Donnerstag, 6. Dezember 2012
Im Tal von Elah
Regie: Paul Haggis
Unangenehme Wahrheiten
Kriegsveteran und Patriot Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) erzählt dem kleinen Sohn der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) die biblische Geschichte vom kleinen, mutigen David gegen den übermächtigen Goliath, eine Geschichte, die sich im Land von Elah abgespielt hat.
Deerfields eigener Sohn wird vermisst. Mike, der erst vor kurzem von einem Irak-Einsatz in die USA zurückkam, kehrte von einem Ausgang nicht mehr in seinen Stützpunkt zurück und als einige Zeit später seine verstümmelte, in kleine Teile zerlegte und völlig verkohlte Leiche, die ausserdem 42 Messerstiche aufweist, gefunden wird, kreuzen sich die Wege der Ermittlerin und des trauernden und nach Antworten suchenden Vater.
Mögliche Spuren gibt es einige, Drogendeal könnte ein wichtiger Anhaltspunkt sein - zumindest führen einige Spuren ins Drogen- und Rotlichtmilieu. Die Kameraden des toten Mike schweigen, haben sie Angst ? Deerfield hat als einzigen Anhaltspunkt und Trost Mikes Mobiltelefon als möglichen Wahrheitsbringer, das digitale Durcheinander zeigt aber nur Bilder aus der jünngsten Zeit im Irak. Die im Kriegsgebiet stationierten GIs als Art Handyreporter, die mit ihren Erinnerungsschnappschüssen gegebenenfalls die heroische Propaganda eines geschönten Krieges unterwandern, denn die Amateuraufnahmen vor Ort, in ziemlich schlechter Qualität zeigt auch verbrannte Leichen, dazu krakeelende Gesichter zwischen abgetrennten Händen. Wie soll das zusammenpassen ?
Paul Haggis hat einen Film gedreht, der sich einem hochaktuellen und sehr präsenten Thema annimmt, ein perfektes "Up to date" sozusagen. Vordergründig läuft eine lange Zeit ein Kriminalfilm im Militärmilieu ganz in der Tradition von "Frage der Ehre" ab, jedoch wird das "Whodunit" Puzzle langsam und subtil zur grossen Tragödie einzelner Menschen dieser Geschichte, die am Ende völlig machtlos im Gehorsam der Autorität ausgeliefert sind. Ist Goliath doch stärker als David ? Ein engagierter Film, der versucht den jüngsten Erschütterungen der amerikanischen Nation Ausdruck zu verleihen und dies glücklicherweise nicht moralisch sondern sehr menschlich bewegend tut.
Dass dies ausserordentlich nachhaltig funktioniert, ist der beeindruckenden Darstellerleistung von Tommy Lee Jones zu verdanken.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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