Sonntag, 23. November 2014

Mauern der Gewalt













Regie: David MacKenzie

Aufgestiegen...

Eric Love (Jack O´Connell) ist 19 Jahre und hat bereits seit einem guten Jahrzehnt ein kriminelles Leben auf dem buckel. In seiner Kindheit wurde der Junge von einer Pflegefamilie zur anderen gereicht. Sein Vater Neville Love (Ben Mendelsohn) verbüßt eine lebenslängliche Haftstrafe in dem Knast, wohin der Youngster nun von der Jugendstrafanstalt in den noch härteren Erwachsensenknast verlegt wird. Daher heißt der Film im Original "Starred up", für den die deutschen Verleiher dann keinen besseren Namen als ein nichtssagendes "Mauern der Gewalt" fanden. Ein Titel wie andere Filme, dabei ist dem Briten David MacKenzie (Hallam Foe, Perfect Sense) einer der besten Filme des Jahres gelungen. 
Der Junge ist ein brodelnder Vulkan und megaaggressiv. In nur wenigen Stunden hat er bereits die vollste Aufmerksamkeit des dort wachhabenden Personals als auch der Insassen.  Er legt sich arrogant und extrem aggressiv mit mehreren Häftlingen an und kommt schon gleich in den Genuß eines ebenso gewaltbereiten Personals, die mit Unruhestiftern nicht gerade unsanft umgehen. Die Häftlingen untereinander munkeln, sogar, dass die Wärter auch schon gemordet haben, wenn einer sich nicht einfügen konnte. Es wurde dann als Selbstmord hingestellt. Von seinem Erzeuger Neville kann er sich keine Unterstützung erhoffen, der Lebenslängliche hat sich noch nie für seinen Jungen sonderlich interessiert und agiert beinahe wie ein Fremder. Neville hat sich auf sein Lebenslänglich bereiits gewöhnt und hat auch ein sexuelles Verhältnis mit seinem Zellengenossen (David Chrysantou).  Nur Sozialarbeiter Oliver (Rupert Friend) dringt ganz langsam zu dem unberechenbaren Heißsporn Eric vor und kann ihn dazu überreden, an seiner Anti-Aggressions-Sitzung mit ein paar anderen Häftlingen teilzunehmen. Doch der fragile Friede steht immer in jeder Sekunde auf der Kippe. Einerseits wartet der Hardliner Deputy Governor Hayes (Sam Spruell) nur darauf, dass Eric wieder ausflippt, denn dann ist der Weg frei den aggressiven jungen Rebellen zu bestrafen. Andererseits hat auch der Häftling Dennis Spencer (Peter Ferdinando), der in der Knasthierarchie ganz oben steht, ein Auge auf Eric und empfielt Neville dem Sohnemann etwas Ruhe und Gelassenheit einzubläuen. Ansonsten lägen die Überlebenschancen nicht so hoch. Bald kommt auch der Konflikt zwischen Vater und Sohn hoch...


 David MacKenzie hat seinen Knastfilm sehr straff inszeniert und die  Story über den düsteren Alltag im Gefängnis wird vor allem durch die Darsteller Jack O´Connell (Eden Lake, Tower Block) und Ben Mendelsohn, der mich schon in "Königreich der Verbrecher" begeistern konnte, getragen, die beide großartig aufspielen. Beklemmend die Szenen, die zeigen wie der junge Mann von Hass und Aggressionen zerfressen ist und drinnen im Knast seine persönliche Hölle weitertreibt -in diesem kleinen Drama zeigt er aber die bislang eindruckvollste Leistung seiner Laufbahn. Dabei wird er im Laufe des Films sogar zum Hoffnungsträger des Films. Sehr gut getroffen auch die anderen Filmfiguren, allesamt mit ambivalenten Zügen ausgestattet, was dem Film bis zum Ende eine gewisse Doppelbödigkeit beschert. "Starred up" ist nicht nur ein kleiner, aber sehr authentischer und nicht so schnell vergessener Gefängnisfilm, sondern vor allem auch ein großartiger Genrefilm. Ein britischer Film der Spitzenklasse, der sich nicht davor scheut auch schmerzhaft und bedrückend zu sein.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

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