Regie: Guillaume Canet
Cop und Gangster - Die ungleichen Brüder...
Guillaume Canet ist ein französischer Regisseur, Schauspieler und
Drehbuchautor, der 2003 für seine erste Regiearbeit "Bad, bad Things"
bereits Nominierungen für einen Cesar und auch für den Felix, den
europäischen Filmpreis, erhielt. Mit dem Kriminalfilm "Kein
Sterbenswort" konnte er 2006 einen weiteren Erfolg verbuchen - der
Thriller machte an den französischen Kinokassen eine gute Figur und
Canet konnte damit sogar den Cesar als bester Regisseur gewinnen. 2013
drehte er mit "Blood Ties" nun den ersten englischsprachigen Spielfilm -
interessanterweise ist es ein Remake des Thrillers "Rivals" von Jacques
Maillot, also ein Film, indem er 2008 selbst die Hauptrolle spielte.
Die Handlung wurde allerdings vom franzöisischen Lyon nach Brooklyn
verlegt. Geblieben ist aber das blutige Band zwischen zwei ungleichen
Brüdern und in beiden Streifen wird der Zuschauer in die 70er Jahre
zurückversetzt. Möglicherweise sind Filme, die in den 70ern spielen
momentan ein bissel im Trend...ich denke da an "American Hustle", "The
Quiet Ones" oder "Conjuring". Aber warum auch nicht ? In diesem
innovativen Jahrzehnt entstanden ja auch einige der besten Filme aller
Zeiten und damals interessierten sich die Kinogänger für kontroverse
Stoffe und ambivalente Helden.
"Blood Ties" basiert auf
dem Roman "Deux freres: Flic & Truand" von Bruno und Michel Papet
und erzählt von dem ungleichen Brüderpaar Chris (Clive Owen) und Frank
(Billy Crudup), die im Jahr 1974 wieder aufeinander treffen. Nachdem
Chris 12 Jahre im Knast eine Strafe verbüßte. Er ermordete damals den
Vergewaltiger und Mörder seiner Freundin bestialisch. Nun ist er
Freigänger und kann auch weiterhin in Freiheit bleiben, wenn er eine
Arbeit vorweisen kann. Sein Bruder Frank ist Polizist bei der New Yorker
Polizei und besorgt ihm einen Job in einer Autowerkstatt. Vater Leon
(James Caan) freut sich sehr, muss aber immer wieder mitansehen, wie
sehr sich die Brüder misstrauisch gesinnt sind. Chris wirft seinen
jüngeren Brüder vor, dass dieser ihn 9 Jahre nicht mehr im Knast besucht
hat und auch eine Geschichte aus der Kindheit ist noch nicht vergessen.
Frank sollte für Chris Schmiere stehen und ihn mit einem dreimaligen
Klopfen bei diesem Einbruch warnen, wenn die Polizei kam...dies tat er
nicht und Chris wurde damals zum ersten Mal verhaftet. Danach zieht sich
seine kriminelle Karriere wie ein roter Fader durch sein Leben. Mit
Monica (Marion Cottilard), seiner Exfrau, hat er zwei Kinder (Charlie
und Daisy Tahan), für die er nach so vielen Jahren ein Fremder ist. Um
die Kinder behalten zu können und für sie zu sorgen wurde aus Monica
eine Prostituierte. Darüberhinaus hat die Frau auch ein Drogenproblem
und sieht in Chris einen Versager. Der tut sich bei der neuen
Arbeitsstelle schwer, denn er muss die Drecksarbeiten machen und
verdient wenig. Immerhin lernt er dort die junge Büroangestellte Natalie
(Milla Kunis) kennen, mit der er ein Verhältnis eingeht. Frank verfolgt
seit mehreren Wochen seine dunkelhäutige Exfreudin Vanessa (Zoe
Saldana), die er vor einigen Jahren verlassen hat. Mit der Verhaftung
ihres jetzigen Freundes (Matthias Schoenaerts) scheint der Nebenbuhler
aus dem Feld geräumt zu sein. Währenddessen begibt sich Chris wieder in
alte Muster, er schmeißt den Job und verdient mit Verbrechen sein
Geld...
Der Film ist vor allem durch die sehr gute
Ensembleleistung der Akteure sehenswert. Alle Darsteller spielen ihre
Rollen sehr glaubwürdig. Clive Owen und Billy Crudup passen sehr gut als
ungleiches Brüderpaar. Aber auch die Nebendarsteller wie Marion
Cottilard, Mila Kunis oder Zoe Saldana sind sehr gut ausgewählt. Am Ende
überzeugt auch vor allem die eine Szene, die einen versöhnlichen Haken
in die Vergangenheit schlägt. Canet selbst, der hier auch gemeinsam mit
James Gray das Drehbuch schrieb, darf man loben: Nicht nur eine gute
Regiearbeit, auch die Story ist gut aufgebaut und steigert die Spannung.
Dabei ist eine gute Balance zwischen Thriller und Familiendrama
entstanden. Ein Film, der mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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