Regie: David MacKenzie
Aufgestiegen...
Eric Love (Jack O´Connell) ist 19 Jahre und hat bereits seit einem
guten Jahrzehnt ein kriminelles Leben auf dem buckel. In seiner Kindheit
wurde der Junge von einer Pflegefamilie zur anderen gereicht. Sein
Vater Neville Love (Ben Mendelsohn) verbüßt eine lebenslängliche
Haftstrafe in dem Knast, wohin der Youngster nun von der
Jugendstrafanstalt in den noch härteren Erwachsensenknast verlegt wird.
Daher heißt der Film im Original "Starred up", für den die deutschen
Verleiher dann keinen besseren Namen als ein nichtssagendes "Mauern der
Gewalt" fanden. Ein Titel wie andere Filme, dabei ist dem Briten David
MacKenzie (Hallam Foe, Perfect Sense) einer der besten Filme des Jahres
gelungen.
Der Junge ist ein brodelnder Vulkan und
megaaggressiv. In nur wenigen Stunden hat er bereits die vollste
Aufmerksamkeit des dort wachhabenden Personals als auch der Insassen.
Er legt sich arrogant und extrem aggressiv mit mehreren Häftlingen an
und kommt schon gleich in den Genuß eines ebenso gewaltbereiten
Personals, die mit Unruhestiftern nicht gerade unsanft umgehen. Die
Häftlingen untereinander munkeln, sogar, dass die Wärter auch schon
gemordet haben, wenn einer sich nicht einfügen konnte. Es wurde dann als
Selbstmord hingestellt. Von seinem Erzeuger Neville kann er sich keine
Unterstützung erhoffen, der Lebenslängliche hat sich noch nie für seinen
Jungen sonderlich interessiert und agiert beinahe wie ein Fremder.
Neville hat sich auf sein Lebenslänglich bereiits gewöhnt und hat auch
ein sexuelles Verhältnis mit seinem Zellengenossen (David Chrysantou).
Nur Sozialarbeiter Oliver (Rupert Friend) dringt ganz langsam zu dem
unberechenbaren Heißsporn Eric vor und kann ihn dazu überreden, an
seiner Anti-Aggressions-Sitzung mit ein paar anderen Häftlingen
teilzunehmen. Doch der fragile Friede steht immer in jeder Sekunde auf
der Kippe. Einerseits wartet der Hardliner Deputy Governor Hayes (Sam
Spruell) nur darauf, dass Eric wieder ausflippt, denn dann ist der Weg
frei den aggressiven jungen Rebellen zu bestrafen. Andererseits hat auch
der Häftling Dennis Spencer (Peter Ferdinando), der in der
Knasthierarchie ganz oben steht, ein Auge auf Eric und empfielt Neville
dem Sohnemann etwas Ruhe und Gelassenheit einzubläuen. Ansonsten lägen
die Überlebenschancen nicht so hoch. Bald kommt auch der Konflikt
zwischen Vater und Sohn hoch...
David MacKenzie hat seinen
Knastfilm sehr straff inszeniert und die Story über den düsteren Alltag
im Gefängnis wird vor allem durch die Darsteller Jack O´Connell (Eden
Lake, Tower Block) und Ben Mendelsohn, der mich schon in "Königreich der
Verbrecher" begeistern konnte, getragen, die beide großartig
aufspielen. Beklemmend die Szenen, die zeigen wie der junge Mann von
Hass und Aggressionen zerfressen ist und drinnen im Knast seine
persönliche Hölle weitertreibt -in diesem kleinen Drama zeigt er aber
die bislang eindruckvollste Leistung seiner Laufbahn. Dabei wird er im
Laufe des Films sogar zum Hoffnungsträger des Films. Sehr gut getroffen
auch die anderen Filmfiguren, allesamt mit ambivalenten Zügen
ausgestattet, was dem Film bis zum Ende eine gewisse Doppelbödigkeit
beschert. "Starred up" ist nicht nur ein kleiner, aber sehr
authentischer und nicht so schnell vergessener Gefängnisfilm, sondern
vor allem auch ein großartiger Genrefilm. Ein britischer Film der
Spitzenklasse, der sich nicht davor scheut auch schmerzhaft und
bedrückend zu sein.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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