Regie: Scott Frank
Unter dem Grabstein...
Spätestens seit der Luc Besson Produktion "96 Hours"
(Originaltitel: Taken) sind die Qualitäten von Liam Neeson als
Actionstar unbestritten. Als Bryan Mills, der in Paris Jagd auf Albaner
und Araber macht, die seine Tochter entführt haben und sie als Jungfrau
in einer Auktion versteigern, war er enorm glaubhaft und darüberhinaus
gefiel der temporreiche Rachethriller durch den grimmigen Unterton. Es
folgten weitere überzeugende Vorstellungen in "The Grey" (Joe Carnahan)
und "Non Stop" (Jaume Collet-Sera). Auch sein neuer Thriller "Ruhet in
Frieden" mit dem viel besseren Originaltitel "A Walk among the
Tombstone" kann sich mehr als sehen lassen. Trotz der ruhigen Machart
sind Parallelen zu "96 Hours" erkennbar. Auch hier macht er Jagd auf
ziemlich böse Jungs. Die Geschichte beginnt im Jahr 1991. Damals war
Matt Scudder (Liam Neeson), der heute - acht Jahre später - als
Privatdetektiv arbeitet, noch ein Cop bei der Polizei. Sein Leben
verändert sich aber völlig durch eine Schießerei in einer Bar. Dort wird
der Besitzer vor seinen Augen von drei Gangstern erschossen. Es gelingt
Scudder zwei der Männer bei der Flucht zu erschießen, den dritten
schießt er ins Bein. Leider stirbt im Kugelhagel, den der Cop entfacht,
auch ein kleines Mädchen in den Armen ihrer weinenden Mutter. Für
Scudder ein Grund mit dem Alkohol aufzuhören und auch den Job an den
Nagel zu hängen. Acht Jahre später ist er clean, aber nicht glücklich.
Er arbeitet als Privatdetektiv. Peter (Boyd Holbrook), ein Junkie, den
er bei den anomymen Alkoholikern kennengelernt hat, bittet ihn darum,
dass er seinem Bruder, dem Drogendealer Kenny Kristo (Dan Stevens)
behilflich sein soll. Er soll die Entführer und Mörder seiner Frau
finden. Bei seinen Recherchen wird der Detektiv von dem obdachlosen
Jungen TJ (Astro) unterstützt. Sehr schnell findet er Parallelen zu
einem weiteren grausamen Mord. Wie Kenny war auch der Mann des anderen
Opfers ein Drogendealer.. Als er den Friedhofswärter Loogan (Olafur
Darri Olfafsson) befragt, bemerkt er, dass dieser scheinbar etwas zu
verbergen hat.
Inzwischen sind die beiden Entführer Ray
und Albert (David Harbour und Adam David Thompson auf der Suche nach
weiteren Opfern. Sie beobachten in ihrem Wagen das Haus des
Drogenhändlers Yuri Landau (Sebastian Roche). Da dessen Frau bettlägerig
ist, kommt sie nicht als Objekt ihrer perversen Tötungsfantasien in
Betracht. Aber Yuris hübsche 14-jährige Tochter Ludmilla (Danielle Rose
Russell) passt perfekt ins Beuteschema. Sie wird entführt. Für Scudder
läuft die Zeit davon...
Liam Neeson in der Paradereolle des
Ermittlers mit einer düsteren Vergangenheit. Regisseur Scott Frank hat
aber auch ein Auge dafür die verstörenden Abgründe erkennbar zu machen.
Für sein Drehbuch zu Soderberghs "Out fo Sight" wurde er für den oscar
nominiert. Auch das Drehbuch zu "Minority Report" stammt von ihm. Mit
dem sehr gelungenen Thriller "Die Regeln der Gewalt" gab Scott Frank
sein vielversprechendes Filmdebüt, mit seinem neuen Film "Ruhet in
Frieden" ist ihm ein gleichwertiger sehr guter Genrefilm geglückt.
Basierend auf dem Roman von Lawrence Block ist ihm ein perfekter
Noir-Thriller gelungen, der in allen Nebenrollen bestens besetzt ist.
Natürlich bietet die Geschichte nicht viel Neues, aber sie präsentiert
klassisches Thrillerkino auf hohem Niveau und begeistert durch den
gebrochenen Helden, der immer tiefer in die perverse Welt seiner Gegner
eintauchen muss und am Ende zum grimmigen Racheengel wird. Tolles
Genrekino.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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