Donnerstag, 19. Januar 2017
Juice - City War
Regie: Ernest R. Dickerson
Abstieg und Aufstieg....
Gute Filme müssen nicht viel Geld kosten - dies trifft auch auf den 1992 entstandenen Ghettofilm "Juice - City-War" (Original: Juice) von Ernest R. Dickerson zu. Es war das Regiedebüt des Kameramanns von Spike Lee, der seine cinematographischen Talente bereits in "She´s gotta have it", "Do the right thing", "Jungle Fever", Mo´Better Blues" und "Malcolm X" in Anspruch nahm. Dickersons Film schildert das Leben von vier Jugendlichen, die alle in Harlem aufwachsen. Das junge Männerleben braucht viel Machogehabe um im Viertel akzeptiert zu werden. Jeden Tag ist man mit der starken Präsenz der Polizei konfrontiert, in den Familien gibts Trouble und draussen regieren die Banden. Ein harter Überlebenskampf, bei dem nur die Starken die Oberhand haben. Und langsam werden Bishop (Tupac Shakur), Raheem (Khalil Kain), Quincy, der sich Q nennt (Omar Epps) und Steel (Jermaine Hopkins) erwachsen. Die vier Freunde schwänzen regelmässig die Schule und nennen sich als brüderliche Gemeinschaft "The Wrecking Crew". Am meisten hängen sie den örtlichen Spielhallen ab und klauen Schallplatten, vor allem für Q, der von einer Karriere als DJ träumt. Er ist zwar schon so etwas wie eine Lokalgröße, aber ein DJ Wettbewerb, der bald stattfindet, könnte ihn die Karriereleiter etwas schneller hochklettern lassen. Er ist auch derjenige des Quartetts, der sich eine bessere Zukunft als die vorprogrammierte Gangsterkarriere vorstellen könnte. Da eine Puerto Ricaner Gruppe unter der Führung von Radames (Vincent Laresca) das große Wort auf der Straße führt, ist der Aggressionspegel dementsprechend erhöht worden. Zusammen sind die stark und so lauern sie Bishop auf und zeigen eindrucksvoll wer das Sagen hat. Ausserdem machen sie fiese Bemerkungen über dessen Vater, der im Gefängnis saß. Er soll ein sexuelles Opfer für die stärkeren Knackis gewesen sein und es hätte ihm dann auch noch Spass gemacht haben. Bishop kann seinen Frust und seine Wut nur noch schwer unterdrücken. Ohne Q entscheiden die anderen drei Freunde, dass sie größere Dinger drehen müssten, um den Respekt im Ghetto zu gewinnen. Der Drugstore in der Nähe soll das Ziel ein. Alles soll sehr schnell gehen. Alibi wäre auch kein Problem, denn gerade an diesem Abend ist der DJ Contest und man hätte nach dem ersten Auftritt von Q genügend Zeit schnell zu verschwinden. So geschieht es auch. Aber Bishop, der eine Waffe hat, sieht plötzlich rot und erschießt den Ladenbesitzer. Es kommt aber noch schlimmer...
"Juice" bekam nach dem tragischen Tod von Tupac Shakur etwas mehr Aufmerksamkeit. Der LowBudget Film spielte aber in den USA akzeptable 20 Millionen Dollar in den USA ein. Das ist zwar weniger wie die bekannteren Ghettofilme "Boyz in the Hood", "New City Jack" oder "Menace II Society", kann sich aber dennoch sehen lassen. Auf jeden Fall ist Dickerson ein starker Vertreter des Black Cinema gelungen, der vielleicht sogar mehr Genrefilm ist als der dramatische "Boyz N the Hood", der Anfang der 90er Jahre ein Comeback des Genres einleitete. Dickerson vermeidet Botschaften und zeigt das Viertel so wie es ist. Die Schlußszene ist überraschend, aber dennoch konsequent und erinnert noch einmal kurz daran, dass Omar Epps eine sehr überzeugende Leistung bot. Ob er nun Kult-DJ wird ist fraglich, wenn man ihn als König des Viertels ansieht. Beängstigend real auch die Figur, die Tupac spielt - ein junger Mann, der immer mehr erkennt, dass er nur Hass in sich hat. Die Freunde als letzter Halt - er zerstört diesen, weil er sich selbst zerstören muss. Angereichert wird der düstere Coming of Age Ghetto Film mit einem tollen Sound, u.a. mit Cypress Hill, Naughty by Nature, Erik B. & Rankim, SaltnPepa, EPMD oder Big Daddy Kane.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Straight outta Compton
Regie: F. Gary Gray
Die Sounds von Compton....
Das Biopic ist eines der ältesten Filmgenres und in Hollywood nach wie vor beliebt, denn die Wahrscheinlichkeit auf der Liste der Oscar-Nominierten zu stehen ist nicht klein. . Meistens wird im Biopic vorausgesetzt, dass die dargestellte Person gesellschaftliche Relevanz besitzt. "Straight outta Compton" ist aber auch ein Film des Black Cinema und diese Vertreter haben es bei der Vergabe der Academy Awards immer etwas schwerer. So sprang für den Film über die HipHopGruppe N.W.A. nur eine Würdigung für das Drehbuch von Jonathan Herman, Andrea Berloff, S. Leigh Savidge und alan Wenkus heraus. Der Regisseur F. Gary Gray ging leider genauso leer aus, wie die bemerkenswerte Darstellerriege O´Shea Jackson jr, Corey Hawkins oder Paul Giamatti.
Compton ist dieser berüchtigte Vorort der Metropole Los Angeles. Mit rund 95.000 Einwohner hat der Ort immer noch eine der höchsten Kriminalitätsraten der Staaten. Compton liegt ungefähr 20 km südlich vom Zentrum L.A. entfernt und gehört zu den Ursprungsorten des Gangsta-Rap. Durch die HipHop Band N.W.A. wurde die Stadt weltweit bekannt.
Mitglieder der legendären Crew waren Arabian Prince (Brandon Lafourche), der die Band gleich nach dem ersten Album "Straight outta Compton" verließ, Dr. Dre (Corey Hawkins), Eazy-E (Jason Mitchell) und Ice Cube (O´Shea Jackson jr.). Später kamen noch DJ Yella (Neil Brown Jr.) und McRen (Aldis Hodge) dazu. In der ersten Szene zeigt der Regisseur drastisches aus dem Alltag in Compton. Im Jahr 1986 ist Eazy-E ein Drogendealer, Dr. Dre hat Ambitionen ein berühmter DJ zu werden und Ice Cube ist ein junger Rapper, der realistische Lyrics aus dem Ghetto verfasst. Eazy-E kann gerade noch flüchten, denn das Drogenhaus, in dem er sich aufhielt, wird gerade von der hiesigen Polizei mit massivsten Geschützen gestürmt. Im Grunde haben die Jungs im Viertel das Leben hier satt, aber nur wenigen gelingt der Ausbruch aus dieser alltäglichen Hölle - Schwarze erschießen Schwarze, Schwarze dealen mit Drogen, die Methoden der Polizei haben sich wunderbar an die Umgebung angepasst. Es herrscht täglich Krieg und auch Rassismus. Die Jungs beschließen Musik zu machen und damit Kohle zu verdienen....HipHop und Rap kommt direkt aus diesen sozialen Brennpunkten und der Sound ist ein Ventil den Frust und die Wut loszuwerden. Aufbauend auf Funk und Soul kommt der Sprechgesang dazu, das Samplen und das Scratchen sind weitere Merkmale. Musikalisch gabs natürlich Wegbereiter und Vorbilder für die Jungs von N.W.A. - zu nennen wären Grandmaster Flash und auch Public Enemy. Aber was die Einzigartigkeit von N.W. A ausmacht sind die politisch brisanten Lyrics....auf dem ersten Album schildern sie teilnahmslos und ohne moralische Positionierung Kriminalität und Gewalt. Die Polizei kommt in den Texten alles andere als gut weg. Der Musikproduzent Jerry Heller (Paul Giamati) erkennt sofort das Potential dieser Musik und mit Drogengeld wird das Label "Ruthless Records" gegründet. Jerrys Devise heißt aber "Zuerst ich und dann lange nichts und dann erst die anderen" und so ist der Streit in der Crew schon vorgezeichnet. Ausserdem müssen sich N.W.A. mit dem FBI herumschlagen und es gibt Schicksalsschläge, die man meistern muss. So stirbt Dr. Dres Halbbruder Tyree (Keith Powers) bei einer Schlägerei und bald verlässt Ice Cube enttäuscht die Band. Als Solokünstler übertumpft er den Erfolg von N.W.A. Auch Dr. Dre versucht es Solo und produziert Talente wie Snoop Dog (Keith Stanfield) oder Tupac (Marc Rose). Nur Eazy bleibt bei seinem Mentor Jerry. Er strebt eine Wiedervereinigung an, doch sein Aids-Tod 1995 macht diesen Wunsch unmöglich...
Natürlich lag es auch am Thema, aber F. Gary Grays Films ist natürlich auch politisch relevant. Es ist sehr interessant diesen Werdegang von Ghettoboys zu Superstars des HipHops zu begleiten. Man gewinnt schnell einen Einblick bzw. Durchblick warum die Identifizierung mit dieser Musik so schnell gelingen konnte, trotz oder gerade wegen dieser "Expilcit Lyrics". Nicht nur die Afroamerikaner fühlten sich angesprochen... auch junge weiße Amerikaner waren von diesem Gangsta Rap der N.W.A. fasziniert - sicherlich lag es daran, dass das Leben auf den Straßen des Viertels nicht mehr kritisch kommentiert wurde, sondern entweder nihilistisch bis hedonistisch preisend dargeboten wurde. Kritiker werfen dieser Musikrichtung natürlich bis heute vor, die Gewalt zu verherrlichen, anstatt konstruktiv dagegen anzugehen. Die Angegriffenen wehrten sich meist mit dem Argument, dass sie die Zustände in den Ghettos abbildeten, und wem diese nicht gefielen, der müsse die Zustände verändern.
Der Film spielte in den USA über 60 Millionen Dollar ein. Durch die politische Relevanz und durch ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble ist "Straight outta compton" ein wichtiger Vertreter des Black Cinema.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
Straße zum Jenseits
Regie: Barry Shear
Jenseits der 110ten Straße....
"Across 110th Street" heißt in der deutschen Version "Straße zum Jenseits und entstand im Jahr 1972 unter der Regie von Barry Shear. Der Film wird dem Blaxploitation Genre zugerechnet, das eine Blütezeit in den frühen 70ern hatte. Dies war auch ein Verdienst des Films "Shaft", der ein Welterfolg war und andere Genregranaten wie "Mandingo", "Foxy Brown" oder Blacula" nachfolgen ließ. Der Name "Blaxploitation" ist ein Kofferwort aus "Black" und "Exploitation" - also Filme von und mit Afroamerikanern, versehen mit expliziten Darstellungen und vor allem billgen Herstellungskosten.
Für "Across 110th Street" konnte aber ein großer Altstar des klassischen Hollywoods für die Hauptrolle gewonnen werden: Anthony Quinn. Und wie der gleichnamige Titelsong von Bobby Womack und J. J. Johnson bereits eindrücklich vermittelt spielt die Geschichte in Harlem...und zwar jenseits der 110ten Straße. Dort in den dunklen Gassen und dreckigen Wohngegenden haben die Menschen ohne Hoffnung auf Besserung ihrem ärmlichen Alltag nach...viele dort sind bereit für ein bisschen Kohle alles zu tun. In dieser Gegend ist der Rassismus noch allgegenwärtig und auch Captain Matelli (Anthony Quinn) ist da keine Ausnahme.
Die 110te Straße teilt die Territorien der italienischen Mafia unter der Führung des Paten Don Genarro (Frank Macetta) und des schwarzen Mobs in New York, wo der Gangsterboss Doc Johnson (Richard Ward) das Sagen hat. Bei einem Deal zwischen den beiden Parteien in Harlem kommt es zu einem Überfall durch ein unbekanntes Trio. Die als Polizisten verkleideten Männer wollen nur das Geld und dann verschwinden. Es kommt leider zu einem regelrechten Blutbad. Nun sind die drei schwarzen Nobodys Jim Harris (Paul Benjamin), Joe Logart (Ed Bernard) und Henry J. Jackson (Antonio Fargas) zwar 300.000 Dollar reicher, aber auch die Mörder von Mitgliedern der Mafia und des Mobs. Zu allem Unglück wurden auch noch zwei Polizeibeamten niedergeschossen, was natürlich deren Kollegen vom Revier besonders engagiert in der Suche nach den Mördern macht. Don Genarro schickt seinen Bluthund Nick D´Salvio (Anthony Franciosa) ins Geschehen. Der Auftrag: Ganz schnell die Schuldigen und das Geld zu finden. Auf der Seite des Gesetzes agiert der alteingesessene, für brutale Methoden berüchtigte Mattelli - der hat auch schon Schmiergelder von Doc Johnson angenommen. Er wird jedoch etwas ausgebremst, weil der idealistische dunkelhäutige Lieutenant Pope (Yaphet Kotto) mit dem Fall betraut wird. Beide versuchen einigermassen miteinander auszukommen, doch es schimmert von Seiten Mattelli immer wieder seine rassistischen Ressentiments durch...
Der Regisseur Barry Shear hat großen Wert auf die Charakterzeichnungen gelegt. So werden auch die Gründe der drei Männer offenbart, die den Überfall machten und der dann so derart aus dem Ruder lief. Es sind Männer, die einfach den Wunsch hatten soviel Geld aus einem Coup zu machen, um damit endlich ohne Sorgen leben zu können. Doch sie sind auch sehr naiv und dumm. Besonders die Figur, die von Antonio Fargas verkörpert wird, der mit seiner Kohle gleich den großen Macker in den Bars spielt, Frauen und Drogen kauft und schnell auf sich aufmerksam macht. Es wird sichtbar, dass sie auch gute Seiten haben. Überhaupt verschwimmen in "Across 110th Street" die Grenzen von Gut und Böse, wie auch der von Anthony Quinn gespielte korrupte Rassist Mattelli zeigt. Ein verdammt guter Polizist, aber auch zu ganz fiesen Methoden bereit....es ist schwer für den korrekten Pope sich zu arrangieren, doch irgendwie funktioniert ihre Zusammenarbeit immer besser. Das Ende beweist die dramatischen Qualitäten des Films.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
Sonntag, 15. Januar 2017
Ben Hur
Regie: Timur Bekmambetow
Es braucht eine Portion Wahnsinn um eine heilige Kuh zu schlachten...
Als ich hörte, dass es eine Neuverfilmung des großen William Wyler Klassikers "Ben Hur" gibt, habe ich mich sehr gefreut. Aber die ersten Kritiken ließen schon erahnen, dass das Update eines der besten Monumentalfilme gescheitert war. Und zu diesem Urteil komme ich nun auch, nachdem ich die Version von Timur Nuruachitowitsch Bekmambetow (Wächter der Nacht, Wächter des Tages, Abraham Lincoln Vampirjäger, Wanted) gesehen habe.
Mit 124 Minuten Laufzeit hat Bekmambetow eine sehr abgespeckte Version des Romans von Lew Wallace inszeniert - diese Kürzungen konnte er erreichen durch sehr viele Veränderungen an der Geschichte. Im Vergleich dazu hatte William Wyler mit seiner imposanten Laufzeit von 222 Minuten den entscheidenden Vorteil den Geist der literarischen Vorlage hervorragend zu treffen - auch wenn das Buch von Lew Wallace inhaltlich viele historische Fehler aufweißt.
William Wylers Film war momumental und überlebensgroß und konnte auch in den religiösen Anteilen (Heilung durch ein Wunder, Begegnung mit Jesus Christus, Überwindung von Hass) überzeugen. Für den ganz normalen Kinogänger war und ist bis heute aber das berühmte Wagenrennen das Herzstück und der Höhepunkt des Wyler Films.
Und hier hat Timur Bekmambetow auch eine ganz gute Variante gedreht, die ist zwar nicht besser geworden, aber sie kann immerhin als gelungen angesehen werden. Ebenso die Action auf der Galeere.
Leider erreicht der Bruderkrieg von Judah Ben Hur und Messala Severus nie die Intensität, die es braucht. Vielleicht hat Bekmambetow die verborgenen eifersüchtigen und verletzten Gefühle von Messala vergessen - hier kommt Stephen Boyd als Widersacher viel besser als Toby Kebell zur Geltung, denn man nimmt ihm ab, dass er schwer getroffen ist von der Entscheidung seines besten Freundes ihm nicht zu helfen. Später hat Wyler ja auch mal erzählt, dass Boyd angewiesen wurde so zu spielen als hätte er mehr als nur freundschaftliche Gefühle für seinen Freund. Und ich glaube das war auch das verborgene Geheimnis des Erfolgs. In der neuen Version ist eindeutig festgelegt, dass Mesalla Ben Hurs Schwester Tirzah (Sofia Black D´Eliah) liebt. Dies macht dann auch die Verurteilung der Familie etwas sonderbar, denn so muss Messalla den Kreuzigungstod seiner Geliebten befehligen.
Leider ist Jack Huston kein Charlton Heston. Der gewann seinen Oscar für sein markantes Spiel wirklich nicht unverdient - auch wenn er in direkter Konkurrenz zu der hervorragenden Leistung von James Stewart in Otto Premingers "Anatomie eines Mordes" stand. Huston wirkt wirklich etwas farblos und dann fallen zur "Feier des Tages" seine langen Haare am Tag des Wagenrennens zum Opfer und Ben Hur erscheint auf seinem Pferdegespann mit einer adretten Kurzhaarfrisur. Am Vortag hatte er den Schock seines Lebens, denn er erfuhr, dass Mutter (Ayelet Zurer) und Schwester doch noch leben - aber an Lepra erkrankt sind und ihn fortjagten, weil sie nicht wollten, dass er sie so sieht. Ob man an einem solchen Tag noch ans Haareschneiden denkt ?
Dies ist eines der Beispiele warum die epische und ruhige Erzählweise glaubwürdig ist und Bekmambetows Kürzungen zu Logikbrüchen führen. Toby Kebell macht seine Sache gut - auch Morgan Freeman als Scheich Ilderim ist eindeutig ein Pluspunkt. Wichtige Szenen des alten Films lässt der russische Regisseur weg - die Rettung des Quintus Arius fehlt, daher wird Juda Ben Hur auch nicht adoptiert und römischer Bürger. Esther (Nazanin Boniadi) ist schon Judas Frau, sie flieht bei der Gefangennahme der Familie und hat auch keine Ahnung, dass Naomi und Tirzah noch am Leben sind. Sie kümmert sich aber um Aussätzige.
Die Jesus (Rodrigo Santoro) wird in den frühen Szenen sehr gut dargestellt, für die Kreuzigung und anschließende Heilung bleibt wenig Zeit, daher wirkt diese sprituelle Schlüsselszene extrem hektisch und am Schluß nimmt der Film das Verzeihen dann doch eine Spur zu unglaubwürdig. Man vermisst den Wandel der Hauptfigur vom Freund zum Feind...und der Wandel von Hass zum Glaube. Dies alles wirkt am Ende sehr uninspiriert. Schade, ich war im Vorfeld mit viel Freude, aber ohne große Erwartungen gespannt auf diese Neuverfilmung. Es war mir klar, dass der Wyler Film nie zu toppen ist. Daher bin ich jetzt auch nicht ganz enttäuscht - wenn man weder Buch noch frühere Verfilmungen kennt, dann wird man immerhin mit "Ben Hur 2016" ganz nett unterhalten. Die Geschichte selbst ist so gut, dass man sie nicht völlig in den Sand setzen kann. Aber ich hätte mir doch viel mehr gewünscht, dass die Figuren besser zur Geltung kommen und auch die Geschichte den roten Faden "Mann lernt zu hassen und erlebt durch Christus eine Wandlung" markant vermitteln kann. Dies ist aber nicht der Fall. Schade.
Bei geschätzten 100 Millionen Dollar Produktionskosten hat der Film weltweit bislang nur knapp 95 Millionen Dollar wieder eingespielt. Ein kommerzielles Destaster für die Produzenten. Die Wyler Verfilmung dagegen steht in den inflationsbereigten All Time Charts der kassenträchtigsten Filme immer noch auf Platz 14 - noch vor "Avatar", "Jurassic Park" oder "Avengers".
Bewertung: 5,5 von 10 Punkten.
Freitag, 13. Januar 2017
Clockers
Regie: Spike Lee
Auf den Straßen von Brooklyn....
"Clockers" aus dem Jahr 1995 war kein Riesenerfolg für Spike Lee, obwohl der Film immerhin ca. 13 Millionen Dollar in den US-Kinos einspielte. Der Ghetto-Film wurde in nur 12 Wochen in Brooklyn gedreht. Bei den Wohnblöcken, die im Zentrum der Handlung stehen, entschieden die Macher sich für die Gowanus Houses im Viertel Boerum Hill in Brooklyn.
Ein idealer Drehort - diese Location mit ihren vielen Sitzbänken, dort von diesen Bänken aus erledigen die "Clockers" ihr 24 Stunden Geschäft: Stoff verckecken.
Der Film basiert auf dem Bestseller von Richard Price. Dieser schrieb auch gemeinsam mit Spike Lee das Drehbuch. Ursprünglich wollte sogar Martin Scorsese die Geschichte verfilmen, aber er übergab den Regiestuhl an Spike Lee, fungierte aber als Produzent.
Kleine Drogendealer, die auf der untersten Stufe der Hierarchie stehen, werden "Clockers" genannt. "Clockers" weil die Jungs rund um die Uhr draußen sind und ihre Deals erledigen.
Einer davon ist der junge Ronald Dunham (Mekhi Phifer), den alle nur "Strike" nennen. Er arbeitet für den brutalen Drogenboss Rodney Little (Delroy Lindo), der seine Jungs gut im Griff hat. Er gaukelt ihnen eine "Vaterrolle" vor, die es gut meint und er verspricht den Aufstieg auf der Leiter - allerdings müssen seine Schützlinge auch bereit sein kleine Gefallen für ihn zu tun. So beauftragt er den naiven Teenager mit dem Auftragsmord an seinem Mitarbeiter Darryl Adams (Steve White) - damit würde er auch auf der Karriereleiter hochsteigen. Doch Strike hat Skrupel und versucht seinen älteren Bruder Viktor (Isaiah Washington) davon zu überzeugen, dass dieser Daryl Adams den Tod verdient hat. Dabei tischt er dem die Lüge auf, dass er junge Mädchen verprügelt. Tatsächlich vergehen nur wenige Stunden und die Mordkommission unter der Führung der beiden Detectives Rocco Klein (Harvey Keitel) und Larry Mazilli (John Turturro) müssen schon im Mordfall Adams ermitteln. Bald darauf erfolgt aber das Geständnis des bisher rechtschaffenen Victor - er gibt an, dass er Adams aus Notwehr erschossen hat. Für Mazilli sehr glaubhaft, aber Klein hat berechtigte Zweifel an der Geschichte. Er glaubt vielmehr, dass Victor die Schuld seines jüngeren Bruders auf sich nimmt. Denn dieser hat mit seiner bisherigen Akte keine große Chance für mildernde Umstände.
Im Wohnblock selbst sieht der Zwölfjährige Tyrone "Shorty" Jeeter (Pee Wee Love) in Strike ein großes Vorbild - sehr zum Ärger seiner Mutter Iris (Regina Taylor) und Pflegevater Andre "The Giant" (Keith David), die nicht wollen, dass der kleine Junge ins kriminelle Milieu abrutscht. Irgendwann gerät Strike zwischen die Fronten: Auf der einen Seite ist da ein Polizist, der auf einer verbissenen Suche nach Wahrheiten nicht locker lässt und auf der anderen Seite ein Drogenboss, der seine Interessen um jeden Preis schützen wird. Bald wird die Lage für Strike dramatisch...
"Clockers" ist ein extrem unterbewerteter Klassiker des 90er Jahre Kinos und zählt zu den besten Filmen von Spike Lee. Dabei ist die Geschichte mehr als ungewöhnlich - vor allem darf man über die Handlungsweisen des Detectives Klein rätseln. Denn er wird auf dem Weg zur Wahrheit die Wahrheit vertuschen. Dabei umgeht er das Recht, verhilft aber drei Figuren in diesem Mordfall zu einer zweiten Chance. Diese Dynamik in der Geschichte ist überraschend, zumal Klein - hervorragend dargestellt von Harvey Keitel - eigentlich eher ein harter Cop ist, der nicht locker lässt. Ein großartige Leistung bringt auch Youngster Mekhi Phifer und Delroy Lindo, der einen herrlichen Bösewicht abgibt.
"Clockers" wirkt sehr realistisch und trotz Brutalität und Härte schimmern auch immer wieder die Sehnsüchte der Protagonisten durch. Herzstück des Films ist nicht nur dieser Cop, der zum Sozialarbeiter mutiert, sondern die authentische Location mit Blick auf das alltägliche Leben vieler schwarzamerikanischern Jugendlichen. Visuell ebenfalls beeindruckend - angefangen von der grandiosen Titelsequenz mit Fpotos von Mordopfern aus der Drogenszene - dazwischen wurden Nachrufe von Graffiti Zeichnungen auf Häuserwänden in Brooklyn gezeigt. Es sind beunruhigende Zeugnisse von diesem harten Krieg auf der Straße - "Clockers" ein Gruß aus den Parallelgesellschaften Amerikas - man kann diese Spirale inzwischen auch auf europäische Verhältnisse übertragen.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
Bad Lieutenant
Regie: Abel Ferrara
Auf der Suche nach Erlösung...
"Bad Lieutenant" aus dem Jahr 1992 ist alles andere als ein leichter Stoff. Der Film von Abel Ferrara zeichnet in gewalttätigen Bildern die letzten Tage eines Polizisten (Harvey Keitel), der drogenabhängig ist und sich durch seine Wettleidenschaft in immer größere Schulden stürzt. Seine Arbeit als Gesetzeshüter hat ihn zynisch werden lassen. Er weiß, dass in dieser Welt nur das Gesetz des Stärkeren zählt und die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr verschwimmen. Als Detective kann er seine Obsessionen bis zum Exzess ausleben - Sex und Drogen und er kann seine Macht ausleben. Dabei ist er nur noch ein kaputter Typ - gefährlich nahe am Zusammenbruch. Sein Agierfeld ist eine schäbige Gegend in der Bronx.
Nachdem er seine beide Söhne (Brian McElroy/Frankie Acciato) mit dem Auto zur katholischen Schule gebracht hat, gehts auch schon los. Vorher noch ein bisschen Kokain und schon gehts zum Tatort eines Doppelmordes. Er trifft sich anschließend mit seinem Drogendealer, der ihm Geld verspricht. Dann gehts weiter ins Rotlichtmilieu, ein Dreier mit zwei Frauen. Doch an diesem Tag kommt noch ein scheußliches Gewaltverbrechen dazu. Eine junge Nonne (Frankie Thorn) wird in der Kirche von zwei Männern aufs Übelste vergewaltigt. Er besucht auch diesen Tatort und führt Gespräche mit dem Opfer. Er hört auch unbeabsichtigt mit wie die Nonne in der Beichte gesteht, dass sie die beiden Vergewaltiger kennt, aber ihre Namen dennoch nicht preisgeben wird. Warum ? Sie habe den beiden jungen Männer verziehen und wirft sich sogar vor, dass sie diesen verzweifelten Sündern nicht genug christliche Liebe entgegengebracht hat.
Dies gibt ihm trotz Dauerrausch zu denken - er sucht die Ablenkung bei seiner Bekannten Zoe (Zoe Lund) und in einer weiteren Wette. Die Dodgers müssen gewinnen - aber leider verlieren die jedes Spiel und die Schulden bei einem Syndikat wachsen und wachsen. Und er kann nicht zahlen. Die Killer warten schon. Am Abend hält er ein Auto mit zwei Girls (Eddie Daniels/Bianca Hunter) an, die beiden haben keinen Führerschein. Dies ist die Gelegenheit etwas von den Mädels zu verlangen, damit er sie gnädigerweiße nicht mit aufs Revier nimmt.
Rastlos gehts es wieder in die Kirche, dort erscheint ihm Christus (Paul Hipp) - diese Halluzination führt aber dazu, dass er die beiden Vergewaltiger (Fernado Felez/Jose Michael Cruz) ausfindig machen kann. Er verhaftet sie aber nicht, sondern schaut mit ihnen das entscheidende Baseball Spiel im Fernsehen an - wieder verloren. Alles aus...doch vorher werden die beiden Verbrecher zum Busbahnhof gebracht und ihnen so die Flucht ermöglicht. Als er wieder ins Auto steigt wird er von einem vorbeifahrenden Auto erschossen...
.Das ist ein Film, der nicht angenehm ist. Aber einer, der zu Denken anregt und noch lange im Hinterher im Gedächtnis bleibt. Ein Film über eine verlorene Seele, die irgendwann vollends den Boden unter den Füßen verloren hat und so ist auch sein Tod unvermeidlich, fast schon als hätte er genau dieses Ende heraufbeschworen, weil er dieses verkommene Leben nicht mehr weiterführen möchte. Insgesamt gelingt Abel Ferrara diese Mischung aus dreckigem Copthriller in den Straßen der Bronx und einer überraschenden Spiritualität, die ein Gegengewicht aufdeckt. "Bad Lieutenant" wurde 2009 noch einmal verfilmt - die neue Version drehte Werner Herzog. Doch ihm gelang nicht die starke intensive Kraft des Originalfilms. Vor allem brilliert der großartige Harvey Keitel in einer seiner besten Leistungen überhaupt.
.Das ist ein Film, der nicht angenehm ist. Aber einer, der zu Denken anregt und noch lange im Hinterher im Gedächtnis bleibt. Ein Film über eine verlorene Seele, die irgendwann vollends den Boden unter den Füßen verloren hat und so ist auch sein Tod unvermeidlich, fast schon als hätte er genau dieses Ende heraufbeschworen, weil er dieses verkommene Leben nicht mehr weiterführen möchte. Insgesamt gelingt Abel Ferrara diese Mischung aus dreckigem Copthriller in den Straßen der Bronx und einer überraschenden Spiritualität, die ein Gegengewicht aufdeckt. "Bad Lieutenant" wurde 2009 noch einmal verfilmt - die neue Version drehte Werner Herzog. Doch ihm gelang nicht die starke intensive Kraft des Originalfilms. Vor allem brilliert der großartige Harvey Keitel in einer seiner besten Leistungen überhaupt.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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