Samstag, 2. August 2014

Der ewige Gärtner















Regie: Fernando Meirelles

Der Dypraxa Skandal...

Auch wenn sich die Story "Der ewige Gärtner" von John Le Carre wie ein Thriller anhört, sowohl Roman als auch die Verfilmung durch Fernando Meirelles gehen eher in eine sehr dramatische Richtung und thematisiert eine erschütternde Krise des afrikanischen Kontinents. Der brasilianische Regisseur, der bereits mit "City of God" einen der beeindruckendsten Filme des vergangenen Kinojahrzehnts schuf, drehte an Originalschauplätzen in Afrika und konfrontiert den Zuschauer mit Bildern aus den Townships, wo das westliche Pharmaunternehmen Tree Bees den Menschen, die von Aids, Tuberkulose und Hepatitis gebeutelt sind, kostenlos Impfprogramme anbietet, aber gleichzeitig ohne deren Wissen das Medikament Dypraxa erprobt wird, weil man von seiten der Politik eine neue Tuberkulose Pandemie erwartet und von seiten der Wirtschaft und des Herstellers natürlich Riesenumsätze. Da spielt es dann schon mal keine große Rolle, wenn das unfertige Medikament zahlreichen Testpersonen das Leben kostet. So billig und schnell ganz effektiv optimiert kann das neue Heilmittel probiert werden, die Toten werden heimlich verscharrt und alle Unterlagen vernichtet, so dass sie offiziell nie existiert haben. Das undurchsichtige Geflecht zwischen Politik und Kapital funktioniert bestens.
In "Der ewige Gärtner" bekommt der Zuschauer Einblick in die Arbeit der mutigen Aktivistin Tessa Abbot Quayle (Rachel Weisz), doch wenn die Geschichte anfängt ist diese engagierte Frau bereits tot. Ermordet worden am Turkanasee in Norden Kenias. Das Ereignis versetzt das britischen Hochkommissariat in Nairobi in helle Aufregung. Tessa war die Frau des Diplomaten Justin Quayle (Ralph Fiennes), die dort gemeinsam mit ihrem einheimischen Fahrer auf brutale Art und Weise ums Leben kam. Gemeinsam mit einem weiteren Aktiviisten, dem belgischen, dunkelhäutigen Arzt Arnold Bluhm (Hubert Kounde) waren sie auf dem Weg zum Sibiloi Nationalpark, wo sie nie ankamen. Von Bluhm fehlt jede Spur. Als der introvertierte Quayle die Nachricht vom gewaltsamen Tod seiner Frau erfährt, bekommt er gleichzeitig das Gerücht unterbreitet, dass Tessa eine Liebesaffäre mit Bluhm hatte. Wer war die Partnerin an seiner Seite ? Der Mann, der schon nach so kurzer Zeit Witwer wurde, hatte seine Frau bei einem Vortrag in London kennengelernt. Daraus resultierte eine sehr schnelle Heirat, weil Tessa unbedingt mit nach Afrika kommen wollte, wo Justin Quayle seinen diplomantischen Wirkungskreis an der Botschaft in Nairobi hatte. Im Gegensatz zu Tessa kümmerte sich Justin aber nie um das allgegenwärtige Elend der Bevölkerung, sondern kümmerte sich lieber um seinen äusserst gepflegten Garten. Der Mord an seiner Frau führt allerdings zu einer mentalen Veränderung, denn er begibt sich durch eigene Ermittlungen auf die Reise seine verstorbene Frau richtig kennenzulernen. Er sucht nach Wahrheiten und Anhaltspunkte sind der befreundete stellvertretende Hochkommissar Alexander Woodrow, genannt "Sandy", der selbst in Tessa verliebt war und mit seiner Frau Gloria eine unglückliche Ehe führt. Mit verwickelt scheint auch Sir Bernard Pellgrin (Christian Nyby), der Afrikabeauftragte des Foreign and Commonwealth Office, der durch einen Brief der Toten Kenntniss bekam von diesen dubiosen Machenschaften des britischen Pharmakonzerns "Bell, Barker & Benjamin, in ganz Afrika als "Three Bees" bekannt. Immer mehr macht sich im Lauf seiner Recherchen Justin den Vorwurf, dass er sie in ihrem Kampf nie unterstützt hat und nun versucht er den Tod seiner Frau und dessen Hintergründe auf eigene Faust aufzuklären. Letzte Antworten findet der verzweifelte Mann in einem humanitären Versorgungslager im Südsudan, dass ihn am Ende zum Ursprung der Gewalttat, an den Turkana-See, führt...


 Wer einen actiongeladenen Pharma-Thriller erwartet, der dürfte vielleicht enttäuscht werden, denn Meirelles ist vor allem daran interessiert an der Psxchologie seiner Hauptfigur, die irgendwann im Lauf der Ereignisse angetrieben wird von wiederkehrenden Erinnerungen und gemeinsamen Momenten. Meirelles stellt immer wieder Rückblenden in die Handlung ein und die Grenzen zwischen Realität und Vergangenheit verschwimmt auch etwas und zwar dann, wenn der Protagonist Zwiegespräche mit seiner verstorbenen Frau führt. Die Handlung erstreckt sich über London und Berlin immer wieder zurück in die Krisengebiete Afrikas. Meirelles übersetzte die konkrete Prosa des Bestsellerautors in eine soghafte Bildsprache, die in ihren besten Momenten beinahe schon etwas hypnotische Wirkungskraft entfaltet. Konsequenterweise bietet der Film weder Identifikationsfigur noch HappyEnd, sondern zeigt eine ungerechte Welt gegen die der Einzelne machtlos erscheint. Zu sehr hat sich das perfide Spiel der Ausnutzung von Schwachen und der gierigen Bereicherung durch die Mächtigen schon verselbstständigt, am Ende genügen wieder ein paar arme Einheimische, die sich ein bisschen Geld zum Überleben mit einem Auftragsmord dazu verdienen können.
Der brisante Politfilm spricht Verfehlungen der Globalisierungspolitik zu Lasten der Dritten Welt an. In seiner Machart ist er ebenso engagiert wie anspruchsvoll und vermeidet mögliche Klischees. Als Lohn gabs dann auch 4 Oscarnominierungen, darunter Rachel Weisz als beste Nebendarstellerin, die den Preis am Ende auch gewinnen konnte. Sehr gelungen auch die meditative Filmmusik von Alberto Iglesias und die Stimme des afrikanischen Sängers Ayub Ogada.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen