Regie: Dan Gilroy
Das Auge der Nacht...
Dan Gilroy trat bislang als Drehbuchautor in Erscheinung. Auf sein
Konto gehen die Skrips der Filme "The Fall" (Tarsem Singh), "Real Steel"
(Shawn Levy) und "Bourne Vermächtnis" (Tony Gilroy, Dans Bruder). Für
seine neue Arbeit nahm er auch gleich Platz auf dem Regiestuhl. Gut so,
denn mit "Nightcrawler - Jede Nacht hat ihren Preis" lieferte er eines
der überzeugenden Regiedebuts des vergangenen Kinojahres ab. Dan Gilory
konnte sogar eine der begehrten Oscar-Nominierungen für sein Drehbuch
erlangen. Hauptdarsteller Jake Gyllenhal wurde immerhin bei den Golden
Globe mit einer Nominierung berücksichtigt. Bei der ehrwürdigen Academy
ging er aber leer aus. Das mag vielleicht damit zusammenhängen, dass er
seine Filmfigur Louis Bloom vielleicht in manchen Szenen zu künstlich,
zu überzeichnet oder gar grotesk angelegt hat. Bei näherer Betrachtung
ist diese Eigenheit aber auch eine der großen Stärken des Films. In
diesem Momenten erkennt man den Soziopathen, der sich bislang als
erfolgreicher neuer Geschäftsmann getarnt hat. Natürlich ist der Film in
seinen besten Momenten ganz Thriller, aber er übt auch Kritik am
Sensationsjournalismus. Filmisch steht er dabei als Nachfolger der
Klassiker "Reporter des Satans" (Billy Wilder, 1951) oder "Network"
(Sidney Lumet, 1976 in bester Verwandtschaft und Gesellschaft.
Die wohl bislang heftigste Kritik über den Sensationsjournalismus kam mit der verhängnisvollen Fahrt durch Paris in der Nacht des 31. August 1997.
Um 0 Uhr 25 verunglückte der Wagen von Lady Di und Dodi Al-Fayed in der
Alma Unterführung. Der Mercedes Benz prallte mit hoher Geschwindigkeit
gegen einen Tunnenpfeiler. Der angetrunkene Fahrer und Dodi starben noch
am Unfallort, Lady Di Stunden später im Krankenhaus. Immer wieder wurde
im Zusammenhang mit dem Unfall auch die rasende Meute der dem Mercedes
folgenden Paparazzi erwähnt.
Auch beim immer noch sehr aktuellen
Flugzeugabsturz des Germanwings Flug 9525 am 24. März 2015 hörte man
immer wieder auch in den Nachrichten von diesen Sensationsreportern, die
aufgrund ihrer Suche oder besser sogar Sucht nach dem spektakulärsten
Foto auch die Bergungsarbeiten der Einsatzkräfte behindert haben sollen.
Gilroys Film ist ein Beitrag zu dieser immer fataleren Entwicklung in unseren Medien, die Geld und Quote machen müssen.
Und
Jake Gyllenhals Louis Bloom ist deren Handlanger. Er ist vor seinem
Leben als "Nightcrawler" ein Typ, der sich mit kleinen Gaunerein über
Wasser hält und mit seinem rostigen Wagen durch Los Angeles fährt um
irgendwas zu klauen. Bei einem seiner Fahrten kommt er zufällig zu einem
Autounfall und bemerkt dort einen Kameramann (Bill Paxton), der
keinerlei Skrupel hat seine Kamera auf die Verletzten und Sterbenden auf
der Straße zu halten. Fortan ist eine Geschäftsidee geboren. Er tauscht sein gestohlenes Rennrad ein, um eine Kamera und ein Funkgerät zu
bekommen. Mit Letzerem kann er den Polizeifunk abhören, was ungemein
erleichtert, wenn man sehr schnell an eimem Ort sein muss, wo man gute
Fotos machen kann. Und was eignet sich dafür am besten: Brände, Unfälle,
Katastrophen, Schießereien...die Exklusiv-Fotos und Filme lassen sich
jedenfalls immer gut verkaufen. Langsam etabliert der harmlos wirkende
Louis sich als besonders rücksichtsloser und findiger Kameramann,
beliefert mit seinem exklusiven Bildmaterial von Unfällen und
Gewalttaten den Nachrichtensender KWLA in Los Angeles, bei dem die unter
Erfolgsdruck stehende Journalistin Nina Romina (Rene Russo, Ehefrau von
Dan Gilroy) das Sagen hat. Die Frau agiert auch häufig skrupellos und
erkennt, dass Louis sie die Erfolgsleiter weiter aufsteigen lassen
könnte - daher fördert sie sein Kaltblütiges Talent. Immer mehr wird
aber hinger der höflichen Fassade der Psychopath sichtbar. Louis ist
aber auch ein Kind seiner Zeit, er will Erfolg und Geld um jeden Preis -
als Geschätsmann weiß er, dass er rücksichtslos am stöärsten mitmischen
kann. Im Internet hat er sich Wissen über Management und
Betriebswirtschaft angelegt, das er in Verhandlungen anzuwenden weiß.
Und ja...er expandiert und stellt sogar einen Praktikanten an. Der
leichtgläubige Rick (Riz Ahmed) braucht dringend einen Job und so wird
er zu Louis Navigator, der ihn durch die Straßen von Los Angeles am
schnellsten zu den täglichen Katastrophen führen soll...
und
der Zuschauer wird von Dan Gilory auf eine höchst interessante Fahrt
mitgenommen, die sich auf dem Höhepunkt in einer Szene gipfelt, die zu
den spannendsten Film-Sequenzen der letzten Jahre gezählt werden darf.
Louis und sein Assistent sind in dieser Szene sogar vor der Polizei an
einem Tatort. Die Gangster sind sogar noch in dem Haus, in dem sie
gerade mehrere Menschen kaltblütig erschossen haben. Louis wittert trotz
des lebensgefährlichen Risikos die Chance mit diesem Film ganz nach
oben zu kommen. Grandios auch die Kamerafahren von Robert Elswitt
(Kameraoscar für "There will be blood") durch das nächtliche Los
Angeles, die Straßen wirken immer seltsam bedrohlich. Somit weißt "Nightcrawler" eine visuelle Stärke auf, was die düstere Aussage noch bedrückender werden lässt.
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