Donnerstag, 26. März 2020

Airport

























Regie: George Seaton

Gefahr in der Luft...

Mit George Seatons "Airport" wurde 1970 die äusserst erfolgreiche Katastrophenfilmwelle eingeläutet. Er spielte alleine in den USA über 100 Millionen Dollar ein und wurde im Filmjahr 70 nur noch von der herzergreifenden "Love Story" getoppt, allerdings nur sehr knapp.
Zum Lohn gab es auch 9 Oscarnominierungen: Bester Film, Beste Nebendarstellerinnen Helen Hayes und Maureen Stapelton, Bestes Szenenbild, Beste Kamera Ernest Laszlo, Beste Kostüme, Bester Schnitt, Beste Filmmusik, bester Ton und bestes adaptiertes Drehbuch, denn der Film basiert auf dem ebenso erfolgreichen Roman von Arthur Hailey.
Am Ende konnte bei der Vergabe der Academy Awards nur ein Sieg erreicht werden. Der ehemalige Stummfilmstar Helen Hayes gewann für ihre Performance als notorisch blinder Passagier Ada Quonsett den Oscar. Ihre Mitkonkurrentin Maureen Stapelton, die die Frau des Bombenbastlers spielt, durfte aber schon vorher bei der Vergabe der Golden Globes jubeln. Die dortigen Juroren fanden ihre Leistung in "Airport" besser. Tatsächlich sind beide Nebenrollen echte Farbtupfer in George Seatons Kassenschlager. Seaton führte schon Regie in früheren Hollywoodklassikern wie "Das Wunder von Manhattan", "Das Mädchen vom Lande", "In angenehmer Gesellschaft" oder "36 Stunden". "Airport" ist aber sicherlich sein größter Erfolg.
Natürlich ist der "Airport" und die Maschinen in der Luft, die starten oder landen die eigentlichen Hauptdarsteller des unterhaltsamen Spektakels. Aber ohne eine ganze Reihe von Einzelschicksalen, die sich rund um die Katastrophe abspielen, macht das dramatische Happening natürlich auch keinen Spass. "Airport" ist auch - was die Figuren betrifft - in gewisser Weise auch ein Zeitgeistfilm. Kurz nach den ganzen gesellschafltichen Umwälzungen der 68er Bewegung war es kein Problem mehr Protagonisten mit gravierenden Eheproblemen zu zeigen, die darüberhinaus auch noch der eigenen Ehefrau fremd gehen. So auch Flugkapitän Vernon Demerest (Dean Martin), ein echter Schürzenjäger, der seiner Frau Sarah Bakersfield Demerest (Barbara Hale) ständig fremdgeht. Sarah ist die Schwester von Mel Bakersfield (Burt Lancaster), dem Flughafenmanager am Lincoln National Airportin der Nähe von Chicago, Illinois. Auch Mel hat Eheprobleme, weil er mehr mit seinem Job als mit seiner anspruchsvollen Frau Cindy (Dana Wynter) verheiratet ist. Und gelegentlich steht ihm auch die attraktive Tanya Livingston (Jean Seberg) für ein bisschen Zärtlichkeit zur Verfügung. Tanya ist die leitende Kundenbetreuerin bei Transglobal Airlines und Mels gelegentliche Geliebte.
Nun tobt auch noch ein extrem starker Schneesturm über den Airport und Mel versucht mit allen Mitteln den Flughafenbetrieb dennoch aufrechtzuerhalten. Daher gibts Krach mit Schwager Vernon, dem Flugkapitän der TGA, der die Sicherheit für landende Flugzeuge nicht mehr gewährleistet sieht und als 2. Pilot für den Flug nach Rom eingeteilt ist. Auch Vernons Geliebte Gwen Meighen (Jacqueline Bisset) - natürlich Stewardess - ist mit an Bord. Die erwartet sogar von Vernon ein Kind, wie sie ihm vor dem Abflug gesteht. Ein ereignisreiche Nacht steht dem Flughafen bevor. Zuerst verfehlt eine landende Boeing 747 ihre Landebahn und bleibt im Schnee stecken. Mit der Behebung dieses riesigen Problems kann natürlich nur Cheftechnier Joe Patroni (George Kennedy) beauftragt werden. Und ganz unbermerkt steigt ein Mr. Guerrero (Van Heflin) an Bord der TGA 707 nach Rom ein. Was keiner weiß: Der Mann hat eine selbstgebastelte Bombe an Bord und plant diese über dem Ozean zu zünden, damit seine Frau (Maureen Stapelton) eine hohe Lebensversicherungssumme kassieren kann. Diese ahnt zuerst noch nichts von dem geplanten erweiterten Suizid ihres Mannes...




George Seaton schrieb auch das Drehbuch des Films. Kein Neuland für den versierten Hollywood-Regisseur, denn er war genauso erfolgreich als Drehbuchautor und schrieb die Scripts zu Filmen wie "Das Lied der Bernadette" "Marx Brothers: Day at the Races" oder "Rufmord". Aus heutiger Sicht sind diese Katastrophenfilme von damals natürlich schon zu gewissen Kutlfilmen geworden. Dabei ist es unerheblich, ob die Geschichten der Protagonisten, die dann alle auf dem Höhepunkt des Films in größter Gefahr schwegen, eher naiv, klischeebeladen und banal daherkommen. Spannende Unterhaltung ist jedenfalls gegeben und der auch tobende Schneesturm zu den dramatischen Ereignissen in der Luft sorgt für eine spannende Atmosphäre. 



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Erdbeben

























Regie: Mark Robson

Die Erde bebt...der Kinosessel auch..

Der Katastrophenfilm "Erdbeben" aus dem Jahr 1974 war der erste Film überhaupt, der im so genannten Sensurround Tonsystem in die Kinos kam. Durch den Einsatz diverser Verstärker und mehreren angepassten Subwoofer wurde in den Lichtspielhäusern ein Schalldruck erzeugt, der tatsächlich die Sitze und Wände zum Wackeln brachte. Es entstand der Eindruck, dass tatsächlich ein Erdbeben stattfand mit dem Effekt, dass ängstliche Zuschauer in Panik aus dem Saal rannten. Damit war den Universal Studios das Ziel gelungen, aus "Erdbeben" ein echtes Kinoevent zu machen. Der Katastrophenschocker von Mark Robson (Glut unter der Asche, Die Herberge zur 6. Glückseligkeit, Tal der Puppen, Schmutziger Lorbeer) schrieb damit Filmgeschichte und das Sensurround Verfahren erwies sich auch bei weiteren Filmen als ein großer Publikumsmagnet. So wurden auch Filme wie "Schlacht um Midway", "Rollerball" oder "Kampfstern Galactica" zu Blockbustern. Überhaupt markierte das Filmjahr 1974 den Höhepunkt im Katastrophenfilm Trend. "Erdbeben" spielte in den USA fast 80 Millionen Dollar ein. "Airport 75" kam auf 47 Millionen Dollar und "Flammendes Inferno" kam gar auf 116 Millionen Dollar Einspielergebnis. Damit gehörten alle drei Genrefilme zur Top 10 des Kinojahres.
Ausserdem wurde "Erdbeben" für insgesamt 4 Academy Awards nominiert: Bester Schnitt, beste Kamera Philip H. Lathrop, Bestes Szenenbild. Aber nur in der Kategorie "Ton" ging der Film als Sieger hervor. Es gab aber noch einen Sonderoscar für die sehr gelungenen visuellen Effekte. Beide Siege sind sehr gerechtfertigt.
Natürlich darf auch Charlton Heston nicht fehlen, der in einigen Katastrophenkrachern eine gute Figur machte. Er spielt den Topingenieur Stewart Graff, der in seiner Jugend auch ein erfolgreicher USC-Footballspieler war. Nur leider ist seine Ehe mit der verwöhnten Remy Royce-Graff (Ava Gardner) ein Desaster. Remys Dad Sam Royce (Lorne Greene) ist allerdings von Schwiegersohn immer noch sehr entzückt, denn Stewart arbeitet in der gleichen Firma und macht einen hervorragenden Job. Stewart hat aber auch ein Auge auf die äusserst attraktive Witwe Denise Marshall (Genevieve Bujold) geworfen. Deren Sohn Corry bekommt daher von ihm einen signierten Football geschenkt. Noch ahnt keiner in der Millionenmetropole Los Angeles, dass bald ein verheerendes Erdbeben bevorsteht. An kleinere Beben hat sich die Bevölkerung natürlich schon längst gewöhnt. Auch an diesem Morgen gibt es eine kleine Erschütterung, doch am seismologischen Institut hat Mitarbeiter Walter Russell (Kip Niven) errechnet, dass sich in den nächsten 1 oder 2 Tagen ein sehr schweres Beben ereignen wird. Auch an der Hollywood Talsperre Mullholland Damm war die Erschütterung zu spüren und einer der dortigen Angestellten ertrinkt bei einem Kontrollgang. Der Pegel des Stausees steigt an und keiner weiß warum. Gab es vielleicht Risse im Damm ?





In "Erdbeben" wird das gleiche Konzept von "Airport" oder "Poseidon Inferno" wiederholt. Eine Menge Stars wurden verpflichtet. So spielt natürlich der in Katastrophenfilmen erprobte George Kennedy (in Airport spielt er den Joe Patroni) wieder mit. Er verkörpert den beherzten Polizisten Lew Slade, der wegen seiner cholerischen Art suspendiert wurde. "Shaft" Darsteller Richard Roundtree macht einen auf Evel Knievel und Victoria Principal die attraktive Rosa Amici, die von einem psychopathischen Nationalgardisten beinahe vergewaltigt wird. In dieser Rolle ist der Erweckungsprediger Marjoe Gortner zu sehen. Walter Matthau spielt einen Trinker in einer Bar, der von der Katastrophe rein gar nichts mitbekommt. Natürlich sind die Geschichten dieser Menschen irgendwie banal, aber sie fördern natürlich die Bereitschaft mit den Protagonisten mitzufiebern.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Big Trouble in Little China

























Regie: John Carpenter

Im Reich von Lo Pan...

"Big Trouble in Little China" kostete 25 Millionen Dollar. Der Fantasyfilm mit Horror- und Kung Fu Elementen spielte jedoch nur 11 Millionen Dollar ein. Ein Misserfolg, der die weitere Karriere von Regisseur John Carpenter massiv veränderte. John Carpenter drehte ja zuerst Independentfilme wie "Dark Star" oder "Assault" und erntete bei der Filmkritik eine hohe Wertschätzung, die sich mit dem Welterfolg "Halloween" und dem damit verbundenen Kassenergebnis von 70 Millionen Dollar natürlich noch steigerte. Mit "Die Klapperschlange" kamen die höheren Budgets, aber bereits sein bester Film "The Thing" war mit 19,6 Millonen Dollar Einspielergebnis und einem Budget von 15 Millonen schon eine Art "Beinaheflop". Auf jeden Fall wandte er sich nach "Big Trouble in Little China" wieder niederbudgetierten Filmen zu.
Im Laufe der Zeit hat sich dieses 80er Jahre Spektakel zu einer Art Kulfilm entwickelt. Mehr 80s Feeling geht fast nicht und Carpenter setzte erneut auf Kurt Russell, mit dem schon öfters zusammenarbeitete. So spielte Russell in Carpenters wenig bekanntem Biopic "Elvis", den er eigentlich fürs Fernsehen drehte, aber der später auch durch den Erfolg von "Assault" auch in die Kinos kam. Kurt Russell war natürlich auch "Die Klapperschlange" und er bekämpfte als McReady "Das Ding".
Hier nimmt er sein Image selbst ein bisschen auf die Schippe. "Big Trouble in Little China" nimmt sich zu keiner Zeit Ernst und bietet 99 Minuten Nonstop Action ohne Verschnaufpause. Es geht dabei um grünäuige Frauen und um eine mysteriöse Unterwelt unter San Franciscos Chinatown. Dort lebt ein Geist und Zauberer. Dieser Lo Pan (James Hong) hat zur Zeit der Entstehung des chinesichen Reichs gelebt, fiel aber beim Kaiser in Ungnade und lebt seither als Geist in einem untoten Zustand durch einen Fluch. Er will aber nach soviel Jahrhunderten wieder Mensch werden und darüberhinaus durch ein Menschenopfer den Kaiser wieder besänftigen. Der lebt zwar nicht mehr, aber egal. Jack Burton (Kurt Russell) ist ein notorisches Großmaul, das sich viel zu ernst nimmt. Der Trucker ist mit Wang Chi (Dennis Dun) befreundet und hat sich bereit erklärt mit ihm dessen Verlobte (Suzee Pai), die aus China einreist, vom Flughafen abzuholen. Doch kurz bevor sich die Verlobten küssen und umarmen können, wird das Mädchen, das grüne Augen hat, von einer Bande KungFuKämpfer entführt. Natürlich kann die Entführte nur in Chinatown sein, doch bald merkt Jack, dass alle Gegner, mit denen er hier konfrontiert wird, sich auf die chinesische Schwarze Magie verstehen. Kein leichtes Unterfangen für Jack und Wang - doch mit der Anwältin Gracie (Kim Catrall), der Journalistin Margo (Kate Burton), dem Geschäftsmann Eddie Lee (Donald Li) und dem guten Magier (Victor Wong) haben sie Verbündete. Doch der Feind hat unbesiegbare Schwertkämpfer und fiese Monster...




Und eines dieser Kreaturen wird noch einmal im Schlußbild sichtbar, was dann ein gewisses Schmunzeln auslöst. Man darf den Film natürlich nie ernst nehmen, aber man darf sich an pompösen Kostümen und an ganz vielen Special Effecs erfreuen.
Die Figuren Lo Pans und seiner drei Hauptkumpane - die drei Stürme - wurden auch in anderen Filmen und TV Serien verwendet, daher erfreuen sie sich bis heute in den USA großer Beliebtheit.





Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Donnerstag, 19. März 2020

Joker


























Regie: Todd Phillips

Vom Opfer zum Täter...

Der Vorläufig künstlerische Höhepunkt im Filmschaffen von Regisseur Todd Phillips (Road Trip, Starsky & Hutch, Hangover Trilogie) dürfte der oscarpreisgekrönte "Joker" sein. Bei der Oscarverleihung 2020 bekam der Film insgesamt 11 Nominierungen (bester Film, beste Regie, bester Darsteller, bestes adaptiertes Drehbuch, beste Kamera, bester Schnitt, bester Tonschnitt, bester Ton, beste Musik, bestes Makeup und bestes Kostümdesgn) und konnte zwei davon in Siege umwandeln. Joaquin Phoenix bekam den schon lang ersehnten Preis als bester Hauptdarsteller und der isländische Musiker Hildur Guðnadóttir wurde für seinen Filmsoundtrack ebenfalls ausgezeichnet.
Beim Publikum hat die Figur von Joker - dem fiesesten Gegenspieler von Batman - eh ein Stein im Brett. Bereits Jack Nicholson (Batman), Heath Ledger (The Dark Knight) oder Jaret Leto (Suicidal Squad) begeisterten bereits das Kinopublikum und auch die Darstellung von Phoenix ist phänomenal. Er spielt diesen Aussenseiter, der psychisch krank ist und sich als Partyclown seine Kröten verdient einfach perfekt und seine Darstellung ist sogar ebenbürtig mit der ebenfalls oscargekrönten Performance von Heath Ledger. Der Film spielte 1,07 Milliarden Dollar ein und mit einem solch herausragenden Ergebnis schafft man es natürlich in die Bestenliste der erfolgreichsten Blockbuster unter die ersten 40.
Der Film erzählt wie aus dem unscheinbaren Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) ein Megagangster der Metropole Gotham City wird und so wird der Zuschauer Zeuge eines Rückblicks in das Jahr 1981. Dort ist Arthur Fleck in psychiatrischer Betreuung und lebt mit seiner Mom Penny Fleck (Frances Conroy) sehr bescheiden, denn Arthur findet nur schwer Arbeit. Aber immerhin hat er noch seinen Job als Clown, der gemietet werden kann. Seine Kollegen behandeln ihn eher vorsichtig, denn Arthur ist kein einfacher Zeitgenosse. Seine Krankheit will es so, dass er zu den unangemessensten Zeiten einfach loslacht. Dieses Lachen ist aber nicht befreiend, sondern hört sich sehr krankhaft und gezwungen an. Arthur ist auf Medikamente angewiesen und hat so gut wie keine Kontakte. Seine Nachbarin Sophie Drummond (Zazie Beetz) gefällt ihm. Er beobachtet die alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter und folgt ihr manchmal auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Ein Arbeitskollege schenkt Arthur eine Knarre, nachdem dieser von einigen jugendlichen Rowdys bei der Ausübung seines Clownjobs verprügelt wurde. In den Straßen von Gotham ist die Kriminalität extrem hoch, kein Wunder bei der hohen Arbeitslosigkeit. Arthur würde gerne Karriere als Standup Comedian machen und sein Idol ist der berühmte Murray Franklin (Robert de Niro), der eine eigene Comedyshow im TV hat. Seine Mutter schwärmt von dem Politiker Thomas Wayne (Brett Cullen), bei dem sie früher gearbeitet hat und der gerne Bürgermeister der Stadt werden würde. Als Arthur in einem Krankenhaus als Clown auftritt, verliert er aus Versehen seine Waffe, die für alle sichtbar auf den Boden fällt. Dies kostet ihn seinen Job. Doch noch ist der Höhepunkt dieser Verkettung dramatischer Erlebnisse noch nicht erreicht. In einer U-Bahn wird er von drei Yuppies angegriffen und geprügelt. Arthur nimmt die Waffe und erschießt die drei Angreifer. Damit ist der Grundstein für den Joker gelegt und in Gotham City sucht man verbissen nach dem Killer, der im Clownkostüm mordet...



"Joker" erweist sich als schrille Charakterstudie und bietet darüberhinaus auch noch ein gewisses Zustandsbild an, indem er den einzelnen "Verlierer" zeigt, der unweigerlich mit einer kalten und schroffen Umwelt konfrontiert wird. Bei soviel Kränkung, die diesem seltsamen Zeitgenossen widerfährt, ist es fast schon logisch, dass er sich eines Tages wehrt und diese Wehrhaftigkeit macht ihn dann auch erstmalig zu einem Machmenschen. Joaquin Phoenix hat das unheimlich gut mit seinem Gesichtsausdruck und den Gesten zur Geltung gebracht - nach der für ihn befreienden Schießerei wird auch der Gang von Arthur selbstbewusster und man kann sich als Zuschauer vorstellen, dass dieser Mensch nun endlich einen Weg - wenn auch ein sehr fataler und gewalttätiger Weg - aus seiner Misere als "Opfer" gefunden hat. Er ist dann lieber Täter.




Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.

Samstag, 7. März 2020

Die Ehre der Prizzis

























Regie: John Huston

Eine ganz normale Mafia Familie...

"Die Ehre der Prizzis" ist ein rabenschwarzer Mafiafilm und einer von John Hustons zahlreichen Meisterwerken. "Prizzi´s Honor" - so der Originaltitel des Films - wurde 1985 gedreht und spielte damals an der Kinokasse 27 Millionen Dollar ein. Es sollte der vorletzte Film des großen Filmregisseurs werden. 1987 drehte er mit "The Dead" so etwas wie ein persönliches Vermächtnis. Er starb kurz nach der Beendigung des Films an einem Lungenemphysem. "Die Ehre der Prizzis" wurde genauso wie sein Vorgänger "Unter dem Vulkan" von der Filmkritik sehr gefeiert - daher waren die 8 Oscarnominierungen (Bester Film, Beste Regie, bester Darsteller Jack Nicholson, bester Nebendarsteller William Hickey, beste Nebendarstellerin Anjelica Huston, beste adaptiertes Drehbuch, Beste Kostüme, bester Schnitt) nicht verwunderlich. Allerdings siegte der Film am Ende nur in einer Kategorie: Hustons Tochter Anjelica gewann den Oscar für ihre großartige Rolle als Maerose Prizzi. Selten war der Preis so gerechtfertigt wie in diesem Fall. Sie spielt die Schlüsselfigur des Films einfach grandios.
Die Geschichte spielt im Mafia Milieu in Brooklyn und die Familie Prizzi ist darüberhinaus noch reichlich verrückt.
Charley Partana (Jack Nicholson) ist der Sohn von Angelo Partana (John Randolph), dem Consigliere des mächtigen Don Corrado Prizzi (William Hickey). Bereits bei der Geburt des Jungen bestimmt der Don, dass er wie ein zweiter Vater die Geschicke des Kleinen in der Zukunft leiten will. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass Charley als Erwachsener einen einflussreichen Posten in der Familie inne hat. Er ist sozusagen der Mann fürs Grobe, der Killer des Clans. Und alle fürchten Charley, der leider aber nicht der Hellste Kopf unter Gottes Sonne ist. Bei einer Hochzeitsfeier innerhalb der Familie trifft er Maerose (Anjelica Huston), seine einstige Geliebte, die von ihrem Vater Dominic Prizzi (Lee Richardson) wegen dieser ausserehelichen Affäre verstoßen wurde und nur noch bei Famlienfeiern geduldet wird. Maerose ist eine erfolgreiche Innenarchitektin und immer noch platonisch mit Charley befreundet. Der hat viele Frauengeschichten am Laufen, aber von einem weiblichen Hochzeitsgast (Kathleen Turner) ist er derart fasziniert, dass er diese fremde Frau unbedingt wieder sehen möchte. Die attraktive Lady tanzt und flirtet zwar mit ihm, verschwindet dann aber urplötzlich, nachdem sie ein Telefonat erhalten hat. Charley muss die Frau wiedersehen und tatsächlich meldet sich Irene Walker - so heißt sie - bei Ihm nach der Feier. Es folgt eine Romanze, die ganz schnell zur großen Liebe wird. Was Charley leider nicht weiß: Irene ist eine Auftragsmörderin und wird von der Famlie manchmal engagiert. Charley will Irene heiraten, doch so einfach ist das nicht. Denn Irene ist nicht nur Killerin, sondern auch Komplizin bei einem Casinobetrug, bei dem die Familie einen großen Geldbetrag verloren hat. Charley wird engagiert um das Geld wieder zu beschaffen und die Verantwortlichen zu "neutralisieren". Er rechnet natürlich nicht damit, dass er Irene kalt machen soll...




 Die Story ist damit aber noch lange nicht zu Ende. Es wird noch ein Bankdirektor entführt und in dieser Aktion noch eine unbeteiligte Zeugin getötet, die sich als Frau eines Polizeichefs herausstellt. Auch Maeroses Eifersucht ist totbringend, nachdem sie eine Nacht mit Charley verbrachte und er dann doch die Konkurrentin heiratet. Über allem schwebt die Entscheidung des ergrauten, aber raffinierten Familienoberhaupt, seinem Consigliere und seinen beiden Söhnen Dominic und Eduardo, der von Robert Loggia gespielt wird. Die Geschichte ist extrem überspitzt und erweist sich als vortreffliche und hinterhältige Satire. Am Ende steht die Ehre der Prizzis auf dem Spiel und das verlangt halt seine Opfer.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.