Regie: Fernando Meirelles
Der Dypraxa Skandal...
Auch wenn sich die Story "Der ewige Gärtner" von John Le Carre wie
ein Thriller anhört, sowohl Roman als auch die Verfilmung durch Fernando
Meirelles gehen eher in eine sehr dramatische Richtung und thematisiert
eine erschütternde Krise des afrikanischen Kontinents. Der
brasilianische Regisseur, der bereits mit "City of God" einen der
beeindruckendsten Filme des vergangenen Kinojahrzehnts schuf, drehte an
Originalschauplätzen in Afrika und konfrontiert den Zuschauer mit
Bildern aus den Townships, wo das westliche Pharmaunternehmen Tree Bees
den Menschen, die von Aids, Tuberkulose und Hepatitis gebeutelt sind,
kostenlos Impfprogramme anbietet, aber gleichzeitig ohne deren Wissen
das Medikament Dypraxa erprobt wird, weil man von seiten der Politik
eine neue Tuberkulose Pandemie erwartet und von seiten der Wirtschaft
und des Herstellers natürlich Riesenumsätze. Da spielt es dann schon mal
keine große Rolle, wenn das unfertige Medikament zahlreichen
Testpersonen das Leben kostet. So billig und schnell ganz effektiv
optimiert kann das neue Heilmittel probiert werden, die Toten werden
heimlich verscharrt und alle Unterlagen vernichtet, so dass sie
offiziell nie existiert haben. Das undurchsichtige Geflecht zwischen
Politik und Kapital funktioniert bestens.
In "Der ewige
Gärtner" bekommt der Zuschauer Einblick in die Arbeit der mutigen
Aktivistin Tessa Abbot Quayle (Rachel Weisz), doch wenn die Geschichte
anfängt ist diese engagierte Frau bereits tot. Ermordet worden am
Turkanasee in Norden Kenias. Das Ereignis versetzt das britischen
Hochkommissariat in Nairobi in helle Aufregung. Tessa war die Frau des
Diplomaten Justin Quayle (Ralph Fiennes), die dort gemeinsam mit ihrem
einheimischen Fahrer auf brutale Art und Weise ums Leben kam. Gemeinsam
mit einem weiteren Aktiviisten, dem belgischen, dunkelhäutigen Arzt
Arnold Bluhm (Hubert Kounde) waren sie auf dem Weg zum Sibiloi
Nationalpark, wo sie nie ankamen. Von Bluhm fehlt jede Spur. Als der
introvertierte Quayle die Nachricht vom gewaltsamen Tod seiner Frau
erfährt, bekommt er gleichzeitig das Gerücht unterbreitet, dass Tessa
eine Liebesaffäre mit Bluhm hatte. Wer war die Partnerin an seiner Seite
? Der Mann, der schon nach so kurzer Zeit Witwer wurde, hatte seine
Frau bei einem Vortrag in London kennengelernt. Daraus resultierte eine
sehr schnelle Heirat, weil Tessa unbedingt mit nach Afrika kommen
wollte, wo Justin Quayle seinen diplomantischen Wirkungskreis an der
Botschaft in Nairobi hatte. Im Gegensatz zu Tessa kümmerte sich Justin
aber nie um das allgegenwärtige Elend der Bevölkerung, sondern kümmerte
sich lieber um seinen äusserst gepflegten Garten. Der Mord an seiner
Frau führt allerdings zu einer mentalen Veränderung, denn er begibt sich
durch eigene Ermittlungen auf die Reise seine verstorbene Frau richtig
kennenzulernen. Er sucht nach Wahrheiten und Anhaltspunkte sind der
befreundete stellvertretende Hochkommissar Alexander Woodrow, genannt
"Sandy", der selbst in Tessa verliebt war und mit seiner Frau Gloria
eine unglückliche Ehe führt. Mit verwickelt scheint auch Sir Bernard
Pellgrin (Christian Nyby), der Afrikabeauftragte des Foreign and
Commonwealth Office, der durch einen Brief der Toten Kenntniss bekam von
diesen dubiosen Machenschaften des britischen Pharmakonzerns "Bell,
Barker & Benjamin, in ganz Afrika als "Three Bees" bekannt. Immer
mehr macht sich im Lauf seiner Recherchen Justin den Vorwurf, dass er
sie in ihrem Kampf nie unterstützt hat und nun versucht er den Tod
seiner Frau und dessen Hintergründe auf eigene Faust aufzuklären. Letzte
Antworten findet der verzweifelte Mann in einem humanitären
Versorgungslager im Südsudan, dass ihn am Ende zum Ursprung der
Gewalttat, an den Turkana-See, führt...
Wer einen
actiongeladenen Pharma-Thriller erwartet, der dürfte vielleicht
enttäuscht werden, denn Meirelles ist vor allem daran interessiert an
der Psxchologie seiner Hauptfigur, die irgendwann im Lauf der Ereignisse
angetrieben wird von wiederkehrenden Erinnerungen und gemeinsamen
Momenten. Meirelles stellt immer wieder Rückblenden in die Handlung ein
und die Grenzen zwischen Realität und Vergangenheit verschwimmt auch
etwas und zwar dann, wenn der Protagonist Zwiegespräche mit seiner
verstorbenen Frau führt. Die Handlung erstreckt sich über London und
Berlin immer wieder zurück in die Krisengebiete Afrikas. Meirelles
übersetzte die konkrete Prosa des Bestsellerautors in eine soghafte
Bildsprache, die in ihren besten Momenten beinahe schon etwas
hypnotische Wirkungskraft entfaltet. Konsequenterweise bietet der Film
weder Identifikationsfigur noch HappyEnd, sondern zeigt eine ungerechte
Welt gegen die der Einzelne machtlos erscheint. Zu sehr hat sich das
perfide Spiel der Ausnutzung von Schwachen und der gierigen Bereicherung
durch die Mächtigen schon verselbstständigt, am Ende genügen wieder ein
paar arme Einheimische, die sich ein bisschen Geld zum Überleben mit
einem Auftragsmord dazu verdienen können.
Der brisante
Politfilm spricht Verfehlungen der Globalisierungspolitik zu Lasten der
Dritten Welt an. In seiner Machart ist er ebenso engagiert wie
anspruchsvoll und vermeidet mögliche Klischees. Als Lohn gabs dann auch 4
Oscarnominierungen, darunter Rachel Weisz als beste Nebendarstellerin,
die den Preis am Ende auch gewinnen konnte. Sehr gelungen auch die
meditative Filmmusik von Alberto Iglesias und die Stimme des
afrikanischen Sängers Ayub Ogada.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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