Regie: Brian de Palma
Kriegsschauplatz Werbeagentur
5
Jahre nach dem Handkamera-Kriegsfilm "Redacted" gibt es wieder einen neuen Film
von Brian de Palma. Seine "Passion" ist ein Remake des französischen Krimis
"Love and Crime" von Alain Corneau, in dem Kristin Scott Thomas und Ludivine
Sagnier zu erbitterten Konkurrentinnen werden. De Palmas Fassung hält sich
inhaltlich weitestgehend an das Original, inst aber von der Form her viel
grobschlächtiger inszeniert und in manchen Szenen erkennt man auch den
unverwechselbaren Stil des Meisterregisseurs. So ist z.Bsp. die
Splitscreen-Szene, in der der Mord passiert und der Zuschauer zeitgleich eine
Balletaufführung zu Debussys "Nachmittag eines Fauns" sieht, eine Demonstration
seines visuellen Geschicks und Könnens, was er ja schon in zahlreichen
Meisterwerken unter Beweis stellen konnten. Man merkt aber dem Film das
begrenzte Budget an, obwohl de Palma versucht den Film so alptraumhaft wie
möglich darzustellen. Dies ist auch ein weiterer Unterschied zum Original mit
seinen streng grafisch gebauten Kameraeistellungen und der eiskalten Atmosphäre,
de Palma dagegen inszenierte fiebrig und etwas chaotisch. Ich finde den
Originalfilm um einiges besser, aber wenn man de Palmas Version als
Trashvariante mit viel Überzogenheit sehen kann, dann hat der Film durchaus das
zu bieten, was man vom Regisseur von "Dressed to Kill", "Blow out" oder "Der Tod
kommt zweimal" erwartet: Nämlich Suspence ala Hitchcock und erotisch aufgeheizte
Stimmungen. "Passion" spielt in Berlin und handelt von der attraktiven wie
erfolgreichen Werbemanagerin Christine Stanford (Rachel McAdams), die in der
ehrgeizigen Isabelle James (Noomi Rapace) eine engagierte und äusserst fähige
Untergebene hat. Christine profitiert von Können ihrer Mitarbeiterin und
verkauft eine bravouröse Geschäftsidee, die Isabelle ersonnen hat, als ihren
Geistesblitz. Was ihr viel Lob bei der Hauptgeschäftsstelle in New York
einbringt. Dies kränkt Isabellle sehr, ihre lesbische Arbeitskollegin Dani
(Karoline Herfurth) findet Christines Vorgehensweise auch mehr als gemein.
Möglicherweise gibt dies den Ausschlag dafür, dass Isabelle eine Affäre mit Dirk
(Paul Anderson), dem Lover von Christine beginnt. Doch diese revanchiert sich
mit einem weiteren gemeinen Schachzug. Ein Zickenkrieg
beginnt...
Sozusagen
die Holzhammerversion eines subtilen Originals, de Palma versuchte die
Geschichte möglichst spekulativ zu pulverisieren und kann trotz gegrenten
finanziellen Mitteln stellenweise Glanz suggerieren. Natürlich ist die
Geschichte schon im Original sehr konstruiert, das Remake suhlt sich sogar ein
bisschen an der Überzeichnung der Geschichte. Leider war die Kritik nicht sehr
besonders gnädig mit dem grellen Thriller, aber das liegt vermutlich daran, dass
man von de Palma doch irgendwann noch einmal ein Meisterwerk wünscht und dies
ist ihm zuletzt vor 20 Jahren mit "Carlitos Way" gelungen, was allerdings nicht
bedeutet, dass er in der Folgezeit schlechte Filme gedreht hat. Sie waren alle
interessant, aber lagen doch hinter den Erwartungen zurück.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
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