Regie: Gustav Möller
Am Notruf-Telefon...
Mit dem kammerspielartigen "The Guilty" bewarb sich Dänemark um den
Oscar für den besten fremdsprachigen Film 2019. Der Film von Gustav
Möller schaffte es sogar als einer von neun Filmen in die Shortlist,
doch der Sprung in die offiziellen fünf Nominees gelang ihm nicht.
Tatsächlich ist "The Guilty" (Originaltitel: Den Skyldige) eher
ungewöhnlich, denn die 85 Minuten Laufzeit müssen weitestgehend von
einem Darsteller bestritten werden.
Als Polizist Asger Holm ist Jakob Cedergren zu sehen. Damit tritt
der 1973 geborene dänische Schauspieler in die Fußstapfen von ähnlich
konzipierten Kinofilmen wie "Cast Away" (Tom Hanks), "All is lost"
(Robert Redford), "127 Hours" (James Franco), "Moon" (Sam Rockwell),
"Buried" (Ryan Reynolds) oder "No Turning Back" (Tom Hardy) und das
Ergebnis mit diesen minimalen Mitteln kann sich sehen lassen.
Wobei diese One Man Shows für den Zuschauer schon eine gewisse
Herausforderung bedeuten. Denn es schleicht sich schnell der Gedanke
ein, mit welchen Einfällen man noch zu rechnen hat. Denn es könnte
vielleicht etwas Langeweile aufkommen - wenn man als Augenzeuge nur
zuhören kann, wie der Polizist Asger im Innendienst einer Notrufzentrale
agiert. Er schiebt dort Dienst und der ist auch bald vorüber. Im
Hintergrund ist lediglich Asgers Kollege (Morten Thumbo) zu sehen und
Asgers Vorgesetzte (Maria Gersby) rügt Asger, weil sie glaubt, dass er
ein Privatgespräch führt.
In der Notrufzentrale kommen die verschiedensten Anrufe herein.
Einer davon ein junger Typ, der eine Überdosis Drogen genommen hat und
in diesem Zustand nicht mal seine Adresse nennen kann.
Dann meldet sich Iben - eine verzweifelte Frau, die scheinbar von
einem Mann entführt wurde, der ein Messer mit sich trägt und nun mit der
Frau Richtung Norden auf der Autobahn fährt. Iben kann mit dem
Polizeibeamten telefonieren, weil sie so tut als würde sie mit ihrer
kleinen Tochter Mathilde sprechen. Diese ist alleine mit ihrem kleinen
Brüderchen zuhause und hofft, dass ihre Mama bald wieder nach Hause
kommt. Asger setzt alle erdenklichen Hebel in Bewegung, dass das Auto
von einer Streife angehalten wird. Er versucht auch noch seinen Kollegen
Rashid wegen dieser Entführung ins Boot zu holen. Beide - so erfährt
der Zuschauer - sind morgen geladene Zeugen vor Gericht. Der
Innendienst, den er schieben muss, scheint eine vorläufige
Strafversetzung zu sein. Dann ist Dienstschluß. Aber Asger macht weiter,
um Iben zu helfen...
Als bestes Erstlingswerk wurde "The Guilty" auch für den
europäischen Filmpreis nominiert, unterlag aber den belgischen Film
"Girl". Jakob Cedergren macht seine Sache im Alleingang gut, er ist aber
auf gewisse Wendungen und Überraschungen angewiesen, die die Geschichte
braucht, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Regisseur Gustav Möller
schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Emil Nygaad Albertson.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
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