Sonntag, 23. November 2014

No Turning back (Locke)

















Regie: Steven Knight

Locke...

Schade, dass man Steven Knights One-Man Autofahrt "Locke" in Deutschland in den eher nichtssagenden Titel "No Turning back" umwandelte, dabei ist dem Briten, der jüngst Jason Statham in "Redemption" als Liebhaber einer Nonne zeigte, ein kleines Meisterwerk geglückt. Darüberhinaus kommt er der Idee von Alfred Hitchcock schon sehr nahe, der immer diesen ulitmativen Thriller in einer Telefonzelle drehen wollte. Tom Hardy spielt in dem etwas anderen Roadmovie den Bauleiter Ivan Locke aus Birmingham, der genau an diesem heutigen Tag eine Entscheidung getroffen hat, die weitreichenden Einfluß auf sein weiteres Leben haben wird. Im Grunde ist das die berühmte Geschichte von dem Kartenhaus, dass jeden Moment einstürzen kann und dann nichts mehr ist wie es einmal war.
Dabei ist Ivan Locke ein überaus korrekter Mann -sowohl in seinem Beruf als Bauleiter als auch als guter Ehemann von Katrina (Stimme von Ruth Wilson) und Super Dad von Eddie und Sean (Stimmen von Tom Holland, Bill Milner). Mit denen wollte er sich das Fußballspiel heute im Fernsehen ansehen, obwohl ja die Nacht ganz im Zeichen seines Arbeitsplatzes steht, denn er müsste sich mit seinem Assistenten Donal (Stimme von Andrew Scott) um die Vorbereitung des Gusses kümmern. Wenn da etwas schief laufen würde, wäre sowohl der finanzielle Schaden als auch das Prestige der Baufirma völlig ruiniert. Doch Ivan Locke befindet sich weder beim Fußballspiel, daheim vor heimischer Glotze noch auf dem Bau. Er fährt in Richtung London, weil sich eine gewisse Behan (Stimme von Olivia Colman) im Kreissaal befindet. Die 43jährige Frau erwartet ein Kind - und Ivan ist der Vater. Und für das war nur ein einziger Seitensprung in den ganzen 15 Jahren Ehe notwendig. Er hat sich aber entschlossen die Frau, mit der ihn sonst nichts ausser dieses One Night Stand verband, bei der Geburt des gemeinsamen Kindes zu begleiten. Er will für das Baby sorgen. Auf der langen, endlos scheinenden Fahrt in die britische Hauptstadt ist der Verkehr fliessend und Ivan Locke telefoniert fast durchgehend...mal mit seiner Frau, mal mit der äusserst sensiblen Bethan, mal mit seinen beiden Kids. Auch mit seinem Arbeitgeber, von dem er während der Fahrt fristlos gekündigt wird und mit seinem Assistenten, der leider nicht ganz so versiert und professionell scheint für das große Bauprojekt die letzten lebensnotwendigen Vorkehrungen zu treffen..

.ein aussergewöhnlicher Film, bei dem man sich daran gewöhnen muss, dass in den 85 Minuten nicht viel passiert. Wir sehen Ivan Locke beim Autofahren zu und werden Zeuge seiner diversen Gespräche am Telefon. Am Ende gibt ihm die enttäuschte Frau den Laufpass, die Kids sind besorgt, dass der Vater nicht mehr ganz normal nach Hause kommt. Der Vorgesetzte befürchtet das Scheitern des Projekts, doch Ivan verspricht ihm, dass alles klar gehen wird - er wird weiterhin seinem Assistenten hilfreich zur Seite stehen. Das ist der dem Projekt schuldig, doch er hat Prioritäten gesetzt und die sind eindeutig bei dem kleinen Erdenbürger, der bald die Welt zum ersten Mal erblicken wird. Durch den vortrefflich gewählten Schlußakkord keimt tatsächlich noch so etwas wie Hoffnung auf, die man im Laufe dieses beklemmenden Movies verloren hat. Es ist ein gespenstisches Szenario, wenn man diesen nächtlichen, ruhig fliessenden Verkehr auf der Autobahn betrachtet und mittendrin einen Mann, der gerade seine Existenz verlieren könnte. Das wurde klasse inszeniert, man fühlt ein bisschen wie gering der Mensch doch ist, da ja seine sicher geglaubte Existenz im Nu auf der Kippe steht und dies mit nur einem Ausrutscher neben der üblichen Spur . Für seine formidable Darstellerleistung erhielt Tom Hardy eine Nominierung als bester Darsteller für den Europäischen Filmpreis 2014.

Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

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