Montag, 27. Juni 2016

Stonewall

























Regie: Roland Emmerich

Der Junge vom Land als Zeitzeuge vom Gay Pride Auftakt...

Für die Gay Community sind die Stonewall-Unruhen ein symbolisch bedeutsames Ereignis.  Dort vor und in der Szene-Bar Stonewall Inn fand in der Nacht vom 27. Juni zum 28. Juni 1969 wie so oft eine Razzia der New Yorker Polizei statt. In den 60er Jahren war dies an der Tagesordnung, die Polizisten gingen sehr aggressiv und gewalttätig gegen die "perversen Schwucheln" vor.  Sie wurden nicht selten verprügelt und verhaftet. Als die Identität feststand wurde dies in einigen Fällen auch öffentlich gemacht, um Nachahmer abzuschrecken. Eine Anklage wegen unsittlichem Verhalten war die Folge. Das "Stonewall Inn" war eine der wenigen Bars mit homosexuellem und Transgender Publikum und lag in der Christopher Street an der Ecke der 7th Avenue im Greenwich Village. Diese Nacht verlief aber anders als sonst - denn erstmalig setzte sich eine große Gruppe zur Wehr und widersetzte sich gegen die Verhaftung. Heute wird an dieses Ereignis jedes Jahr mit dem weltweit stattfindenden Christopher Street Day erinnert. Dieser Aufstand wird alws Wendepunkt der Schwulen- und Lesbenbewegung angesehen - es war der Auftakt für die heutigen Errungenschaften der Community in Sachen Gleichbehandlung und Anerkennung. Das Schicksal wollte es vielleicht auch, dass genau an diesem Abend besonders viele Schwule in New York waren - denn an diesem Tag fand dort die Beerdigung der Schwulenikone Judy Garland statt. Erst nach 5 Tagen konnte die aufgeheizte Stimmung dort beruhigt werden.
Nun hat Kommerzregisseur Roland Emmerich, der sonst für seine Blockbuster wie "Independence Day", "The Day after Tomorrow" oder "10.000 Years B.C." beliebt wie berüchtigt ist nach dem interessanten Historienfilm "Anonymous" mit "Stonewall" einen weiteren für ihn  sehr untypischen Film gedreht. Der Film bezieht sich auf diese Ereignisse - fiel aber bei der Kritik und beim Publikum total durch. Die Bewertung auf imdb fiel mit der Note 4,4/10 katastrophal aus. Der Grund wird sein, dass "Stonewall" als historische Aufbereitung der Ereignisse tatsächlich missglückt ist. Zu sehr steht die Coming out Geschichte eines "Small Town Boys" im Vordergrund. Aber dieser Part ist meines Erachtens durch die glaubwürdige Darstellung des attraktiven britischen Schauspielers Jeremy Irvine (spielt auch in Spielbergs "Gefährten" die Hauptrolle) emotional und gut gelungen. Die einzige Schwachstelle in dieser Coming Out Geschichte ist vielleicht, dass Emmerich seinen tragischen Helden Danny Winters den ersten Stein bei den Unruhen werfen lässt.
Danny Winters (Jeremy Irvine) ist ein Countryboy aus der Provinz im Bundesstaat Indiana. Dort herrscht ein konservatives Klima, geprägt auch vor der sehr starken religiösen Einstellung der Menschen. Dannys Vater (David Cubit) ist zudem noch der Trainer der Footballmannschaft. Und er befürchtet, dass gerade sein Sohn homosexuelle Neigungen haben könnte. Natürlich läuft sowas aber heimlich ab - Danny trifft sich mit seinem Schulfreund Joe Altman (Karl Glusman) heimlich zum gemeinsamen verbotenen Sex. Eines Nachts werden die beiden von zwei Freunden in Flagranti im Auto erwischt. Dies zieht katastrophale Konsequenzen mit sich. Sam, der Quarterback, muss sich von Danny distanzieren und redet sich mit zuviel Alkohol heraus. Aber Danny verlässt die Kleinstadt. Es fällt ihm wegen seiner Mutter (Andrea Frankle) und vor allem wegen seiner geliebten Schwester Phoebe (Joey King) sehr schwer. Der Junge will in New York die Schule beenden und landet natürlich in Greenwich Village. Aufgrund seines guten Aussehens bekommt er natürlich sehr schnell Kontakt mit den Schwulen, die dort - teilweise auch auf der Straße - leben. Vor allem der sehr weibliche Ray (Jonny Beauchamp), der sich Ramona nennt und auf den Strich geht, kümmert sich um das naive Landei. Er lernt viele schillernde Paradiesvögel (Caleb Landry Jones, Ben Sullivan, Vladimir Alexis, Alex C. Nachi, Patrick Garrow, Otoja Abbit) kennen, auch was fürs Herz (Jonathan Rys Meyers) und einen üblen Zuhälter (Ron Perlman). Als Danny und seine Freunde an einem schönen Sommerabend wiederholt von der Polizei diskriminiert, grausam schikaniert und belästigt werden, machen die Gäste des Clubs ihrem Ärger darüber Luft. Als erstes geht ein Fenster zu Bruch...


und es kommt zu dem bedeutsamen Ereignis. Roland Emmerich hat die Geschichte so aufbereitet, dass sie auch von einem normalen Heteropublikum akzeptiert werden könnte. Er hat jedoch nicht mit der riesigen Kritik seitens der Community gerechnet. Viele Kritiker vermissten die Vielfalt in den sexuellen Orientierungen und Rassen. Ein weißer Junge wird zum Helden der Bewegung gemacht. Man fand das nicht besonder authentisch, denn viele Schwarze und viele Transsexuelle waren an diesem Aufstand beteiligt. Man sah diese im Film unterpräsentiert. Aktivisten riefen zum Boykott des Films aus. Diese Nichtakzeptanz - ausgelöst durch die Community -sowie die Vergabe eines R-Ratings in den USA (erst ab 17 Jahren freigegeben - vor allem weil im Film Sex, Gewalt, Drogen und vulgäre Ausdrücke vorkommen) machten es "Stonewall" sehr schwer. Dabei hat dieser Schwulenfilm auch seine unbestreitbaren Qualitäten - auch wenn er mit einer gewissen Künstlichkeit und mit einigen Klischees aufwartet. Er ist auch irgendwie kitschig an gewissen Stellen - bleibt aber dennoch immer charmant und konsequent emotional. Er zeichnet seine Figuren - vor allem auch die Streetkids, die ohne Perspektive in den Tag leben und auch ins kriminelle Milie abdriften - mit der notwendigen Würde. Jeremy Irvine und Jonny Beauchamp liefern überzeugende Darstellungen ab.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen