Freitag, 1. März 2019
Utoya: 22. Juli
Regie: Erik Poppe
Die Opfer des Massakers...
Der 22. Juli 2011 ging durch das Massaker des norwegischen Rechtsextremen Anders Behring Breivik in die Geschichte ein. Er verübte an diesem Tag den Aschlag vor dem Bürogebäude des Ministerpräsidenten durch eine Autobombe, um anschließend mit einer Selbstladebüchse Ruger Mini 14 auf der Insel Utoya in einem Feriencamp der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei 69 Menschen, fast alles Jugendliche, zu erschießen. Mit den 8 Toten in Oslo starben an diesem Tag durch diesen Terrorakt 77 Menschen. Das Massaker auf der Insel dauerte 90 Minuten. Auch die Überlebenden sind durch dieses traumatische Erlebnis zu Opfern geworden. Der Überlebenskampf wurde zu einer Art russischem Roulette, die flüchtenden Teenager wussten lange nicht, was diese Schüsse bedeuten. Sie gingen zuerst - trotz extremer Panik - von einer Übung aus. Doch es war alles andere als eine Übung. Breivik schoß wahllos auf die Menschen, die alle planlos das Weite suchten, um sich zu verstecken.
Doch die Insel Utoya hat nicht viel Möglichkeiten, um sich gut verstecken zu können. Die meisten der jungen Menschen versuchen sich vor den Schüssen am Ufer in Sicherheit zu bringen. Dort gibts felsige Abhänge und man findet dort vielleicht einen Platz, wo man von oben - vom Killer - nicht gesehen wird.
"Utoya. 22 Juli" ist ein Film von Erik Poppe, der vor allem durch die ungewöhnliche Kamera-Arbeit sofort auffällt. Kameramann Martin Otterbeck folgt mit seiner Kamera den Protagonisten ganz nah auf Schritt und Tritt und das Geschehen ist immer dicht und mittendrin im Geschehen. Der Attentäter wird dabei nie gezeigt, man hört nur die Schüsse - manchmal eher etwas in der Ferne, dann wieder ganz nah. Und die Kamera blickt dann in die angstvollen Gesichter der Teenager, die sehr bald wissen, dass der Tod sie verfolgt an diesem Sommertag.
Hauptfigur ist die junge Kaja (Andrea Berntzen), die schon öfters im Camp war. Diesmal hat sie aber ihre jüngere Schwester Emilie (Elli Rihannon Müller Osborne) mitgenommen. Viele der Jugendlichen haben per Handy gerade von den Anschlägen in Oslo gehört. Kajas Freundin Caroline (Ada Eide) macht sich Sorgen, weil ihre Mom im Regierungsviertel arbeitet. Und Sissa (Sorosh Sadat) hofft, dass keine Moslems hinter dem Anschlag stecken. Die Schwestern streiten ein bisschen. Kaja verlässt das Zelt und geht zur Clique von Petter (Brede Fristad). Auf dem Weg dorthin macht sie Bekanntschaft mit Magnus (Alexsander Holmen). Dann hört man in der Ferne schon erste Schüsse...
Im Laufe der lebensbedrohlichen Flucht versucht Kaja ihre Schwester wiederzufinden. Sie trifft auf den verstörten Tobias (Magnus Moen), der seinen Bruder sucht und später auf ein sterbendes Mädchen (Solveig Koloen Birkeland), ein besonders bedrückender Moment in dieser auswegslosen Situation. Da der Regisseur versucht hat ein Echtzeitszenario nachzustellen kommen auch erst ganz gegen Ende die ersten rettenden privaten Boote, um einige der Jugendlichen in Sicherheit zu bringen. Die subjektive Kamera fängt alles mit den Augen der Opfer ein. Der Täter ist nur schemenhaft durch die Bäume von der Ferne zu sehen. Lobenswert ist diese einfühlsame Inszenierung allemal und man kann sich durch die Machart sehr schnell in die Situation einfühlen, man erkennt sofort "Das muss die Hölle gewesen sein". Für die innovate Arbeit Otterbecks gabs als Belohnung den europäischen Filmpreis für die beste Kameraführung.
Bewertung: 7,5 von 10 Pubnkten.
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