Regie: Scott Cooper
Der vermisste Bruder....
Sie leben in Mobile homes, schauen Bigfoot Monstertruck-Rennen und
Wrestling Kämpfe in der Glotze, rauchen oder saufen und verschleudern
das wenige Geld, das sie haben im McDonalds. Die Rede ist vom "White
Trash (Weißer Abschaum) wie die Mitglieder der weißen Unterschied in den
USA verächtlich genannt werden. Auf dem Land nennt man sie auch
"Rednecks" oder "Hillbillies" - also Hinterwäldler und spätestens seit
dem Welterfolg von John Boormans "Deliverance" sind sie öfters Gast im
Kinofilm. Man könnte sogar sagen, dass sie seit einiger Zeit extreme
Hochkonjunktur als Leinwandfiguren haben. Diese Typen, die sich nicht um
gängige Gesetze scheren, wie man in den Südstaatenfilmen "Weißer
Terror" oder "Mississippi Burning" bereits eindrucksvoll gesehen hat.
Als fiese Monster eignen sie sich gut für den Horrrorfilm, so setzte
ihnen Rob Zombie ein eindrucksvolles blutiges Filmdenkmal mit "The
Devils Reject". Auch auch völlig durchgeknallte Familien konnten sie
schon punkten...bestes Beispiel dafür ist William Friedkins leider viel
zu unterschlagener "Killer Joe" oder die Boxerfamilie Ward aus "The
Fighter". Als Kids ohne Skrupel mit viel Aggressionspotential zeichnete
sie Larry Clark sehr treffend im "Ken Park" oder in "Bully". Seit
einigen Jahren werden die Dramen um diese Unterschied regelmässig
oscarnominiert: Eine glä nzend aufgelegte Mellissa Leo in "Frozen River"
oder everybodys Darling Jennifer Lawrence in "Winters Bone"....ob an
der Grenze zu Kanada oder in den Ozarks in Missouri. Die Not ist immer
groß...es herrscht Inzucht, Gewalt und Mißbrauch vor.
In
der jüngsten Zeit ist neben "Joe" vor allem der Rachethriller "Auge um
Auge" ein erwähnenswertes Beispiel seiner Gattung. Regisseur Scott
Cooper ist bekannt durch "Crazy Heart" - der Film, der Jeff Bridges nach
gefühlten 50 Oscar-Nominierungen endlich den großen Triumph bescherte.
Der
düstere Film spielt in Nord Braddock im Allegheny County in
Pennsylvania. Diese Gemeinde ist stolz darauf sich "Geburtsort des
Stahls" nennen zu dürfen. Die Volkszählung von 2010 kam auf 4.857
Einwohner. Ein enormer Rückgang gegenüber den 30er Jahren, als man noch
16.782 Menschen zählte. Der Grund ist der allmähliche Niedergang der
Stahlindustrie in dieser Gegend.
Russell Baze (Christian Bale)
ist einer dieser Arbeiter des Stahlwerks, er hat immerhin einen Job -
ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Rodney (Casey Affleck), der
bisher im Irak stationiert war, weil er fürs Vaterland kämpfen wollte
und nun keinen Fuß mehr fassen kann. Der Vater ist schwerkrank und
bettlägerig, aber immerhin funktioniert Russels Beziehung zu der
dunkelhäutigen Lena Taylor (Zoe Saldana) , das Paar wohnt zusammen. Mit
seinem Onkel Red (Sam Shepard) geht Russell manchmal in den Wald, um
Wild zu jagen. Eines Nachts verursacht der betrunkene Russell nach einer
Kneipentour einen folgenschweren Verkehrsunfall mit Todesofpern. Er
wird dafür verknackt. Als er die Strafe abgesessen hat, findet er zwar
schnell wieder Arbeit im Stahlwerk - seine Freundin verlor er allerdings
an den Polizisten Chief Wesley Barnes (Forest Whitaker). Und sein
Bruder verdient das Geld mit illegalen Straßenboxkämpfen. Indem er den
zwielichtigen, aber auch einflussreichen Buchmachers John Petty (Willem
Dafoe) drängt, organisert dieser einen sehr lukrativen Kampf in einem
abgelegenen Dorf in Appalachen. Dort oben hat der gewaltätige und
drogensüchtige Harlan de Groat (Woody Harrelson) das Sagen. Es wird
zwischen Petty und de Groat vereinbart, dass Rodney den Kampf verlieren
soll, was dieser trotz anfänglicher Schwierigkeiten auch tut. Nach dem
Kampf fordertaber DeGroat ungeachtet der getroffenen Vereinbarung Geld
von John. Dieser weigert sich, auf der Heimfahrt wird der Wagen von
Petty von DE Groat und seinen Männern aufgehalten. Rodney kehrt nicht
heim. Dort oben in den Bergen ist ein Menschenleben nicht viel wert.
Und Russell hat nur noch wenig Hoffnung, dass sein Bruder lebt. Aber er
will Gewissheit und Rache...
Christian Bale spielt sehr stark
auf. Dabei herrscht in dem Film sehr oft das Drama vor dem Thriller vor.
Die Rache ist auch kein lockeres, cooles Geschäft, sondern eine hart
erarbeitete Drecksarbeit, die viel Mut und Risiko erfordert. Das gesamte
Ensemble des Films liefert gute Leistungen ab. Die etwas langsame
Erzählweise macht der Film mit seiner dichten Atmosphäre wieder wett.
Und Woody Harrelson darf natürlich vergnüglich einen sehr effektiven
Bösewicht spielen, der keinerlei Gnade verdient. Der Showdown zwischen
den beiden Kontrahenten wirkt dann aber nicht befreiend - man hat zwar
seine Rache, aber es bleibt die Verzweiflung. Tristesse durchzieht den
ganzen Film - wer sich darauf einlassen kann, der wird von diesem etwas
anderen Rachefilm vielleicht sogar begeistert sein. "Auge um Auge" ist
nie übertrieben aufgesetzt, wie manch ein anderer Film aus dem "White
Trash" Genre. Die Figuren bleiben immer glaubwürdig. Dabei schimmert
auch sehr oft der Existenzkampf durch, auch Männerrituale werden in die
düstere Handlung mit einbezogen.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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