Regie: Oliver Stone
Ein Reporter im Krisengebiet...
Oliver Stones Politthriller "Salvador" entstand kurz vor seinem
Oscartriumph und Welterfolg "Platoon" im Jahr 1986. Dem Film war an der
Kasse kein großer Erfolg beschieden. Er spielte lediglich 1,5 Millionen
Dollar ein, entwickelte sich aber im Fahrwasser von Stones Nachfolger zu
einem Kritikerliebling. Auch heute - mehr als 30 Jahre danach - gilt
"Salvador als eine von Oliver Stones überzeugendsten Arbeiten. Zur Zeit
seines Entstehens waren Politthriller mit Journalisten als Helden gerade
in Mode, wie zum Beispiel "Under Fire" (Roger Spottiswoode, 1983 - über
die Revolution in Nicaragua), "Ein Jahr in der Hölle" (Peter Weir,
1982 - Jakarta in den 60ern), "Killing Fields" (Roland Joffe, 1984 -
Rote Khmer in Kambodscha. In "Killing Fields" berichtet der US-Reporter
Sidney Schanberg für die New York Times und erleebt den Genozid und
erhält im Jahr 1976 den Pulizer Preis für seine Berichterstattung über
den Kambodschanischen Krieg.
Der Reporter Richard Boyle, gespielt von James Woods, hat auch
immer einen Spruch über seinen berühmten Kollegen auf Lager "als der den
Pulizer Preis entgegen nahm, war ich immer noch als einer der letzten
in einem Krisengebiet" und auch sonst ist er nicht der zuverlässigste
Journalist. Mit vielen Auftraggebern hat er es sich aufgrund seiner
Unzuverlässigkeit schon verschwerzt, aber er kennt sich im Krisengebiet
Salvador gut aus. Dort hat er vor seiner beruflichen und privaten
(Eheprobleme) Krise ein paar bemerkenswerte Berichte gemacht, die sogar
der Militärdiktatur gefielen. Nun kratzt er seine letzten Ersparnisse
zusammen, überredet seinen besten Freund Doctor Rock (Jim Belushi)
dorthin zu reisen, um wieder in seinem Metier durchzustarten.
Dabei soll auch Wein, Weib und Gesang nicht zu kurz kommen. Boyle
hat dort sogar eine Zweitfrau, die Maria (Elpidia Carrillo) heißt und
auch Doc soll voll auf seine Kosten kommen. Doch in Salvador braut sich
immer mehr eine Katastrophe zusammen. Die Militärdiktatur unterdrückt
immer mehr und die Opposition wird immer stärker. Bereit zum
Gegenschlag. Doch Boyle weiß auch, dass sein Heimatland die USA die
Diktatur unterstützt. Immerhin will der liberal gesinnte Botschafter
Kelly (Michael Murphy) sich dafür einsetzen, dass sich im Land etwas für
die Unterdrückten verbessert.
Was so aussah wie das ultimative hedonische Ferienparadies mit
billigem Sex, Drugs and Rockn Roll entwickelt sich zum Mittelpunkt eines
hässlichen Bürgerkriegs.
Boyle wird Zeuge für die schlimmste Art der
US-Außenpolitik und dem Zuschauer gibt der politische Chronist Oliver
Stone eine Geschichtslektion mit, die von der offiziellen Version
deutlich abweicht. Gleichzeitig bezieht Stone politisch Stellung und
stellt sich auf die Seite der linken Opposition. Am Ende wird "Salvador"
sogar sehr aufwühlend, denn trotz der gelungenen Flucht aus El Salavdor
ist die Hürde der Einreise in die USA noch nicht vollzogen. Boyle in
Begleitung seiner Maria, dann wird der Bus kontrolliert. Und zeigt auch
wie nahe sich die Ereignisse in Stones Film doch mit der heutigen
Wirklichkeit verbinden. Eine Mauer gegen die Einwanderung soll erbaut
werden. Sehr eindrücklich auch die Szene, in der Erzbischof Oscar Romero
einem Attentat von rechtsextremen Nationalisten zum Opfer fällt.
Auch die erschütternde Ermordung von vier amerikanischen Nonnen
wird gezeigt. Der Fotograf John Cassidy, gespielt von John Savage (Die
durch die Hölle gehen, Hair) jagt derweil dem perfekten Bild nach - ein
Bild, dessen Veröffentlichung dann alles über diese Katastrophe aussagen
soll. Er wird diesen Einsatz mit dem Leben bezahlen. "Salvador" erhielt
2 Oscarnominierungen: James Woods als bester Hauptdarsteller sowie die
Drehbuchautoren Oliver Stone und Rick Boyle.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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