Sonntag, 22. November 2020

Der Teufel kam aus Akasawa


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Jess Franco
 
Der verschwundene Stein...
 
Verglichen mit seinen vielen Vorgängern war der 1971 von Jess Franco gedrehte Edgar Wallace Film "Der Teufel kam aus Akasawa" eher ein Mißerfolg. Nur 300.000 Besucher in den deutschen Kinos - für einen Wallace Film sehr schwach. Der kurz danach startende Nachfolger "Die Tote aus der Themse" kam dann mit 1,8 Mio. zahlenden Kinogästen wieder in erfolgreichere Regionen.
Möglicherweise lag der schwache Kinoeinsatz von Francos Film an seiner ungewöhnlichen Location im Dschungel, wo doch die meisten Wallace Krimis im vernebelten London spielen.
Jess Franco hat sich erst viel später immer mehr einen ausgezeichneten Ruf als verehrter Kultregisseur erworben, in den frühen 70er Jahren hatte er noch nicht viel Wertschätzung erfahren. Für viele Kritiker war er ein schwarzes Schaf, seine Filme wie "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu", "Nachts wenn Dracula erwacht" oder "Der Hexentöter von Blackmoor" erhielten eher maue Kritiken. Heute gelten seine kompromisslosen Werke als Meilensteine des spanischen Exploitationfilms, er bekam 2009 in Madrid einen Ehren Goya für sein filmischen Lebenswerk.
Mit dem Bryan Edgar Wallace Verfilmung "Der Todesrächer von Soho" drehte er wenige Monate nach "Der Teufel kam aus Akasawa" einen weiteren filmischen Verwandten.
Im Dschungel von Akasawa in Südamerika hat der britische Wissenschaftler Prof. Walter Forrester (Angel Menendez) mit seinem Assistenten einen mysteriösen Stein gefunden, dessen Strahlungskraft massiv ist und dem Besitzer die größte Macht und den größten Reichtum verheißt. Natürlich sind sehr schnell böse Menschen hinter diesem Stein her. Der Assistent des Professors wird ermordet und Forrester selbst verschwindet spurlos. Nachdem auch noch ein Detektiv von Scotland Yard ermordet wird, als er das Büro von Forrester in London betrat, fangen Ermittlungen an zu Laufen. Sir Philipp (Siegfried Schürenberg) wird von seinem ehemaligen Studienkollegen Lord Kingsley Walter Rilla) gebeten den Fall zu klären. Dieser engagiert die attraktive Agentin Jane Morgan (Soledad Miranda), die sich wahlweise als Prostituierte oder Striptease-Tänzerin tarnt. Auch Rex Forrester (Fred Williams), der Neffe des Verschwundenen, reist nach Akasava, er will Antworten auf seine Fragen. Zuletzt wurde Forrester von dem Mediziner Dr. Thorrsen (Horst Tappert) und dessen junger Frau Ingrid (Ewa Strömberg) gesehen. Und möglicherweise ist das Paar in den Entführungsfall verwickelt...



In einer kleinen Nebenrolle als italienischer Geheimdienstler ist Jess Franco selbst zu sehen. Hauptdarsteller Fred Williams war in den 60er Jahren durch die Abenteuerserie Rinaldo Rinaldini den deutschen Fernsehzuschauern bekannt und an seiner Seite spielt die sehr attraktive spanische Schauspielerin Soledad Miranda, die zu dieser Zeit eine der bekanntesten Darstellerinnen des europäischen B-Pictures war. Leider starb sie kurz nach den Dreharbeiten bei einem Autounfall. Für einige Lacher sorgt Blandine Ebinger als Lady Abigail Kingsley, die ihren Gästen liebevoll Tee serviert, aber auch gut eine ganz andere Seite hat.
Insgesamt inszenierte Jess Franco etwas unkonventionell, wenn man den Teufel aus Akasawa mit anderen Wallace Filmen vergleicht. Es gibt einige erotische Nebenschauplätze, denn der attraktive Rex Forrester hat mehrere Frauen, die auf ihn abfahren.




Bewertung:7 von 10 Punkten.

Samstag, 14. November 2020

Breakdown


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Jonathan Mostow

Die verschwundene Frau...

"Breakdown" von Jonathan Mostow entstand 1997 und wirkt trotz gutem Budget von 36 Millionen Dollar eher wie ein B-Picture, was aber durchaus positiv gemeint ist. Der Film spielte an der Kasse auch gute 50 Millionen Dollar ein und bescherte dem Hauptdarsteller Kurt Russell einen weiteren Kinohit. Regisseur Jonathan Mostow hatte damit seinen ersten Filmhit und dies ermöglichte ihm die Realisierung des U-Boot Thrillers "U-571", bei dem er nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb und den Film selbst finanzieren konnte. Es folgten "Terminator 3" und der Science Fiction Film "Surrogates".
"Breakdown" beschränkt sich zwar auf das Wesentliche, gewinnt aber durch diesen Focus eine immense Spannung. Der Zuschauer wird an Steven Spiielberg minimalistisches Frühwerk "Duell" erinnert. Aber auch an den holländischen Reißer "Spurlos verschwunden".
Jeff Taylor (Kurt Russell) und seine Frau Amy (Kathleen Quinlan) sind unterwegs auf den endlosen Highways von Boston nach San Diego. Mit dem neuen Jeep Grand Cherokee ist das kein Problem. Da die beiden ein bisschen Zeit haben fahren sie zeitweise attraktivere Nebenstrecken, abseits der Hauptroute. Tatsächlich ist das wüstenähnliche Panorama auch beeindruckend und man fühlt sich beinahe alleine auf diesen Straßen. Dennoch kommt es kurz vor einer Raststätte zu einem Beinahe Zusammenprall mit einem alten Lastwagen. An der Tankstelle muss Jeff aufpassen, dass die Diskussion mit dem LKW Fahrer Earl (M.C. Gainey) nicht in eine handfeste Schlägerei mündet, denn der aufgebrachte und aggressive Mann gibt Jeff die Schuld.
Dann setzt Jeff mit seiner Frau die Fahrt fort, er fährt etwas zügiger als sonst, damit er diesem Streithahn nicht noch einmal begegnet. Das war mögliicherweise ein Fehler. Denn bereits nach einigen Kilometern Fahrt gibt das neue Fahrzeug plötzlich den Geist auf. Zum Glück kommt ein Truck vorbei und der freundliche Fahrer (J.T. Walsh) steigt aus. Er bietet den beiden an mit ihm bis zur nächsten Raststätte zu fahren, dort könne man telefonieren. Da Jeff sein neues Auto nicht gerne alleine in der Wüste zurücklässt, bittet er seine Frau Amy, dass sie alleine mit dem Trucker weiterfährt, man will sich später bei dem besagten Restaurant wieder treffen. In der Zeit des Wartens entdeckt Jeff das an dem Auto ein Steckkontakt gelöst war, er kann also die Fahrt fortsetzen. Doch als er an der Raststätte ankommt, weiß keiner etwas von seiner wartenden Frau oder vom freundlichen Trucker. Die Geschichte wird immer mysteiröser. Denn im Beisein von Sheriff Boyd (Rex Linn) wird der Truck engeholt und der Mann am Steuer behauptet, Jeff noch nie gesehen zu haben und eine Frau habe er auch nicht mitgenommen. Von einem leicht behinderten jungen Mann namens Billy (Jake Noseworthy) bekommt er den Tipp, dass die Polizei hinter dem Verschwinden der Frau stecken könnte...



Der von Dino de Laurentis produzierte Thriller wurde sehr schnell zu einem echten Geheimtipps des Spannungskinos und Kurt Russell ist genau der richtige Darsteller. Mosow legte auch viel Wert auf richtig gute Bösewichte. J.T. Walsh als Kopf eines Quartetts (M.C.Gainey, Jake Noseworthy, Rich Brinkley) von Mördern, die sich aber als normale Bürger tarnen, was besonders beim Höhepunkt des Films zum Tragen kommt. Dort wird auch die Frau des Mörders (Moira Harris) und sein kleiner Sohn (Vinent Berry) mit hineingezogen. Letzterer in einer extrem beklemmenden Szene zwischen seinem Vater und dem fremden Mann, der seine Frau retten will.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 
 

Dienstag, 27. Oktober 2020

Knives out


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Regie: Rian Johnson

 Ein Fall für Benoit Blanc....

Im krisengeschüttelten Corona Filmjahr 2020 leidet die gesamte Filmbranche. Einer der letzten großen Kassenschlager war Rian Johnsons Kriminalfilm "Knives out", in dem der Regisseur von Filmen wie "Brick", "Looper" und "Star Wars: The Last Jedi" eine sehr zeitgemäße Hommage der guten alten Agatha Christie Verfilmungen entworfen hat. Das gesamte Geschehen läuft zielgerichtet auf die Auflösung zu, also auf das "Whodunit" Konzept regiert und für "Knives out" wurde ein bekanntes Darsteller-Ensemble verpflichtet. Rian Johnson hat nicht nur Regie geschrieben, sondern auch das sehr gute Drehbuch verfasst. Dabei zeigt er die Ermittlungen, die nach einem vermeintlichen Suizid, der sich als Mord herausstellt,  mit größtem Einfallsreichtum und Rafinesse. Selbst kleine Logiklöcher kann er bestens kaschieren, so dass das Krimivergnügen bis zum Ende aufrechterhalten bleibt. Der Film kostete 40 Millionen Dollar und spielte 311 Millionen Dollar an der Kinokasse ein.
Im Film geht es um das Ableben des wohlhabenden Krimiautoren Harlan Thrombley (Christopher Plummer), der zu seinem 85. Geburtstag die gesamte Familie in sein Herrenhaus in Massachuetts eingeladen hat. Seine Haushälterin Fran (Edi Patterson) findet ihn aber am anderen Morgen tot in seinem Zimmer, der Hals ist durchgeschnitten. Dennoch geht der örtliche Ermittler Elliott (Lakeith Stanfield) von einem Selbstmord aus, doch eine anonyme Person im Hintergrund hat bereits den Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) beauftragt den Ermittlungen beizuwohnen. Der anonyme Auftraggeber geht von einem brutalen Mord aus - und für den kommt nur seine eigene Familie, die noch im Haus weilt, in Frage. Und tatsächlich ist die vorgegaugelte Familienidylle mehr Schein als Sein. Seinen Sohn Walt (Michael Shannon), der seinen Verlag leitet, wollte er entlassen. Mit seinem Enkel Ransom (Chris Evans) hatte er während der Feier einen Riesenstreit. Schwiegersohn Richard (Don Johnson) hat seine Frau Linda (Jamie Lee Curtis) betrogen und Joni (Toni Collette), seine Schwiegertochter, hat Geld unterschlagen, um sich und ihrer Tochter (Katherine Langford) ein noch exklusiveres Leben zu ermöglichen. Auch sein Nazienkel Jacob (Jaeden Martell) könnte man ein Verbrechen zutrauen. Nur Harlans wahrscheinlich ungefähr 100 Jahre alte Mutter (K Callan) ist zu senil für ein Kapitalverbrechen. Natürlich muss auch Harlans junge Krankenschwester Marta Cabrera (Ana de Armas) zum Kreis der Verdächtigen gezählt werden. Sie war es auch die wohl den Verstorbenen als Letzte gesehen hat, denn sie gab ihm die Nachtmedikamente...



"Knives out" schaffte eine Oscarnominierung als bestes Drehbuch, was Rian Johnson sicherlich sehr gefreut haben dürfte. Bei den Golden Globes gabs sogar drei Nominierugen - für Darsteller Daniel Craig, Darstellerin Ana de Armas und als besten Film. Auch die Performances von Jamie Lee Curtis, Christopher Plummer, Chris Evans und Toni Collette sind klasse. Rian Johnson stellte aufgrund des riesigen Erfolgs eine Fortsetzung in Aussicht, in der erneut Daniel Craig die Rolle des Privatschnüfflers - eine Art Gegenstück zu Hercule Poirot - übernehmen wird.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 18. Oktober 2020

The Gentlemen


 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Guy Ritchie

Das Maximum an krimineller Energie...

Guy Ritchie kehrt zurück in den Bereich, der ihm am besten liegt: Die Gangsterkomödie mit extrem britischen Touch. Bei diesen Filmen wie "Bube, Dame, König, Gras", "Snatch", "Revolver" und "RocknRolla" schrieb er auch die Drehbücher selbst und es gelangen ihm herrliche Dialoge für seine zahlreichen schrägen Vögel, die in diesen Geschichten auftauchen. Die meisten der Protagonisten haben reichlich kriminelle Energie, einige davon sind echte Berufsverbrecher und haben reichlich Dreck am Stecken. Seine Helden sind Geschäftsmänner, die ihr Vermögen durch schmutzige Geschäfte gemacht haben. Es sind nicht immer Drogen, mit denen sie reich wurden, manchmal sind sie im Baugewerbe, manchmal in den Wettbüros tätig. In dem 2020 enstandenen "The Gentlemen" ist Mickey Pearson die Hauptfigur, der von dem wandlungsfähigen Oscarpreisträger Matthew McConaughey gespielt wird. Dieser Mickey Pearson ist der Cannabis-Baron von London und er wird von seinen Gegnern respektiert und gefürchtet. Bis jetzt - denn neuerdings hat er das Gefühl, dass einige Konkurrenten ihm seinen Platz als "Löwe" streitig machen wollen. Pearson kommt von ganz unten - in den USA geboren, erhielt er ein Rhodes Stipendium an der Uni Oxford, wo er begann Marihuana an Kommilitonen zu verkaufen. Dies lief so gut, dass er bald mit etwas Gewalt ein kriminelles Imperium aufbauen konnte. Nun hat er vor einiger Zeit verkündet, dass er sich zur Ruhe setzen will und eher ein beschauliches Leben mit seiner ehrgeizigen Gattin Rosalind (Michelle Dockery) führen möchte. Vielleicht haben seine Konkurrenten ihm diese Aussage als Schwäche ausgelegt. Jedenfalls will er für 400 Millionen Dollar an den amerikanischen Milliardär Matthew Berger (Jeremy Strong) verkaufen. Pearson zeigt Berger eines seiner streng geheimen Dorgenlabore, die sich allesamt auf den Gründstücken aristokratischen Vermieter betreibt. Dies hätte er vielleicht nicht machen sollen, denn gerade das gezeigte Labor wird kurze Zeit später überfallen. Dann meldet sich auch noch Dry Eye (Henry Golding), ein Unterhändler des chinesischen Gangsters Lord George ( ). Und Mickeys rechte Hand und bester Mann Raymond Smith (Charlie Hunnan) bekommt Besuch von dem dubiosen Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant), der Informationen verkaufen will, aber 20 Millionen Dollar für das brisante Material verlangt. Als wären das nicht schon genug wichtige Protagonisten tauchen auch noch russische Gangster auf, ein gekränkter Herausgeber (Eddie Marsan) der Daily Print und ein Box-Coach (Collin Farrell) mit seinen Jungs...




Hört sich sehr vielschichtig an, ist es auch. Aber mit Humor, einem supergut aufgelegten Cast und dem brillianten Drehbuch vergehen die 115 Minuten wie im Flug und man wird prächtig unterhalten. "The Gentlemen" wurde für Guy Ritchie wieder ein riesiger Erfolg, die coole und respektlose Gangsterfarce spielte an der Kasse 115 Millionen Dollar ein und gehört mit diesem Ergebnis zu dem erfolgreichsten Filmen des Jahres 2020.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Donnerstag, 20. August 2020

Narrow Margin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Peter Hyams

Die Kronzeugin...

Regisseur Peter Hyams ist vor allem durch seine Science-Fiction Filme "Unternehmen Capricorn" (1978), "Outland" (1981) oder "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" (1984) bekannt. In den 90ern drehte er Filme mit Jean Claude van Damme (Time Cop, Sudden Death) oder Arnold Schwarzenegger (End of Days). Von seinen Thrillern ist sicherlich der 1990 entstandene "Narrow Margin" die interessanteste und beste Arbeit, wobei der Film an der Kasse alles andere als erfolgreich lief. Und auch die Kritik fand den Film bei seinem Kinostart eher altmodisch.
"Narrow Margin" ist ein Remake des Film Noir "Um Haaresbreite" von Richard Fleischer aus dem Jahr 1952 und auch Peter Hyams lag viel daran, dass auch seine Neuinterpretation viele Elemente der schwarzen Serie beibehalten hat.
Anne Archer, bekannt durch "Eine verhängnisvolle Affäre" für den sie als beste Nebendarstellerin nominiert wurde, spielt die alleinstehende Carol Hunnicut, die durch Zufall Zeugin eines brutalen Mordes wird. Ihre Freundin hatte ihr kurz vorher ein Blind Date mit einem gewissen Michael Tarlow (J. T. Walsh) besorgt. Dieses Rendezvous gestaltet sich recht positiv. Carol und der fremde Mann essen gemeinsam in einem Hotel und erzählt ihr, dass er Anwalt ist. Dann erhält er vom Kellner eine Nachricht, dass er einen gewissen Leo Watts (Harris Yulin) anrufen soll. Er will dieses Telefonat in seinem Appartment im Hotel tätigen und lädt Carol ein mit ihm ins Appartment zu gehen. Sie sagt zu, nichtsahnend, dass Tarlow Besuch bekommt, während sie sich im Bad aufhält. Sie bekommt den Streit mit, der sich zwischen dem Anwalt und Leo Watts abspielt. Am Ende des Gesprächs wird der Anwalt von Leo Watts Handlager in den Kopf geschossen und stirbt. Carol überlebt, weil sie sich still verhalten halt und die Gangster ihre Anwesenheit im dunklen Nebenzimmer nicht wahrnahmen. Durch einige Hinweise bekommt der stellvertretende Staatsanwalt Robert Caulfield (Gene Hackman) mit, dass diese Zeugin existiert, aber inzwischen aus Angst verschwunden ist. Sie wird ausfindig gemacht und Caulfield will alle Hebel in Bewegung setzen die Zeugin zu einer Aussage vor Gericht zu bewegen. Er trifft sie in ihrem Versteck in den kanadischen Rocky Mountains, die Frau weigert sich mitzukommen, denn sie fürchtet um ihr Leben, sobald sie auspackt. Dann fallen auch schon Schüsse, Caulfields Begleiter Sergeant Benti (M. Emmet Walsh) stirbt im Kugelhagel und Caulfield kann in letzter Sekunde mit seiner Zeugin in einem Auto entkommen - ein Helikopter verfolgt die Flüchtigen. Die können sich immerhin bis zur Bahnstation retten und es bleibt ihnen nichts anderes übrig als den Zug nach Vancouver zu nehmen. Doch auch im Zug sitzen bereits Killer (u.a. James Sikking), die Carol nach dem Leben trachten..
 
 


1990 markiert eine gewisse Zeitenwende in unserer Kinolandschaft. Damals gab es noch eine ganze Reihe solcher mittelgroßer Produktionen, bei denen die Investoren schon mal 20 Millionen Dollar einsetzten. Doch die meisten dieser Filme spielten das Geld nicht wieder ein und so wurde mit immer mehr Blockbuster-Filmen die Ära des Eventkinos, wie wir es heute kennen, eingeläutet. Eigentlich schade, denn Hyams elfter Kinofilm ist spannend, gut fotografiert (Peter Hyams fungierte neben der Regie und dem Drehbuchschreiben auch als Kameramann) und ein Kinofilm der alten Garde. Hyams erweist sich auch hier als zuverlässiger Routinier, der einen mitreissenden Film machen kann. Gene Hackman ist natürlich auch hier ein Garant für hervorragendes Schauspiel. Wer Filme liebt, die in einem Zug spielen (ich denke da an Superfilme wie "Eine Dame verschwindet, Shanghai Express, Mord im Orient Express, Verschwörung im Berlin Express, Cassandra Crossing etc.) sitzt bei diesem Neo Noir in der ersten Reihe.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

In a Valley of Violence

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Regie: Ti West

Rache für Abbie...

Ich mag eigentlich keine Filme, in deren Handlungsverlauf ein Tier zu Tode kommt. Doch "In a Valley of Violence" von Ti West aus dem Jahr 2016 ist ein guter Genrevertreter und als Tierliebhaber kann ich mich sehr gut mit der Hauptfigur Paul identifizieren, der mit seinem Hund Abbie und dem Pferd Lady auf Wanderschaft ist. Er wird im Laufe der Handlung zum extremen Rächer, denn die treue Hündin Abbie (gespielt von Jumpy) wird von vier Männern getötet, die Paul einen Denkzettel verpassen wollen. Da bleibt Paul nichts anderes übrig als den Tierquälern die gerechte Strafe zu verpassen.
Ti West wurde bekannt durch die Horrorfilme "House of the Devil" und "Cabin Fever 2", vom dem er sich aber distanzierte, weil er mit der Schnittfassung nicht zufrieden war.
"In a Valley of Violence" lief in den USA nur in ausgewählten Kinos. In Deutschland gabs auf dem Filmfest Oldenburg eine Kinoaufführung, ansonsten wurde der Western aber erst durch die Veröffentlichung auf DVD und BluRay einem größeren Publikum zugänglich. An der Besetzung liegt es sicher nicht, denn Ti West, der auch das Drehbuch schrieb, konnte Ethan Hawke und John Travolta als Hauptdarsteller gewinnen.
Ethan Hawke spielt diesen Wanderer, der mit Hund und Pferd unterwegs ist und kein eigentliches Ziel hat. Der Hund Abbie ersetzt dem Eigenbrötler den Kontakt zu anderen Menschen. Als ehemaliger Soldat, so erfährt man immer mehr im verlauf der traurigen Geschichte, hat er viele schreckliche Dinge nicht nur gesehen, sondern war auch aktiv am Töten beteiligt. Er redet mit dem Hund über "seine Cathy", die er schon lange nicht mehr gesehen hat. Irgendwann wird klar, dass es diese Cathy noch gibt, ja sogar ein Kind von Paul hat, aber der Mann war durch seine Erlebnisse nicht mehr in der Lage zu ihr und zur Bürgerlichkeit zurückzukehren. In dem Kaff Denton kommt es auch zu einer schicksalhaften Begegnung mit dem Rüpel Gilly Martin (Martin Ransone), der Paul provoziert und ihn zum Duell bzw. Kampf herausfordert. Das Ganze endet mit einer blutigen Nase des großspurigen Angebers und er lässt sich von seiner Freundin Ellen (Karen Gillan) verarzten. Ellens jüngere Schwester Mary Anne (Taissa Farmiga) findet es total cool, dass endlich mal ein Mann vorbeikam, der dem Großmaul eine Lektion erteilt hat. Doch leider ist Gilly auch der Sohn und Deputy des hiesigen Marshalls Clyde Martin (John Travolta). Der fordert den Mann auf die Stadt zu verlassen und nie mehr wiederzukommen. Das hat Paul auch nicht vor. Aber in der Nacht wird er von Gilly und seinen drei Handlangern überfallen und vor seinen Augen wird Abbie erschossen. Obwohl Paul um das Leben der Hündin bat. Paul selbst wird in einen Abgrund geworfen. Die Täter glauben, dass er genug hat. Sie haben aber nicht damit gerechnet, dass Paul seinen tierischen Begleiter ohne Gnade rächen wird....




Und das ist auch gut so. "In a Valley of Violence" ist eine Art John Wick im Westerngewand und Ethan Hawke wirkt dabei sehr glaubwürdig als ziellos herumreitender Wanderer, der den Kontakt zu den Menschen verloren hat. Die Musik von Jeff Grace ist sehr markant und passt zum Szenario. Als Mädchen, das dem Fremden am Ende hilft ist auch Taissa Farmiga sehr gut besetzt. Taissa ist die Schwester von Vera Farmiga (Conjuring). Natürlich kommt die Rachestory nicht ohne Verweise an frühere Klassiker aus. So schwingt in der Beziehung zwischen Ethan Hawke und John Travolta, der seinen Sohn schützen will auch ein bisschen von John Sturges "Der letzte Zug von Gun Hill" mit, bei dem zwischen zwei ehemaligen Freunden (Kirk Douglas und Anthony Quinn) Feinde werden, weil Douglas seine Frau rächen will, die vom Sohn von Quinn vergewaltigt und ermordet wurde. Neu und innovativ ist aber in Ti Wests Film, dass ein Tier den gleichen Stellenwert in einer Freundschaft einnehmen kann wie ein Mensch. Und das ist doch grundsätzlich eine schöne Idee, weil ich Tiere auch als gleichwertig ansehe.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten