Donnerstag, 11. April 2019

Gandhi

























Regie: Sir Richard Attenborough

Humanistische Botschaft...

Ab 1969 nahm der beliebte britische Schauspieler Richard Attenborough (In which we serve, Brighton Rock, Flug des Phönix, Gesprengte Ketten) auch auf dem Regiestuhl Platz. Er drehte Filme wie "Oh what a lovely war", "Der junge Löwe", "Die Brücke von Arnheim" und "Magic" bevor er 1982 mit "Gandhi" seinen größten Triumph erlebte. Erzählt wird darin die Lebensgeschichte des indischen Unabhängigkeitskämpfer Mohandas Ghandi, genannt Mahatma Ghandi.
Das epische Biopic steht in der Tradition von monumentalen Großroduktionen wie "Lawrence von Arabien" oder "Nikolaus und Alexandra" und spielte weltweit 127 Millionen Dollar ein. Im Filmjahr 1982 belegte er den 12. Rang der umsatzstärksten Filme. In Indien, der Heimat von Gandhi, zählt Attenboroughs Film immer noch zu den größten Filmerfolgen aller Zeiten.
Bei der Oscarverleihung 1983 wurde "Gandhi" mit insgesamt 8 Trophäen ausgezeichnet. Richard Attenborough, der sein Herzensprojekt auch finanzierte, durfte den Preis für den besten Film entgegen nehmen und wurde ausserdem als bester Regisseur ausgezeichnet. Preise bekamen auch John Briley fürs beste Originaldrehbuch sowie Billy Williams und Ronnie Taylor für ihre Kamera-Gemeinschafsarbeit. Desweiteren gabs Preise in den Kategorien Bestes Szenenbild, bestes Kostümdesign und bester Schnitt. Nicht zu vergessen den brillianten Hauptdarsteller Ben Kingsley, dem es tatsächlich gelingt die Ausstrahlung des charismatischen kleinen Mannes auf die Leinwand zu zaubern. Eine große Leistung neben der verblüffenden Optik, die dem Makeup Künstler Tom Smith (oscarnominiert, aber kein Sieg) gelang. Begleitet wird diese Lebensgeschichte von der Musik und der Sitar von Ravi Shankar.
Der Kernpunkt des Films bildet die Ideale der Gewaltlosigkeit. Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2.  Oktober 1869 geboren und am 30. Januar 1948 ermordet.
Insgesamt 12 Mal war Gandhi für den Friedensnobelpreis nominiert- zuletzt in seinem Todesjahr 1948. Da der Preis nicht postum verliehen werden kann, entschied das Komitee, in jenem Jahr keinen Preis zu vergeben.
Der Film beginnt auch mit dem Attentat durch Nathuram Godse und erzählt danach im Rückblick das Leben Gandhis. Zuerst seine Zeit in Südafrika im Jahr 1893. Als junger Anwalt, der in England studierte, wird er dort mit der Apartheit konfrontiert und entscheidet sich gegen diese Ungerechtigkeit vorzugehen. Sein Weg ist der gewaltlose Widerstand und tatsächlich kann er gegen die dortige Rassentrennung Erfolge verzeichnen. Bei seiner Rückkehr ins Heimatland hat er dort auch schon einen großen Bekanntheitsgrad und setzt sich weiterhin für die Menschenrechte ein. Mit eindrucksvollen Bildern erlebt der Zuschauer seinen Kampf für die koloniale Ausbeutung durch das Empire. Er setzt sich stark für ein neues, autarkes von der bäuerlichen Lebensweise geprägtes Wirtschaftssystem ein - die Briten wollen allerdings die Kolonie Indien nicht aufgeben und setzen auf Gewalt. General Dyer (Edward Fox) befehligt das Massaker von Amritsar. Nach offiziellen Angaben starben durch den Kugelhagel der britischen Armee 379 gewaltlose Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder. Er ist beim Volk so beliebt, dass seine Hungerstreiks für eine positive Veränderung von Konflikten, wahrgenommen werden und erfolgreich sind. Er tritt für die Versöhnung zwischen Hindus und Muslimen ein. Am Ende wird Indien zwar von der britischen Kolonialherrschaft frei, doch die Unabhängigkeit schafft die Teilung Indiens in zwei neue Staaten: Indien und Pakistan...







Alle diese Stationen werden im Film in wunderbaren Bildern erzählt, der Zuschauer fühlt sich manchmal tatsächlich wie in Indien und nimmt an die Nöten der Bevölkerung teil. Gandhi selbst erscheint als bescheidener Mann, dem Reichtümer nichts bedeuteten, aber die Rechte der Menschen umso mehr. Mit seiner Frau (Rohini Hattangadi) und der Britin Mirabehn (Geraldine James) lebt er in der Abgeschiedenheit und führt ein "reiches" Leben in Armut. Attenborough konnte einige bekannte Filmschauspieler in Nebenrollen für diesen Film verpflichten: Trevor Howard, Martin Sheen, Candice Bergen, Roshan Seth, Saeed Jaffrey, Ian Charleson, Ian Bannen, John Mills und John Gielgud.







Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Gorky Park

























Regie: Michael Apted

Wertvolle Zobel...

Der deutschstämmige Kameramann Ralf D. Bode hatte bereits für seine Arbeit in Michael Apteds "Nashville Lady" eine Oscarnominierung erhalten. Daher wurde er auch drei Jahre später für dessen Thriller "Gorky Park" mit der gleichen Arbeit betraut. Und es gelangen ihm kalte und ungemütliche Bilder der Stadt Moskau zur Zeit des kalten Krieges. Es ist kalt in Moskau und Bodes Bilder gelingt es auch die Atmosphäre noch etwas eisiger aussehen zu lassen. In "Gorky Park" geht es ein verzwicktes Mit- und Gegeneinander zwischen dem KGB, dem CIA und der russischen Polizei. Mehr noch, denn auch geldgierige Westler kommen hinzu, wertvolle Zobel und drei bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen, die im Moskauer Gorky Park aufgefunden werden.
Die Darstellung der sowjetischen Gesellschaft in dieser Zeit ist ein weiterer interessanter Aspekt des Thrillers und der Film selbst basiert auf dem gleichnamigen Roman von Martin Cruz Smith.
Wer sind diese drei Toten (Jukka Hirvikangas, Marjatta Nissinen, Heikki Leppänen) aus dem Gorky Park ? Am Anfang des Films sieht man die drei jungen Leute noch vergnügt beim Schlittschuhlaufen. Ein paar Stunden später sind deren Leichen im Dickicht aufgefunden worden. Sie liegen im Schnee, ihre Gesichter wurden fachmännisch gehäutet. Keine leichte Aufgabe für den ermittelnden Militäroffizier Arkady Renko (William Hurt), der den Fall so schnell wie möglich wieder abgeben will, denn die drei sind mit einer KGB Waffe erschossen worden. Und der unangenehme KGB Agent Rurik (Niall O´Brien) ist noch vor der Polizei vor Ort. Gemeinsam mit seinem Kollegen Pasha (Michael Elphick) macht er sich an die Arbeit und bekommt immerhin die gewünschte Rückendeckung von Oberstaatsanwalt Iamskoy (Ian Bannen).
Durch die Schnüffeleien des New Yorker Ermittlers William Kirwill (Brian Dennehey) wird die Identität eines der Opfer herausgefunden - es handelt sich um den Bruder des Amerikaners. Professor Andreev (Ian McDiarmid) konstruiert in der Zwischenzeit das Gesicht der toten Frau, es handelt sich um eine gewisse Valerya Davidova. Die Spur führt dann zu deren Freundin, der systemkritischen Irina Asanova (Joanna Pacula), die aber felsenfest davon überzeugt ist, dass Valerya in den Westen flüchten konnte. Eine ganz dubiose Rolle in den Ermittlungen spielt bald der amerikanische Zobelimporteur Jack Osborne (Lee Marvin)...



Natürlich beherrscht Lee Marvin seine Szenen. Ein Vollblutschauspieler, der hier mal den möglichen Bösewicht abgeben darf. Aber ist er es auch ? Jedenfalls beißt sich der Ermittler an ihm fast die Zähne aus, so unangreifbar ist der kapitalistische Feind aus dem Westen. Aber ist er auch ein Mörder ? William Hurt hatte bereits Riesenerfolg mit Ken Russells unterschätztem Horrorfilm "Der Höllentrip" und dem Neo Noir "Heißblütig - Klatblütig", auch in "Gorky Park überzeugt der Schauspieler mit einer sehr guten Leistung. Den Oscar bekam er zwei Jahre später für seine Rolle als schwuler Knacki Luis Molina in Hector Babencos aussergewöhnlichen Drama "Kuß der Spinnenfrau". Auch die Nebenrollen sind mit Ian Bannen, Joana Pacula, Brian Dennehy, Michael Elphick und Ian McDiarmid bestens besetzt. Die Spannung bezieht der Film auch aus der Tatsache, dass der Ermittler immer mehr den sicheren Boden unter den Füßen verlieren könnte. Den der gesuchte Täter scheint übermächtig. Das Ende beschließt ein Bild, dass die Tierfreunde begrüßen dürften. Wie kann man aus diesen putzigen Mardertieren nur Mäntel oder Pelzmützen machen. Ihre Felle sind aber heute immer noch sehr begehrt. Eine Texanerin schaffte es 1978 ins Guiness Buch der Rekorde, weil sie sich einen bodenlangen Zobelmantel im Wert von 130.000 Dollar zugelegt hatte.
 



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

A Prayer before dawn...

























Regie: Jean Stephane Sauvaire
Der Kickboxer...
Für seine Rolle als Billy Moore in "A Prayer before Dawn" gewann Joe Cole bei den British Independent Film Awards 2018 den Preis für den besten Schauspieler.
Der Film basiert auf einer wahren Geschichte, der echte Billy Moore wird am Ende des Films auch noch als Spiegelbild des Film-Cole gezeigt, er schrieb seine Erlebnisse in dem Buch "A Prayer Before Dawn: My Nightmare in Thailands Prison" nieder. Von Jean-Stephane Sauvaire wurde die Geschichte verfilmt und hatte seine Premiere beim Filmfestival in Cannes 2017.
Tatsächlich agiert der Jungschauspieler Joe Cole sehr wirkungsvoll, denn er kann sowohl den aggressiven Fighter als auch den sensiblen Jungen spielen, der durch den Drogenkonsum in ein berüchtigtes Gefängnis in Thailand kommt. Billy ist unangepasst, wild, stürmisch und rebellisch - ein Junge mit bewegter Vergangenheit, der sich in seiner Wahlheimat Thailand als Boxer und Stuntman über Wasser hält. Doch der Besitz von Drogen wird ihm zum Verhängnis. Bei einer Razzia wird auch noch eine Waffe gefunden, dafür wandert man für lange Zeit in den Knast. Auf engstem Raum sind die vielen Gefangenen dort zusammengepfercht. In der Nacht hat man kaum Platz sich zu drehen, weil die Männer ganz nah beieinander schlafen müssen. Drogen und Kämpfe sind an der Tagesordnung, ebenso Vergewaltigung. Wer damit nicht klarkommt, der erhängt sich. Die Männer werden manchmal von den "Ladyboys" etwas aufgeheitert. Bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gab es eine dreiteilige Geschlechterordnung im einstigen Siam, dem heutigen Thailand. Frauen, Männer und Kathoey (Ladyboy). Als Kathoey wurden damals sämtliche geschlechtliche Abweichungen von Mann und Frau bezeichnet. Dies galt für Männer sowie für Frauen, die im falschen Körper geboren wurden, genauso wie für die gleichgeschlechtliche Leibe und Menschen, denen es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich war, Ihre Orientierung in Sachen Erotik und Liebe innerhalb der gesellschaftlichen Normen auszuüben. Man tolerierte all diese Kathoey-Erscheinungsformen als Ergebnis des Karmas, das sich der- oder diejenige lebenslang aufgeladen hatte. Erst seit einigen Jahrzehnten hat sich die Akzeptanz dort verschlechtert. So lernt Billy dort einen Ladyboy (Pornchanok Mabklang) kennen, der seinen Vater getötet hat. Grund dafür war dessen Hass auf die Andersartigkeit. Mit ihm freundet sich Billy ein bisschen an, hat sogar Sex. Ansonsten ist er aber ein Aussenseiter unter den vielen harten Jungs dort, die alle den ganzen Körper tätowiert haben. Allmählich kann er aber deren Respekt gewinnen, weil er ein guter Kämpfer ist. Er wird in die Boxabteilung verlegt. Dort können diese Männer für Fights auch ausserhalb trainieren und wer gut ist, bekommt einige Vergünstigungen. Diese Chance nutzt Billy, doch es kommt immer wieder zu Rückschlägen...




Im Film wird oft in Landessprache gesprochen, der Zuschauer ist dabei in der gleichen Lage wie Billy. Er vesteht sein Gegenüber nicht immer. Er lernt nur sehr langsam die Sprache und weiß, was die Anderen meinen. Doch er schlägt sich durch. Die Dramaturgie des Films ist sparsam und heißt blutige Action. Sehr oft zeigt Jean Stephane Sauvaire unappetitliche Bilder der geschundenen Kämpfer. Der Film steht und fällt damit mit dem Hauptdarsteller Cole, der seine Rolle tatsächlich charismatisch aufbessert. Wer Kampffilme wie "Ong Bak" gemocht hat, der wird auch hier auf seine Kosten kommen. Für anspruchsvollere Zuschauer hat "A prayer before dawn" vielleicht zuwenig Tiefgang.





Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

Samstag, 6. April 2019

Kagemusha

























Regie: Akira Kurosawa

Doppelgänger...

"Kagemusha" von Akira Kurosawa entstand in den Jahren 1979 und 1980. Der Regisseur drehte den Film nach langen Jahren wieder im Heimatland, ermöglkcht wurde dies durch die Unterstützung der Freunde und Bewunderer George Lucas, und Francis Ford Coppola, die sich für diesen Historienfilm auch finanziell engagierten.
Bei diesem sehr ungewöhnlichen Samurai Filme lässt sich der Filmemacher sehr viel Zeit die Geschichte zu entfalten. Der Film entwickelt dabei immer mehr eine epische Kraft und steht auch für eine dem Untergang geweihte Epoche. Die mitreißend inszenierten Kampfszenen haben immer einen sehr distanzierten Touch, der Zuschauer kann das Treiben einer sinnlosen Zerstörung beobachten und immer mehr kommt dabei eine düstere Endzeitstimmung zum Tragen. "Kagemusha" wurde ein großer Kinoerfolg, der Film gewann die goldene Palme von Cannes und den Cesar als bester Auslandsfilm. Er wurde auch als bester Auslandsfilm für den Oscar nominiert, unterlag am Ende allerdings dem viel schwächeren russischen Beitrag "Moskau glaubt den Tränen nicht".
Die Geschichte spielt in Japan des Jahres 1572. Verschiedene Clans kämpfen um die Vorherrschaft des Landes. Die Eroberung der Stadt Kyoto ist dabei ein symbolträchtiges Ziel. Der mächtigste unter diesen Clanherrschern ist der besonnene Shingen Takeda (Nakadai Tatsuya). Der wird eines Tages von seinem Bruder Nobukado Takeda (Yamazaki Tsutomu) überrascht, denn dieser hat einen Doppelgänger für Shingen gefunden. Bisher hatte der ähnlich aussehende Bruder diese Rolle schon öfters gespielt und so den Gegner schon oft verwirren können. Dieser Mann - ein Dieb, den der Bruder vor dem Galgen rettete, hat aber tatsächlich eine frappierende Ähnlichkeit, was selbst Shingen in echtes Erstaunen versetzt. Somit ist der Kagemusha (Schatten des Kriegers) geboren. Seine Armee belagert zu dieser Zeit die Festung Noda und schafft es, die Wasserversorgung zu kappen. Doch jemand in der Festung spielt jeden Abend Flöte - ein Zeichen, dass der Feind die Festung halten könnte. Er will dieses Flötenspiel hören und dies wird ihm zum Verhängnis, denn ein Scharfschütze hat die Möglichkeit in dieser Vollmondnacht einen Schuß auf ihn abzufeuern. Schwer verletzt kann der Sterbende noch bestimmen, dass man seinen Tod 3 Jahre geheim halten muss. Dies ist auch die Stunde seines Doppelgängers, von dem nur wenig Eingeweihte wissen. Und der seine Umgebung durch seine Ähnlichkeit täuschen kann - selbst der kleine Enkel fällt auf den falschen Opa herein. Durch Shingens Weiterleben kann man auch Schlachten gegen die Feind gewinnen. Shingens leiblicher Sohn Katsuryori (Kenichi Hagiwara) ist alles andere glücklich mit dem Doppelgänger seines Vaters, gegen den Rat der Generäle beschließt er in den Kampf zu ziehen, was bald zur Katastrophalen Niederlage werden könnte. Doch durch das Auftauche von Shingen wendet sich die drohende Schlappe in einen Sieg. Dann macht der Kagemusha aber einen folgenschweren Fehler: Er versucht auf dem Pferd von Shingen zu reiten. Doch Tiere lassen sich nicht täuschen. Das Tier wirft den falschen Shingen ab und als die Konkubinen den Verletzten behandeln, merken sie, dass die Narben des Clan Chefs fehlen. Im Schimpf und Schande wird der Kagemusha aus dem Haus gejagt. Katsuyori wird nun als neuer Clan Chef ausgerufen. Doch der führt sein Heer in eine vernichtende Niederlage...







Und diese Niederlage wird vom Kagemusha im Schilfdickicht verborgen, beobachtet. Er wird Augenzeuge des großen Schlachtfelds. Der Tod dieser Ritter hat eine gleichnishafte Bedeutung und markiert die bereits erwähnte Zäsur. "Kagemusha" ist etwas spröder als der Nachfolger "Ran", doch auch hier hat Kurosawa ein großes Meisterwerk geschaffen. Die Kriegskunst der Samurai muss irgendwann in naher Zukunft der Kunst des Schießpulvers weichen. Die effektiv inszenierten Kampfszenen sind mitreissend gestaltet und Kameramann Takao Saito hat unheimliche Bilder dieser Apocalpyse geschaffen.






Bewertung: 10 von 10 Punkten.