Sonntag, 5. Juli 2020
Little Women
Regie: Greta Gerwig
Jo und ihre Schwestern...
Der Roman "Little Women" von Louisa May Alcott wurde zum ersten Mal 1918 von Harley Knoles verfilmt. Es folgte die bekannte Version von George Cukor aus dem Jahr 1933 mit Katharine Hepburn, Joan Bennett, Frances Dee und Jean Parker, die mit dem Drehbuchoscar ausgezeichnet wurde. Mervyn Le Roy drehte 1949 ein Remake mit June Allyson und Elizabeth Taylor. Es vergingen einige Jahrzehnte, doch 1994 drehte Gillian Armstrong ihre Fassung mit Winona Ryder, die an der Kasse mit 50 Millionen Dollar Einspielergnis recht erfolgreich war. Bei der neuestes Adaption der berühmten Coming of Age Geschichte fürs Kino, die während des US-Bürgerkriegs spielt, saß erneut eine Frau auf dem Regiestuhl. Greta Gerwig wurde bereits für ihren Film "Lady Bird" sehr gelobt und erhielt sogar für ihre Regieleistung eine Oscarnominierung. Der Nachfolgefilm kam auf 6 Oscarnominierungen - darunter befand sich erneut Gerwig. Allerdings nicht in der Regiekategorie, sondern die Nominierung gabs für das beste adaptierte Drehbuch. Ebenfalls nominiert nach ihrer Leistung in "Lady Bird" war erneut die Hauptdarstellerin Saoirse Ronan und erstmalig Nebendarstellerin Florence Pugh. Letztere zog gegen Laura Dern den Kürzeren. Dern spielt in "Little Women" die Mutter der vier Teenagermädchen, bekam den Preis aber für den Film "Marriage Story" zugesprochen.
Mit 209 Millionen Dollar Einspielergebnis war der Film ein Riesenerfolg für die Macher, die mit dieser Produktion bewiesen, dass sich Detailreichtum und Authentizität durchaus auch kommerziell auszahlen kann.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1968. Jo Marsh (Saoirse Ronan) glaubt fest daran, dass sie Talent als Schriftstellerin hat. Doch zu dieser Zeit werden die künstlerischen Ambitionen von Frauen nicht besonders ernst genommen. Aber immerhin erklärt sich der Herausgeber Mr. Dashwood (Tracy Letts) bereits die Geschichte von Jo zu veröffentlicht - natürlich mit gewissen Änderungen. Die Geschichte muss ein Happy End haben, denn die Leser lieben Geschichten, in denen die Frau am Ende den erfolgreichen Mann heiratet. Jo lebt mit ihrer Mom (Laura Dern) und ihren drei Schwestern Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) zusammen. Der Vater (Bob Odenkirk) ist leider im Krieg und so fehlt die partriarchische Leitung im Haus. Doch die Frauen-WG funktioniert dennoch prächtig, weil die Mädchen sehr mutig sind, ihre Hobbys pflegen und auch das Abenteuer lieben. Mit ihrem Nachbarn Laurie (Timothee Chalamat) freunden sie sich an und somit auch Lauries Onkel (Chris Cooper). Laurie verliebt sich in Jo, doch die gibt ihm einen Korb. Amy wird von der exzentrischen Tante March (Meryl Streep in einer herrlichen Kurzrolle) nach Paris mitgenommen. Dort trifft sie zufällig auf Laurie und gesteht ihm seine Liebe...
Am Ende veröffentlicht Jo ihren ersten Roman "Little Women" und somit ist auch der autobiographische Anteil bewiesen. Wieder wird Jo zu einem Happy End ihrer Geschichte genötigt und dies schlägt sich natürlich auch in der Realität nieder. Jo bekommt am Ende ihren Friedrich Bhaer, der von Louis Garrel gespielt wird, und eröffnet eine Schule, in der auch ihr Mann und die beiden noch lebenden Schwestern unterrichten. Kameramann war der Franzose Yorick le Saux (Swimming Pool, Carlos, Only Lovers left alive, Personal Shopper). "Little Women" gefällt durch die hervorragende Ensembleleistung, allen voran Saoirse Ronan und Florence Pugh und wurde vom AFI zu den besten 10 Filmen des Jahres gewählt. Die Drehbuchgestaltung ist etwas ungewöhnlich, da der Film unchronologisch inszeniert wurde und durch einige Zeitsprünge ist man vielleicht am Anfang etwas verwirrt. Seltsamerweise verlieht dies dem Film aber auch eine gewisse moderne Dynamik. Die Filmemacherin hat nicht versucht den Bildungsroman neu zu interpretieren, aber sie hat ihn so inszeniert, dass er erfrischend und überhaupt nicht altmodisch daherkommt.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.
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