Regie: Oliver Stone
Vom Dschungel verschluckt...
Das Gebiet, auf dem sich der Trupp der B-Kompanie bewegt, befindet
sich in der Nähe der kambodschanischen Grenze und spielt sich ganz nah
am Boden im Dschungel ab. "Platoon" von Oliver Stone spielt im Jahr 1967
und zeigt die Männer der 25. Infanterie, B-Kompanie an diesem Ort der
Hölle. Dort patrouillieren sie, kämpfen gegen den Feind und dort sterben
sie auch. Die meisten dieser Soldaten stammen aus ganz einfachen
Verhältnissen, für viele sogar war das Militär die einzige Chance ihrem
sozialen Status einen positiveren Impuls zu geben. Zuhause waren sie
Nichts, hatten weder Job noch ein sonstige Zukunftsperspektive. Es gibt
aber in der Army auch Idealisten wie der aus wohlhabenden Verhältnisse
stammende Chris Taylor (Charlie Sheen) der das College abbrach und sich
freiwillig zum Militäreinsatz in Vietnam meldete. Dementsprechend naiv
wird der Neuling auch von den erfahreren Soldaten des Platoons gesehen,
denn Neulinge werden generell am Anfang als Kanonenfutter angesehen. Um
zu überleben orientieren sich die "Frischlinge" an ihre erfahrenen
Sergeants, die schnell zu Vorbildern werden - der Überlebenstrieb
begünstigt diesen Mechnanismus. Zum einen kann man sich an einen
"Captain Ahab" Verschnitt halten, dieser Staff Sergeant Robert E. Lee
Barnes wird von Regisseur Oliver Stone als "böse" Figur gezeigt, die
allerdings einen ganz starken Überlebenswillen hat und diesen auch von
seinen Untergebenen einfordert. Barnes ist lange schon Soldat, hat ein
raues Aussehen, ein enorm vernarbtes Gesicht und wurde wohl bereits
siebenmal schwer verwundet ohne zu sterben. Die Soldaten kommen zum
Schluß, dass dieser Mann unbesiegbar ist und den Krieg überleben wird. Viele der Soldaten, so auch der soziopathische Bunny (Kevin Dillon) oder der routinierte Sergeant O´Neill (John C. McGinley) halten sich an Barnes. Dessen Gegensatz ist der gutmütige Sergeant
Elias Grodin (Willem Dafoe), der bei Oliver Stone die Rolle des
personifzierten Guten einnimmt. Von seinem Kontrahenten Barnes wird er
denn auch als "Kreuzritter" beschrieben, dem er allerdings keinen Sinn
für Realität zuschreibt, da er nicht so unbarmherzig agiert, wie die
Hölle es verlangt. Ausserdem verachtet Barnes diese ständig kiffenden
Kameraden, zu denen auch Elias gehört. Chris selbst ist bis zu der
Säuberung eines Dorfs hin- und hergerissen zwischen beiden Männern und
der damit verbundenen Einstellung. Als jedoch die Einheit bei einer
ihrer Patrouillen einen verlassenen Bunker und ein Tunnelsystem
entdecken, werden zwei Kameraden von einer Sprengfalle des Vietkong
getötet. Ein weiterer Mann fällt dem Feind zum Opfer und sehr schnell
ist für die Soldaten der Verdacht entstanden, dass das Dorf in der Nähe
gemeinsame Sache mit dem Vietkong macht. Es kommt bei diesen
Ermittlungen zu grausamen Verbrechen, Barnes schießt der Frau des
Dorfvorstehers in den Kopf. Nur Elias versucht den Wahnsinn zu stoppen,
doch er kann nicht verhindern, dass das Dorf abgefackelt wird und Frauen
vergewaltigt werden. Diese Grausamkeit sieht auch Chris, der dann auch
einschreitet. Elias macht Meldung und es könnte tatsächlich dazu führen,
dass man Barnes vor ein Kriegsgericht stellt. Doch dieser hat ganz andere Pläne...
Oliver
Stones "Platoon" war 1987 der große Gewinner der Oscarverleihung, er
gewann die Preise für den besten Film, beste Regie, bester Ton und
bester Schnitt und wurde weitere viermal nominiert: Bestes Drehbuch,
beste Kamera, beste Nebendarsteller Tom Berenger und Wilem Dafoe.
Darüberhinaus kann man einige heutige Filmgrößen wie Forest Whittaker oder Johnny Depp in ihren ersten kleineren Rollen sehen.
Stone
selbst verarbeitete in dem Film eigene Erlebnisse seiner Zeit in
Vietnam, er nahm das Vietnam Thema auch in seinen Nachfolgefilmen
"Geboren am 4. Juli" und "Zwischen Himmel und Hölle" wieder auf. Nach
"Rambo 2" und "Geboren am 4. Juli" ist der 1987 entstandene
Antikriegsfilm mit religiösen Inhalten der dritterfolgreichste
Kriegsfilm über den Themenkreis "Vietnam". Natürlich funktioniert der
spannende Film m.E. aber am besten als äusserst gelungener Thriller im
Dschungel des Krieges. Die allgegenwärtige Todesangst des einfachen
Soldaten wurde sicherlich hier am effektivsten dargestellt. Die Szene,
in der der totgeglaubte Elias vom Hubschrauber aus für die Kameraden
sichtbar wird und er sterbend die Arme in den Himmel hält, ist
sicherlich einer der nachhaltigsten und bekanntesten Filmszenen der 80er
Jahre. Man hat dabei das Gefühl, dass dieser Dschungel die Soldaten
aufsaugt und sie einfach darin verschwinden, als hätten sie nie
existiert. Der Film kann zu den großen Klassikern des 80er Jahre Kinos gezählt werden.
Bewertung: 10 von 10 Punkten.
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