Regie: Roman Polanski
Die Affäre Dreyfuss...
Roman Polanskis Historienfilm "Intrige" wurde für insgesamt 12
Cesars (Bester Film, beste Regie, bester Darsteller Jean Dujardin, beste
Nebendarsteller Louis Garrel und Gregory Gadebois, Drehbuch,
Szenenbild, Kostüme, Kamera, Schnitt, Ton, Filmmusik) nominiert und
erhielt am Abend des 28. Februar 2020 drei Preise. Neben dem Sieg in der
Kategorie "Kostüme" gingen zwei Preise an den Macher und Regisseur
selbst, denn er schrieb gemeinsam dem britischen Journalisten Robert
Harris auch das ausgezeichnete Drehbuch. Bereits im Vorfeld gab es
massive Kritik gegenüber der Akademie und deren hohe Wertschätzung für
den Film, da Polanski im Jahr 1977wegen "Vergewaltigung einer
Minderjährigen" in den USA angeklagt wurde und noch vor der
Hauptverhandlung außer Landes floh, da er mit einer sehr hohen
Gefängnisstrafe rechnen musste. Seither lebt Polanski in Frankreich und
dreht in Europa zwar keine Meisterwerke mehr für den Filmolymp wie
"Rosemarys Baby" oder "Chinatown", aber dennoch sehr interessante und
beachtenswerte Filme. "Intrige" ist ein solcher Film und mit diesem
Projekt kehrte er wieder zum "Historienfilm" zurück. Seine früheren
Ausflüge in diesem Fach wie "Tess" oder "Oliver Twist" waren aber
Literaturverfilmungen. "Intrige" basiert zwar ebenfalls auf einem Roman,
aber unterscheidet sich aufgrund des Stils doch deutlich von den beiden
Vorgängern, denn "Intrige" ist stark dokumentarisch geprägt.
Diese Machart führt allerdings zur gewollten hohen Authentizität
und bringt dem Zuschauer die Dreyfuß Affäre ins Gedächtnis, jenen
aufsehenerregenden Justizskandal, der die französische Gesellschaft und
die politischen Lager in den letzten Jahren des 19. Jahrhundert tief
spalten würde. Der bisher unbescholtene Artillerie-Hauptmann Alfred
Dreyfuß (Louis Garrel) wird im Jahr 1884 durch ein Kriegsgericht in
paris wegen Landesverrat zugunsten des Deutschen Kaiserreichs zu einer
lebenslangen Haft und Verbannung auf die Teufelsinsel im Atlantik vor
Französisch-Guayana verurteilt. Dreyfuß stammte aus dem Elsass und war
Jude. Man kam damals aufgrund einiger zweifelhaften
Handschriftengutachten zu diesem Urteil. Es vergehen viele Monate. Der
französische Offizier Marie-Georges Picquard (Jean Dujardin) war Zeuge
des Prozesses. Am 1. Juli 1895 wird Picquard als Leiter der
militärischen Spionageabwehreinheit eingesetzt. In dieser Funktion wird
er zur Schlüsselfigur bei der späteren Rehabilitierung des unehrenhaft
aus der Armee entlassenen Sträflings....
Dieser Justizirrtum weitete sich zum riesigen Skandal im ganzen
Lande aus, denn viele antisemitische Kräfte sowie auch klerikale und
monarchistische Politiker wollten den jüdischen Dreyfuß schuldig sehen
und nicht den tatsächlichen Verräter Major Ferdinand Esterhazy. Der Film
schildert die Ereignisse sehr nüchtern und gerade dieser wenig
spektakuläre Stil lässt diese Zeit vor mehr als 120 Jahren wieder
aufleben. Das verhaltene Spiel der Darsteller ist ebenso hervorragend.
Polanski zeigt wie "Machtmißbrauch" schon damals - genau wie heute -
ausserordentlich gut funktioniert und das man "Sündenböcke" braucht. Er
zeigt aber auch, dass man schon damals mit einer gewissen Zivilcourage
diesen ungerechten Systemen Einhalt gebieten konnte. So nimmt die
Passage mit dem Schriftsteller Emile Zola, gespielt von Andre Marcon",
eine Schlüsselposition im Film ein, sein Zeitungsartikel "J´accuse..."
(deutsch: Ich klage an) hat bewirkt, dass dieser schändliche Fall noch
einmal aufgerollt wird und dass am Ende die Gerechtigkeit doch noch
siegen konnte.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
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