Freitag, 17. April 2020

Gelobt sei Gott

























Regie: Francois Ozon

Das Schweigen der Kirche...

Bereits sein 2016 gedrehter schwarz-weiß Film "Frantz" war mit 11 Nominierungen ein heißer Favorit bei den Cesar Awards, erhielt aber am Ende nur eine Auszeichnung - Pascal Marti siegte in der Kategorie "Beste Kamera". Bei den Nominierungen für den Cesar 2020 lief es ähnlich für Regisseur Francois Ozon.  "Gelobt sei Gott" erhielt erneut insgesamt 8 Nominierungen, doch auch diesmal reichte es nur zu einem Sieg. Als bester Nebendarsteller wurde Swann Arlaud für seine Rolle des Missbrauchsopfers Emmanuel Thomasin ausgezeichnet.
Auch wenn die Themen in Ozons Filmen sich irgendwie verändert haben - von sehr persönlichen und eigenständigen Dramen hin zu universellen Themen - gehören sowohl "Frantz" als auch "Gelobt sei Gott" vielleicht sogar zu seinen bisher stärksten Filmen. Während in "Frantz" die deutsch/französische Freundschaft zu Zeiten des 1. Weltkriegs thematisiert wurde, arbeite Ozon in "Gelobt sei Gott" die lange Zeit vertuschten Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche auf. Damit steht der Film in enger Verwandtschaft mit dem oscarpreisgekrönten "Spotlight" von Tom McCarthy, in dessen Film die Journalisten der Tageszeitung "Boston Globe" den sexuellen Missbrauch in ihrer Diozöse aufdeckt. Bei Ozon geben die Opfer selbst den Anstoß, dass weitere Missbrauchsfälle in der Stadt Lyon endlich ans Tageslicht kommen.
Diese Verbrechen sind tatsächlich geschehen und der französische Filmemacher orientierte sich für sein Skript an Orginaldokumenten und übernahm die Dialoge oft im Wortlaut, so wie sie in Briefen oder Polizeiprotokollen festgehalten wurden. In seinem Film geht es um den Pater Bernard Preynat (Bernard Verley) dem sehr viele dieser Delikte vorgeworfen werden und die er auch nie leugnete. Es geht auch um die Taktik des Kardinals Philippe Barbarin (Francois Marthouret), der zwar den Opfers Aufklärung verspricht, aber den Skandal nicht öffentlich machen will, da sowas dem Image der Kirche ja schaden könnte.
"Gelobt sei Gott" zeigt in der Hauptsache drei dieser damaligen Missbrauchsopfer. Die Taten sind lange her und beim gläubigen katholik Alexandre Guerin (Melvil Popaud) schon bereits verjährt. Alexandre arbeitet bei einer Bank, ist verheiratet mit Marie (Aurelia Petit) und hat fünf Kinder (Max Libert, Nicolas Bauwens, Timi-Joy Marbot, Zuri Francois, Zeli Marbot). Als er in einer Zeitung liest, dass sein damaliger Peiniger Pater Bernard Preynat immer noch Kinder betreut, ist er ausser sich und entscheidet sich nach so vielen langen Jahren den sexuellen Missbrauch, den er damals als Pfadfinder erlebte, öffentlich zu machen. Er wendet sich zuerst an die Kirche selbst und die für die Kirche tätige Psychologin Regine Maire (Martine Erhel) schafft es, dass der Täter sich dem Opfer in einem persönlichen Gespräch stellt. Der gibt zwar den Missbrauch zu, entschuldigt sich aber nicht für seine Taten und auch ein weiteres Gespräch mit dem Kardinal führt nicht zu den gewünschten Konsequenzen.
Doch auch andere Opfer erinnern scih an die düsteren Pfadfindernächte am Lagerfeuer. Einer davon ist der Atheist Francois Debort (Denis Menochet), der viel offensiver agiert und eine Website "La parole liberee" einrichtet, damit weitere Missbrauchsopfer ihr Schweigen brechen. Die Fälle werden auch von der Presse thematisiert und führen dazu, dass auch bei dem als Kind hochbegabten Emmanuel Thomassin (Swann Arlaud) die Vergangenheit wieder hochkommt...





"Gelobt sei Gott" wurde bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 mit dem Silbernen Bären auszgeichnet. Besonders eindrücklich sind die Szenen der Rückblenden, die die Jungs in der Obhut der Kirche zeigen und aus denen hervorgeht wie der Geistliche den Kindern nachstellt, sie missbraucht und mit dem anschließenden schlechten Gewissen alleine lässt.  Diese Szenen erinnern optisch auch an Pedro Almodovars "La mala education" - der ebenfalls den Missbrauch eines Priesters an seinen Schutzbefohlenden zeigt. Ozon zeigt eindrücklich, dass diese Erlebnisse für beinahe alle Opfer traumatisch wirkten und damit auch deren Zukunft prägt. Bei Emmanuel beispielsweise sind die Folgen erheblich, denn er leidet seit dieser Zeit unter epileptischen Anfällen und ist sich sicher, dass auch seine Peniskrümmung dadurch herrührt. Aber nach soviel Jahren so schlecht beweisbar - es wird auch sichtbar, dass andere Männer, die dies als Kind erleiden mussten, gar nicht in der Lage sind überhaupt über dieses Martyrium zu sprechen. Wenn ich die Filme "Spotlight" und "Gelobt sei Gott" vergleiche, dann wirkt Ozons Film noch viel aufwühlender und heftiger. Obwohl er sich emotional sehr zurückhält und nur die Fakten sprechen lässt.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

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