Mittwoch, 25. Juni 2014

Mud

























Regie: Jeff Nichols

Sensibler, starker Junge...

Jeff Nichols imponierte vor einigen Monaten bereits mit seinem apokalyptischen "Take Shelter" und auch sein neuer Film "Mud" ist durchweg geglückt. Vor allem ist es auch ein Schauspielerfilm und wenn man die Besetzungsliste ansieht, den aktuellen Oscar-Gewinner Matthew McConaughey in der Hauptrolle darin findet, dann könnte man auf die Idee kommen, dass dieser hier extrem groß aufspielt. Doch Star des Films ist der 18jährige Tye Sheridan, der bereits in Malicks "Tree of Life" mitspielte und hier in der Rolle des Heranwachsenden Elis brilliert. Der Jungdarsteller trägt den ganzen Film mühelos im Alleingang. Ausserordentlich schön an diesem US-Independent Film ist die Kameraarbeit von Adam Stone, der die Schönheit der Südstaaten  hervorragend einfängt. Im Grunde ist "Mud" eine Coming of Age Geschichte vpn zwei 14jährigen Jungs aus dem kleinen Kaff De Wit in Arkansas. Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland), die hier ihre Jugend verbringen. Elis will sich im Leben durchboxen. leidet aber enorm darunter, dass sich seine Eltern nicht mehr verstehen. Gemeinsam streifen sie mit ihrem Boot  durch den Arkansas River und steuern öfters eine kleine Insel an. Dort entdecken sie ein Boot, dass hoch in einem Baum steckt. Sie sehen den Fund spontan als ihr Eigentum an, doch ein Fremder, der ihnen dort auf der Insel begegnet erhebt ebenfalls Besitzansprüche. Dieser Mud (Matthew McConaughy) versteckt sich dort und behauptet ganz in der Nähe aufgewachsen zu sein. Da er hungrig ist, bittet er die Jungs ihm Nahrung zu bringen. Für diesen Deal verspricht er ihnen das Boot im Baum. Besonders Elis sucht die Nähe des Fremden, er erfährt, dass dieser dort im Versteck auf seine Freundin Juniper (Reese Witherspoon) wartet. Er selbst hat den Nebenbuhler aus einer Nothilfe heraus, getötet und wird nun von der Polizei als Mörder gesucht. Im Laufe der Geschichte fällt auch dem Nachbarn Tom (Sam Shepard) eine Schlüsselrolle zu und Mud wird nicht nur von der Polizei sondern auch von Kopfgeldjägern von King Carver (Joe Don Baker) gejagt. Und Juniper spielt eine sehr unduchsichtige Rolle


...ein letztes Bild von der Mündung des Arkansas River in den Mississippi und ein atmosphärischer wie melancholischer Film geht zu Ende. Dabei legte der Regisseur sehr großen Wert darauf den Jugendlichen Elis zu skizzieren, seine Stärken und Schwächen und seine langsamen Gehversuche in Richtung Erwachsen sein. Dabei gelingt es dem Filmemacher eindrücklich schon den Mann im Kind zu zeigen - eine stimmungsvolle Spiegelung mit dem Flüchtigen Mud, dem fremden Mann, in dem immer noch ein Kind steckt und der nie so recht erwachsen werden wollte. In diesem Spannungsfeld der beiden Hauptcharaktere, die sich zwar sehr anziehen, aber auch gänzlich verschieden sind, überzeugt der Film auf ganzer Linie. Er zeigt auch, dass es im Leben nicht nur schwarz-weiß, sondern ganz viele Schattierungen gibt. Dies ein Lernprozess für den jungen Elis. Verglichen mit seinem vorigen Film "Take Shelter" erkennt man auch schon eine gewisse individuelle Handschrift, Jeff Daniels hat ein Faible für aussergewöhnliche Protagonisten und vermittelt mit seinen Bildern einen Einblick ins ländliche Amerika.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

47 Ronin

























Regie: Carl Erik Rinsch

Der Racheplan der Ronin...

Wenn ein Samurai seinen Herrn verliert, dann wird er zum Ronin. Die Geschichte der 47 Ronin ist eine uralte Sage aus Japan und steht für die bedingungslose Treue der Samurai, denn diese Männer rächten im Jahr 1701 den Tod ihres Herrn. Carl Erik Rinsch hat diese Überlieferung, die zu den Nationalmythen von Japan gehören, ein weiteres Mal verfilmt. Bereits 1962 verfilmte Hiroshi Inagaki die gleiche Geschichte. Mit dem Remake wurde aber auch gleichzeitig viel Zugeständnis an das westliche Publikum gemacht, aus der Sage entstand ein knallig buntes Fantasy-Abenteuer mit Monstern, Hexen, Zombie-Boys und mittendrin Keanu Reeves als Held und Halbblut Kai. Dieser wächst bei Geisterwesen auf, flieht aber von dort und wird am Hofe des Fürsten Asano (Min Tanaka) aufgenommen. Aufgrund seiner zwielichtigen Herkunft wird der Junge wie ein Ausgestoßener behandelt, doch er geniesst den Segen und den Schutz des Fürsten. Als Handlanger für die Samurai, die von Kuranosuke Oishi (Hiroyuki Sanada) angeführt werden, erkennt man aber seine Qualität als Krieger.  Auch Asano Mika (Ko Shibasaki) sieht dies und verliebt sich in den jungen Mann. Als jedoch eines Tages der böse Fürst Kira (Tadanobu Asano) als Gast am Hofe von Asano weilt, wird mit Hilfe der Hexe Mizuki (Rinko Kichuchi) eine hinterhältige Verschwörung eingefädelt mit dem Ziel Asano zu stürzen. Dies gelingt mit Gift, die dem Fürst verarbreicht wird und bei ihm zu Halluzinationen führt. Durch die Bilder im Kopf greift er Kira an. Obweohl die Verletzung minimal ist, muss Gemäss des Gesetzes Asano nun Seppuku begehen, da der Angriff auf einen Hofbeamten des Shogunats als Straftat angesehen wird, auf die die Todesstrafe steht. Nach des rituellen Selbstmords werden die Güter und Ländereien eingezogen, Asanos Samurai werden verbannt. Doch der Gedanke der Rache treibt nicht nur die Ronin, sondern auch Kai...


wer jetzt natürlich einen eher authentischen Historienfilm erwartet, der wird zwangsläufig enttäuscht sein. Ebenso fehlt die Faszination der Samurai Filme, die der Meisterregisseur Kurosawa in seine Geschichten um die heldenhaften Krieger im alten Japan legte. Als Fantasyabenteuer mit gutem Unterhaltungsfilm funktioniert der Film allerdings gut, es gibt eine Menge Schauwerte, die für gutes Filmvergnüngen sorgen. Trotz einer gewissen glatten Machart tauchen immer wieder düstere Komponenten auf, die gut zum optisch gelungenen Setting des Films passen. Fazit: Nettes, spannendes Abenteuerkino ohne großen Tiefgang.



Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Montag, 23. Juni 2014

Der Counselor

























Regie: Ridley Scott

Jagdzeit...

Schade, dass für den "Counselor" die Kritiken so mau ausfallen, denn der Film ist ausgefeiltes Meisterwerk und komplettiert für mich nach den unübertroffenen "Alien" und "Blade Runner" mit den inzwischen zu Klassikern avancierten Filmen wie "Die Duellisten"oder  "Black Hawk Down" zu den fünf größten Meisterwerken des britischen Regisseurs, auch wenn der Film eine starke künstliche Note und eine gewissen Dialoglastigkeit aufweist.  "Der Counselor" entstand nach dem Roman des Schriftstellers Cormack McCarthy, dessen Werk schon einige Mal verfilmt wurde. Vor allem der amerikanische Alptraum in "There will be blood" oder "The Road" blieben im Gedächnis, die Geschichte hier ist ebenso ein grausamer Abgesang seines Helden, der langsam immer mehr zu einer gejagten Antilope wird, verfolgt von hungrigen und gierigen Geparden und diese putzigen Raubkatzen spielen auch eine Schlüsselrolle in der Geschichte. Sie handelt von den schicksalhaften Verstrickungen eines Anwalts (Michael Fassbender) , der im Grunde alles hat was der Mensch von heute sich wünscht: Ein gewisses Vermögen, einen gut bezahlten Job und eine gutaussehende Freundin (Penelope Cruz). Doch er will noch mehr vom großen Kuchen abhaben. Deshalb lässt er sich auf ein groß angelegtes Drogengeschäft gemeinsam mit dem durchgeknallten Drogenboss Reiner (Javier Bardem) ein, der mit Malinka (Cameron Diaz) eine kostspielige, wie geheimnisvolle Freundin (Cameron Diaz) besitzt, die sowohl pathologische Lügnerin als auch Soziopathin ist. Diese kluge und berechnende Frau ist ausserdem die Besitzerin zweier Geparden. Reiner rät dem Rechtsbeistand, dass er - falls nur halbherzig bei der Sache oder unsicher - lieber nicht in dieses Geschäft, dass im Juarez-Grenzgebiet abgewickelt wird,  einsteigen soll. Denn es bedeutet - falls etwas schief läuft - dass die Drogenmafia die unbarmherzige Jagd eröffnet. Auch vom Geschäftsmann Westray (Brad Pitt), der ebenfalls bei diesem riesigen Deal mitmischt, bekommt er die gleiche Empfehlung. Trotzdem steigt der Anwalt ein, doch der Sohn von Gefängnisinsassin Ruth (Rosi Perez), den er angeheuert hat die Drogen zu transportieren wird niemals am Bestimmungsort ankommen...


Mit dieser Ausgangslage ist das Grundgerüst des Films erzählt, ebenso eröffnet er die Doppelbödigkeit der Geschichte. Zwei sehr heftige, explizite Gewalt Szenen werden nachhaltig ins Gedächtnis eingebrannt - einmal durch den Drogenkurier und einmal am Ende des Films mitten auf der belebten Straße in London am hellichten Tag. Ausserdem sorgt ein nicht gezeigtes Videoband für größtes Grauen. Dies alles rundet sich am Ende wie das Bild der Jagd des Gepards ab und offenbart ein zynisches Labyrinth über Opfer und Täter, über größere Fische, die kleine Fische einfach auffressen. Ein cooler und stylisher Blick von Hier und Heute zu den Urinstinkten des Jägers.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Am wilden Fluß

























Regie: Curtis Hanson

Wildwasserfahrt mit Gangstern...

Regisseur Curtis Hanson ist ein bekennender Alfred Hitchcock Film, obwohl er mit dem Noir-Polizeithriller "LA Confitential" seinen bisher größten Erfolg feiern konnte. Aber geschickt inszeneirt er auch seine Suspence-Thriller "Das Schlafzimmerfenster" oder "Todfreunde", beide in den 80ern entstanden. Noch erfolgreicher wurden seine Thriller im nachfolgenden Jahrzehnt: Einmal ging es um eine psychopathische Nanny (Die Hand an der Wiege) und das andere Mal um Gangster auf der Flucht (Am wilden Fluß). In beiden Filmen wird eine sympathische Familie (Vater, Mutter, Kind und Hund) von außen bedroht und schwebt plötzlich in akuter Lebensgefahr. "Am Wilden Fluß" entstand vor imposanter Naturkulisse am Kootenai River in Montana sowie der Oberlauf des Rogue River in Oregon und am mittleren Flathead River in Montana. Die Geschichte spielt sich aber am Salon River in Idaho ab, dort unternimmt die ehemaligen Rafting-Sportlerin Gail Hartman (Meryl Streep) mit ihrem Sohn Roarke (Joseph Mazello - bekannt aus Jurassic Park) eine Rafting Tour auf dem Salmon River. Mit dabei ist zwar der treue Hund Maggie, doch Ehemann Tom (David Strathaim) hat gekniffen - Arbeit geht vor. Ein Problem, dass auf die Ehe einen dunklen Schatten legt. Immerhin reist er doch noch nach und versucht ein guter Vater und ein liebevoller Ehemann zu sein, was ihm zuerst nur mühsam gelingt. Erschwerend kommt hinzu, dass Gail nach einiger Zeit einige Mitreisende im Schlepptau hat. Die drei freundlichen Männer Wade (Kevin Bacon), Terry (John C. Reilly) und Frank (William Lucking) schliessen sich immer mehr der Familie an. Besonders auf Roarke macht Wade einen riesigen Eindruck, der kleine Junge freundet sich mit dem Fremden an und erzählt diesem auch, dass seine Mutter ein ziemlicher Profi im Rafting ist. Als Frank seine beiden Kumpels im Stich lässt, tun sich Familie und die beiden Männer noch mehr zusammen und bald zeigen die Fremden auch ihre wahre Absicht...


Dies alles ist sehr spannend und unterhaltsam inszeniert, mit Meryl Streep und Kevin Bacon standen auch zwei glaubwürdige Darsteller zur Verfügung, die den bodenständigen Thriller noch zusätzlich aufwerten. Für Tierfreunde sei noch erwähnt, dass Maggie dem Kugelhagel erfolgreich ausweichen kann. Kevin Bacon darf den Psycho raushängen, was er sehr gekonnt macht. Die Kamera ist großartig: Robert Elswith (Last Exit Reno, There will be blood, Michael Clayton, Syriana, Salt) ist natürlich eine sichere Bank und sorgt für atmosphärische Bilder. Natürlich sind aber auch viel Genreklischees zu finden, aber für einen guten Thriller reicht es allemal.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Final Call

























Regie. David R. Elis

Rette mich und leg nicht auf...

Jan deBonts "Speed" machte es 1994 vor: Schnelles Tempo, die Handlung ist zeitlich und örtlich begrenzt und der Zuschauer fühlt sich mittendrin statt nur dabei, denn es wirkt als würde alles in Echtzeit ablaufen. Dabei wird auf lästige Nebenschauplätze weitestgehend verzichtet, was zählt ist der Protagonist, der sich permanent in der selben Notsituation befindet und verzweifelt wie dynamisch einen Ausweg aus dem Dilemma sucht. So funktonierten Filme wie "Gegen die Zeit", "The Call" oder "Nicht auflegen". "Final Call", nach einem Drehbuch von Larry Cohen, gehört ebenfalls in diese Kategorie und präsentiert neben der völlig absurden und irrwitzigen Ausgangsidee soviel Action und Tempo, dass man gar nicht länger Zeit bekommt das Szenario, von David R. Elis inszeniert, logisch zu durchleuchten. Im Grund weiß der Zuschauer auch nicht viel, nur dass die Highschool-Biologielehrerin Jessica Martin (Kim Basinger) in einem riesigen Anwesen wohnt und ihren kleinen Sohn Ricky Martin (Adam Taylor Gordon) zum Schulbus bringt. Kurze Zeit später, wieder daheim angekommen und das mexikansiche Hausmädchen begrüsst, stürmen drei Männer ins Haus, töten die Dienerin und entführen unsere blonde Biologieleihrerin. Die Bande wird angeführt vom brutalen Ethan (Jason Statham), der sie auf einen Dachboden bringt, einschliesst und vorher noch das Telefon im Raum mit einem Vorschlaghammer dämoliert. Nur gut, dass unsere Biologielehrerin weiß, wie man das in diversen Elektromüll zerbrochenes Telefon wieder einigermassen repariert, zumindest so weit, dass sie einem gewissen Ryan (Chris Evans) anrufen kann, einem extrem gutaussehenden Surfin USA-Boy, der gerade aufgrund seiner Verantwortungslosigkeit von Freundin Cloe (Jessica Biel) verlassen wurde. Schön doofe Kuh, da lässt sie sich ein echtes Sahneschnittchen durch die Lappen gehen. Ok, bekanntlich zählen ja immer die inneren Werte. Die sind beim beherzten Ryan aber auch gut ausgeprägt, denn der Sunnyboy legt nicht gleich auf, weil er den Anruf für einen Scherz hält und hört der hysterischen Frau, die behauptet in Lebensgefahr zu sein, erstmal zu. Es gelingt Jessica Ryan sogar soweit zu überzeugen, dass er mit dem Handy, dass er jetzt nicht mehr auflegen darf, denn dann muss sie sterben, zur Polizei geht. Die haben aber Ausnahmezustand auf dem Revier, aber zum Glück ist dem Bullen Mooney (William H. Macy) ein Lichtblick gestzt, der sich später an den jungen Mann mit dem Handy erinnern wird. Jedenfalls braucht der junge Held aber erstmal ein Ladegerät, denn das Akkku geht zur Neige...


dies ist erst das Warm up für einen völlig durchgeknallten, gut funktionierenden Thriller Actionfilm mit viel Spannung und reichlich absurden Unglaubwürdigkeiten. Nachdenken ist später, erstmal muss Kim und ihre Familie gerettet werden, dabei verschieben sich in der Mitte des Films für einen Moment geschickt die Rollen, was nicht nur den jungen Helden zum kurz inne halten animiert.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Sonntag, 22. Juni 2014

Reasonable Doubt





















Regie: Peter Howlitt

Der Anwalt und der Scharfsrichter...

Der kanadische Thriller "Reasonable Doubt" ist mit seinen 91 Minuten eher kurz geraten, zumindest hat man am Schluß das Gefühl, dass doch irgendwas gefehlt hat. Regie des Films ist Peter Howitt. Dabei bleibt der Film trotz interessanter Geschichte die meiste Zeit leider sehr unspannend, nur sehr selten bringt der Film es fertig den Zuschauer zu fesseln.
Der Anwalt Mitch Brockden (Dominic Cooper) ist gerade dabei die Karriereleiter im Beruf hochzusteigen, da passiert ihm nach einer Party ein folgenschwerer Unfall: Alkoholisiert fährt er nachts auf schneebedeckter Straße einen Passanten an, der überraschend von einer dunklen Seitengasse kommend in sein Auto rennt. Der Verletzte Mann bittet voller Angst ihn nicht alleine zu lassen. Was tun ? Mitch entschliesst sich zumindest für einen Anruf beim Notdienst, denn immerhin ist eine Telefonzelle ganz in der Nähe des Tatorts. Dann begeht er Fahrerflucht und überlässt das Opfer seinem Schicksal. Mitch glaubt zwar, dass ihn jemand beobachtet haben könnte, denn er hat auch in der dunklen Gasse ein Geräusch gehört und diese Vermutung soll sich bald bewahrheiten: Die Leiche des Mannes wird nämlich im Auto eines gewissen Clinton Davis (Samuel L. Jackson) gefunden, der sehr schnell als Serienkiller weiterer Morde verdächtigt wird. Denn Clinton scheint ein Motiv zu haben, weil seine Familie vor Jahren ermordet wurde. Mitch übernimmt den Fall und bewirkt einen Freispruch, der ihn ebenfalls aus der Schußlinie nimmt...doch nach dem Urteil erscheint es Mitch immer mehr plausibel, dass er einem aktiven Killer die Freiheit ermöglicht hat. Es beginnt ein fieses Katz- und Mausspiel...

Alles in allem leider nur ein mittelmässiger Thriller, der sich in zwei Teilen aufbaut. Zum einen am Anfang eher ein halbherziger Gerichtsfilm, der immer mehr in das Home Invasion Genre einmündet. Allerdings verschenkt der Film viel Potential und der Zuschauer ist leider immer ein bissel weiter als die laufende Handlung.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Absolute Giganten




Regie: Sebastian Schipper

Abschied von der Jugend...

Sebastian Schippers 1999 entstandener Film "Absolute Giganten" ist ein kleiner, feiner Film und noch viel mehr, denn ich zähle ihn zu den besten deutschen Filmen der letzten 20 Jahre. Er schafft das schwierige Spagat zwischen Optimismus und Melancholie, ist einerseits sehr traurig und dennoch in seiner Aussage wunderschön. Es geht dabei um Freundschaft, um das Ende eines Abschnitts, um Abschied und die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Freundschaft und ums Kämpfen für das eigene momentane Glück, auch wenn der Alltag viel Tristesse bietet und wenig Perspektive offenbart.
Denn die drei Helden und Freunde des Films sind rein oberfläächlich gesehen zuerst einmal typische Verlierer. Aber Floyd (Frank Giering), Ricco (Florian Lucas) und Walter (Antoine Monot jr) sind auch Hamburger Jungs und die lassen sich nicht so leicht unterkriegen. Sie sind zwar sozial nicht unbedingt begünstigt. Walter ist Lackierer in einer schäbigen HInterhofwerkstatt. Ricco rappt was das Zeug hält und arbeitet im Schnellimbiss. Floyd, der eigentliche Anführer der drei Freunde, hat als Bewährungsstrafe in einem Krankenhaus gearbeitet, jetzt wo die Strafe abgebüßt ist, hat er spontan - ohne seinen Freunden was zu sagen - auf einem Containerschiff in Richtung Kapstadt angeheuert. Somit wird der heutige Tag auch der Tag der Wahrheit und des Abschieds. Zuerst scheint alles noch ausgelassen, man trifft sich zum Fußballspielen und anschliessend kommt das Geständnis, dass die Stimmung deutlich herabsenkt. Die drei Freunde beschliessen aber den letzten Abend noch einmal gemeinsam zu feiern. So fahren sie im friesierten Fort Granada von Walter durch die nächtliche Metropole, sie entdecken eine Stunt Show und bestreiten auch in dieser Nacht das Tischkicker Turnier ihres Lebens. Sie treffen auf Tesla (Julia Hummer), einem jungen Mädchen aus Floyds Wohnsiedlung und besuchen einen Nachtclub. Dort wird heftlig getrunken. Es kommt zu einem Notfall, anschliessend betrachten die vier gemeinsam den Sonnenaufgang am Hafen. Während die Freunde schlafen, nimmt Floyd seine Reisetasche und schaut noch einmal kurz seine Freunde an...


 Sebastian Schipper gelang ein großartiger Coming of Age Film, der auch einen weiteren Hauptdarsteller hat: Die Stadt Hamburg. Sie wird auch etwas grau und trist dargestellt, aber wenn man näher hinsieht tauchen immer wieder hoffnungsvolle Farbtupfer auf, die Menschen füllen die Umgebung und geben ihr Wärme. Die vier jugendlichen Darsteller spielen ihre Rollen hervorragend und jede Figur bekommt mehr und mehr an Tiefe, je länger man sie auf dieser nächtlichen Tour begleitet. Man wünscht ihnen das Beste, dass sie in eine glückliche Zukunft führt. Noch ist alles wunderbar in der Schwebe, wie im richtigen Leben halt. Ein großartiger Film.



Bewertung: 9,5 von 10 Punkten.