Montag, 13. Mai 2019

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

























Regie: David Yates

Grindelwald in Paris...

In Deutschland kam der 2. Teil von "Phantastische Tierwesen" (Zusatz: Grindelwalds Verbrechen) auf fast 4 Millionen Zuschauer. Dies katapultierte den Fantasy-Streifen von Regisseur David Yates auf Platz 1 der Kinojahreschart. Weltweit spielte der Film 653 Millionen Dollar ein. Auch dieses Ergebnis reichte für einen Top 10 Rang der erfolgreichsten Filme des Jahres. Auch wenn damit der Erfolg des 1. Teils mit 814 Millionen lange nicht erreicht wurde - die Macher dürften sich dennoch aufgrund der hohen Einspielergebnisse die Hände gerieben haben.
Damit steht den geplanten weiteren drei Fortsetzungen nichts im Wege. Auch sie werden erfolgreiche Blockbuster sein und somit auch für das heutige Popcorn-Kino wie geschaffen sein. Produzentin ist natürlich die "Harry Potter" Autorin Joanne K. Rowlings, die auch die Drehbücher für diese Reihe verfasst.
Das Budget betrug ca. 200 Millionen Dollar und damit lässt sich schon ein optisch gut aussehender Kassenhit machen. Wie schon in Teil 1 nahm David Yates auf dem Regiestuhl Platz. Er drehte auch die Filme "Harry Potter und der Orden des Phönix", "Harry Potter und der Halbblutprinz" und die beiden Teile "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes". Auch die neue Tarzan Verfilmung "Legend auf Tarzan" geht auf seine Rechnung.
Mit der Kameraarbeit wurde Philippe Rousselot betraut, der bereits 1992 für Robert Redfords Literaturverfilmung "Aus der Mitte entspringt ein Fluß" den Oscar bekam.
Wie bereits im ersten Teil ist der sympathische und eher ruhige Newt Scamander (Eddie Redmayne) die Hauptfigur. Der Brite ist Angestellter im Zaubereiministerium, reguliert und kontrolliert magische und phantastische Tierwesen. Newt ist ein enger Vertrauter von Albus Dumbledore (Jude Law). Verliebt ist Newt in Aurorin Tina Goldstein (Katherine Waterston), doch seine Flirtversuche sind eher unbeholfen. Tinas Schwester Queenie (Alison Sudol) ist weiterhin mit Muggler Jacob Kowalski (Dan Fogler) zusammen, was ja eigentlich verboten ist. Denn die Welten zwischen den normalen Menschen und den Zauberern sollte doch getrennt sein.  Aber Gellert Grindelwald (Johnny Depp), ein berüchtigter, mächtiger, dunkler Zauberer, der auf der ganzen Welt Massengewalt, Terror und Chaos verursacht hat und auf der Grundlage seines festen Glaubens an die Überlegenheit der Zauberer eine neue Welt der Zauberwelt anführen will, ist aus der Gefangenschaft in New York entflohen. Früher hatte er eine tiefe und geheimnisvolle Beziehung zu Albus Dumbledore, als sie noch Teenager waren. Nun sind sie Gegner. Und der einzige, der es mit Grindelwald aufnehmen könnte, ist Dumbledore. Doch der lehnt es ab gegen seinen einstigen Freund zu kämpfen. Nun muss Newt wieder ran. Er soll nach Paris, wo sich Grindelwald aufhält und auch Credence Barebone (Ezra Miller), von dem vermutet wird, dass er einen Obscurus in sich trägt. Obscurus ist eine mächtige schwarze Energie. Mit im Geschehen ist auch Newts Bruder Theseus Scamander (Callum Turner), dessen Verlobte Leta Lestrange (Zoe Kravitz), Yusuf Kama (William Nadylam) und Nagini (Claudia Kim)...






134 Minuten dauert das Spektakel, dass ganz viele Handlungsfäden aufweist und einen ganz aufmerksamen Zuschauer braucht, um die ganzen gemeinsamen Verquickungen der Akteuere untereinander zu durchschauen. Macht aber nichts, wenn man mal den Überblick verliert. Die Schauwerte lenken eh sehr stark vom Inhalt und ab und der Film ist perfekt durchkalkuliert und durchkomponiert. Die Atmosphäre bleibt gelegentlich auf der Strecke, doch mit erlesenen Szenenbildern (der Film spielt Ende der 20er Jahre), mit einer exquisiten Ausstattung und vorzüglichen Bildern ist für gute Unterhaltung gesorgt. Das ändert auch nichts daran, dass der Film nach dem Üblichen Blockbuster-Schema gedreht wurde und vor lauter Budenzauber bleiben die phantastischen Tierwesen leider etwas auf der Strecke.









Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

Montag, 6. Mai 2019

Im Rausch der Tiefe

























Regie: Luc Besson

Das Duell in der Tiefe...

Wenn "Leon, der Profi" der populärste und beliebteste Film von Luc Besson ist, dann ist "The Big Blue" sicherlich sein ambitioniertester Film. Als Directors Cut kommt "Le Grand Bleu" aus dem Jahr 1988 auf eine hohe Laufzeit von über 160 Minuten und orientiert sich dabei lose an den Biografien der beiden Apnoe-Tauchrekordler Jacques Mayol und Enzo Maiorca. Die beiden waren tatsächlich Meister in ihrem Metier - allerdings ist der freundschaftliche Konkurrenzkampf der beiden erfunden und keiner der beiden starb beim Tauchen.
Was stimmt ist allerdings die Liebe von Mayol zu den Delphinen. Sein Herzschlag verlangsamte sich beim Tauchen von 60 auf 27 Schläge pro Minute und er hielt mehrere Weltrekorde. Auch Enzo Molinari (so heißt Maiorca im Film) hielt zahlreiche Tiefenrekorde.
Als europäischer Actionfilm mit besonderer Note wurde "The Big Blue" sehr schnell zu einem Kultfilm. Tatsächlich hat Luc Besson mit den beiden unterschiedlichen Charakteren - Jacques Mayol ist ein wortkarger, weltfremder Einzelgänger und Enzo könnte nicht extrovertierter sein - eine sehr spannende Geschichte geschaffen. Der hübsche Jean Marc Barr wurde in Frankreich über Nacht zum Star und zum Idol zahrlreicher Teenager. Er wurde auch für die Rolle des Jacques Mayol für einen Cesar als bester Hauptdarsteller nominiert. Sein Partner Jean Reno bekam eine Nominierung als bester Nebendarsteller und startete mit diesem Meeres-Epos seine große internationale Karriere. Im Jahr 2000 bekam er den europäischen Filmpreis für "Die herausragende Leistung eines Europäers im Weltkino".
Die Geschichte des packenden Duells zweier Männer beginnt bereits in den 60er Jahren. Kameramann Carolo Varini zeigt diese Rückblende in die Vergangenheit in wunderbaren Schwarz-Weiß Bildern. Der kleine Jacques Mayol (Bruce Guerre-Berthelot) lebt auf der Insel Amorgos und dort lebt auch der etwas ältere Jugendliche Enzo (Gregory Forstner). Schon als Kind ist Jacques ist eine echte Wasserratte und ein großes Tauchtalent. Enzo aber auch und der fordert den Jüngeren immer gern heraus. Jacques ist sich noch unsicher und lässt Enzo den Vortritt, um eine begehrte Münze am Meeresboden in Rekordzeit aufzusammeln. Kurze Zeit später verunglückt Jacques Vater beim Tauchen tödlich. Der Junge wird Zeuge dieses tragischen Unglücks und wächst bei seinem Onkel (Jean Bouise) auf. Zwanzig Jahre später sind beide bekannte Taucher. Enzo (Jean Reno) lebt in Sizilien, ist ein Playboy, lebt immer noch bei Mamma (Alexandra Vazzoler)  und wird von seinem Bruder Roberto (Marc Duret) betreut. Aus Jacques ist ein Weltenbummler geworden, die nirgends richtig seßhaft wurde, der Mann bezeichnet Delphine als seine Familie. Derzeit ist er an der Teil einer wissenschaftlichen Truppe, die sich in den vereisten Seen der peruanischen Anden befindet. Dort lernt er auch die Versicherungsangestellte Johana Baker (Rosanna Arquette) kennen. Oder besser gesagt: Sie lernt ihn kennen und verliebt sich in den introvertierten Einzelgänger. In New York zurück will sie ihn wieder treffen. Sie erfährt, dass Jacques bei den Weltmeisterschaften in Taormina auf Sizilien dabei sein wird und benutzt bei ihrem Arbeitgeber einen Trick, um dorthin zu reisen. Dort wird sie Zeuge der Weltmeisterschaft und vor allem zwischen der Besessenheit der beiden Freunde, die sich von einem Rekord zum anderen jagen. Dabei ist immer der Tod an der Seite der beiden Extremtaucher...






Immerhin gab es zwei Cesars für diesen faszinierenden Film. Die Filmmusik von Eric Serra wurde prämiert, ausserdem gabs einen Sieg für den besten Ton. Der Film wirkt etwas widersprüchlich, was jedoch an den Handlungsweisen der beiden Protagonisten liegt, die anders ticken als der Normalo. Sie sind so im Rausch der Tiefe, dass sie einen Grund haben müssen um wieder ins Leben und an die Wasseroberfläche aufzusteigen. Die Männer lieben das Tauchen und sind dafür alles zu opfern. Am Ende zahlen sie für den Betrachter einen hohen Preis für ihre Obsession, aber man hat das Gefühl, dass sie eine bessere Welt, dort unten in der Tiefe gesucht und schließlich auch gefunden zu haben.
Rosanna Arquette spielt die liebende Frau, die am Ende den Kürzeren zieht...weder die große Liebe, noch das noch nicht geborene Kind waren Grund genug ihren Freund von dieser Sucht bzw. Todessehnsucht zu befreien.






Bewertung: 9 von 10 Punkten 

Die Steppenreiter

























Regie: John Frankenheimer

Wildes Buzkashi...

John Frankenheimers allgemein anerkannte Meisterwerke wie "Der Gefangene von Alcatraz", "Botschafter der Angst" oder "Der Mann, der zweimal lebte" entstanden alle in den 60er Jahren. In den späten Schaffensphase gelangen ihm mit "Ronin" und "Wild Christman" noch einmal zwei sehr geglückte Genrefilme. Ab den 70ern hatte er aber eine länger andauernde Durststrecke, seinen sehr unterschiedlichen Arbeiten war meistens kein großer Erfolg beschieden. Der 1971 in herrlichen Eastman Color Aufnahmen gedrehte "Die Steppenreiter" kam nur auf ein Einspielergbnis von 4,8 Millionen Dollar, blieb also deutlich hinter den Erwartungen zurück. Dennoch schätzte der Regisseur diesen Abenteuerfilm als einen seiner besten ein.
Die Geschichte basiert auf dem Roman von Joseph Kessel und steckt tatsächlich voller faszinierender Bilder und viel exotischem Flair. Dies wird schon in der wunderschönen Anfangssequenz sichtbar, in der Kameramann Claude Renoir dieses fremde Panorama eröffnet und dem Zuschauer die Gipfel zerklüfteter, brauner Bergketten Afghanistans zeigt. Dort blicken die Chapandaz, diese stolzen Reiter, auf dem Rücken ihrer edlen Pferde von ganz weit oben hinunter in die Täler, auf die sich vor ihnen ausbreitende, sehr wilde Landschaft. Wie einsame Wächter stehen sie da, begleitet werden sie vom Klang der Hörner, die einen unheimlichen Widerhall erzeugen. Sofort hat Frankenheimer damit einen die Stimmung der folgenden Geschichte eingefangen. Es ist eine traurige Geschichte. Eine Geschichte über den täglichen Überlebenskampf - von Mensch und vom Tier und eine faszinierende Reise in eine ganz fremde Welt, die man nie so ganz verstehen wird. Darüberhinaus wird im Lauf der Geschichte klar, dass der Held Uraz ein schwieriger und innerlich zerissener Charakter ist, weil er das Erbe seines großen Vaters ist. Und nicht zuletzt liefert "Der Steppenreiter" auch noch eine scharfsinnige Note zum Kapitalismus dazu.
Der inzwischen gebrechliche Tursen (Jack Palance) gilt immer noch als der beste Chapandaz, den das Buzkashi, ein seit Jahrhunderten fast unverändert stattfindenden Reiterkampfspiel, je hervorgebracht hat. Die Männer des Landes besingen seine Heldentaten als verwegenen und unbesiegbaren Reiter immer noch am Lagerfeuer.
Man kann das Buzkashi mit Polo vergleichen, allerdings ist es viel wilder, grausamer und viel gefährlicher. Denn das Spiel kann für den Reiter und das Pferd tödlich enden. Es ist derjenige Sieger, der den kopflosen toten Körper einer Ziege in seinem Gewahr behalten kann, während die anderen Reiter ihn ständig attackieren - Schläge mit der Peitsche sind nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.
In der Hauptstadt Kabul wird wie jedes Jahr dieser traditionsreiche Wettbewerb ausgetragen. Tursen ist stolz auf sein Pferd Jahil, eines der schönsten und schnellsten seiner Art. Sein Sohn Uraz (Omar Sharif) wird es reiten. Dessen Wege kreuzen sich des öfteren mit dem schlauen Hayatal (Peter Jeffrey), der mit seinem sonderbar aussehenden einhörnigen Ziegenbock von Ort zu Ort reist, um mit dem missraten aussehenden Tier Kämpfe zu gewinnen. Überhaupt kämpfen die Menschen in dieser Gegend sehr gerne oder aber hetzen die Tiere aufeinander und wetten begeistert welches Küken oder welcher Ziegenbock gegen seinen Artverwandten gewinnt. Es scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein, denn im Hintergrund ist manchmal ein Auto zu sehen und in der Luft hört man das Geräusch eines Düsenjets. Das stolze Pferd Jahil wurde von Uraz Stallburschen Mukhi (David de Keyser) großgezogen. Im Wettbwerb scheint der ehrgeizige Uraz tatsächlich zu gewinnen, doch er wird fast auf der Zielgeraden vom Pferd geworfen und bricht sich das Bein. Um die Ehre zu retten, kämpft sein ihm ergebener Diener an seiner statt und beendet dem Kampf mit einem Sieg. Die Schande für Uraz ist dennoch sehr groß. Trotz seines gebrochenen Beins schleicht er sich mit dem Diener und dem Pferd vom Krankenhaus weg und fasst einen einsamen, todesmutigen Entschluß. Er will den 250 Meilen langen Ritt durch das unwegsame Gebiet der afghanischen Bergwelt nehmen, die von der Bevölkerung ehrfürchtig als "Straße der toten Männer" bezeichnet wird. Somit hofft er zuhause durch diesen Gewaltmarsch als Held aufgenommen zu werden. Doch es folgen Strapazen und bald gesellt sich die ehrlose Prostituiete Zareh (Leigh Taylor Young) zur Reisegesellschaft dazu...




Die Männer sind sich schmerzlich bewusst, dass die neuen Zeiten schon längst angebrochen sind, dennoch halten sie an den alten Werten und Traditionen fest. Es ist auch eine Bürde, die sie durch diese Traditionen mit sich tragen müssen. Dabei wird klar, dass Uraz sich nie aus dem Schatten seines übergroßen Vaters befreien konnte. Seine Aggressionen gegenüber seinen Mitmenschen und sich selbst resultiert aus dieser Bürde. Der getreue Diener Mukhi spielt auch eine wichtige Schlüsselrolle in dieser Geschichte, denn ihm vertraut er das Pferd an, falls er diesen Gewaltmarsch nicht überlebt. Die Prostituierte wird von Uraz verachtet, doch der Diener verliebt sich in die Frau, die weiß wie man mit Männern umgehen muss. Für sie könnte die Liason mit dem Diener bedeuten, dass sie zu Reichtum gelangt. Frankenheimer hat diese Welt als einen Ort wie aus einem Märchen gezeichnet. Dabei ist dieses Märchen aber stets arachaisch und oft auch grausam. Frankenheimer skizziert eine Zeitenwende und gibt noch einmal einen Augenblick frei in eine längst vergessene Welt zu schauen. Eine melancholische Momentaufnahme. Der in Vergessenheit geratene Abenteuerfilm entstand 1971.





Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Prince of the City

























Regie: Sidney Lumet

Im Sumpf der Korruption...

Manchmal verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse. So auch zwischen Polizisten und Gangstern. Es ist ein uraltes Thema, auch beim Film. "Prince of the City" aus dem Jahr 1981 von Sidney Lumet hat sich diesem Phänomen ebenfalls angenommen. Dabei kam es dem Regisseur sehr darauf an einen Film zu machen, der durch seine hohe Authentizität bestehen kann. Schon bei der Besetzungsliste fällt auf, dass ausser Treat Williams kein einziger bekannter Star unter den Mitwirkenden zu finden ist und selbst Treat Williams war eher immer noch der Geheimtipp. Seine bekannteste Rolle als Hippie George Berger in Milos Formans "Hair" lag auch schon 2 Jahre zurück. Als Hauptfigur Daniel Ciello, der die Seiten wechselt, hatte er somit immer noch den Bonus eines vielversprechenden Nachwuchsschauspieler. Sidney Lumet selbst hatte schon immer eine Vorliebe für kritische Geschichten über die Justiz und den Polizeiapparat. Darüberhinaus funktioniert "Prince of the City" ausserdem als spröder New York City Film.
Über die Korruption innerhalb der Polizei - das war nicht das erste Mal, dass sich Lumet damit beschäftigte. Bereits "Serpico" mit Al Pacino hatte eine ähnliche Thematik. In "Prince of the City" baute er dies auch noch bis ins Detail aus, daher ist der Film mit einer Laufzeit von fast 170 Minuten schon beinahe ein Monumentalfilm geworden. Bei seiner Kinoveröffentlichung war der Film kein großes Geschäft. Er spielte ein bisschen mehr ein als die Produktionskosten, die sich auf 8,1 Millionen Dollar beliefen.
Mit seinen Kollegen Gus Levy (Jerry Orbach), Joe Marinaro (Richard Foronji), Dom Bando (Kenny Marino) und Bill Mayo (Don Billet) bildet der New Yorker Polizist Danny Ciello (Treat Williams) eine verschworene Gemeinschaft. Sie sind nicht nur beruflich verbunden, sondern zudem auch noch befreundet. Einer für Alle, Alle für Einen - keiner würde den Kollegen jemals hängen lassen. Die Freunde sind beschäftigt als Drogenfahnder der New Yorker Spezialeinheit SIU. Sie arbeiten teilweise undercover und haben alle Freiheiten, solange sie erfolgreich Verbrechern das Handwerk legt. Der Zweck heiligt die Mittel und nicht alle Handlungen sind legal. Da die Cops für einen relativ geringen Lohn diesen gefährlichen Job ausüben, ist es auch Gang und gäbe, dass man auch mal den beschlagnahmte Stoff verkauft und den Gewinn einstreicht. Oder man finanziert damit die Sucht diverser Informanten, damit diese bei Laune gehalten werden. Der Polizist in New York City ist anfällig für Korruption. Deshalb ermitteln schon ziemlich lange verschiedene Staatsanwälte (Norman Parker, James Tolkan, Paul Roebling) den schwarzen Schafen im Revier das Handwerk zu legen. Sie scheuen nicht davor zurück Polizisten anzuklagen und so diese Machenschaften endlich zu durchbrechen. Doch das Schweigen in den Reihen der Polizisten ist groß. Der Zusammenhalt ist genauso stark wie bei den kriminellen Mafiafamilien. Wer auspackt, ist ein Verräter. Tatsächlich entscheidet sich Ciello eines Abends, nach dem Streit mit seinem drogenabhängigen Bruder (Matthew Laurence) mit dem Ermittler Rick Cappalino (Norman Parker) Kontakt aufzunehmen. Der hat das Gefühl, dass sich der Cop zaghaft bemüht auszupacken. Allerdings stellt Ciello eine Bedingung: Er wird nicht gegen seine derzeitigen Kollegen auspacken. Dies wird ihm zugesichert. Ciello bekennt sich in drei Fällen der Korruption schuldig und beginnt mit der Staatsanwaltschaft eine Zusammenarbeit, vor der ihn nicht nur seine Frau Carla (Lindsey Crouse) gewarnt hat. Bald trachtet man ihm auch nach seinem Leben...




Dies alles hat Lumet sehr nüchtern und sperrig inszeniert und die Geschichte orientiert sich vor allem an der Wirklichkeit. Hier wird ein tiefer Einblick in die Mühlen der Justiz und in den gesamten Polizeiapparat freigegeben. Diese Dynamik, die von dem geständigen Cop losgetreten wird, setzt gewisse Mechanismen frei, denen der Einzelne wahrscheinlich nur mit heilloser Überforderung reagieren kann. Und das Kollektiv wird - so lehrt es diese Geschichte - unberechenbar sein. Ein richtig spannder Reißer ist "Prince of the City" natürlich nicht. Aber Lumet garantiert dem interessierten Zuschauer einen realistischen Einblick in die Materie. Das vielschichtige Drehbuch wurde sogar für den Oscar nominiert. Bei den Golden Globe Nominees lief es noch besser, dort wurde "Prince of the City" als bester Film nominiert, ebenso Regisseur Lumet und Hauptdarsteller Treat Williams. Die klasse Musik von Paul Chihara passt perfekt zu den New Yorker Locations und der polnische Kameramann Andrzej Bartkowiak war für die spröden, aber total stimmungsvollen Aufnahmen zuständig.





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Mid 90s

























Regie. Jonah Hill

Groß geworden in den 90ern...

Jonah Hill erhielt als Schauspieler bereits zwei Oscarnominierungen in der Kategorie Bester Nebendarsteller (Moneyball, The Wolf on Wall Street) sowie eine Nominierung für den Golden Globe (War Dogs). Mit dem Skater- und Coming of Age Movie "Mid90s" folgte im Jahr 2018 seine erste Regiearbeit. Auffallend gut ist die lockere Machart des Films, der mit guter Musik von Trent Reznor, Atticus Ross, The Pixies, Morissey, Herbie Hancock, ESG, The Mamas and the Papas, Souls of Mischief, A Tribe called Quest und Nirvana unterlegt ist.
"Mid90s" ist gleichzeitig eine Erinnerung an eine Epoche (die 90er) und damit auch ein Zeitgeistfilm. Aber die Geschichte des jungen Stevie (Sunny Suljic), seine Empfinden, seine Nöte...die Phase zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenwerden - das alles ist zeitlos.
Mitte der 90er Jahre in Los Angeles: Wirkliche Freunde hat Stevie bisher nicht. Er schaut zu seinem älteren Bruder Ian (Lucas Hedges), der ihn manchmal recht aggressiv behandelt. Die Mutter (Katherine Waterston) der beiden Jungs ist alleinerziehend und hatte schon zeiten mit einem hohen Männerverschleiß. Am angesagten Motor Avenue Skateshop lernt der Junge eines Tages ein paar ältere Jungs kennen, mit denen er sich anfreundet. Ray (Na-Kel Smith), Ruben (Gio Galicia), "Fuckshit" (Olan Prenatt) und "Fourth Grade" (Ryder McLaughlin) haben eines gemeinsam: Sie sind begeisternde Skaterboys. Der Kleine ist beeindruckt von der guten Kameradschaft der Jungs und sucht auch weiterhin den Kontakt zu der Gruppe. Oft müssen sie vor den Bullen fliehen, wenn die wieder die In-Treffs der Skater räumen. Und manchmal kommt es auch zu Unfällen. Beim Versuch sein Skateboard über einen offenen Abschnitt zwischen zwei Dächern zu springen, fällt Stevie in die Tiefe und erleidet eine Kopfverletzung. Mutter Dabney ist sehr besorgt und untersagt ihrem Sprössling den Umgang mit den Skatern. Doch Stevie hält sich nicht an das Verbot. Mit der Gruppe fängt der Kleine auch bald an zu rauchen, zu trinken und Marihuana auszuprobieren. Auch die erste sexuelle Erfahrung mit der etwas älteren Estee (Alexa Demie) gehört zu den neuen Erfahrungen...


Dies alles hat Jonah Hill alles sehr unspektakulär inszeniert und durch die unverbrauchten Gesichter der Darsteller wirkt alles sehr authentisch und man hat das Gefühl, dass die Figuren tatsächlich echt sind. Er wagt auch das Plädoyer für die Erfahrungen, die ein junger Mensch machen muss. Am Ende stellt sich der schlechte Umgang - wie die Mom meint - doch als ganz gut heraus. In der Not halten die Freunde doch zusammen und einer der Jungs hat auch einen Videofilm über die gemeinsamen vergangenen Wochen gemacht, den man dann gemeinsam ansieht. So ist hier schon das Thema "Erinnerung" angedeutet.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.