Dienstag, 23. April 2013

Das Todesspiel



Regie: Buddy van Horn

Dirty Harry, ein Serienkiller und eine Harpune...

1988 tauchte Inspektor "Dirty" Harry Callahan zum fünften und letzten Mal auf der großen Kinoleinwand auf und wie immer hat er alle Hände voll zu tun. Der Serienkillerfilm "Das Todesspiel" von Buddy Van Horn zeigt schon zu Beginn Harry im Visier der Mafia.  Denn der Obergangster Lou Janero (Anthony Chamota) kam vor allem durch die mutige Zeugenaussage des Inspektors ins Gefängis - das hindert ihn aber nicht daran aus seiner Zelle Killer zu organisieren. Für seinen Beitrag gegen gegen die Kriminalität ist Callahan auch zum populären Medienmann aufgestiegen. Die TV Journalistin Samantha Walker (Patricia Clarkson) will unbedingt ein Interview von ihm, seine Vorgesetzten drücken ihm einen chinesischen Partner (Evan C. Kim) auf, weil das gut für die Publicity ist.
Größere Sorgen macht Harry allerdings der Mord an dem drogensüchtigen Rocksänger Johnny Squares (Jim Carrey) , der mitten in Dreharbeiten für den Film des Horrorregisseurs Peter Swan (Liam Neeson) steckte. Im Zusammenhang dieser Ermittlungen taucht ein ominöses Todesspiel am Set auf, die Filmleute spielten dieses makabre Spielchen, indem jeder Mitspieler 10 Prominente nennt, die durch ihren Lebenswandel gefährdet sind, das Zeitliche schnell zu segnen. Dort taucht dann der Name von Johnny Squares auf, ebenso ein weiterer kürzlich Verstorbener der Filmcrew, aber auch Harry Callahan befindet sich auf dieser Liste...


"Das Todesspiel" ist zwar nicht der beste Beitrag aus der Dirty Harry Reihe, aber wie gewohnt bietet Clint Eastwood einen spannenden Krimi der alten Schule mit einer zwar konstruierten, aber doch sehr unterhaltsamen Serienkillerstory. Für den noch jungen Jim Carey war der Film mit ein Sprungbrett für die spätere Weltkarriere.
Auch Liam Neeson musste noch einige Jahre bis "Schindlers Liste" warten, um zu den großen Stars Hollywoods aufzusteigen.
Unvergesslichste und beste Szene ist übrigens die absurde Jagd eines ferngesteuerten Miniaturautos auf die großen Autos in den Straßen von San Francisco.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 14. April 2013

Argo



Regie: Ben Affleck

Canadian Caper...

Die sechs US-Konsulatsmitarbeiter Robert Anders (Tate Donovan) ,, Mark J. Lijek (Christopher Denham), seine Frau Cora (Clea DuVall), Henry L. Schatz (Rory Cochrane), Joseph D. Stafford (Scoot McNairy) und dessen Fau Kathleen (Carrie Bishe) erleben am 4. November 1979 um 11:30 Uhr die Erstürmung der amerikanischen Botschaft in Teheran. Etwa 400 iranische Studenten der Gruppierung Daneshjuyane Khate Emam nehmen an diesem Tag 52 US.Diplomaten als Geiseln, um die Auslieferung des früheren Schah Mohammed Reza Pahlavi zu erzwingen, der in New York in einer Klinik behandelt wurde und von den Amerikanern Asyl erhielt. Da die sechs Angst um ihr Leben haben, flüchten sie aus dem Botschaftsgebäude und tauchen beim kanadischen Botschafter Kenneth D. Taylor  Victor Garber) unter. Eine Flucht ausser Landes scheint nicht möglich, die Gefahr des Entdecktwerdens ist sehr groß.
Neben dem Hauptproblem – den 52 Geiseln in der Hand der iranischen Botschaftsbesetzer und, allgemein, der stark antiamerikanisch aufgeladenen Stimmung im Iran – stellen sich für die US-Behörden weitere Probleme, allen voran die Evakuierung weiterer, noch im Land verbliebener US-amerikanischer Staatsbürger. Besonders prekär ist die Situation dieser sechs Botschaftsmitarbeitern. Doch die CIA befasst sich bereits mit den Möglichkeiten, wie eine Rettungsaktion aussehen kann. Ben Afflecks überraschend oscarprämierter Film "Argo" schildert die von der CIA gestartete Rettungsaktion "Canadan Caper" zur Befreiung dieser sechs Untergetauchten. Als Krisenmanager wird Tony Mendez (Ben Affleck), ein versierter Geheimdienstmitarbeiter beauftragt. Der wird durch die "Schlacht  zum Planet der Affen" auf die sonderbare Idee gebracht, den Science Fiction Film "Argo" zu erfinden - Filmleute sollen im Iran nach exotischen Locations für die Drehbarbeiten suchen - der Plan ist aber die sechs Untergetauchten mit fingierten Papieren als fingierte Filmcrew ausser Landes zu bringen. Zu diesem Zweck werden auch die Hollywood Altgedienten John Chambers (John Goodman) und Lester Siegel (Alan Arkin) ins Spiel gebracht, damit das Filmprojekt "Argo" möglichst glaubwürdig wird. Dazu gehört auch eine riesige Werbetrommel das Projekt, vermutlich nah an "Star Wars, bekannt zu machen. So reist Mendez als Filmmensch in den Iran, die Aktion Befreiung und Flucht ausser Landes kann beginnen. Das Aufdecken der Aktion hätte die Todesstrafe zur Folge...

Ben Affleck hat mit "Argo" nach "Gone Baby Gone" und "The Town" bereits den dritten sehr guten Spielfilm gemacht. Er macht auch als Hauptdarsteller eine gute Figur, wobei Alan Arkin die besten Szenen hat und das Wiedersehen mit John Goodman freut natürlich auch. "Argo" ist optisch perfekt gelungen, man hat das Gefühl einen Politthriller aus den 70ern zu sehen. Hier hat der Regisseur größten Wert auf hohe Authentizität gelegt. Eine sehr aufschlußreiche Geschichtsstunde der jüngeren US-Geschichte hat Ben Affleck hier ausgewählt, die auch die Cooperation von CIA und Hollywood offenlegt. Diese beiden Hollywood Größen Siegel und Chambers bestreiten auch den sehr witzigen Part, der immer mal wieder für Auflockerung sorgt. Spürbar bleibt aber auch immer die extrem bedrohliche Lage der Untergetauchten. Der Höhepunkt bildet dann auch die Aktion vom Aufbruch an den Flughafen, bis der Held mit seinen Flüchtlingen im Flugzeug der Swiss Air sitzt, vergehen schweißtreibende Minuten des Mitfieberns, obwohl ja der Ausgang bekannt ist und die Aktion, anders als Carters Befreiungsversuch, erfolgreich war. Ben Afflecks Arbeit erinnert wohltuend an Spielbergs "München".

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

End of Watch



Regie: David Ayer

Männer vom Los Angeles Police Department...

"End of Watch" ist ein Polizeithriller, der teilweise im Found Footage Stil aufgenommen wurde und daher dieser Handkamera-Effekt entsteht, der bereits bei neuen Klassikern wie "Rec", "Cloverfield" oder "Blair Witch Project" wichtiges dramaturgisches Mittel war, eine hohe Authentizität zu suggerieren.
Natürlich hat der Filmfan diese Wackelkamera-Optik schon öfters verflucht, denn die Frage ist ja immer noch, wie realistisch es denn wirklich ist, wenn einer der Figuren ständig am Filmen ist und zwar auch dann wenn a) Zombies auf dich Jagd machen b) die Welt von Ausserirdischen Aliens angegriffen wird oder c) die Streifenpolizisten gerade von Killern gejagt werden...also da war "Blair Witch Prject" als der Vorreiter dieser Filme noch der plausibelste von Allen, da die drei Wanderer Filmequipemtn dabei hatten, weil sie drehen wollten und in dieser Einöde des Waldes auch jede Menge Zeit hatten.
Hier in "End of March" wirkt es erstmals auch aufgesetzt, auch wenn die Handkamera dann doch gute Bilder entstehen lässt. Eine Autoverfolgungsjagd am Anfang - sehr gut ins Szene gesetzt. Es muss ein Studenprojekt herhalten, dass Brian Taylor (Jake Gyllenhal) vom Los Angeles Police Department so eine Kamera bei seinem Dienst dabei hat, er filmt den Alltag seiner Kollegen - denen missfällt das natürlich und natürlich gibts wieder diese obligatorische "Mach doch mal diese verdammte Kamera weg" Szene.
Irgendwann findet Regisseur David Ayer die Idee mit der Kamera auch nicht mehr so gut, er macht zwar mit dieser Optik generell weiter, aber er lässt Brians Kamera links liegen, was dann auch angesichts der spannender Geschichte auch dem Zuschauer gelingt.
Erzählt wird vom täglichen Routineeinsatz der Cops Officer Taylor und Officer Miguel Zavala (Michael Pena), die ihren Dienst in South Central von Los Angeles verrichten. Der Job ist extrem gefährlich. Denn die Schwarzen kämpfen gegen die Latinos um die Vorherrschaft im Stadtteil. Vor allem die Latino Gang sind extrem gewaltbereit.
Zavalas Frau Gabby (Natalie Martinez) bringt in dieser Zeit ihr erstes Kind zur Welt und Brian heiratet seine Freundin Janet (Anna Kendrick). Bei einem Hausbrand erweisen sich die beiden Cops als Lebensretter, sie werden dann auch von ihrem Kollegen befeiert. Doch ein mexikanisches Drogenkartell hat es auf die beiden Bullen abgesehen...

Die Szene, in der die beide Polizisten von dem Drogenkartell in einen fiesen Hinterhalt gelockt wird, ist extrem stark ausgefallen, sie bildet den dramatischen Höhepunkt dieses guten Genrefilms von einem Regisseur, der gerne düstere Polizeithriller inszeniert. "Training Day" von Denzel Washington ist sicherlich sein bekanntester Film, aber auch "Street Kings" oder "Swat" können sich als gute Genrebeiträge durchaus sehen lassen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

ID:A



Regie: Christian E. Christiansen

Idas Vergangenheit...

Mit einer ausgeprägten Amnesie, dieser fatale Form der Gedächtnisstörung für zeitliche und inhaltliche Erinnerungen, liessen sich schon immer gute Thriller konstruieren. Gregory Peck hatte dieses Problem in "Ich kämpfe um dich", aber auch in "Die 27. Etage". Matt Damon als Bourne suchte verzweifelt nach der eigenen Vergangenheit, auch Christopher Nolan verpasste seinem Hauptdarsteller Guy Pearce in "Memento" eine zünftige Gedächtnislücke. Tom Cruise hatte in "Vanila Sky" dieses Problem, in "Hangover" hatten gleich ein paar beste Freunde einen Filmriß vom Feinsten. In "Angel Heart" half Satan persönlich dem vergesslichen Mickey Rourke auf die Sprünge, Laura Harring als Rita suchte in "Mullholland Drive" nach Antworten, sie fand allerdings nur noch mehr Verwirrungen.
"ID:A" steht für anonyme Identität und so heißt auch der neue Gedächtnisverlust-Thriller aus Dänemark, der anfangs in Frankreich spielt. Dort an einem Fluß liegt eine Frau (Tuva Novotny), die aufwacht - aber sich an überhaupt nichts mehr erinnern kann. Sie weiß nicht wer sie ist, noch was sie dort an diesem Fluß zu suchen hatte. Sie verlässt diesen unbekannten Ort und mietet sich in nächsten Ort ein Zimmer in einem Hotel. Dort entdeckt sie in dem Seesack, den sie dabei hatte, eine ganze Menge Geld, eine Pistole und eine Zeichnung, die einen Mann abbildet. Bald tauchen auch schon Verfolger auf, die sie suchen. Sie findet heraus, dass in der Nähe des Flußes auch das Domizil eines niederländischen Politikers war, der wurde ermordet. Auch ein paar weitere Leichen wurden in der Nähe gefunden. Pierre (Arnaud Binard), der Sohn der Hotelbesitzerin, hilft ihr so gut er kann. Sie findet in den nächsten Tagen immerhin heraus, dass sie aus Dänemark stammen muss. Also auf nach Kopenhagen. Unterwegs hört sie dann im Bus die Musik des Tenors Just Ore (Flemming Enevold), die ihr extrem bekannt vorkommt. In Kopenhagen angekommen wird sie in der Stadt von einem Transvestiten als "Ida" erkannt. Sie besucht ein Komzert des Sängers Just Ore und plötzlich kommt etwas Licht ins Dunkel...

104 knackige Minuten Unterhaltung hat der dänische Thriller "ID:A" von Christian E. Christiansen zu bieten. Dabei ist die erste Stunde des Thrillers eine sehr gute Suspence Vorstellung, lediglich fällt durch die sehr konstruierte Auflösung ein bisschen die aufgregende Qualität der Story. Klar, Amnesiethriller sind meistens dann richtig gut, wenn die Auflösung noch im Verborgenen liegt und man als Zuschauer sich mental daran beteiligt, die Puzzleteilchen mühsam zusammen zu setzen.
Meines Erachtens eine gute Genrearbeit, die für gute Spannung sorgt - lediglich der Showdown wirkt dann etwas zu obskur. Man hätte Ida da sicherlich gewünscht, weiterhin Amnesie zu haben, denn das Umfeld, ind em sie gelebt hat, war alles andere als wertvolle Erinnerungen. Der Filmbösewicht macht seine Sache auch sehr gut. 
Bewertung. 6,5 von 10 Punkten.

Der Uhrmacher von St. Paul



Regie: Bertrand Tavernier

Der unbekannte Sohn...

Die vielleicht bekannteste Arbeit des Filmregisseurs Bertrand Tavernier, der aus Lyon stammt, ist wahrscheinlich der 1986 entstandene Jazzfilm "Um Mitternacht". 1974 realisierte er mit dem Roman von Georges Simeon "Der Uhrmacher von St. Paul" seinen ersten Spielfilm. Die Handlung der Geschichte verlegte Tavernier in seine Heimatstadt Lyon und diese wurde von Kameramann Pierre William Glen auch sehr gut eingefangen. Dabei wird der Kriminalfilm auch um eine politische Variante erweitert und domiierend lebt aber der Film von seiner sehr differenzierten Charakterstudie eines Vaters, dessen Sohn plötzlich einen Mord begangen haben soll. Dieser Uhrmacher Descombes (Philippe Noiret, der klasse spielt) lebt mit seinem Sohn im Altstadtviertel St. Paul in Lyon. Descombes hat viele gute Freunde und ist ein angesehener Bürger, der sich immer wieder mit seinen Kumpels trifft - gemeinsam essen sie und unterhalten sich über Wirtschaft und Politik. Descombes selbst ist eher unpolitisch, im Gegensatz zu vielen seiner Freunden, die eher politisch links und gewerkschaftsnah stehen. Eines Morgens - gerade als er seinen Laden öffnen will - bekommt der besonnenne Mann Besuch von der Kripo. Der mit einem Mordfall beauftragte Inspektor Guilboud (Jean Rocheford) teilt ihm mit, dass Descombes Sohn Bernard (Sylvain Rougerie) der Hauptverdächtige sei. Dieser befindet sich auch auf der Flucht...gemeinsam mit seiner Freundin namens Liliane Torrini (Sylvia Pascal), die auch seine Komplizin sein soll. Diese Nachricht trifft den Vater wie ein Schock, er muss sehr schnell erkennen, dass sein Sohn viele Geheimnisse hatte...

Im Zusammenhang mit Tavernier fällt mir spontan ein, dass sein großartiger Mitttelalterfilm "Die Passion der Beatrice" immer noch nicht als deutschsprachige DVD erschienen ist. Mit seinem Erstling "Der Uhrmacher von St. Paul" schuf er einen sehr leisen, ruhigen Film, der so gut wie keine Action hat, dafür aber mit einer eindringlichen, psychologischen Studie zu gefallen weiß. Daraus bezieht der Film seine Spannung, auch die verständnisvolle Beziehung zwischen Uhrmacher und dem Kommissar ist gut gestaltet. Krimifans kommen durch diese subtile, sensible Gestaltung der Figuren auf ihre Kosten, man sollte aber keinen Kracher erwarten, der von Höhepunkt zu Höhepunkt eilt. Tavernier orientierte sich sicherlich auch am unaufgeregten Inszenierungstil der Chabrol Krimis aus dieser Zeit. Der Film entstand 1974 und erhielt den Silbernen Bären.

Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Our Day will come



Regie: Romain  Gavras

Lehrer und Schüler...

Ein ziemlich sonderbares, aber durchaus sehr originelles Roadmovie und Außenseiterepos zugleich: Roman Gavras "Our Day will come" handelt von den Nöten rothaariger Menschen, die nicht selten durch die Haarfarbe ins Abseits gestellt werden. So auch der schüchterne, rothaarige Remy (Olivier Barthelemy), der ziemlich frustriert ist - seine Mutter und seine Schwester halten ihn für einen echten Loser. Es gibt ständig Ärger dort - aber auch beim Fußballverein, besonders in der Umkleidekabine kommt es immer wieder zu heftigen Kränkungen durch seine Sportkameraden. Er ist das typische Opfer für Hänseleinen. Im Internet immerhin hat er in einem Chat eine Freundin gefunden, er kennt aber nur ihren Avatar. Als es wieder mal Zoff zuhause gibt, haut er ab und trifft auf den älteren Patrick (Vincent Cassel), ein Psychotherapeut, der es satt hat, weiterhin die immer gleichen Problemen seiner Patienten anzuhören. Patrick beschließt daher den naiven Remy unter seine Fittiche zu nehmen und ihn nach seinem Gusto zu manipulieren. Die Charakterformung versagt aber ab dem Zeitpunkt als der Schüler die Rolle des Lehrlings abstreift und das Gelernte wahnhafte Züge annimmt. So verfällt Remy dem Glauben, dass er nur im gelobten Land Irland glücklich sein kann, weil seine Haarfarbe dort sehr stark vertreten ist. Mit allen Mitteln will er nun Frankreich hinter sich lassen. Doch der Weg wird blutig...


 
Der Film stellt eine Art von Roadtrip des Hasses, der Gewalt und der Lust an der Selbstzerstörung dar. Das düstere Psychodrama ist visuell stark und erzählt von den seelischen Abgründen eines rothaarigen Meisters und seines gelehrigen, rothaarigen Schülers, der sich schon lange danach sehnt, aus seiner Rolle des ewigen Verlierers auszubrechen.
Beide Darsteller passen perfekt zu ihren Rollen. Ein neurosegeplagter Junge und ein ausgebrannter Zyniker, der die krankhafte Entwicklung seines Versuchskaninchens nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern auch fleissig antreibt. Insgesamt ein sehr verstörender, aber insgesamt auch faszinierender Film des neuen französischen Kinos.

 
 Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Donnerstag, 11. April 2013

Wild at Heart



Regie. David Lynch

That´s Rock´n`Roll...

Auch "Wild at Heart" hat einige für David Lynch typische horrorartige Merkmale, ist aber in der Gesamtheit eher ein tragisches Roadmovie, der ein verrücktes Liebespaar auf ihrer Flucht vor der bösen Umwelt begleitet - doch die Straße führt sie weiter hinein in die böse, feindlich gesonnene Umwelt. Am Ende steht dann als einzige Schönheit in dieser feindlich gesonnenen Welt die gemeinsame Liebe.
Sailor Ripley (Nicholas Cage) liebt Lula Pace (Laura Dern) - doch die junge Liebe ist ein Dorn im Auge von Lulas durchgeknallter Mom Marietta Fortune (Diane Ladd), die einen Killer engagiert, der Sailor kalt machen sollen. Die Messerattacke überlebt Sailor, doch er hat seinen Angreifer tot geschlagen und muss dafür zwei Jahre in den Knast. Am Tag der Entlassung wartet seine Lula auf ihn. Beide flüchten - ihnen auf den Fersen ist Johnny Farragut (Harry Dean Stanton), der abgehalfterte Liebhaber der Mama und auch der Mafiaboss Macello Santos (J. E. Freeman), der unabhängig voneinander zwei Killer auf die Liebenden hetzt...sowohl Farragut als auch Santos handeln auf Betreiben von Marietta, die immer wahnsinniger wird. Immer wieder legt das Liebespaar Pausen ein, sie steigen in Motels ab, machen Liebe oder lernen zwielichtige Gestalten wie Bobby Peru (Willem Dafoe) kennen. Auf dem Highway sind als Fixpunkte immer dieser gelb markierten Streifen in der Mitte der Straße zu sehen. Eines der Motive, die in "Wild at Heart" an Victor Flemings "Wizard of Oz" erinnern. Immer wieder taucht die böse Hexe des Ostens auf, wie Dorothy versucht auch Lula mit ihren Schuhen den Befehl zu geben, endlich wieder in Kansas zu sein. ..



Die beste und traurigste Szene des Films ist die als Sailor und Lula in der Nacht zu einem Unfall kommen, ein Mädchen (Sherylinn Fenn) irrt am Unfallort als einzige Überlebend unter Schock umher und stirbt vor den Augen der Beiden. Selten hat eine Filmszene so berührt und ist so unter die Haut gegangen wie diese. Dazu die musikalische Untermalung in Perfektion: Chris Isaak steuert den Soundtrack in Vollendung bei. Wie oft in Lynchs Werk spielt der rebellische Gedanke des RocknRoll eine große, dominierende Rolle - so auch in "Wild at Heart", das große Hobby des Paares ist das Tanzen in den kleinen angesagten RocknRoll Schuppen. Dabei unterstreicht die auffällige Schlangenlederjacke von Sailor Individualität und Freiheit.
Auch wenn ich "Blue Velvet", "Lost Highway", "Mullholland Drive" und auch "Fire walk with me" besser finde - auch "Wild at Heart" ist ein sehr interessanter. aussergewöhnlicher Film. Vielleicht übertreibt es Lynch hier mit seinen Überzeichnungen ein bisschen. Im Grunde übrzeugt der Film aber als ein böses Märchen mit vielen widerwärtigen Gestalten ud einer destruktiven Auswegslosigkeit, die immer spürbar ist.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.