Dienstag, 7. April 2015

Borat





















Regie: Larry Charles

Ein Kasache in Land der unbegrenzten Möglichkeiten...

Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu  machen - so der bedeutungsvolle Untertiel von "Borat", dem äusserst erfolgreichen Skandalfilm und Mockumentary aus dem Jahr 2006. Nach "Ali G in the House" war dies die zweite Hauptrolle von Multitalent Sacha Baron Cohen. Unter der Regie von Larry Charles landete der Film mit einem US-Einspielergebnis von 128 Millionen Dollar auf Platz 16 im Ranking des Kinojahres 2006. Weltweit wurde sogar ein Umsatz von 261 Millionen Dollar gemacht. Um dies zu erreichen, mussten die Macher ganz tief in die Provokationskiste greifen. Mit übersteigertem Brachialhumor und einem reichhaltigen Angebot an antisemitischer und frauenfeindlicher Botschaft gelang dies. "Borat" ist ein extrem umstrittener Film - die Bandbreite der Einschätzungen liegen zwischen "hervorragendem Meisterwerk" bis hin zu "dem nervigsten Schwachsinn aller Zeiten".  Sacha Baron Cohen spielt diesen Borat, ein Reporter aus Kasachstan – einem realen Land, das aber in der Filmversion wie ein Klischee oder gar eine Schreckensvision aussieht.  Genau wie sich ein dummer US-Bürger das Land auch vorstellt: Verfallene Häuschen, Ostblockklamotten aus den 70er Jahren, dicke Frauen, hässliche Männer – und gar nicht so lustige Bräuche wie das traditionelle "Running of the Jew" - vom Aussehen her ein Volksfest ala Pamplona, nur sind es keine Stiere, die die Volksmenge jagt, sondern Pappmache Juden, die auch noch Eier legen können.  X. Und vor AIDS schützt man sich mit Zigeunertränen, die man in einer kleinen Glasschale um den Hals trägt. Man kann es kaum glauben, aber dies hier ist nur der Anfang der Story und schon hier muss es klar sein:  Dieser "Borat" und die Handlung, die wir nun sehen, sind so dermaßen überzogen, dass man sich selbst lächerlich machen würde, wenn man ihn auch nur eine Sekunde lang ernstnehmen würde. Trotzdem gabs sogar zum deutschen Start eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Auch von der bekannten Roma Sängerin Esma Redzepova gabs eine Anzeige, da einer ihrer Songs ohne ihr Wissen in einem Film vorkommt, der Roma, Juden und Amis gleichermaßen verhöhnt. Diese negativen Schlagzeilen wirken sich bei einer solchen brachialen Komödie natürlich noch einmal mehr gewinnbringend aus und so feierte der unmögliche Reporter aus Kasachstan eines Siegeszug in den Kinos der Welt. Wir sehen wie Borat mit seinem Produzenten (Ken Davitian) ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten reist. Dort ist man schnell irritiert von den Gepflogenheiten der Kasachen. Im Hotel sieht er beim Zappen eine Folge von "Baywatch" und natürlich Pamela Anderson, in die er sich unsterblich verliebt. Statt in New York zu bleiben und ahnungslose Passanten distanzlos zu begrüßen oder sich sehr freundlichen jungen Männern anzuschließen, die ihn mit ins Hotelzimmer einladen, ändert Borat die Reiseroute und so beginnt das Roadmovie in Richtung Kalifornien. Dort will er Pam einen Antrag machen und sie heiraten. Kommt auch gut gelegen, weil seine Frau zwischenzeitlich in Kasachstan das Zeitliche gesegnet hat. Er trifft auf seiner Reise auf Waffenhändler, auf Rodeofans und muss sich in der High Society bewähren, von denen er zu einem Abendessen eingeladen wird. Es versteht sich von selbst, dass Borat eine Toilette, wie wir sie kennen, noch nie gesehen hat und auch mit der Papierrolle daneben kann er nichts anfangen...


klar, auch mit den ganz unmöglichen Schenkelklopfern durch derbe, deftige Szenen wird nicht gegeizt. So gibts auch noch einen Ringkampf mit seinem Reisebegleiter. Auch eine Übernachtung bei Juden kommt überraschend hinzu, was ihn dazu verleitet sich zum Schutz einen Bären zuzulegen, der fortan der dritte im Reisebus nach Kalifornien ist.  Der Film suhlt sich in seinem antisemitischen, fremdenfeindlichen, sexistischen Gehabe und die Macher haben sich sicherlich diebisch gefreut, was für einen Tumult sie damit auslösen konnten. Klar, man muss jezt selbst entscheiden, ob man es lustig findet, wenn Borat sich beispielsweise mit drei Feministinnnen (wie aus einem Bilderbuch Klischee entsprungen) unterhält und ihnen erzählt, dass ein Frauenhirn nicht größer ist als das eines Eichhörnchens. Die Amis selbst bekommen auch viel Breitseiten ab und in den galligsten Szenen outet er drei Collegestudenten, die ihn im Wohnwagen mitnehmen als ewig gestrige Minderheitenhasser, die wehmütig die Zeit vermissen als es noch Sklaven gab.  Am 15. Januar 2007 wurde Sacha Baron Cohen für seine Rolle in Borat in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller − Komödie oder Musical“sogar  mit dem Golden Globe Award ausgezeichnet. Bei der Oscarverleihung 2007 gabs immerhin eine Nominierung für das beste adaptierte Drehbuch. Eine weitere Wertschätzung für diese  groteske, vulgäre, unberechenbare und politisch unkorrekte Satire. Und wie äusserte sich schon Kurt Tucholsky auf die Frage was eine Satire darf ? Alles !

Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

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