Mittwoch, 12. Juni 2013

2012



Regie: Roland Emmerich

Der Mayakalender ist an allem schuld...

Beim Stichwort "Katastrophenfilme" fallen mir vor allem die guten alten Klassiker des Genres ein: Allen voran "Poseidon Inferno", gefolgt von "Flammendes Inferno", "Erdbeben" oder die vier "Airport" Filme.
Ab den 90ern erlebt das Genre wieder eine Renaissance, einige Vertreter dieser Gattung wie "Deep Impact", "Twister", "Dantes Peak", "Volcano" oder "Daylight" wurden Kassenhits. Manchmal gabs eine Mischung aus Desaster und Katastrophe wie "Armageddon" oder "Independence Day". Letzterer war ein Blockbuster des Deutschen Roland Emmerich, der mit einem Einspielergebnis von über 800 Millionen Dollar immer noch auf Platz 38 der kommerziellsten Filme aller Zeiten rangiert.
Dementsprechend groß die Versuchung weitere Verwandte nachzuschieben. 2004 kam seine Variante der Klimakatastrophe "The Day after Tomorrow" und 2009 schob er "2012" nach.
Dabei greift der Film die 1958 vorgestellte Hypothese der Polverschiebung auf, die mit zahlreichen Begleitphänomenen  wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flutwellen zum Untergang der zivilisierten Welt, wie wie sie kennen führt.  Die Rechnung ging voll auf. Beide Filme finden sich auch in dieser Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Dabei griff der Film erfolgreich die Hysterie auf, dass nach dem Ende des Maya Kalenders die Welt im Jahr 2012 untergehen wird.
Das Ergebnis dauert 158 Minuten und die Vorteile des Streifens liegen eindeutig in den technischen Disziplinen. Höhepunkt ist ein Erdbeben Szenario in Los Angeles - die Helden des Films sind die Familie Curtis (John Cusack,  Amanda Peet, Liam James, Morgan Lilly). Vater Jackson liebt von seiner Familie getrennt, er arbeitet als Schriftsteller und als Fahrer für einen russischen Milliardär. Mami Kate lebt inzwische mit Gordon (Thomas McCarthy) zusammen. Jackson holt seine beiden Kinder für einen Kurzurlaub zum Yellowstone National Park ab. Dort sind aber weite Teile des Gebiets bereits von der Armee abgesperrt. Was Jackson noch nicht weiß ist, dass bereits eine Elite aus reichen Menschen, Politikern und führenden Köpfen aus Wissenschaft und Wirtschaft bereits sehr bald in eigens gebaute Archen evakuiert werden sollen. Denn das Erdbeben, dass L.A. in Schutt und Asche legt, ist erst der Anfang. Überall auf der Welt bebt die Erde, die Pole verschieben sich mit fiesen Folgen: Die tektonische Plattenverschiebung erreicht jetzt ihren Höhepunkt, die Kontinente gehen unter, verschieben sich oder werden emporgehoben. Gigantische Tsunamis rollen über die Meere und überfluten die Kontinente vollständig.
Natürlich liess es sich Emmerich nicht nehmen den amerikanischen Präsidenten (Danny Clover) wie ein heiliger Held erscheinen zu lassen. Das macht er gerne, wie man schon in "Independence Day" sehen konnte. Präsident Wilson verzichtet heroisch auf das Ticket in einer der Archen, als Kapitän verlässt er natürlich als Letzter das sinkende Schiff Welt.
 

Besonders effektiv kommt die Szene als der Himalya von einer Riesenwelle überflutet wird und ein Mönch auf dem Dach der Welt die Katastrophe innert Sekunden wahrnimmt.
Darüberhinaus braucht es viel Sitzfleisch, denn Emmerich hat kein gutes Drehbuch zur Verfügung. Leider dominiert in der Fiigurenzeichnung das Klischee (ein Vater als Held, ein Präsident wie aus dem Bilderbuch, ein durchgeknallter Radioreporter (Woody Harrelson), ein junger Mönch und dessen Meister, ein geldgieriger Russe) sowie die extreme Überzeichnung bis hin zur Unglaubwürdigkeit: Der Nebenbuhler von Jackson hat zwar nur einige Flugstunden, steuert aber heldenhaft sein kleines Flugzeug, das Jackson in letzter Sekunden anheuern konnte. Es ist zwar alles zerstört auf dem Flughafen, lediglich dieser Flieger ist noch brauchbar und das Greenhorn führt die Mitreisenden zielsicher durch ein Los Angeles, dass dem Erdboden gleich gemacht wird - der Pilot steuert durch Häuserschluchten, wo gerade alle Hochhäuser in sich zusammenbrechen. So ähnlich geht es weiter. Am Ende siegt dann auch noch die Güte des Menschen. Na ja, das kann man machen - muss man aber nicht. Es ist halt daher auch völlig unspannend. Da wünscht man sich mehr Figuren oder besser noch Charakterköpfe, mit denen man in den Klassikern des Genres mitfiebern konnte: Eine Shelley Winters als Belle Rosen in "Poseidon Inferno", die taucht wie keine Zweite oder eine Karen Black als beherzte Chefstewardess Nancy Pryor in "Giganten am Himmel", die mit der Hilfe von Charlton Heston die Boeing 747 vom  Cockpit aus trotz riesigem Loch sicher landen muss.
Ich fand "2012" noch schlechter als "Day before Tomorrow". Das ist zwar technisch alles auf höchstem Niveau, der Film selbst ist aber in allen Belangen eine miese Gurke.
 
Bewertung: 1,5 von 10 Punkten.

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