Freitag, 12. Juli 2013

Django Unchained



















Regie: Quentin Tarantino

Djangos Suche nach Brunhilde...

"Django Unchained" von Quentin Tarantino ist zum einen eine große Verbeugung vor dem Italo Wetern und somit auch vor dem europäischen Genrekino. Tarantino hat aber nicht kopiert, sondern die Zutaten dieses Genres perfekt wieder aufbereitet, sich auf die Stärken dieser Filme besonnen und sie zusäätzlich mit einem Drama über Sklaverei erweitert. Dies gibt dem Film, der in der Handlung, bei den Figuren und den teils witzigen bis makraben Dialogen cool und knallig daherkommt, eine vielschichtige Note. Es wechselt sich somit Schrecken mit Humor ab oder aber es bleibt manchmal das Lachen im Halse stecken. Etwa dann in einer der witzigsten Szenen des Films, wenn Big Daddy (Don Johnson), ein konservativer Südstaaten Plantagenbesitzer mit seiner Horde Ku-Klux-Clan Verbüdeter den dunkelhäutigen Django lynchen wollen.  
Die besten Szenen hat aber vor allem Christoph Waltz als Zahnarzt und Kopfgeldjäger aus Düsseldorf in Deutschland, der in der Anfangsseuenz die Brittle Brüder sucht. Zu diesem Zweck muss er von einem gewissen Sklaven namens Django (Jamie Fox) bessere Auskünfte über das Aussehen der Banditen bekommen, aber der wird gerade mit anderen Sklaven von den Gebrüdern Speck als Gefangene durch den Wald eskortiert. Man kann sagen, dass wird der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der deutsche Killer mit dem Herz am richtigen Fleck hat von nun an einen Partner, aber dieser denkt vor allem daran, seine Frau Broomhilda von Shaft (Kerry Washington), eine Sklavin, die die deutsche Sprache beherrscht, aus den Klauen des fiesen Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo di Caprio - auch ne tolle Rolle, die Tarantino für ihn ersonnen hat) zu befreien. Dieser ist ein glühender Anhänger von Mandingokämpfen, lässt aber gerne mal seine schwarzen Männer von Hunden zerfetzen und hat einen besonders raffinierten Hausdiener Sklaven (Samuel L. Jackson)...

 In weiteren Rollen sieht man Franco Nero, Bruce Dern, Tarantino, Russ Tamblyn, James Russo oder Don Stroud. Kameramann Robert Richardson und Produktionsdesigner J. Michael Riva, der leider während der Dreharbeiten an einem Schlaganfall verstarb,  liefern eine Weltklasseleistung ab. Besonders gelungen auch der Kontrast, mit dem die Plantage des Calvin Candie gezeigt wird. Einerseits mutet das Haus fast schon wie Disneyland an, andererseits lauert auf diesem Gebiet eine gemeine Hölle für ungehorsame Sklave. Die Geschichte ist zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg angesiedelt und dauert 165 kuirzweilige Minuten. Und keine Sekunde davon ist langweilig. Für mich ein Meisterwerk und wohl neben "Lincoln" und "Zero Dark Thirty" der stärkste Film im Oscarrennen, vielleicht sogar DER Stärkste. Neben gekonnter Action, viel Gewalt, viel Blut, zynisch-witzigen Dialogen ist dieser Western auch Filmhistorisch zitatenreich, so erkennt der Cineast sicherlich manch eine nachgedrehte Szene aus Sergio Corbuccis Werken. 


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten. 

Der Hobbit

























Regie: Peter Jackson

Bilbos Abenteuer...

J.R.R.Tolkins Fantasyroman "Der Herr der Ringe" ist eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts und begründete die moderne Fantasyliteratur. Verfilmt wurde das Buch von Peter Jackson als triumphale, ausufernde Trilogie, alle drei Teile wurden Welterfolge. In der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten nimmt "Die Rückkehr des Königs" mit über 1,.1 Milliarden Einspielergebnis den 7. Platz ein. "Die zwei Türme" liegt mit 926 Millionen Dollar an 23. Stelle, auch "Die Gefährten" kommt noch unter die ersten 30 mit 871 Millionen Dollar. Grund genug den Erfolg zu wiederholen und was liegt näher für Peter Jackson sich auch an das wesentlich dünnere Buch "Der Hobbit"  heranzumachen. Um 1930 begann Tolkien mit der  Geschichte "Der Hobbit", der schon mehrfach auf Ereignisse aus seiner ernsthaften Mythologie Bezug nimmt und bereits eine Sage seiner im ersten Zeitalter von Mittelerde erzählt. Durch den Erfolg ermutigte man ihn zum Nachfolgeprojekt "Der Herr der Ringe". Der Hobbit ist die Geschichte von Bilbo Beutlin (Martin Freeman), der ja auch im "Herr der Ringe" vorkommt und seinem Adoptivkind und Lieblingsneffen Frodo an seinem einundelfzigsten den Ring übergibt. Aber Bilbo war auch mal jung und so erzählt "Der Hobbit" von einem großen Abenteuer, dass Bilbo in seiner Jugendzeit erlebt. Im idyllischen Auenland im Westen des fiktiven Kontinents Mittelerde wohnt das menschenähnliche Volk der kleinen, gemütlichen, friedfertigen und sesshaften Hobbits.Eines Tages taucht der legedäre Zauber Gandalf (Ian McKellen) auf und in seinem Gefolge 13 Zwerge mit den schillernden NamenThorin, Bifur, Bofur, Fili, Kili, Dori, Nori, Ori, Oin, Gloin, Balin, Dwalin und Bombur. Aber warum Gandalf gerade ihn dazu auserkoren hat, diesen Zwergen zu helfen, ist Bilbo reichlich schleierhaft  Es geht um einen Schatz der Zwerge, den der große Drache Smaug dem Zwergenvolk stahl und diesen Schatz wollen die Zwerge wieder haben, denn nur damit kann sich das Volk wieder erholen und zu alter Größe zurückkehren. Der Drache soll im Berg Erebor leben, der sich in einem weit entfernten Land im Osten befindet. Dort leben Trolle, Orks und Nekromanten...

169 Minuten dauert der Spass, der mit einem Einspielergebnis von 1.02 Milliarden Dollar beinahe so erfolgreich wie "Die Rückkehr des Königs" wurde. Kein Wunder: Es gibt Mittelerde satt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es gab allerdings keinen Oscarregen wei beim "Herr der Ringe" - in 3 Kategorien war der Film nominiert, gewann aber keine davon. Begeistert war das Publikum dennoch und ich denke auch die beiden nächsten Teile werden die Macher sehr machen. In den technischen Disziplinen ist der Film perfekt und kann sogar die Herr der Ringe Trilogie toppen, es gibt sogar mehr Action als sonst. Was vielleicht ein bisschen auf der Strecke bliebt ist der magische Faktor, der nicht ganz so zieht wie bei Tolkiens Hauptwerk. Es liegt auch sicherlich daran, dass "Der Herr der Ringe" um ein Weites vielschichtiger und ausufernder erzählt wird. Es ist halt nicht nur ein Abenteuer, sondern hat letztendlich auch eine weitumfassende Botschaft über Gut und Böse und den Gebrauch von Macht.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Donnerstag, 11. Juli 2013

Beast of the Southern Wild





















Regie: Benh Zeitlin

Magische Kinderaugen...

Irgendwie wollte der Funke bei mir nicht so ganz überspringen, auch wenn viele Zuschauer anderer Meinung waren und den Film um die kleine Hushpuppy begeistert aufnahmen. Man kann dem jungen Filmemacher Benh Zeitlin allerdings viel europäisches Flair bescheinigen, denn typisch amerikansich ist der Film nicht aufgebaut. Er trägt in positiver Weise eine eigene Handschrift und bietet ein modernes Märchen - ausschliesslich aus der Sicht der kleinen Protagonistin, dargestellt von der erst 9 Jahre alten oscarnominierten Quvenzhané Wallis.
Zeitlin lebte eigenen Angaben zufolge in Prag, als er aus den Nachrichten von den Zerstörungen in New Orleans erfuhr durch Hurrikan Katrina im August 2005.  Auch in "Beast of the Southern Wild" geht es um die Natur, um Zerstörung der Heimat, denn in diesem abgelegenen Sumpfland von Lousiana, in dem das phantasievolle wie bedrückend realistische Geschehen angesiedelt ist, ist ein Sturm angekündigt. Dort lebt in sozialer Armut die kleine Hushpuppy mit ihrem kranken Vater Wink Doucet (Dwight Henry), der die Kleine alleine erzieht. Das Mädchen flüchtet sich in eine Phantasiewelt, beeinflusst auch durch den Stoff an der Schule, da die Lehrerin  Miss Bathsheba über die Legende der ausgestorbenen Auerochsen sowie auch über die bevorstehende Klimaveränderung und daraus resultierenden Katastrophen berichtet. In ihrer kindlichen Phantasie sieht sie diese Urzeittiere aus dem schmelzenden arktischen Eis wieder auferstehen und somit als Begleiter oder Auslöser der aufziehenden Naturgewalten....

 Keine Frage: Das ist ein Bilderfilm, der seine Geschichte dem Bild unterordnet und mit den magischen Augen des Kindes ans Werk geht. Dabei kreuzen sich Schönheit und Hässlickeit und geben sich einander die Hand. Der soziale Sprengpunkt wird aber durch die Kinderaugen zu etwas ganz Wertvollem, Elementarem. Also so eine Art Verwurzelung, die sich möglicherweise durch die Krankheit des Vaters schwer verändern wird. Dies wurde von Benh Zeitlin sehr eigenwilig umgesetzt und beim Sundance Festival prämiert. Wie man hört ist "Beast of the Southern Wild" der neue Lieblingsfilm von Oprah Winfrey

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Die Königin und der Leibarzt

























Regie: Nikolaj Arzel

Verbotene Liebe in der Zeit der Aufklärung...

Der dänische Film "Die Königin und ihr Leibarzt" wurde bei der Berlinale ausgezeichnet und aufgrund seiner Qualität sowohl für den europäischen Filmpreis als auch für den Oscar in der Kategorie "Best foreign Film" nominiert. Erzählt wird von Regisseur Nikolaj Arzel die tragische Geschichte des deutschen Arztes Johan Friedrich Struensee (Mad Mikkelsen), der von 1737 bis 1772 lebte und Leibarzt des dänischen Königs Christian VIII (Mikkel Boe Følsgaard) wird, weil er diesem auf einer einjährigen Europareise medizinisch und psychologisch beisteht. Zurück am dänischen Hof lernt er auch die Gattin des jungen Regenten kennen, aber vorerst ist Caroline Mathilde (Alicia Vikander) misstrauisch. Der geistig verwirrte, labile König vertraut aber dem deutschen Arzt blind. Struensee ist ein Mann der Aufklärung. Er strebt daher die Ideen dieser Richtung an: Entmachtung des Adels, Meinung und Pressefreiheit, Abschaffung von Folter, weniger Macht der Religion und Kirche, Reform des Schulwesens sowie die Kontrolle des Getreidehandels. Als Ausländer hat er es aber am Hof und auch bei der dänischen Bevölkerung schwer. Aber er kann durch seine reformerischen Ideen die Gunst der vernachlässigten Königin gewinnen und beginnt mit der schönen Frau eine heimliche Liason. Es geht soweit alles gut, weil auch der junge König trotz seiner labilen Psyche und seines irren Geistes ein Freund des Volkes ist. Aber was ist, wenn der Ehebruch bekannt wird...


 Ich finde die Umsetzung dieser historischen Geschichte nach einem Roman von Bodi Steensen-Leth ist hervorragend umgesetzt worden und macht "Die Königin und der Leibarzt" zu einem der besten Historienfilme der letzten Zeit. Sehr gut die schauspielerischen Leistungen von Mads Mikkelsen und Alicia Vikander, aber die stärkste Leistung hat der junge Mikkel Boe Folsgaard, der gerechterweise mit dem Silbernen Bären der Berliner Filmfestspiele ausgezeichnet wurde. Er spielt den irren Monarchen mit Bravour. Dei Bilder sind erlesen, das Dekor erste Sahne. Einer der besten Filme des diesjährigen Oscarrennens.

Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Les Miserables





















Regie: Tom Hooper

Jean Valjean, singend im Elend...

Les Miserables" ist ein Film des Briten Tom Hooper, der bereits mit "The Kings Speech" einen Oscar als bester Regisseur erringen konnte. Mit seinem neuen Film lässt er die große Zeit des Musicalfilms wieder auferstehen, denn sein Werk ist keine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Victor Hugo, sondern die Verfilmung des Musicals, das auf genau diesem Roman basiert. Verfilmungen des Stoffes gab es schon reichlich. Die bekanntesten dürften wohl die 35er US-Verfllmung mit Frederic March und die französische von Jean Paul le Chanois aus dem Jahr 1958 sein. Dort ist Jean Gabin dieser Kettensträfling Jean Valjean, der unerbittlich vom Gesetzeshüter Inspektor Javert (dargestellt von dem großartigen Andre Bourvil)
Die Geschichte, die  in Frankreich in der Zeit Napoleons bis zu der des Bürgerkönigs Louis Philippe spielt, dürfte eigentlich bekannt sein. Es geht um den Sträfling Jean Valjean (Hugh Jackman), der nach 20 Jahren begnadigt wird. Allerdings wird der Mann, der ein Brot aus Hunger stahl und mehrere Fluchtversuche in dieser langen Zeit unternahm, nach wie vor als sehr gefährlich eingestuft. Und daher steht er auch unter der Bewährung des strengen Inspektor Javert (Russell CroweI, der davon überzeugt ist, dass einer der das Gesetz brach, es immer wieder tun wird.  Und tatsächlich klaut Vajean, dem überall sein verganenes Leben als Sträfling anlastet, Eigentum der Kirche. Er wird gefasst, aber der Geistliche hat einen Plan mit dem Dieb und gibt an, dass er selbst die Gegenstände Valjean geschenkt habe. Mit diesen Wertgegenständen kann sich Valjean endlich eine bürgerliche Existenz aufbauen, er wird sogar Bürgermeister und Fabrikbesitzer der Stadt Montreuil, in der er sich niedergelassen hat. Eine seiner Arbeiterinnen heißt Fantine (Anne Hathaway) und wurde von ihrem Liebsten mit einer kleinen Tochter namens Cosette allein gelassen. Das Schicksal will es, dass Javert die neue Exiistenz des Ex-Sträflings mit der Vergangenheit konfrontiert und dass Valjean sich um Cosette kümmern muss, die von geldgierigen Wirtsleuten (Helena Bonham Carter, Sacha Baron Cohen) aufgenommen wurde. Er muss aber mit dem Kind flüchten und sich in Paris mit neuem Namen verstecken . Als Cosette (Amanda Seyfried) erwachsen wird, lernt sie den adligen Studenten Marius (Eddie Redmeyer), der zusammen mit seinen Freunden am Juinaustand des Jahres 1832 teilnimmt und kämpft. Dort sollen sich die beiden alten Kontrahenten Valjean und Javert wieder begegnen...


 Ich bin zwar kein Musicalfan, aber einige alte Filmklassiker dieses Jahres gefallen mir auch sehr gut. Für Historienfilme bin ich aber immer zu haben und zeurst war ich ein bissel enttäuscht, dass der Film keine Romanverfilmung ist. Aber trotz der Musik, die nicht unbedingt mein Fall ist, schwappt die Begeisterung der Macher und des Ensembles sehr schnell auf mich über und man kann diesen 158 Minuten langen Kinofiilm perfekt genießen, denn Kamera, Ausstattung, Kostüme und die Bilder, die den Zuschauer in eine vergangene Epoche führen sind aussergewöhnlich gut gelungen.
Auch wenn Anne Hathaway für die Rolle der Fantine einen Oscar als best supporting Actress bekam, sind für mich Hauptdarsteller Hugh Jackman und Sacha Baron-Cohne am beeindruckendsten.
Man kann diesen sehr edel durchkomponierten Film jetzt schon als Klassiker bezeichnen, der sich vor Cukors "My fair Lady" oder Fred Zinnemanns "Oklahoma" nciht verstecken muss. 


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 10. Juli 2013

Lincoln

























Regie: Steven Spielberg

Das politsche Genie des Präsidenten...

"Lincoln" von Steven Spielberg ist kein Biopic über den wichtigsten Präsidenten der USA. Der Film beschränkt sich nur auf die letzten Lebensmonate des Präsidenten und zeigt mit kühler, verstandesorientierter Präzision die Verabschiedung des 13. Verfassungszusatzes im Repräsentantenhaus.
Dieser Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten wurde am 31. Januar 1865 vom Kongress verabschiedet, den Bundesstaaten zur Ratifizierung vorgelegt und trat dann am 18. Dezember 1865 in Kraft. Dieser Artikel schafft auf dem gesamten Gebiet der USA die Sklaverei ab
Vorausgegangen war der Sezessionskrieg von 1861 bis 1865, der die USA in Nord- und Südstaaten spaltete und vor allem durch die Sklaverei entfacht wurde. Eine halbe Million Menschen verloren dabei ihr Leben.
Anfang 1865 steht dieser Bürgerkrieg kurz vor seinem Ende, denn die konföderierten Staaten sind so geschwächt, dass Kapitulation eine denkbare Option wird. Der republikanische Präsident Abraham Lincoln (Daniel Day Lewis) ist zwar wiedergewählt worden, hat aber viele Feinde. Lincoln hat es sich zur Aufgabe gesetzt die Sklaverei per Gesetz zu verbieten. Immerhin hat der Senat diesen 13. Verfassungszusatz im April 1864 zugestimmt, aber für die Verabschiedung ist eine Zweidrittelmehrheit im Repräsentantenhaus erforderlich und dies ist kein leichtes Unterfangen. Man will zwar den Bürgerkrieg so schnell wie möglich beenden, aber es gibt viele Stimmen im Norden für diesen Frieden auch die Sklaverei im Süden beizubehalten. Dabei kommt die Gegenwehr nicht nur durch die Demokraten, auch in den eigenen Reihen der Republikaner gibt es nach wie vor offenen Rassismus. Inmitten dieses politischen Kernpunkts zeigt Spielberg aber auch den privaten Lincoln, dessen Frau (Sally Fields) durch den Tod eines der Kinder immer noch stark leidet. Lincoln selbst möchte auch unter allen Umständen seinen Sohn Robert Todd (Joseph Gordon-Lewitt) als Soldat in den noch laufenden Krieg schicken. Dabei zeigt der Film einen ausserordentlich intelligenten und gewieften Staatsmann, der sich im politischen Alltag auch als kluger Schachspieler erweist und auch legale Tricks zur Durchsetzung seiner politischen Motive anwendet.  


 Mit Jason Strathaim, Tommy Lee Jones, James Spader oder Hal Holbrook sind auch die Nebenrollen kompetent besetzt. "Lincoln" zeigt eigentlich die Bandbreite von Spielberg, der vielleicht immer wieder mit dem Attribut des Popcorn-Kino Directors in Verbindung gebracht wird. Immerhin hat kein anderer Regisseur so viele kommerzielle Welterfolge in seiner Filmographie wie er. Aber es gibt auch diesen sehr subtilen Filmemacher Spielberg, der schon mit "Schindlers Liste" oder "München" auch im ernsteren politischen Fach überzeugen konnte.  Natürlich ist die Darstellung des Daniel Day Lewis äusserst brilliant, er füllt diese historische Persönlichkeit mit sehr viel Leben und mir hat der 150 Minuten lange Film gesamthaft sehr gut gefallen, weil er sein Thema sehr interessant aufbereitet und dem Zuschauer eine sehr geglückte Geschichtsstunde bietet, die auch Einblicke in den politischen Alltag geben.
 Das Drehbuch basiert auf dem 2005 publizierten Sachbuch "Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln" von Doris Kerns Goodwin.

Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Silver Linings





















Regie: David O` Russell

Dieser Silberstreifen am Horizont...

Beinahe des 20fache seiner Produktionskosten hat der Film "Silver Linings" eingespielt, was ihn zu einem der erfolgreichsten Romatikkomödien überhaupt macht. Inszeniert wurde von David O´Russell - kein Unbekannter bei den Oscarverleihungen, denn sein "The Fighter" wurde bereits 2010 mit 2 Oscars belohnt. Auch mit den "Silver Linings" konnte er einige Nominierungen kassieren und am Ende ging der Schauspiel-Oscar für die warmherzige Darstellung der emotional instabilen Tiffany Maxwell an die junge Jennifer Lawrence.
Diese Frau lernt der manisch-depressive Pat Solitano Jr. (Bradley Cooper) kennen, der in der forensischen Abteilung einer Psychatrie landete, weil er den Liebhaber seiner Frau zusammenschlug als er die beiden inflagranti beim Ehebruch erwischte. Pat ist durch seine Krankheit wenig realistisch und glaubt fest daran, dass er seine Frau Nikki (Brea Bee) wieder zurückgewinnen kann.  Die richterliche Anordung spricht allerdings eine ganz andere Sprache, er darf sich seiner Frau nicht mehr nähern.
Immerhin kommt Pat bei seinen Eltern (Robert de Niro und Jacki Weaver) unter, die sich rührend um ihn kümmern. Ansonsten ist der Vater ein besessener Fan der Philadelphia Eagles, er verpasst kein einziges Footballspiel.  Bei seinem Freund Ronnie (John Ortiz) lernt er dessen Schwägerin Tiffany kennen, die immer noch traumatisiert von dem plötzlichen Tod ihres Mannes. Den Verlust kompensiert sie mit allerhand Bettgeschichten. Dies bietet sie auch dem überraschten Pat an, der dies allerdings ablehnt, weil er ja auf Treue steht und seine Frau zurückgewinnen will. Überhaupt wirkt Tiffany aufdringlich, sie schafft es aber Pat zu einem Tanzwettbewerb zu überreden, weil Tiffany Pats Frau einen Brief übergeben will...

 
Ein netter sympathischer Film, der die Geschichte von zwei Aussenseitern erzählt, die sich begegnen. Als Tragikomödie überwiegt aber eindeutig der leichte, unbeschwerte Part, was den Charakter eines Feel Good Movies noch zusätzlich unsterstreícht. Mit den guten Darstellerleistungen lässt sich ein Stück weit Realität wegbeamen und dann bitte anschnallen mit einem lebensbejahenden Optimismus. Im Grunde fast schon en Märchen, denn schon nach der ersten Hälfte des Films ist ein schlechtes Ende undenkbar. Wir wollen dass sich Pat und Tiffany bekommen. 

 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.