Regie: Darren Aronofsky
Fressanfälle...
Für den Schauspieler Brendan Fraser (Die Mumie, Gods and Monsters)
war die Rolle des kranhaft fettleibigen Einsiedlers Charlie in Darren
Aronofskys Film "The Whale" ein echter Glücksgriff. Als Lohn gabs den
Oscar als bester Darsteller des Jahres. Auch die Nebendarstellerin Hong
Chau sprang eine Nominierung in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin"
heraus. Einen weiteren Oscar gab es für Aronofsky Verfilmung des
gleichnamigen Theaterstücks für das Beste Makeup, denn Brendan Frasers
Aussehen musste optisch sehr tragisch sein, damit die kammerspielhafte
Geschichte, die in Charlies abgedunkelter Wohnung spielt, auch funktionieren kann.
Darren Aronofsky hat seit seinem Debüt mit "Pi" mehrere Klassiker
gedreht. Sehr bemerkenswert war sein Drogendrama "Requiem for a Dream" -
ebenfalls wie "The Whale" ein durchdringender Schauspielerfilm, in dem
das Trio Ellen Burstyn, Jennifer Conelly und Jaret Leto hervorragende
Darstellerleistungen bieten. Es folgte der Sterbefilm "The Fountain" und
die beiden markanten Portraits von Aussenseitern: "The Wrestler" mit
Mickey Rourke und "Black Swan" mit Natalie Portman (die ebenfalls einen
Oscar für diese Rolle gewann). Der Bibelfilm "Noah" und auch der
Horrorfilm "Mother" fallen in seiner Filmographie etwas aus dem Rahmen,
denn Aronofsky ist immer dann extrem gut, wenn er dem Publikum diese
gesellschaftlichen Aussenseiter nahe bringt.
Charlie
(Brendan Fraser) , extremst fettleibig und massiv gefrässig,
unterrichtet Online-Englisch-Schreibkurse für College-Studenten,
schaltet aber seine Webcam aus, weil er sich für sein äußeres
Erscheinungsbild schämt. Seine
Krankenschwester und einzige Freundin, Liz (Hannah Chau), drängt ihn,
ein Krankenhaus aufzusuchen, da das Risiko einer Herzinsuffizienz hoch
ist, aber Charlie besteht darauf, dass er sich keine medizinische
Versorgung leisten kann.
Sein
Zustand ist jedoch sehr bedenklich und im Grunde ist es bei diesem
Gewicht und den daraus resultierenden hohen Blutdruckwerten nur noch
eine Frage der Zeit wann Charlie stirbt. Charlie wird auch von Thomas (Ty Simpkins), einem Missionar der New Life Church, besucht, der ihn retten will. Er
bestellt häufig Pizza und folgt dabei einer festen Routine mit
Lieferfahrer Dan (Sathya Sridharan), der die Pizza abgibt und Bargeld
aus dem Briefkasten holt, ohne dass die beiden jemals persönlich
miteinander interagieren. Charlie
hofft, wieder Kontakt zu seiner entfremdeten Teenager-Tochter Ellie
(Sadie Sink) aufzunehmen, die er vor acht Jahren (als das Mädchen 8
Jahre alt war) verlassen hat, um mit seinem Geliebten Alan zusammen zu
sein, der inzwischen auf tragische Weise verstorben ist. Seit dem Tod
des Partners hat diese Fressattacken. Das Wiedersehen mit Ellie läuft
natürlich überhaupt nicht reibungslos, sie hasst ihren Dad und gibt ihm
dies auch zu verstehen. Doch er bietet ihr viel Geld, dass er gespart
hat, wenn sie ein bisschen Zeit mit ihm verbringt. Die Mutter (Samantha
Morton) weiß nichts von diesen Treffen, hat sie doch seit Jahren den
Kontakt massiv unterbunden...
Dabei fungiert ein Aufsatz des Mädchens, den sie in der 8. Klasse geschrieben hat, als Bindeglied für die Kontaktaufnahme mit dem ungeliebten Dad, der für sie ekelerregend aussieht. Natürlich stellt man sich als Zuschauer unweigerlich die Frage ob man einen extrem adipösen Menschen so "nackt" darstellen kann/muss. Der Aufsatz von damals hatte das Thema "Moby Dick" von Herman Melville und handelt natürlich von diesem Wal, der von einem rachegetriebenen Mann gejagt wird. Charlie ist von seiner Masse her natürlich nicht mehr unbedingt sehr weit von einem Wal entfernt. Diese Bedenken werden aber durch die sensible Darstellung von Brendan Fraser gemildert, er schafft es tatsächlich seiner Figur eine Würde angedeihen zu lassen, was den Film tatächlich sehr vom Durchschnitt abhebt. "The Whale" war für die Macher ein voller Erfolg, denn bei einem Budget von 3 Millionen Dollar wurden 54 Millionen Dollar eingespielt.
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. Dabei fungiert ein Aufsatz des Mädchens, den sie in der 8. Klasse geschrieben hat, als Bindeglied für die Kontaktaufnahme mit dem ungeliebten Dad, der für sie ekelerregend aussieht. Natürlich stellt man sich als Zuschauer unweigerlich die Frage ob man einen extrem adipösen Menschen so "nackt" darstellen kann/muss. Der Aufsatz von damals hatte das Thema "Moby Dick" von Herman Melville und handelt natürlich von diesem Wal, der von einem rachegetriebenen Mann gejagt wird. Charlie ist von seiner Masse her natürlich nicht mehr unbedingt sehr weit von einem Wal entfernt. Diese Bedenken werden aber durch die sensible Darstellung von Brendan Fraser gemildert, er schafft es tatsächlich seiner Figur eine Würde angedeihen zu lassen, was den Film tatächlich sehr vom Durchschnitt abhebt. "The Whale" war für die Macher ein voller Erfolg, denn bei einem Budget von 3 Millionen Dollar wurden 54 Millionen Dollar eingespielt.
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