Montag, 2. November 2026

Die Abenteuer des Rabbi Jacob















Regie: Gerard Oury

Buntspechts heilsame Abenteuer...

Gerard Ourys Filmprojekt "Rabbi Jacob" war zunächst in Gefahr. Der Regisseur suchte händeringend nach einem Produzenten, da das Thema seines Films viele abgeschreckt hat : Ein Film über die Freundschaft zwischen Juden und Arabern? Auch damals in den frühen 70er Jahren war der Nahe Osten so problematisch wie heute. Und Louis de Funès, ein rassistischer, fremdenfeindlicher, antisemitischer französischer Bourgeois, verkleidet als orthodoxer Rabbiner mit Bart und Schläfenlocken, gerät in eine Geiselnahme, das war auch damals Sprengstoff, obwohl man zu dieser Zeit noch nicht die gleiche strenge political Correctness wahren musste wie heute. Als Gérard Oury sein Filmprojekt starten wollte, hatten seit 1948 bereits vier Kriege zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn stattgefunden. Diese Spannungen waren bis nach Europa, nachdem palästinensische Terroristen während der kurz zuvor stattfindenden Olympischen Spiele 1972 in München 11 israelische Athleten in Geiselhaft nahmen und anschließend ermordeten. Doch nachdem der Film in die Kinos kam, wurde Louis de Funes´Darstellung extrem gelobt Von beißender Boshaftigkeit bis hin zu mürrischer Nachsicht eilt der Komödiant mit beständiger Ausdruckskraft durch ein kafaeskes Universum - mit runden Augen, zersaustem Haar und einem zuckenden Gesicht, während er mit seine Pfoten kratzte, stampfte, Grimassen schnitt, gestikulierte, knurrte und fletschte. teilte sich der Schauspieler in zwei Hälften, um die tausend Variationen einer ‚Nummer‘ aufzuführen, die wir auswendig zu kennen glauben und die uns doch immer wieder überrascht. Er ist zugleich der Daseinsgrund, der Mittelpunkt und die treibende Kraft des Films. Die berühmte Tanzszene im jüdischen Viertel ist eine der amüsantesten und lustigsten Szenen der Filmgeschichte. de Funes wandelt auf den Spuren von Charlie Chaplin oder den Marx-Brothers. Er spielt den wohlhabenden Fabrikant Victor Buntspecht, verheiratet mit der eifersüchtigen Zahnärztin Germaine (Suzy Delair). Am nächsten Tag soll die Hochzeit seiner hübschen Tochter Antoinette (Miou-Miou) stattfinden. Auch der Bräutigan Alexandre (Xavier Gelin) kommt aus gutem Hause, ist Franzose von Geburt an und natürlich Katholisch, was für den Schwiegervater natürlich sehr wichtig ist, denn er hat Vorbehalte gegen Ausländer, gegen Dunkelhaarige, gegen Araber, gegen Juden - eigentlich gegen alle. Bei einer Autofährt erzählt ihm sein Chauffeur Simon (Henri Guybet), dass er am Samstag gar nicht arbeiten kann - Grund: Sabbat, denn Simon ist Jude, was der Rassist erst jetzt erfährt. Er wird auch - nachdem das Auto in einen See fährt - von Buntspecht entlassen. Inzwischen wird der arabische Revolutionär Mohanned Labri Slimane (Claude Giraud) vom Geheimdienst seine Landes entführt und die von Colonel Fares (Renzo Montagnani) angeführte Schergen bringen ihn in der Nacht in eine Kaugummifabrik. In genau dieser Fabrik sucht auch Victor Buntspecht Hilfe, denn der Chauffeur ist weg und das Auto fährt nicht. Buntspecht fällt dabei in einen Riesenbottich mit Kaugummimasse und wird auch zum Zeuge, wie man Slimane um die Ecke bringen will. Ungewollt verhilft er ihm dabei zur Flucht und ab jetzt sind die beiden aufeinander angewiesen, denn der Geheimdienst verfolgt sie. Am Flughafen Orly kommt zur gleichen zeit der angesehene Rabbi Jacob (Marcel Dalio) und sein Begleiter Rabbi zeligman (Cary Rick) landen dort. Der Rabbi aus New York besucht seine Pariser Verwandtschaft (Janet Brandt, Jean Herbert, Denise Provence), die Schmolls, denn der Großneffe David (Lionel Spielmann) feiert seine Bar Mitzwa. Es kommt wie es kommen muss. Buntspecht und sein Begleiter klauen zwei anderen Rabbis die Klamotten und werden dann von den Schmolls für den Rabbi Jacob aus New York gehalten. Inzwischen wird Buntspecht auch von der Polizei unter der Leitung vom Kommissar Andreani (Claude Pieplu) wegen Mordes gesucht...






Es ist schon erstaunlich, dass es Gerard Oury spielend gelingt die vielen Figuren des Films perfekt in die Handlung zu integrieren. Am Ende seiner mehrjährigen Kinolaufzeit verzeichnete der Film in Frankreich 7.29 Mio. Besucher, somit Spitzenreiter des Kinojahres 1973. Auch in Deutschland strömten 2,5 Millionen Besucher in die Kinos, was ebenfalls einen guten Top10 Rang in den Kinojahrescharts bedeutete. Oury durfte sich auch über eine Golden Globe Nominierung als bester Auslandsfilm freuen. Dort waren "Szenen einer Ehe", "Lacombe Lucien", "Amarcord" und "Duddy will hoch hinaus" eine sehr starke Konkurrenz. Der Sieg ging an Ingmar Bergmans Ehe-Analyse. Gerard Oury war einer der beliebtesten französischen Regisseure. Er drehte viele Blockbuster wie "Das Superhirn" oder "As der Asse". Sein größter Erfolg war jedoch "Die große Sause" - ein weiterer Klassiker mit Louis de Funes, der über 17 Millionen Franzosen in die Kinos lockte. Damit war er von 1966 bis 1998 der erfolgreichste Film aller Zeiten 








Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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