geld und Heroin und nimmt sie an sich. Als die übrigen Bandenmitglieder massiven Druck auf Noria ausüben – die jedoch bestreitet, etwas von dem Diebstahl zu wissen –, bietet sie sich Mangin an. Er lässt sich darauf ein, sie als Geliebte und sogar als Partnerin zu akzeptieren, warnt sie jedoch: Wenn sie das Geld und die Drogen nicht zurückgibt, werde sie nicht mehr lange leben. Sie holt die Tasche für Mangin, der sie in die Bar bringt, in der sich die tunesischen Brüder aufhalten. Diese sind hocherfreut und versprechen ihm im Gegenzug ihre Hilfe. Obwohl Mangin dies alles nur getan hat, um Norias Leben zu retten, und ihr zudem seine Liebe gestanden hat, verlässt sie ihn...










Wie zu erwarten, ist Maurice Pialats „ Polizei“ kein typischer Polizeithriller, auch wenn er gewisse Konventionen bedient. Der erste Teil konzentriert sich auf Verhörszenen, die die Routine, die banale Gewalt der Polizeiarbeit und die von Brutalität und Lügen geprägte Machtdynamik zwischen Verdächtigen und Beamten schildern. Depardieu ist in der Rolle des Mangin grandios. Es ist eine seiner subtilsten Darbietungen. Anfangs grob und selbstsicher, offenbart er nach und nach eine unerwartete Komplexität, als der Film in sein Leben außerhalb der Polizeiwache eintaucht und eine herzzerreißende Zerbrechlichkeit und Einsamkeit offenbart. "Der Bulle von Paris"ist daher ein etwas schizophrenes Werk, hin- und hergerissen zwischen einer authentischen Kriminalgeschichte mit einem für die damalige Zeit beispiellosen dokumentarischen und kammerspielartigen Ansatz und einer überraschenden, von Drehbuchautorin Catherine Breillat eingebrachten, romanhaften Dimension, die den Film vom ursprünglichen Projekt entfernt. Der erste Teil des Films ist ins einer Strenge und seinem Realismus ein Musterbeispiel seines Genres. Alles in diesem Abschnitt der Geschichte wirkt authentishc, insbesondere die angespannte Atmosphäre auf der Polizeiwache. Die Welt der Straße wird mit demselben Augenmerk auf Authentizität dargestellt, mit ihren gewöhnlichen Verlierern (Sandrine Bonnaire in einer kleinen Rolle als Prostituierte) und der ersten Ebene des organisierten Verbrechens, repräsentiert durch tunesische Einwanderer. Die Grenzen scheinen somit klar gezogen, doch die Freundschaft zwischen Inspektor Mangin und Maître Lambert zeigt, dass die Trennlinie zwischen Legalität und Illegalität fließend ist. Nach der Strenge des ersten Teils wagt Pialat daher einen zweiten Teil mit deutlich lockererer Handlung, in dem ihn die Erforschung der Schwächen seiner Figuren weit mehr interessiert als der Realismus seiner polizeilichen Ermittlungen. Der Film war mit 1.83 Millionen verkaufter Kinokarten ein großer Kinohit in Frankreich. 










Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

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