Sonntag, 9. November 2014

Auge um Auge

























Regie: Scott Cooper

Der vermisste Bruder....

Sie leben in Mobile homes, schauen Bigfoot Monstertruck-Rennen und Wrestling Kämpfe in der Glotze, rauchen oder saufen und verschleudern das wenige Geld, das sie haben im McDonalds. Die Rede ist vom "White Trash (Weißer Abschaum) wie die Mitglieder der weißen Unterschied in den USA verächtlich genannt werden. Auf dem Land nennt man sie auch "Rednecks" oder "Hillbillies" - also Hinterwäldler und spätestens seit dem Welterfolg von John Boormans "Deliverance" sind sie öfters Gast im Kinofilm. Man könnte sogar sagen, dass sie seit einiger Zeit extreme Hochkonjunktur als Leinwandfiguren haben. Diese Typen, die sich nicht um gängige Gesetze scheren, wie man in den Südstaatenfilmen "Weißer Terror" oder "Mississippi Burning" bereits eindrucksvoll gesehen hat. Als fiese Monster eignen sie sich gut für den Horrrorfilm, so setzte ihnen Rob Zombie ein eindrucksvolles blutiges Filmdenkmal mit "The Devils Reject". Auch auch völlig durchgeknallte Familien konnten sie schon punkten...bestes Beispiel dafür ist William Friedkins leider viel zu unterschlagener "Killer Joe" oder die Boxerfamilie Ward aus "The Fighter". Als Kids ohne Skrupel mit viel Aggressionspotential zeichnete sie Larry Clark sehr treffend im "Ken Park" oder in "Bully". Seit einigen Jahren werden die Dramen um diese Unterschied regelmässig oscarnominiert: Eine glä nzend aufgelegte Mellissa Leo in "Frozen River" oder everybodys Darling Jennifer Lawrence in "Winters Bone"....ob an der Grenze zu Kanada oder in den Ozarks in Missouri. Die Not ist immer groß...es herrscht Inzucht, Gewalt und Mißbrauch vor.
In der jüngsten Zeit ist neben "Joe" vor allem der Rachethriller "Auge um Auge" ein erwähnenswertes Beispiel seiner Gattung. Regisseur Scott Cooper ist bekannt durch "Crazy Heart" - der Film, der Jeff Bridges nach gefühlten 50 Oscar-Nominierungen endlich den großen Triumph bescherte. 
Der düstere Film spielt in Nord Braddock im Allegheny County in Pennsylvania. Diese Gemeinde ist stolz darauf sich "Geburtsort des Stahls" nennen zu dürfen. Die Volkszählung von 2010 kam auf 4.857 Einwohner. Ein enormer Rückgang gegenüber den 30er Jahren, als man noch 16.782 Menschen zählte. Der Grund ist der allmähliche Niedergang der Stahlindustrie in dieser Gegend.
Russell Baze (Christian Bale) ist einer dieser Arbeiter des Stahlwerks, er hat immerhin einen Job - ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Rodney (Casey Affleck), der bisher im Irak stationiert war, weil er fürs Vaterland kämpfen wollte und nun keinen Fuß mehr fassen kann. Der Vater ist schwerkrank und bettlägerig, aber immerhin funktioniert Russels Beziehung zu der dunkelhäutigen Lena Taylor (Zoe Saldana) , das Paar wohnt zusammen. Mit seinem Onkel Red (Sam Shepard) geht Russell manchmal in den Wald, um Wild zu jagen. Eines Nachts verursacht der betrunkene Russell nach einer Kneipentour einen folgenschweren Verkehrsunfall mit Todesofpern. Er wird dafür verknackt. Als er die Strafe abgesessen hat, findet er zwar schnell wieder Arbeit im Stahlwerk - seine Freundin verlor er allerdings an den Polizisten Chief Wesley Barnes (Forest Whitaker). Und sein Bruder verdient das Geld mit illegalen Straßenboxkämpfen. Indem er den zwielichtigen, aber auch einflussreichen Buchmachers John Petty (Willem Dafoe) drängt, organisert dieser einen sehr lukrativen Kampf in einem abgelegenen Dorf in Appalachen. Dort oben hat der gewaltätige und drogensüchtige Harlan de Groat (Woody Harrelson) das Sagen. Es wird zwischen Petty und de Groat vereinbart, dass Rodney den Kampf verlieren soll, was dieser trotz anfänglicher Schwierigkeiten auch tut. Nach dem Kampf fordertaber DeGroat ungeachtet der getroffenen Vereinbarung Geld von John. Dieser weigert sich, auf der Heimfahrt wird der Wagen von Petty von DE Groat und seinen Männern aufgehalten. Rodney kehrt nicht heim.  Dort oben in den Bergen ist ein Menschenleben nicht viel wert. Und Russell hat nur noch wenig Hoffnung, dass sein Bruder lebt. Aber er will Gewissheit und Rache...


 Christian Bale spielt sehr stark auf. Dabei herrscht in dem Film sehr oft das Drama vor dem Thriller vor. Die Rache ist auch kein lockeres, cooles Geschäft, sondern eine hart erarbeitete Drecksarbeit, die viel Mut und Risiko erfordert. Das gesamte Ensemble des Films liefert gute Leistungen ab. Die etwas langsame Erzählweise macht der Film mit seiner dichten Atmosphäre wieder wett. Und Woody Harrelson darf natürlich vergnüglich einen sehr effektiven Bösewicht spielen, der keinerlei Gnade verdient. Der Showdown zwischen den beiden Kontrahenten wirkt dann aber nicht befreiend - man hat zwar seine Rache, aber es bleibt die Verzweiflung. Tristesse  durchzieht den ganzen Film - wer sich darauf einlassen kann, der wird von diesem etwas anderen Rachefilm vielleicht sogar begeistert sein. "Auge um Auge" ist nie übertrieben aufgesetzt, wie manch ein anderer Film aus dem "White Trash" Genre. Die Figuren bleiben immer glaubwürdig. Dabei schimmert auch sehr oft der Existenzkampf durch, auch Männerrituale werden in die düstere Handlung mit einbezogen.


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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