Sonntag, 23. November 2014
Albert Nobbs
Regie: Rodrigo Garcia
Große Geheimnisse...
Für den Kostümfilm "Albert Nobbs" konnte Glenn Close ihre sechste Oscarnominierung erringen. Gewonnen hat sie den Preis bisher nicht, weder mit "Garp und wie er die Welt sah", "Der große Frust", "Der Unbeugsame" oder mit "Eine verhängnisvolle Affäre. Allerdings hätte sie die begehrte Trophäe spätestens als fiese Marquise Isabelle de Merteuil in "Gefährliche Liebschaften" mehr als verdient. Und auch ihre Rolle als Butler "Albert Nobbs" war imponierend - leider hat sie wieder verloren, diesmal gegen Meryl Streep als "Eiserne Lady" - ich finde die beiden Darstellerinnen sind sich irgendwie sehr ähnlich. Somit wird es immer wahrscheinlicher, dass Glen Close in spätestens 10 bis 15 Jahren einen Ehrenoscar für das Lebenswerk erhält - genauso war es auch bei Deborah Kerr, die ebenfalls 7 Nominierungen hatte und auch nie gewinnen konnte. "Albert Nobbs" wurde 2011 in drei Kategorien nominiert, neben der Hauptdarstellerin wurde auch Janet McGeer als beste Nebendarstellerin sowie Martial Conrevil, Lynn Johnston und Matthew W. Mungle für das Make up, das aus sanften, aber starken Frauen etwas sonderbare Männer machte. Fürs Szenenbild oder für die Kostüme hätte man ruhig auch eine Nominierung vergeben können, der der Film von Rodrigo Garcia ist optisch ein würdiger Verwandter der von mir hoch geschätzten Ivory/Merchant Produktionen wie "Zimmer mit Aussicht" oder "Wiedersehen in Howards End". Dabei lässt der Regisseur auch das Interesse an interkulturellen Konflikten, Unterdrückung von Individuen und Klassenunterschieden niemals links liegen. So erinnert beispielsweise die Performance von Glen Close auch manchmal an die Nöte, die Barbra Streisand in ihrem "Yentl" durchmachen musste. Zu guter Letzt ist "Albert Nobbs" auch ein moderner Klassiker des Queer Cinema, denn nicht nur die Unterdrückung der Frau in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird zum Thema gemacht, sondern auch die Suche nach einer sexuellen Identifikation wird anhand der Hauptfigur interessant gestaltet. Zuerst bleibt der Zuschauer im Unklaren, warum eine Frau in die Rolle dieses Butler Albert Nobbs geschlüpft ist und schon seit Jahren dieses Geheimnis bewahrt. Man kann es sich irgendwie denken, wenn man sieht, dass Albert in seiner Kammer - nach der Arbeit des Tages - das ersparte Geld zählt und es wieder unter dem Fußboden versteckt. Es dürfte klar sein, dass eine Frau nie diese Anstellung bekommen hätte und als alleinstehende Frau wäre man damals schutzlos einer männnerdominierenden Welt ausgeliefert gewesen. So wird schnell klar, dass der kleine Butler Träume hat, die er irgendwann verwirklichen will. Als die Hotelbesitzerin Mrs. Baker (Pauline Collins) den Anstreicher Hubert Page (Janet McTeer) beherrbergt, befielt sie, dass Albert mit diesem Arbeiter das Bett in der Nacht zu teilen hat. Durch eine Flobiß wird der Mann zum Mitwisser des streng gehüteten Geheimnisses. Doch er verspricht Stillschweigen. Mehr noch: Kurze Zeit später wird klar, dass auch Hubert in Wahrheit eine Frau ist und sogar offiziell mit einer Frau (Bronagh Gallagher) glücklich verheiratet ist. Dieses Geständnis lässt Albert Nobbs nicht mehr los. Es herrscht in Gedanken Rätselraten, ob die Frau dies Wahrheit schon vor oder erst nach der Hochzeit wusste. Albert beginnt sich auch immer mehr für eine seiner Arbeitskolleginnen, das junge Dienstmädchen Helen Dawes (Mia Wasikowska) zu interessieren. Die ist aber schwer verliebt in den flatterhaften Joe Mackins (Aaron Johnson), der ebenfalls seit kurzem in den Diensten der gestrengen Mrs. Baker steht, allerdings den großen Traum hat viel Geld zu haben und nach Amerika auszuwandern. Trotz der Liason der beiden jungen Leute, wagt Albert die hübsche Helen zu fragen, ob sie mit ihm ausgehen würde..
.sehr imponierend ist die subtile Herangehensweise an den Stoff. Der Regisseur verleiht der Hauptfigur eine große Würde und man ist sehr schnell an dem Schicksal dieses ungewöhnlichen Menschen interessiert. Dabei stellt die Geschichte gekonnt mit der Figur des Hubert Page eine völlig anders agierende Persönlichkeit vor, die aber die gleiche Maske trägt. Nur traut sich der Lebemensch Hubert viel mehr zu und er fordert den schüchternen Albert Nobbs dazu auf sein Leben glücklich zu leben und auch in Liebesdingen seine Träume zu verwirklichen. Das Ende ist wie im richtigen Leben einerseits sehr tragisch, andererseits auch mal sehr ungerecht - aber auch im letzten Bild hoffnungsvoll. Ein sehr schöner Film, gut geeignet für die kommende kalte Jahreszeit.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
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