Montag, 13. Mai 2019
Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen
Regie: David Yates
Grindelwald in Paris...
In Deutschland kam der 2. Teil von "Phantastische Tierwesen" (Zusatz: Grindelwalds Verbrechen) auf fast 4 Millionen Zuschauer. Dies katapultierte den Fantasy-Streifen von Regisseur David Yates auf Platz 1 der Kinojahreschart. Weltweit spielte der Film 653 Millionen Dollar ein. Auch dieses Ergebnis reichte für einen Top 10 Rang der erfolgreichsten Filme des Jahres. Auch wenn damit der Erfolg des 1. Teils mit 814 Millionen lange nicht erreicht wurde - die Macher dürften sich dennoch aufgrund der hohen Einspielergebnisse die Hände gerieben haben.
Damit steht den geplanten weiteren drei Fortsetzungen nichts im Wege. Auch sie werden erfolgreiche Blockbuster sein und somit auch für das heutige Popcorn-Kino wie geschaffen sein. Produzentin ist natürlich die "Harry Potter" Autorin Joanne K. Rowlings, die auch die Drehbücher für diese Reihe verfasst.
Das Budget betrug ca. 200 Millionen Dollar und damit lässt sich schon ein optisch gut aussehender Kassenhit machen. Wie schon in Teil 1 nahm David Yates auf dem Regiestuhl Platz. Er drehte auch die Filme "Harry Potter und der Orden des Phönix", "Harry Potter und der Halbblutprinz" und die beiden Teile "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Auch die neue Tarzan Verfilmung "Legend auf Tarzan" geht auf seine Rechnung.
Mit der Kameraarbeit wurde Philippe Rousselot betraut, der bereits 1992 für Robert Redfords Literaturverfilmung "Aus der Mitte entspringt ein Fluß" den Oscar bekam.
Wie bereits im ersten Teil ist der sympathische und eher ruhige Newt Scamander (Eddie Redmayne) die Hauptfigur. Der Brite ist Angestellter im Zaubereiministerium, reguliert und kontrolliert magische und phantastische Tierwesen. Newt ist ein enger Vertrauter von Albus Dumbledore (Jude Law). Verliebt ist Newt in Aurorin Tina Goldstein (Katherine Waterston), doch seine Flirtversuche sind eher unbeholfen. Tinas Schwester Queenie (Alison Sudol) ist weiterhin mit Muggler Jacob Kowalski (Dan Fogler) zusammen, was ja eigentlich verboten ist. Denn die Welten zwischen den normalen Menschen und den Zauberern sollte doch getrennt sein. Aber Gellert Grindelwald (Johnny Depp), ein berüchtigter, mächtiger, dunkler Zauberer, der auf der ganzen Welt Massengewalt, Terror und Chaos verursacht hat und auf der Grundlage seines festen Glaubens an die Überlegenheit der Zauberer eine neue Welt der Zauberwelt anführen will, ist aus der Gefangenschaft in New York entflohen. Früher hatte er eine tiefe und geheimnisvolle Beziehung zu Albus Dumbledore, als sie noch Teenager waren. Nun sind sie Gegner. Und der einzige, der es mit Grindelwald aufnehmen könnte, ist Dumbledore. Doch der lehnt es ab gegen seinen einstigen Freund zu kämpfen. Nun muss Newt wieder ran. Er soll nach Paris, wo sich Grindelwald aufhält und auch Credence Barebone (Ezra Miller), von dem vermutet wird, dass er einen Obscurus in sich trägt. Obscurus ist eine mächtige schwarze Energie. Mit im Geschehen ist auch Newts Bruder Theseus Scamander (Callum Turner), dessen Verlobte Leta Lestrange (Zoe Kravitz), Yusuf Kama (William Nadylam) und Nagini (Claudia Kim)...
134 Minuten dauert das Spektakel, dass ganz viele Handlungsfäden aufweist und einen ganz aufmerksamen Zuschauer braucht, um die ganzen gemeinsamen Verquickungen der Akteuere untereinander zu durchschauen. Macht aber nichts, wenn man mal den Überblick verliert. Die Schauwerte lenken eh sehr stark vom Inhalt und ab und der Film ist perfekt durchkalkuliert und durchkomponiert. Die Atmosphäre bleibt gelegentlich auf der Strecke, doch mit erlesenen Szenenbildern (der Film spielt Ende der 20er Jahre), mit einer exquisiten Ausstattung und vorzüglichen Bildern ist für gute Unterhaltung gesorgt. Das ändert auch nichts daran, dass der Film nach dem Üblichen Blockbuster-Schema gedreht wurde und vor lauter Budenzauber bleiben die phantastischen Tierwesen leider etwas auf der Strecke.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
Montag, 6. Mai 2019
Im Rausch der Tiefe
Regie: Luc Besson
Das Duell in der Tiefe...
Wenn "Leon, der Profi" der populärste und beliebteste Film von
Luc Besson ist, dann ist "The Big Blue" sicherlich sein
ambitioniertester Film. Als Directors Cut kommt "Le Grand Bleu" aus dem
Jahr 1988 auf eine hohe Laufzeit von über 160 Minuten und orientiert
sich dabei lose an den Biografien der beiden Apnoe-Tauchrekordler
Jacques Mayol und Enzo Maiorca. Die beiden waren tatsächlich Meister in
ihrem Metier - allerdings ist der freundschaftliche Konkurrenzkampf der
beiden erfunden und keiner der beiden starb beim Tauchen.
Was stimmt ist allerdings die Liebe von Mayol zu den Delphinen. Sein Herzschlag verlangsamte sich beim Tauchen von 60 auf 27 Schläge pro Minute und er hielt mehrere Weltrekorde. Auch Enzo Molinari (so heißt Maiorca im Film) hielt zahlreiche Tiefenrekorde.
Was stimmt ist allerdings die Liebe von Mayol zu den Delphinen. Sein Herzschlag verlangsamte sich beim Tauchen von 60 auf 27 Schläge pro Minute und er hielt mehrere Weltrekorde. Auch Enzo Molinari (so heißt Maiorca im Film) hielt zahlreiche Tiefenrekorde.
Als europäischer Actionfilm mit besonderer Note wurde "The Big
Blue" sehr schnell zu einem Kultfilm. Tatsächlich hat Luc Besson mit den
beiden unterschiedlichen Charakteren - Jacques Mayol ist ein
wortkarger, weltfremder Einzelgänger und Enzo könnte nicht
extrovertierter sein - eine sehr spannende Geschichte geschaffen. Der
hübsche Jean Marc Barr wurde in Frankreich über Nacht zum Star und zum
Idol zahrlreicher Teenager. Er wurde auch für die Rolle des Jacques
Mayol für einen Cesar als bester Hauptdarsteller nominiert. Sein Partner
Jean Reno bekam eine Nominierung als bester Nebendarsteller und
startete mit diesem Meeres-Epos seine große internationale Karriere. Im
Jahr 2000 bekam er den europäischen Filmpreis für "Die herausragende
Leistung eines Europäers im Weltkino".
Die Geschichte des packenden Duells zweier Männer beginnt bereits
in den 60er Jahren. Kameramann Carolo Varini zeigt diese Rückblende in
die Vergangenheit in wunderbaren Schwarz-Weiß Bildern. Der kleine
Jacques Mayol (Bruce Guerre-Berthelot) lebt auf der Insel Amorgos und
dort lebt auch der etwas ältere Jugendliche Enzo (Gregory Forstner).
Schon als Kind ist Jacques ist eine echte Wasserratte und ein großes
Tauchtalent. Enzo aber auch und der fordert den Jüngeren immer gern
heraus. Jacques ist sich noch unsicher und lässt Enzo den Vortritt, um
eine begehrte Münze am Meeresboden in Rekordzeit aufzusammeln. Kurze
Zeit später verunglückt Jacques Vater beim Tauchen tödlich. Der Junge
wird Zeuge dieses tragischen Unglücks und wächst bei seinem Onkel (Jean
Bouise) auf. Zwanzig Jahre später sind beide bekannte Taucher. Enzo
(Jean Reno) lebt in Sizilien, ist ein Playboy, lebt immer noch bei Mamma
(Alexandra Vazzoler) und wird von seinem Bruder Roberto (Marc Duret)
betreut. Aus Jacques ist ein Weltenbummler geworden, die nirgends
richtig seßhaft wurde, der Mann bezeichnet Delphine als seine Familie.
Derzeit ist er an der Teil einer wissenschaftlichen Truppe, die sich in
den vereisten Seen der peruanischen Anden befindet. Dort lernt er auch
die Versicherungsangestellte Johana Baker (Rosanna Arquette) kennen.
Oder besser gesagt: Sie lernt ihn kennen und verliebt sich in den
introvertierten Einzelgänger. In New York zurück will sie ihn wieder
treffen. Sie erfährt, dass Jacques bei den Weltmeisterschaften in
Taormina auf Sizilien dabei sein wird und benutzt bei ihrem Arbeitgeber
einen Trick, um dorthin zu reisen. Dort wird sie Zeuge der
Weltmeisterschaft und vor allem zwischen der Besessenheit der beiden
Freunde, die sich von einem Rekord zum anderen jagen. Dabei ist immer
der Tod an der Seite der beiden Extremtaucher...
Immerhin gab es zwei Cesars für diesen faszinierenden Film. Die
Filmmusik von Eric Serra wurde prämiert, ausserdem gabs einen Sieg für
den besten Ton. Der Film wirkt etwas widersprüchlich, was jedoch an den
Handlungsweisen der beiden Protagonisten liegt, die anders ticken als
der Normalo. Sie sind so im Rausch der Tiefe, dass sie einen Grund haben
müssen um wieder ins Leben und an die Wasseroberfläche aufzusteigen.
Die Männer lieben das Tauchen und sind dafür alles zu opfern. Am Ende
zahlen sie für den Betrachter einen hohen Preis für ihre Obsession, aber
man hat das Gefühl, dass sie eine bessere Welt, dort unten in der Tiefe
gesucht und schließlich auch gefunden zu haben.
Rosanna Arquette spielt die liebende Frau, die am Ende den Kürzeren
zieht...weder die große Liebe, noch das noch nicht geborene Kind waren
Grund genug ihren Freund von dieser Sucht bzw. Todessehnsucht zu
befreien.
Bewertung: 9 von 10 Punkten
Die Steppenreiter
Regie: John Frankenheimer
Wildes Buzkashi...
John Frankenheimers allgemein anerkannte Meisterwerke wie "Der
Gefangene von Alcatraz", "Botschafter der Angst" oder "Der Mann, der
zweimal lebte" entstanden alle in den 60er Jahren. In den späten
Schaffensphase gelangen ihm mit "Ronin" und "Wild Christman" noch einmal
zwei sehr geglückte Genrefilme. Ab den 70ern hatte er aber eine länger
andauernde Durststrecke, seinen sehr unterschiedlichen Arbeiten war
meistens kein großer Erfolg beschieden. Der 1971 in herrlichen Eastman
Color Aufnahmen gedrehte "Die Steppenreiter" kam nur auf ein
Einspielergbnis von 4,8 Millionen Dollar, blieb also deutlich hinter den
Erwartungen zurück. Dennoch schätzte der Regisseur diesen Abenteuerfilm
als einen seiner besten ein.
Die Geschichte basiert auf dem Roman von Joseph Kessel und steckt
tatsächlich voller faszinierender Bilder und viel exotischem Flair. Dies
wird schon in der wunderschönen Anfangssequenz sichtbar, in der
Kameramann Claude Renoir dieses fremde Panorama eröffnet und dem
Zuschauer die Gipfel zerklüfteter, brauner Bergketten Afghanistans
zeigt. Dort blicken die Chapandaz, diese stolzen Reiter, auf dem Rücken
ihrer edlen Pferde von ganz weit oben hinunter in die Täler, auf die
sich vor ihnen ausbreitende, sehr wilde Landschaft. Wie einsame Wächter
stehen sie da, begleitet werden sie vom Klang der Hörner, die einen
unheimlichen Widerhall erzeugen. Sofort hat Frankenheimer damit einen
die Stimmung der folgenden Geschichte eingefangen. Es ist eine traurige
Geschichte. Eine Geschichte über den täglichen Überlebenskampf - von
Mensch und vom Tier und eine faszinierende Reise in eine ganz fremde
Welt, die man nie so ganz verstehen wird. Darüberhinaus wird im Lauf der
Geschichte klar, dass der Held Uraz ein schwieriger und innerlich
zerissener Charakter ist, weil er das Erbe seines großen Vaters ist. Und
nicht zuletzt liefert "Der Steppenreiter" auch noch eine scharfsinnige
Note zum Kapitalismus dazu.
Der inzwischen gebrechliche Tursen (Jack Palance) gilt immer noch
als der beste Chapandaz, den das Buzkashi, ein seit Jahrhunderten fast
unverändert stattfindenden Reiterkampfspiel, je hervorgebracht hat. Die
Männer des Landes besingen seine Heldentaten als verwegenen und
unbesiegbaren Reiter immer noch am Lagerfeuer.
Man kann das Buzkashi mit Polo vergleichen, allerdings ist es viel
wilder, grausamer und viel gefährlicher. Denn das Spiel kann für den
Reiter und das Pferd tödlich enden. Es ist derjenige Sieger, der den
kopflosen toten Körper einer Ziege in seinem Gewahr behalten kann,
während die anderen Reiter ihn ständig attackieren - Schläge mit der
Peitsche sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.
In der Hauptstadt Kabul wird wie jedes Jahr dieser traditionsreiche
Wettbewerb ausgetragen. Tursen ist stolz auf sein Pferd Jahil, eines
der schönsten und schnellsten seiner Art. Sein Sohn Uraz (Omar Sharif)
wird es reiten. Dessen Wege kreuzen sich des öfteren mit dem schlauen
Hayatal (Peter Jeffrey), der mit seinem sonderbar aussehenden
einhörnigen Ziegenbock von Ort zu Ort reist, um mit dem missraten
aussehenden Tier Kämpfe zu gewinnen. Überhaupt kämpfen die Menschen in
dieser Gegend sehr gerne oder aber hetzen die Tiere aufeinander und
wetten begeistert welches Küken oder welcher Ziegenbock gegen seinen
Artverwandten gewinnt. Es scheint die Zeit hier stehen geblieben zu
sein, denn im Hintergrund ist manchmal ein Auto zu sehen und in der Luft
hört man das Geräusch eines Düsenjets. Das stolze Pferd Jahil wurde von
Uraz Stallburschen Mukhi (David de Keyser) großgezogen. Im Wettbwerb
scheint der ehrgeizige Uraz tatsächlich zu gewinnen, doch er wird fast
auf der Zielgeraden vom Pferd geworfen und bricht sich das Bein. Um die
Ehre zu retten, kämpft sein ihm ergebener Diener an seiner statt und
beendet dem Kampf mit einem Sieg. Die Schande für Uraz ist dennoch sehr
groß. Trotz seines gebrochenen Beins schleicht er sich mit dem Diener
und dem Pferd vom Krankenhaus weg und fasst einen einsamen, todesmutigen
Entschluß. Er will den 250 Meilen langen Ritt durch das unwegsame
Gebiet der afghanischen Bergwelt nehmen, die von der Bevölkerung
ehrfürchtig als "Straße der toten Männer" bezeichnet wird. Somit hofft
er zuhause durch diesen Gewaltmarsch als Held aufgenommen zu werden.
Doch es folgen Strapazen und bald gesellt sich die ehrlose Prostituiete
Zareh (Leigh Taylor Young) zur Reisegesellschaft dazu...
Die Männer sind sich schmerzlich bewusst, dass die neuen Zeiten
schon längst angebrochen sind, dennoch halten sie an den alten Werten
und Traditionen fest. Es ist auch eine Bürde, die sie durch diese
Traditionen mit sich tragen müssen. Dabei wird klar, dass Uraz sich nie
aus dem Schatten seines übergroßen Vaters befreien konnte. Seine
Aggressionen gegenüber seinen Mitmenschen und sich selbst resultiert aus
dieser Bürde. Der getreue Diener Mukhi spielt auch eine wichtige
Schlüsselrolle in dieser Geschichte, denn ihm vertraut er das Pferd an,
falls er diesen Gewaltmarsch nicht überlebt. Die Prostituierte wird von
Uraz verachtet, doch der Diener verliebt sich in die Frau, die weiß wie
man mit Männern umgehen muss. Für sie könnte die Liason mit dem Diener
bedeuten, dass sie zu Reichtum gelangt. Frankenheimer hat diese Welt als
einen Ort wie aus einem Märchen gezeichnet. Dabei ist dieses Märchen
aber stets arachaisch und oft auch grausam. Frankenheimer skizziert eine
Zeitenwende und gibt noch einmal einen Augenblick frei in eine längst
vergessene Welt zu schauen. Eine melancholische Momentaufnahme. Der in
Vergessenheit geratene Abenteuerfilm entstand 1971.
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.
Prince of the City
Regie: Sidney Lumet
Im Sumpf der Korruption...
Manchmal
verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse. So auch zwischen Polizisten
und Gangstern. Es ist ein uraltes Thema, auch beim Film. "Prince of the
City" aus dem Jahr 1981 von Sidney Lumet hat sich diesem Phänomen
ebenfalls angenommen. Dabei kam es dem Regisseur sehr darauf an einen
Film zu machen, der durch seine hohe Authentizität bestehen kann. Schon
bei der Besetzungsliste fällt auf, dass ausser Treat Williams kein
einziger bekannter Star unter den Mitwirkenden zu finden ist und selbst
Treat Williams war eher immer noch der Geheimtipp. Seine bekannteste
Rolle als Hippie George Berger in Milos Formans "Hair" lag auch schon 2
Jahre zurück. Als Hauptfigur Daniel Ciello, der die Seiten wechselt,
hatte er somit immer noch den Bonus eines vielversprechenden
Nachwuchsschauspieler. Sidney Lumet selbst hatte schon immer eine
Vorliebe für kritische Geschichten über die Justiz und den
Polizeiapparat. Darüberhinaus funktioniert "Prince of the City"
ausserdem als spröder New York City Film.
Über die
Korruption innerhalb der Polizei - das war nicht das erste Mal, dass
sich Lumet damit beschäftigte. Bereits "Serpico" mit Al Pacino hatte
eine ähnliche Thematik. In "Prince of the City" baute er dies auch noch
bis ins Detail aus, daher ist der Film mit einer Laufzeit von fast 170
Minuten schon beinahe ein Monumentalfilm geworden. Bei seiner
Kinoveröffentlichung war der Film kein großes Geschäft. Er spielte ein
bisschen mehr ein als die Produktionskosten, die sich auf 8,1 Millionen
Dollar beliefen.
Mit seinen
Kollegen Gus Levy (Jerry Orbach), Joe Marinaro (Richard Foronji), Dom
Bando (Kenny Marino) und Bill Mayo (Don Billet) bildet der New Yorker
Polizist Danny Ciello (Treat Williams) eine verschworene Gemeinschaft.
Sie sind nicht nur beruflich verbunden, sondern zudem auch noch
befreundet. Einer für Alle, Alle für Einen - keiner würde den Kollegen
jemals hängen lassen. Die Freunde sind beschäftigt als Drogenfahnder der
New Yorker Spezialeinheit SIU. Sie arbeiten teilweise undercover und
haben alle Freiheiten, solange sie erfolgreich Verbrechern das Handwerk
legt. Der Zweck heiligt die Mittel und nicht alle Handlungen sind legal.
Da die Cops für einen relativ geringen Lohn diesen gefährlichen Job
ausüben, ist es auch Gang und gäbe, dass man auch mal den beschlagnahmte
Stoff verkauft und den Gewinn einstreicht. Oder man finanziert damit
die Sucht diverser Informanten, damit diese bei Laune gehalten werden.
Der Polizist in New York City ist anfällig für Korruption. Deshalb
ermitteln schon ziemlich lange verschiedene Staatsanwälte (Norman
Parker, James Tolkan, Paul Roebling) den schwarzen Schafen im Revier das
Handwerk zu legen. Sie scheuen nicht davor zurück Polizisten anzuklagen
und so diese Machenschaften endlich zu durchbrechen. Doch das Schweigen
in den Reihen der Polizisten ist groß. Der Zusammenhalt ist genauso
stark wie bei den kriminellen Mafiafamilien. Wer auspackt, ist ein
Verräter. Tatsächlich entscheidet sich Ciello eines Abends, nach dem
Streit mit seinem drogenabhängigen Bruder (Matthew Laurence) mit dem
Ermittler Rick Cappalino (Norman Parker) Kontakt aufzunehmen. Der hat
das Gefühl, dass sich der Cop zaghaft bemüht auszupacken. Allerdings
stellt Ciello eine Bedingung: Er wird nicht gegen seine derzeitigen
Kollegen auspacken. Dies wird ihm zugesichert. Ciello bekennt sich in
drei Fällen der Korruption schuldig und beginnt mit der
Staatsanwaltschaft eine Zusammenarbeit, vor der ihn nicht nur seine Frau
Carla (Lindsey Crouse) gewarnt hat. Bald trachtet man ihm auch nach
seinem Leben...
Dies alles hat
Lumet sehr nüchtern und sperrig inszeniert und die Geschichte orientiert
sich vor allem an der Wirklichkeit. Hier wird ein tiefer Einblick in
die Mühlen der Justiz und in den gesamten Polizeiapparat freigegeben.
Diese Dynamik, die von dem geständigen Cop losgetreten wird, setzt
gewisse Mechanismen frei, denen der Einzelne wahrscheinlich nur mit
heilloser Überforderung reagieren kann. Und das Kollektiv wird - so
lehrt es diese Geschichte - unberechenbar sein. Ein richtig spannder
Reißer ist "Prince of the City" natürlich nicht. Aber Lumet garantiert
dem interessierten Zuschauer einen realistischen Einblick in die
Materie. Das vielschichtige Drehbuch wurde sogar für den Oscar
nominiert. Bei den Golden Globe Nominees lief es noch besser, dort wurde
"Prince of the City" als bester Film nominiert, ebenso Regisseur Lumet
und Hauptdarsteller Treat Williams. Die klasse Musik von Paul Chihara
passt perfekt zu den New Yorker Locations und der polnische Kameramann
Andrzej Bartkowiak war für die spröden, aber total stimmungsvollen
Aufnahmen zuständig.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Mid 90s
Regie. Jonah Hill
Groß geworden in den 90ern...
Jonah Hill erhielt als Schauspieler bereits zwei Oscarnominierungen in der Kategorie Bester Nebendarsteller (Moneyball, The Wolf on Wall Street) sowie eine Nominierung für den Golden Globe (War Dogs). Mit dem Skater- und Coming of Age Movie "Mid90s" folgte im Jahr 2018 seine erste Regiearbeit. Auffallend gut ist die lockere Machart des Films, der mit guter Musik von Trent Reznor, Atticus Ross, The Pixies, Morissey, Herbie Hancock, ESG, The Mamas and the Papas, Souls of Mischief, A Tribe called Quest und Nirvana unterlegt ist.
"Mid90s" ist gleichzeitig eine Erinnerung an eine Epoche (die 90er) und damit auch ein Zeitgeistfilm. Aber die Geschichte des jungen Stevie (Sunny Suljic), seine Empfinden, seine Nöte...die Phase zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenwerden - das alles ist zeitlos.
Mitte der 90er Jahre in Los Angeles: Wirkliche Freunde hat Stevie bisher nicht. Er schaut zu seinem älteren Bruder Ian (Lucas Hedges), der ihn manchmal recht aggressiv behandelt. Die Mutter (Katherine Waterston) der beiden Jungs ist alleinerziehend und hatte schon zeiten mit einem hohen Männerverschleiß. Am angesagten Motor Avenue Skateshop lernt der Junge eines Tages ein paar ältere Jungs kennen, mit denen er sich anfreundet. Ray (Na-Kel Smith), Ruben (Gio Galicia), "Fuckshit" (Olan Prenatt) und "Fourth Grade" (Ryder McLaughlin) haben eines gemeinsam: Sie sind begeisternde Skaterboys. Der Kleine ist beeindruckt von der guten Kameradschaft der Jungs und sucht auch weiterhin den Kontakt zu der Gruppe. Oft müssen sie vor den Bullen fliehen, wenn die wieder die In-Treffs der Skater räumen. Und manchmal kommt es auch zu Unfällen. Beim Versuch sein Skateboard über einen offenen Abschnitt zwischen zwei Dächern zu springen, fällt Stevie in die Tiefe und erleidet eine Kopfverletzung. Mutter Dabney ist sehr besorgt und untersagt ihrem Sprössling den Umgang mit den Skatern. Doch Stevie hält sich nicht an das Verbot. Mit der Gruppe fängt der Kleine auch bald an zu rauchen, zu trinken und Marihuana auszuprobieren. Auch die erste sexuelle Erfahrung mit der etwas älteren Estee (Alexa Demie) gehört zu den neuen Erfahrungen...
Dies alles hat Jonah Hill alles sehr unspektakulär inszeniert und durch die unverbrauchten Gesichter der Darsteller wirkt alles sehr authentisch und man hat das Gefühl, dass die Figuren tatsächlich echt sind. Er wagt auch das Plädoyer für die Erfahrungen, die ein junger Mensch machen muss. Am Ende stellt sich der schlechte Umgang - wie die Mom meint - doch als ganz gut heraus. In der Not halten die Freunde doch zusammen und einer der Jungs hat auch einen Videofilm über die gemeinsamen vergangenen Wochen gemacht, den man dann gemeinsam ansieht. So ist hier schon das Thema "Erinnerung" angedeutet.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
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